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Das Abendland · 1866-08-23 · 16 (23.8.1866) · p. Seite 125

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
16 (23.8.1866)
Date
1866-08-23
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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125 Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Am verflossenen Samstag hielt der Redakteur dieser Blätter in der Neusynagoge eine Predigt vor einer sehr zahlreich versammelten Zuhörerschaft. Er sprach über den dem Wochenabschnitt entnommenen Text: „Aufrichtig sollst Du sein mit dem Ewigen Deinem Gotte" den er in seiner Anwendung nach verschiedenen Richtungen des religiösen Lebens hin, beleuchtete. Nach Vollendung der Predigt wurde die Festandacht aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers abgehalten, wobei der Redner bei offener heil. Lade das Gebeth für den Herrscher und das Kaiserhaus vortrug. Wien. Dem Berichte über das WienerJsraclitenspital vom Jahre 1865 entnehmen wir nachfolgende Daten: Die Zahl der in der Anstalt während des Jahres 1865 verpflegten und ärztlich behandelten Glaubensgenossen betrug 673, von denen 387 männlichen und 286 weiblichen Geschlechtes waren. Es fanden somit trotz des gleichgebliebenen Belegraumes namhaft mehr Kranke in der Anstalt ein Asyl, als in irgend einem der verflossenen zehn Jahre. Von den Behandelten wurden geheilt 476, gebessert entlassen wurden 90, und ungeheilt 24. In weiterer Behandlung verblieben 31, und 52 erlagen ihren Krankheiten. Die 673 Kranken nahmen 12,287 Verpflegstage in Anspruch. In außerordentlicher Weife wurden 1139 fl. 84 kr. verausgabt, vor Allem um 88 Kranke in anderen Heilanstalten in Summa durch 3562 Tage rituell zu verköstigen. Von zahlenden Kranken gingen 671 fl. 12 kr. ein. An 1498 aus den verschiedenen Spitälern entlassene israelitische Kranke oder Rekonvaleszenten wurden aus dem für diesen Zweck bestimmten Unterstützungsfond 1893 fl. 46 kr. österr. Währung verabfolgt. Betheilt wurden 285 aus dem israelitischen Spitale entlassene Männer mit 410 fl. 13 kr., 236 Weiber mit 309 fl. 90 kr., 861 aus anderen Spitälern entlassene Individuen mit 996 fl. 15 kr., 116 ambulirende Kranke mit 177 fl. 28 kr. Pest 9. August. Die Milde und Leutseligkeit Ihrer Majestät der Kaiserin, mit der die hohe Frau überall Ihre Besuche macht, überrascht hier jedermann; so hat gestern Allerhöchst dieselbe in Begleitung der Frau Gräfin Königsegg das Jsraclitenspital, worin sich mehrere verwundete Soldaten in ärztlicher Pflege befinden mit einem Besuche überrascht. Ihre Majestät ging in den geräumigen Krankensälen von Bett zu Bett und fragte in der herablassendesten Weise jeden Verwundeten über seinen Zustand, und sprach jedem trostreiche Worte zu. Zum Schluffe äußerte Ihre Majestät die Allerhöchste Zufriedenheit über die im Spitale herrschende Ordnung, Reinlichkeit und Pflege der Kranken worauf die hohe Frau unter Segenswünschen von Seite der Kranken die Anstalt verließ. (Der Jude) Krakau 16. August. Der neue aus 60 Mitgliedern bestehende Gemcinderath hat sich konstituirt. Während die christlichen Mitglieder vor dem Beginn ihrer Wirksamkeit in der Marienkirche einem feierlichen Gottesdienste beiwohnten, verrichteten die l2 jüdischeu Mitglieder des Gemeinderaths ihre Andacht in der neuen Synagoge. St: Gallen (Schweiz) Die hiesigen Israeliten haben in der Person des vr. Engelbert aus München einen Prediger aquirirt. Dover. Die hiesige aus 10 Familien bestehende jüdische Gemeinde hat auf Anregung und durch thätigen Eifer des leider nun verstorbenen Herrn Cohen eine neue Synagoge mit dem Kostenaufwande von 1500 Pfund Sterling erbaut (Israelit). — Petersburg. Dw Gesellschaft zur Förderung der Bildung^ unter den russischen Juden hat zur ewigen Erinnerung an d?e Errettung des Kaisers von dem bekannten Attentat, ein Capital gesammelt, dessen Zinsen dazu bestimmt sind an die zwei besten Zöglinge der rabbinischen Schulen in Wilna und Schitomir jährlich eine Prämie von je 100 Rubeln zu verabfolgen. Der Kaiser ließ für diesen Akt der Loyalität und Humanität seinen Dank ausdrücken. Abyffinien. Der protestantische Missionar Stern bedient sich der schändlichsten Mittel zur Bekehrung der schwarzen Juden oder Falascha's. Er sucht nämlich Haß und Zwietracht zwischen ihnen und dem Stamme der Amaras zu säen. Dadurch hofft er, wie er sich selbst ausdrückt, daß die Fala-! scha's sich beugen werden, um nicht Unruhen und Trübseügkeiten ausgesetzt zu sein. Suchschau. 32. Das Judenthum und seine Geschichte. Zweite Abthellung Von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Nebst einem Anhänge: Offenes Sendschreiben an Herrn Professor vr. Holtzmann. Von vr. Abraham Geiger, Rabbiner der isr. Gemeinde zu Frankfurt a. M. Breslau 1865. Verlag der Schletterschen Buchhandlung H. Skutsch. Besprochen von vr. M. Dnschak. Dieser 2. Band, ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes, enthält, nebst einem Vorworte, wieder 12 Vorlesungen, die natürlich das reich aufgeschichtcte Material von eilf Jahrhunderten nur den Hauptmomenten nach, gleichsam in Duodez-Gehalt wiedergeben und darstellen. Welches ist aber der rothe geschichtliche Faden der sich durch diese Vorlesungen schlingt? Welches ist der Hafen, dem der Herr Verfasser auf diesem weiten geschichtlichen Meere entgegcnsteuert? Welches ist das Ziel, das er sich vor- und ausgesteckt? Wir können die Bemerkung nicht unterdrücken, daß wir, was die Philosophie der Geschichte betrifft, diesen Band nicht mit solcher Befriedigung aus der Hand legten, wie den ersten. Es sind in diesem Bande die wichtigsten Fakta und die bedeutungsvollsten Personen aus dem historischen Schatze allerdings mit Meisterschaft, und größtentheils auch in Nahrung für Kopf und Herz verwandelt, dargelegt; es weht den Leser allerdings beim Lesen der einzelnen Vorlesungen Geist und Leben, Frische und Lebendigkeit an; aber sie bilden nicht die stetigen Ringe einer fortlaufenden Kette, sie sind nicht in dem, in der Geschichte unentbehrlichen, Lichte von Ursache und Wirkung gegeben; wir suchen in ihnen vergebens den Gott der Geschichte, das geschichtliche Gericht über den Mikrokosmus des Judenthums. Das wird aber niemand dem für sein Thema erglühten, für sein Volk und seine Mission glühenden Verfasser, streitig machen, daß er seine Aufgabe rein und lauter behandelt, daß er keine Partei für seine Nation ergreift, daß er das Geschehene redlich darstellt, zu welchen Resultaten es auch immer führen möge, ob es die Stirne des Duldervolkes mit einem Glorienschein oder mit einem Schatten umgibt. Was er in der Einleitung, welche die erste Vorlesung bildet, zusagt, hält er getreulich zu. Für das schöne Bild, welches er als Apologie für die schroffe Absonderung der Juden und der ängstlichen Bewahrung jedes kleinlich Unterscheidenden derselben S. 3 gibt, wird ihm der Leser nur dankbar sein. „Die Pflanze ringt, wenn sie auf finsterm Boden wurzelt, in sehr eigenthümlichen Verschlingungen nach dem Lichte hin; sie nimmt dann ganz ihrer Natur fremde Gestaltungen an. Der wäre ein schlechter Naturforscher, der die Pflanzengattung nach diesen naturwidrigen Verkrümmungen beurtheilen wollte oc". Die zweite Vorlesung bespricht die Auflösung des Staates und deren Folgen. Der längst unterwühlte Boden des Priesterthums und Opferdienstcs stürzte zusammen; Gebet, Betrachtung und Belehrung nahmen ihre Stelle ein, welche unter dem Namen Gottesdienst zusammengefaßt, und als eine Folge der großen Erschütterung bezeichnet wird, welche durch den Sturz des Tempels, durch die

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