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Das Abendland · 1866-08-23 · 16 (23.8.1866) · p. Seite 123

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
16 (23.8.1866)
Date
1866-08-23
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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123 dürfen glaubte. Trotz dieses ängstlichen Anlchnens und oft wörtlichen Entlehnens weht doch in diesem Gedichte so ein frischer, fröhlicher Geist, daß selbst der melancholische Trauer- Ion, durch die Erinnerung an Jerusalem geweckt, nur einen Augenblick durchklingt und bald durch dcn^ hoffnungsvollen Blick auf die schöne Zukunft in freudige Stimmung übergeht und in Wonnctöne sich auflöst. Alles dieß verbunden mit Praegnans und Reinheit des Ausdruckes, berechtigt uns das Gedicht, als ein meisterhaftes anzusehen und lässt uns nur bedauern, den Verfasser nicht zu kennen. Stößel. ZsaK und Emil Pereire. Eine biographische Skizze. (Fortsetzung.) Als Vettern des Herrn Olindo Rodriguez, eines Schülers von St. Simon, und als Erben seiner national ökonomischen Doktrinen, wurden die Herren P. in den Kreis der weltumwandelnden Geister gezogen, welche der Gründer jener Schule zurückließ, denen gegenwärtig die hervorragendsten Männer aus dem Gebiete der praktischen Intelligenz angchören. — Sie nahmen thätigen Antheil an den vorbereitenden Arbeiten eines Ensantin, Bayard, Eugene, Rodriguez, Bücher, Laurent, Margerin, Duveyrier, Michel Chevalier, und anderer großen Denker, die sich in die Prüfung der wichtigsten Lebensfragen, aus dem Gebiete der socialen Ordnung, die der St. Simonismus anregte, vertieften. Es muß bemerkt werden, daß die ersten Schriften der Brüder P. schon 1826 jenen Ideen Vorschub leisteten, die für die damalige Epoche als sehr kühn erschienen, in unserer Zeit aber ihre praktische Bedeutung bewährten, und zu mehreren ihrer glänzenden Unternehmungen, wie cs der Credit fonicier, Credit mobilier u. a. m. sind, den Grund legten. Der Umstand, daß sie Eigenthümer des Journals „Cu Globe“ wurden, gestattete cs bald den eindringlichen Federn jener Finanzideen Verbreitung zu verschaffen, deren nützliche Anwendung wir in der Folge wahrnehmen. Sie setzten später ihre Arbeiten fort, Emil P. im „National" und in der „Revue Encyclopaedique“ Jsak P. im „Temps“ im Journal ües connaisances utiles“ und in den „Debats.“ — Wir bemerken nebenbei, daß der letztgenannte der erste Erfinder des Finanzbulletins, des täglichen Börsenberichts war, der seit jener Zeit in allen großen Handelsstädten zur Einführung kam. —In allen den angeführten Organen, die der Verbreitung ihrer Ideen offen standen, entwickelten die P. die gründlichsten Umrisse zur Organisirnng der Geschäfte und lieferten dasjenige, was man den Schlüssel zu ihrer ganzen Laufbahn nennen könnte. Eine ihrer Lieblingsargumcnte war die damals noch gänzlich neue Frage über die Eisenbahnen und das kühne Projekt, die zerstreuten Kapitalien zu vereinen durch Association und wechselseitige Interessenbcnützung. Emil P. hatte auf diese Weise den Plan zu dem ersten versuchsweisen Unternehmen mit der Eisenbahn von St. Gcrmain gefaßt. —> Allein die Ideen waren in Frankreich noch nicht reif, um einem solchen Apcll entgegenzukommcn, und 3 Jahre mußten sie sich abmühen, um durch gewinnende Ucberredung und thätige Vorbereitungen die nöthigcn 5 Millionen Francs zum Aufbau einer Bahn zusammenzubringcn, die in der letzten Zeit von der Gesellschaft für 60 Millionen verkauft wurde. Mehr Glück hatten sie bald bei einer andern riesenartigen^ Unternehmung, — Es war dieß die Vereinigung aller Pariser Banqnier's, an deren Spitze James von Rothschild figurirte, für den Bau der französischen Nordbahn. Seit jener Zeit waren ihr Ansehen und ihr Einfluß in stetter Zunahme begriffen, und sie benützten mit Geschicklichkeit die allgemeine Ruhe in Folge der neuen Errichtung des Kaiserreichs durch Napolcn III. (Staatsstreich), um sich mit der Gluth einer neuen Jugendfrische in die Bewegung des Geschäftslebens zu stürzen, und jene Pläne auszuftthren, mit denen, sie sich seit langer Zeit in Gedanken hernmtrugen. — Bisher mehr die geistigen als die nominellen Leiter glücklicher Unternehmungen stellten sie endlich 1852 ihre Namen an die Spitze der Operationen, zu denen ihr Geist früher den Impuls gab. Die ersten Unternehmungen ans dieser Phase ihrer Laufbahn waren die Südeisenbahn und der Südkanal. — Bald folgte der Credit mobilier. — Diese großen Unternehmungen, besonders die letztgenannte, die so kühn, mächtig und nützlich, können nicht genug gerühmt werden, — Es braucht nur in Erinnerung gebracht zu werden, daß der Credit mobilier mehr als 1200 Millionen Francs den französischen Eisenbahnen vorstreckte, die österreichische Bahn kaufte, und das Eisenbahnwesen in Rußland einführte etc. Es ist leichter die großen Unternehmungen herzuzählen an denen der Credit mobilier nicht Theil nahm als jene die er ins Leben rief — und darin zeigt sich deutlich die glückliche Anwendung der St. Simonistischen Idee. Die Eentralisation der individuellen Einflüsse, die bisher in der Finanzwelt maßgebend waren und die Einführung mächtiger Capitalien durch die Association. Aufzählen die vielen Unternehmungen und Operationen, die Emil und Jsak P. schufen, hieße diese biographische Skizze überladen mit einem Register der Thatsachen aus ihrem Leben. Der größte Theil dieser Unternehmungen ist allgemein bekannt. — Wir begnügen uns die öffentliche Aufmerksamkeit auf jene zu lenken, die dem Kapital eine Umgestaltung, Erhebung ünd eine gewisse Geisteskraft geben, die mit solchem Erfolge beitragen zu seiner Annehmlichkeit, zu seinem pitoresken Anblick, zu seinem monumentalen Glanz. Die Basteien, Plätze und Straßen, welche den nordwestlichen Theil von Paris durchschneiden, die Parks von Neuilly und Mon^eaux, die mit der Madeleinstraße in direkter Verbindung gesetzt sind — unermeßliche Räume, die auf diese Weise mit den bevölkertesten Stadttheiken vereinigt sind — großartige Gasthäuser mit einem Lupus für alle Annehmlichkeiten des Lebens ansgestattet, bei deren Ausführung und Erhaltung Tausende von Aktionären bctheiligt sind. — Und dieses großartige Prinzip neuer Schöpfungen ist nicht auf der Hauptstadt allein beschränkt. — Marseille ist in diesem Augenblicke nahe d'aran seine alten Stadttheile umwandelt zu sehen, und in andern Theilen Frankreichs suchen Gesellschaften nach dem Beispiele der P. dasjenige ins Leben zu rufen, was in Paris so glücklich und so vollständig gelungen ist. Zn einem hohen Grade von Reichthnm und Credit gelangt, beseelt von einer reichen Erfahrung und einer wahren Leidenschaft für die Geschäfte erlangten Emil und Jsak P. einen entschiedenen Einfluß auf die Industrie Frankreichs, wie auf die derjenigen Staaten, welche dessen Ideen ausgenommen und von dessen Kapitalien Gebrauch machen. Es sei erlaubt zu bemerken, daß unter denjenigen, die ihr Vermögen und ihr Ansehen der eigenen Intelligenz verdanken, wenige sich deren würdiger zeigen als die Brüder P. durch ihre wohlwollenden Manieren und durch das feine Genehmen, das sie bei ihren Geschäften an den Tag legen. Wenn ihr finanzieller Besitz sie zuweilen in Contact mit der hohen Politik setzt, führt sie ihr guter Geschmack auch in die weniger bewegten Sphären der Wissenschaft und der Kunst, und ihre geschäftliche Stellung entzieht sie nicht, ihren artistischen Neigungen. So gab beispielsweise Emil P. den Impuls zu der posthumen Ausstellung der Werke von Paul de la Roche im Palaste der schönen Künste. Er übernahm die Auslagen für den Ankauf der von allen Seiten gesammelten Gemälde, um den Preis, den die Eigenthümer dafür verlangten, um sie der allgemeinen Vernichtung zu entziehen. Die Säle der Brüder sind geschmückt mit den Hauptwerken aller Künste, und man hört auch dort die schönste Musik von Paris. Ihre Familien sind schon genug zahlreich, um unter stch die Pflichten der Gastfreundschaft zu theilen. Jsak P. welcher in zweiter Ehe eine seiner Nichten heirathete, hatte tn erster Ehe einen Sohn Namens Eugen, der jetzt 32 Jahrr 16*

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