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Das Abendland · 1866-08-23 · 16 (23.8.1866) · p. Seite 128

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
16 (23.8.1866)
Date
1866-08-23
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 an Gesinnung, sonst ist es kein großes Volk; es sei denn, daß es herrsche in und mit dem Geiste, sonst wird es im Rathe und Reiche der Völker nicht herrschen, sondern dienen. Wie reich und groß und mächtig mochten doch auch jene Völker sich dünken, welche so geräuschvoll auf der^Erde erschienen, und so spurlos wieder von ihr verschwunden sind? Wie ein Sturmwind brausten die Hunnenschaaren über Asien undMropa hin, daß sie bis in die Berge, an die Oceane drangen; aber nicht im Sturmwind ist Gott! Wie ein verzehrendes Feuer ergoßen sich die mongolischen Horden über einen großen Theil des Erdballs, aber mit dem Tritt ihrer Rosse und ihrem Schlachtgeschrei ist auch ihr Ruf verhallt; nicht im Feuer ist Gott! Aber jene kleinen Völkerschaften im Osten, Norden und Westen des Mittelmeercs, welche Kunst und Wissenschaft gepflanzt und gepflegt und die religiöse Vertiefung des Menschengeistes angebahnt haben, sie bilden noch heute die Quellpunktc der Geschichte der Menschheit, sie fül» len noch heute mit Reichthum den Geist der Culturvölker, sie bilden die Größe der Gesinnung, und die von ihnen erkannten Ideen beherrschen noch als Zielpunkte alles Strebensdie vorzüglichsten Geister; in der Stimme eines sanften Säuselns ist die Erscheinung alles Göttlichen auf Erden."—Die spanische Periode ist zu Ende. Die eilfte Vorlesung führt den Leser nach Deutschland und Frankreich. Gründlich erklärt H. G. warum die Kirche eine feindlichere Stellung als der Islam gegen die Juden einnahm. Dieser bildet keinen Gegensatz gegen das Iudenthum, welches letztere aber mit seiner Lehre von der untheilbaren Einheit Gottes, von der Fernhaltung einer jeden bildlichen Darstellung Gottes, von seiner Versöhnungslehre, von seiner Hoffnung auf ein künftiges Messiasreich einen wandelnden Protest gegen das Christenthum bildet. Und nun werden wir in die Gallerie der hervorragendsten Franko- Germanen eingeführt. Zuerst Gerschom die „Leuchte des Exils" genannt. Dieser Reformator schaffte die Poligamie ab. H. G. sagt 157: Die Geschichte legt uns dafür- - für die Begünstigung der Monogamie — Zeugniß ab, die Geschichte der Bibel und des Talmuds, so daß alle Beispiele anderer Art blos als Ausnahmen zu betrachten sind. Diese Behauptung des H. G. wird Niemand unterschreiben. Die Bibel? Allerdings; aber der Talmud? Ein Blick in den Talmud zeigt uns, daß die Poligamie vorherrschend war. Schon die Schulen Schamais und Hillels controvesirten über Zarot.*) Auch Jos. Flavius berichtet, daß zu seiner Zeit die Poligamie vorherrschend war. Hiemit hängt wohl auch die leichtfertige Verstoßungstheorie Hillels zusammen. In die Amoräerzeit, namentlich in Palästina dagegen, brachten es die Drangsalen der Zeit mit sich, daß man nur Ein Weib heirathete, daher sagte R. Jochanan: „Wer sein Weib verstößt, über den vergießt der Altar selbst Thränen". Bei den Germano-Franken griff wieder die Poligamie um sich, Gerson setzte ihr Gränzen und setzte zugleich fest, daß die Scheidung nicht ohne Einwilligung des Weibes stattfinden dürfe. Also auch bezüglich dieses letzter« Punktes müssen wir H. G. 159 —160 berichtigen. Gerson abrogirte endlich die Schwagerehe. H. G. macht uns dann mit dem liebenswürdigen und bedeutenden Salomo ben Jsac aus Trohes, mit Menachem ben Chelbo, Josef ben Simon Kara, Samuel ben Meir und Jakob Tham bekannt, welche die Tosafistenschule gründeten. Die 12. Vorlesung behandelt die Juden Italiens und der Provence. Wie alle vorhergehenden Vorlesungen so *) Diese Controversen gehören der Theorie an, und liefern keinen Beweis für die faktische Polygamie. Für das Vorhandensein einer solchen, müßte man eher in dem agadischen als im halachischen Theile des Talmud Beweise suchen. Der Redakteur. wird auch diese mit einer geistreichen, die damalige Zeit prägnant charakterisirende Introduktion eingeleitet. Hier wird die Lichtseite des Mittelalters hervorgehoben, welches zwar das Volk durch die kirchliche Präponderanz geistestodt machte, aber durch die universelle Tendenz der Kirche jene Staatenordnung vorbereitete, welche um Nebeneinander, von verschiedenen Völkern gestatte. In Italien herrschte auch unter den Juden bis in das elfte Jahrhundert Dumpfheit. Schabatai Donolo ist die einzige litterarische Erscheinung aus dem 10. Jahrhundert. Natan ben Jechiel beendete sein Lexicon 1101. Bezüglich der Provence, welche eine abweichende glänzende Erscheinung bildet, redet H. G. der Decentralisation das Wort, welche geg nwärtig das politische schiboleth ist. Die Männer, welche in der Provence, namentlich die Kimchiden und die Tiboniden, welche die Sonnen am Himmel der Wissenschaft waren, fesseln unsere Aufmerksamkeit. Die Juden im Mittelalter und die neue Zeit bilden den Schluß der Vorlesungen. „Das Judenthum, so endet H. G. wird dessen eingedenk bleiben, daß cs berufen ist, das Ziel anzustreben, wenn es auch nicht von uns allein herbeigeführt werden kann, daß Gott als einer und sein Name als einer erkannt werde. Wir sind den geistreichen, populären, elegant vorgetragenen Vorlesungen Schritt für Schritt gefolgt, welches unsere Sympatie dafür hinlänglich bekundet; manche Einwendungen, die wir uns zu machen bemüssiget sahen, mögen unser lebhaftes Interesse beurkunden. Mit Begierde sehen wir dem 3. Bande entgegen, welcher uns gewiß ebenso interessiren und durch die schöne Ausstattung ansprechen wird. Im Verlage der Schletter'schen "Buchhandlung (K. Kkutsch) in Breslau sind so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Klemperer, vr. Wilhelm, (Rabb. d. Synagogen - Gemeinde zu Landsberg a. d. W.) Fest- und Gelegenheits-Predigten. Erster Band. Gr. 8. (14 Bog.) Breslau 1866 1 Thlr. Restauration« - Eröffnung. Der Gefertigte, der bis zu den letzten Kriegsereignissen in Königgrätz zur vollen Zufriedenheit seiner zahlreichen Gäste eine *12^Restauration führte, hat seit dem 19. August d. I. das gleiche Geschäft in Brag, Oeistgajse Ar. 907—1 eröffnet, und hofft durch solide und billige Bedienung einen starken Zuspruch zu erlangen. A. Riemer, Restaurateur. Druck von Senders öe Brandeis in Prag.

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