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Das Abendland · 1866-08-23 · 16 (23.8.1866) · p. Seite 126

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
16 (23.8.1866)
Date
1866-08-23
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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Auflösung des Staates hervorgegangen sind. Was der H. Verfasser Seite 10 sagt, daß die religiösen Einrichtungen Staatsgcbote waren, diese Ansicht von Michaelis und Mendelssohn ist ein überwundener Standpunkt; die StaatSgcsetze wurden allerdings vom himmlischen Gesetzgeber normirt, aber die religiösen Gesetze waren nichts anders als— religiöse Gesetze (S. unfern Artikel Staat und Kirche nach den Lehnen des Judenthums 2. Heft der ilustr. Monatsschrift). Sei dem aber wie ihm wolle, man stellte in Jamnia eine neue Gerichtsbehörde auf, wo die meisten Satzungen und Einrichtungen aus dem Gesichtspunkte aufgestellt wurden. Morgen wird etwa der Tempel wieder gebaut, es muß alles dafür vorbereitet, wir müssen gehörig gerüstet sein, um in ihn alsbald eintreten zu können, bis mit dem Falle Bctars eine jede thatkräftige Erhebung gebrochen ward. Die Römer, bisher um die Religion der Juden unbekümmert, setzten nun die härtesten Strafen auf eine jede religiöse Verrichtung, umsomehr wurden die eignen volksthümlichcn Erwartungen und Hoffnungen wach gehalten. In der spätern christlichen Zeit häufte sich Verfolgung und Druck noch mehr, die Erinnerungen steigerten sich zur religiösen Verehrung, die Hoffnungen zur religiösen Sehnsucht. Nachdem der H. Verfasser eine gediegene Charakteristik des Mittelalters gibt, und nachwcist, daß auch im Judcnthume dessen krankhafte Neigung, die Gegenwart an die Vergangenheit anzulehneu, herrschte, gibt er eine Schilderung des hervorragenden Akiba bcn Joseph, dessen Sittensprüche jeder modernen Moralphilosophie zur Zierde gereichen würden. In der dritten Vorlesung weiht der Verfasser dem Andenken des großen R. Akiba noch einige Erinnerungen der Anerkennung, und geht dann auf den Werth der Gelehrsamkeit im Judenthume über. S. 25 heißt es: 3 Kronen gibt es: die Krone der Regierung, die Krone des Priesterthums und die Krone der Lehre; sic alle überragt noch die Krone des guten Namens. Wir erlauben uns, aus unsere Uebersetzung, die wir anderwärts gegeben hinzuweisen: „Drei Kronen gibt es k., aber zu allen drei Kronen muß die persönliche Eignung, die Krone des guten Namens sich gesellen. Wenn wir nicht irren, ist der Urheber dieses Spruches Simon I., und wurde er vielleicht in Rückblick auf Johann Hirkan ausgesprochen, welcher die 3 Kronen der Regierung, der Thora und des Priestcrthums auf seinem Haupte vereinigte, denen sich aber die Krone des guten Namens nicht beigeselltc. Die Priorität dieser Sentenz gebührt dem 2. Mackabäerbuche, wo es heißt: Ist ja allen gegeben das Reich, das Königthum, die Priesterschast und die Heiligung. Weiter wird die Schriftdeutung der damaligen Zeit im Geiste R. Akibas klar und deutlich geschildert. So trefflich diese Zeichnung ist, hätte doch nicht verschwiegen werden sollen, daß dieser Geist der Interpretation nicht alleinherrschend war, sondern von kräftiger Opposition bestritten wurde, daß auch hier der Geist der jüdischen Tradition, wie im ersten Bande zu enge gefaßt wird, brauchen wir nicht wieder zu erwähnen. Von den Reisen R. Akibas wird S. 28 erwähnt, sie sollen die engere Verbindung der Inden zum Zwecke gehabt haben, man wird aber mit Rappoport eher cinstimmen, der sic mit der Schilderhebung B. Cochbas in Rapport bringt. Ans dieser Bewegung arbeitete sich nach dem Verf. die Mischnah hervor, ohne daß er bedenkt, daß sich das Bedürfnis schon unter Hillel herausstellte. Nun kömmt die Reihe an die babilonischen Schulen, daß Herr G. diejenigen die mit Sehnsucht nach Palästina hinblickten, Romantiker nennt! da doch viele hervorragende Männer bestrebt waren, sich in Palästina zu belehren, wir heben von den vielen nur Rab und Samuel hervor. Dieser Samuel ist auch der einzige, welcher sagte: Zwischen dieser Welt und den Tagen des Messias ist weiter kein Unterschied, als der Druck der Völker. Es war dieser Ausspruch gewiß ein Ausfluß seines intimen Verhältnisses zu Schabur, alle übrigen babilonischen Amoräer betrachteten die Messiasidee in einem ganz andern Lichte. Die Generalisirnng Seite 33 ist demnach nicht richtig. Ferner hatte der Vers. Samuels Worte w'i tun auf das Maaß beschränken sollen, auf welches cs beschränkt werden muß, näm- 126 — lich auf das Civilrecht, er hätte auch nicht sagen sollen, daß man so in Babilonien lehrte. Den Beschluß dieser Vorlesung bilden die Abweichungen der Babilonier von Palästina bezüglich des Kalenders und der Regengebete. Die Abnormität der heutigen Zeit rügte auch Maimuni Mischna Commentar Taanith 17. — Die vierte Vorlesung behandelt den Islam, charakterisirt auf eine vortreffliche Weise Muhamed und die Juden. Die poetischen Sätze des Samuel ben Adiah sind nach Rückcrts Uebersetzung der Hamasa 22 f., die auch Grütz 5, 106—107 citirt. Warum H. Geiger manches änderte, z. B. statt: o wüßt' ich, Möcht wissen; S. 49. statt: dein Recht zu nehmen liefest du niemals zu; ließest du dir nicht wehren S. 50, mögen Poeten ex professo entscheiden. Diese treffliche Vorlesung schließt mit den sehr bezeichnenden Worten: „So vergilt der Islam, wenn auch nicht mit freundlichem Wohlwollen, aber doch durch die innere Lebenskraft, die er von sich ausströmt, dem Judenthume das, was er von ihm geborgt, ersetzt ihm zum Theilc auch, was er au ihm verschuldet hat". Die fünfte Vorlesung hat die Karäer zum Vorwurf. Sie waren nach Pinskers Entdeckung eigentlich nur die Wiedcrherstellcr des Sadducäismus. Es ist Schade, daß in dieser Vorlesung alle Sekten der damaligen Karäer unter einander geworfen werden, als hätte der Karäismus nur eine einzige Färbung gehabt. Die Veranlassung hiezu mag die selbstständige Auffassung des H. Geiger vom Sadducäismus gewesen sein — Wäre die Enthaltung von Fleisch und Wein geschehen, weil von dem Fleische Abgaben dargebracht und der Wein durch Libation geweiht werden mußte. S. 58, so hätte sich diese Absistenz nicht auf die Judghaniten beschränkt, welche übrigens ja auch viel fasteten und beteten. Die Erschwerung bei den Schlachtopfern ist auch nicht den Gewohnheiten entnommen, welche die Priester bei dem Schlachten der Opferthierc zuerst eingeführt hatten, da man nach einer solchen Einführung vergebens sucht. Wäre dicß eine Nachahmung gewesen, so hätten die Karäer die Vögel nicht geschlachtet, sondern gekneipt. — Die sechste Vorlesung charakterisirt den Fajnmiten Saadias. In klarer faßlicher Sprache wird uns ein Bild von diesem kampsgerüfteten Heros gegeben, mit welchem eine neue Aera, die des Nationalismus begann. — Eine selbstständige Auffassung dieses Gaons in Bezug auf Tradition gibt H. Geiger S. 74 und wir können nicht umhin, die ganze Stelle dem Leser wörtlich anzuführen: „Wie Sadias in solcher Weise Schrift und Vernunft auszugleichen sucht, so verfährt er auch in Betreff der Uiberlieferung. Hier galt es besonders den Karäern gegenüver, welche die Abweichung zwischen dem Worte der Schrift und der gesetzlichen Entwickelung, wie sie im talmudischen Judenthnm sich aus' geprägt hatte, scharf hervorhoben, nachzuweifen, daß diese Ab- Wechslung blos scheinbar sei, im Gegentheil, Ueberlieferung und Wort der Schrift vollkommen dasselbe ausdrücken. Das Zugeständniß, daß eine geschichtliche Entwickelung vor sich gegangen, welche eine Entfernung von dem Worte der Schrift erzeugt, ihre Bestimmungen umgestaltct habe, widersprach dem Geiste der Zeit, trotzdem daß der Antrieb und die Berechtigung dazu im tiefsten Innern des JudenthumS waltete. In früherer Zeit scheute man sich auch nicht auszusprechen, die Gerichtsbehörde habe das Recht, irgend eine Satzung, wenn sie auch in der Bibel stehe, aber nicht mehr zeitgemäß sei, aus der Wurzel zu reißen. Man erkannte an, daß die Gewohnheit, die Sitte, die Macht habe, auch gegenüber den Satzungen sich Geltung zu verschaffen, was nie anders heißt, als daß die Entwickelung der Zeit, wie sie pch gestaltet gegenüber dem todtcn Buchstaben, ein vottbegründetcs Recht habe. Das konnte man ohne Scheu zu einer Zeit aussprechen, als der Kampf dagegen nicht angeregt war, als man in stiller, selbst vertrauender Bewußtlosigkeit sich fort bewegte; als aber die Karäer mit ihrem Widerspruche austratcn, das Recht abspracken, gegen den göttlichen Buchstaben^ die Satzungen abweichend zu gestalten, da wurde man stutzig und Saadias versuchte, alle Bestimmungen, wie sie später in der Entwickelung sich gestaltet hatten, und als Uebcrlieferung galten, mit dem Worte der Schrift in Einklang zu bringen, ja

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