Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 16 (23.8.1866)
- Date
- 1866-08-23
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 alt und mit einer Fould verheiratet ist. Schon als Zögling der Ccntralschule hat er Theil genommen an den Geschäften seines Vaters und seines " Onkels, zuerst als Ingenieur später als Administrator. Er repräscntirt die Familie vom Gesichtspunkte der Wohlthätigkeit, in dem Comite der öffentlichen Unterstützung in Paris, von dem er eines der thätigsten Mitglieder ist. Die beiden jungen Söhne von Emil P. sind auch Civilingenieure, und haben jene solide Erziehung erhalten, die für ihren künftigen Beruf nothwendig ist; da es sich nicht handelt von jungen Müßiggängern, die keinen andern Wunsch haben, als den, die Früchte der väterlichen Mühen zu genießen, sondern von reifen thätigen Geistern, die sich sehnen ihren Theil an der Arbeit der großen sozialen Familie beizutragen. (Jewish Cronicle.) Lorrespondriyen. Wien 16. August. Es dürfte den Lesern Ihres geehrten Blattes nicht unwillkommen sein, über die Vorkommnisse in unserer Gemeinde während der Unterbrechung der Postverbindung, wenn auch kein vollständiges Bild, so doch ein Resume zu erhalten. Wir wiederholen nicht, was der Vergangenheit angehört, wie z. B. die Aufforderung an die Cultusgcmcinde Freiwillige zu stellen, eine Aufforderung, die sofort zurückgezogen wurde; noch auch die Ausführungen der Kirchenzeitung, welche unter anderem dem verehrten vr. Iellinek einen Majestätsbeleidigungsprozeß anbinden wollte, und woran nur das wahre ist, daß die „Neue Freie Presse" wegen einer mißverständlich zitirtcn Stelle der Tischebeaw—Rede wirklich in Untersuchung steht. Wir wollen für heute nur die Thatsache besprechen, welche geeignet ist, für die späteste Zukunft zu Nutz und Frommen unserer Glaubensbrüdcr zu gereichen. Sr. Ehrwürden vr. Iellinek, Herr Adolf Neustadt, Herr Emanuel Baumgarten haben ein Comite gegründet, dessen Aufgabe es ist, die israelitischen Soldaten zu unterstützen. In den Kampf ziehende, zurückkehrende, verstümmelte, verwundete werden unterstützt. Bis jetzt erfreuten sich schon 300 der wohltätigen Hilfe dieses Comite, das zu seiner größer» Wirksamkeit die Betheiligung der reichen Glaubensbrüder voraussetzt, sich aber keineswegs durch das Schlagwort: „Separatismus" beirren lässt. Hinter dieses spitzfindige Wörtchen können sich nur diejenigen flüchten, die nichts geben wollen und einen Vorwand brauchen — besonders hat aber ein trefflicher Aufsatz des verehrten H. vr. Iellinek in einer hiesigen Wochenschrift (welcher Aufsatz übrigens separatim als Flugschrift ausgegeben wurde) die Haltlosigkeit des vorgeschützten „Separatismus" zur Genüge dargethan. So bahnt sich jetzt—wir hoffen — der Weg zu einem größer» Verein für die Unterstützung israelitischer Soldaten. Es erübrigt nur noch. Ihnen vor der Ankunft des vr. Güdcmann allhier zu berichten. Derselbe wnrde vorigen Samstag durch eine Halsentzündung verhindert die Antrittsrede zu halten, die er endlich am letzten Samstag hielt. Ueber dieselbe gründlich Bericht zu erstatten, verehrter H. Redakteur, bitte ich eine Woche Zeit. Für heute das: sie war schlicht und einfach. — H. vr. Lettens hat von der nlllanee israelite in Paris eine Ehrengabe von 250 Francs für das Jahr 1865 erhalten. B. Holland. Der „Univ. Isr." berichtet, daß die holländische Iudenheit durch den Tod des vr. Sarphati zu Amsterdam einen großen Verlust erlitten habe; derselbe sei ein würdiger edler Israelit, ebenso ausgezeichnet durch seinen Character und seine Tugenden, wie durch seine treue Hingebung an Gott und Israel gewesen. Er genoß große Achtung in seinem Lande. Bei der Nachricht von seinem Tode hat der Prinz Friedrich der Niederlande folgenden Brief an Herrn van E yk, den Director des Jndustriepalastes zu Amsterdam gerichtet: Haag, den 25. Juni 1866. „Das Gerücht vom Tode des Herrn vr. S. Sarphati hatte mich bereits erreicht, als Ihr Brief von heutigem Datum mir die traurige Bestätigung brachte. Diese Nachricht hat mich ungemein betrübt; es ist das ein unersetzlicher Verlust für viele Personen, für unsere industriellen Institute und namentlich für den Industriepalast, dem er alle seine Zeit und alle seine Kräfte widmete. Der Wunsch, nützlich und gefällig zu sein, all die hohen Eigenschaften, die ihn, wie allbekannt, auszeichneten, werden ihn in seinem Vaterlande und bei seinen Mitbürgern in gutem Andenken erhalten. Namentlich wußte ich seine erhabenen Eigenschaften anzuerkennen; ich werde dem Verstorbenen stets die Achtung bewahren, die ich ihm während seines Lebens so gern bezeugt habe. Lebhaft bedaure ich den alten Vater, für den dieser Verlust ein schwerer Schlag ist; er hat jedoch den Trost, daß sein Sohn, da er diese Welt verließ, allgemein geachtet war und von Jedermann beweint wurde. Berichten Sie ihm gütigst von dem großen Antheil, den ich an seinem Schmerze nehme, und wünschen Sie ihm in meinem Namen, daß der Allgütige ihm Kraft verleihe, diesen herben Schmerz mit Ergebung zu ertragen. Genehmigen Sie oc. Friedrich, Prinz der Niederlande. Paris. Der Präsident der „Alliance isr. univ.", Herr Adolph Cremieux, hat nach seiner Rückkehr aus dem Orient beim Kaiser Audienz gehabt und ist von demselben huldvollst empfangen worden; auch den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Herrn Drouyn de Lhuis, hat er von den Bukarester Ereignissen benachrichtigt; der Letztere hat ihm folgenden Brief geschrieben: Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. Politische Abtheilung. Paris, den 20. Juli 1866. Mein Herr! Sie haben meine Aufmerksamkeit auf die Gewaltacte geunkt, deren Gegenstand neuerdings die Israeliten von Bukarest gewesen sind; ich war von diesen Vorgängen bereits durch die Mittheilungen unseres Agenten in der Wallachei unterrichtet; ich habe diesen sofort beauftragt, der rumänischen Regierung unser schmerzliches Erstaunen auszudrücken, mit welchem wir diese Kundgebungen, diese intoleranten Ausschreibungen vernommen haben, welche die Bevölkerung von Bukarest sich bei dieser Gelegenheit hat zu Schulden kommen 'affen, Kundgebungen, welche dem Lichte der Civilisation der Gegenwart so sehr entgegengesetzt sind. Zu gleicher Zeit habe ich unsern Consul beauftragt, unsrerseits der Moldau-Wallachischen Regierung den Wunsch mszudrücken, daß derartige Scenen in der Zukunft sich nicht wiederholen mögen; auch habe ich ihm empfohlen, bei günstiger Gelegenheit für die Verbesserung der Lage der Israeliten dieses Landes thätig zu sein. Empfangen Sie mein Herr, die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung. Drouyn de Lhuis. Herrn Cremieux, Advokat zu Paris.