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Das Abendland · 1866-08-23 · 16 (23.8.1866) · p. Seite 122

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
16 (23.8.1866)
Date
1866-08-23
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 dort müssen gute Menschen sein" konnte vorzüglich von den allwöchentlichen Familienfesten, von den Sabbathmahlz^itcn unserer Väter, seine volle Geltung haben; denn hie? saß die Gemüthlichkeit, die Zufriedenheit,, die fröhliche Vergessenheit aller Schmerzen und die wahre Herzensfreudigkeit mit zu Gaste, und hier konnte die so leicht sich einschleichende Ausgelassenheit nicht Platz greifen; denn sie wurde von der religiösen Weihe, die über dem Ganzen schwebte und von der, rituell in jedem, zum Dithyrambus sich erhebenden Tischgesange, vorkommenden keifen Erinnerung an Jerusalem verscheucht. Wer ichnt sich nicht zuweilen zurück nach jener schönen Zeit und wer wünscht sie nicht wieder auflcben zu sehen? Und ist sie denn wirklich so unwiederruflich dahin? Wir glauben durchaus nicht! die Zeit der Lieder, die sangvollen Sabbathmahlzeiten können wieder erwachen; nur müssen wir dabei, wie bei so Vielen im gottesdienstlichen Leben, eine zeitgemäße Umgestaltung vornehmen; die Semiroth sind verstummt, dafür aber müssen die Lieder erklingen! der Unterschied besteht einfach darin, daß jene hebräisch und diese deutsch sind. Die Semiroth mußten nur schwächer klingen, jemehr die Kcnntniß der hebräischen Sprache abnahm, je weniger in der Familie die Sänger mit den frischen und melodischen Stimmen, die Jugend und die Frauen nämlich, den Sinn der hebr. Texte verstanden, so daß die Melodien ohne Geist und ohne Seele blieben. Wie aber, wenn statt der, bis auf den Namen sogar unverständlich gewordenen Semiroth Lieder eingeführt würden, verständliche, Herz und Gemüth erhebende Lieder in der Muttersprache? Wenn so den alten Weisen, den zum Theil noch bekannten Melodien, ein frischer Geist eingehaucht würde, könnte da nicht in jedem Hause der frische fröhliche Rundgesang wieder angestimmt und vom Chore der Tischgenossen mit freudiger Seele und frischer Kehle gesungen werden? Es kommt doch nur auf einen Versuch an. Ich habe zum Theil den Versuch gemacht, und glaube daraus auf die Durchführbarkeit schließen zu können. Die von mir nach den alten Melodien verfassten Chanuka- und Sederlieder haben, ich kann es ohne unbescheiden zu heißen sagen, einen freudigen Anklang gefunden; noch nicht veröffentlicht sind die von mir verfassten, nach den alten Melodien geschaffenen Uebersetznugen der alten Semiroth, von denen ich den verehrten Lesern in diesen Blättern einige mittheilen will. Wohl sind die Weisen dieser Lieder nicht mehr so bekannt wie die Chanuka- und Pesachmelodie, auch dürften sie nicht überall gleichmäßig gewesen sein; doch hier könnten uns die Cantoren der Neuzeit einerseits und die Volksschullehrer anderseits an die Hand gehen; die Cantoren könnten die noch erinnerlichen alten Melodien sammeln oder zu den neuen Texten auch manche neue Weise componiren und die Volksschullehrer, die an Liedern von jüdischer Färbung für ihre Schüler wohl keinen Ueberfluß haben, sollten die von frommen Dichtern geschaffenen, Uebersetzungen der Semiroth oder freie Nachbildungen derselben; und von den Cantoren in Müsik gesetzten oder ausgezeichneten Lieder in die Schule einführen. Die Eltern würden dann zu Hause von den Kindern so manche halbvergessene Weise hören und sic mit Freuden ins Haus wieder einführen. So würden, wie in vielen Punkten, die Alten von den Jungen lernen. „Die Alten würden brummen, wie die Jungen summen" die Zeit der Lieder wäre wieder da, die Sabbathe sind dann wieder sang- und freudenreich und die Erinnerung an sie haftet unauslöschlich in den Herzen unserer Kinder. I. Süße Sabbathruh Uebersetzung des?,nm2J2 fflTT hÖ und der Melodie desselben entsprechend. Ach, wie süß ist deine Ruh, — Sabbath, Königin im Glanze! — Dir wir eilen freudig zu, — Komm o Braut, geschmückt im Kranze? — Leg' die Prachtgewänder an! — Sieh die Lampen brennen lichte, — Jedes Tagwerk ist gethan, Nichts ich heute mehr verrichte. Chor: Und wir wollen uns ergötzen» Und am Mal die Seel' uns letzen»! Alles sicht vom Tag schon her — Schmackhaft, Köstlich Mgerichtet — Wohl besetzt der Tisch nunmehr, — Braten reichlich aufgeschlichtet, — Leckerbissen jeder Art, — Weine schäumend in Pokalen, — Nichts gekargt und Nichts gespart — Zn den Dreien Sahbathmahleu. — Chor: Nun wir wollen etc. etc. Sabbath wird für Jakob sein — Stets ein Erbtheil sonder Gleichen; — Zur Entfernung jeder Pein — Dient den Armen er und Reichen; — Wer den Sabbath treulich! hält, — Hat, wie Gottes heil'ger Wille,— Sechs der Tag'! das Werk bestellt, — Und am siebten Freudenfülle. Chor: Nun wir wollen etc etc. Die Geschäfte all' bei Seit' — Und das Rechnen und das Zählen! — Sabbath ist die rechte Zeit; — Braut und j Bräutigam zu wählen, — Auf der Kinder Zucht zuseh'n,— Psalmen gotterfüllt zu singen, — Auf der Kanzel hoch zu steh'n — Und dem Volk ins Herz zu dringen. Chor: Nun wir wollen etc. Wir ergehen uns bequem — Unter frischer Bäume Schatten; — Dann ein Schläfchen angenehm — Stärkt die Glieder uns, die matten; — Darum süße Sabbathruh' — Schlägt mein Herz dir so entgegen; — Darum eilt geschmückt dir zu — Knab' und Mädchen aller Wegen. Chor: Drum wir wollen uns ergötzen etc. etc. Vorgeschmack vom Paradies — Wird zur Sabbathzeit empfunden; — Freud erlangen ewigsüß, — Die sich freu'n an Sabbathstunden; — In den Sturm der Messiaszeit — Werden Freiheit sie erlangen; — Heil erspricßt und Fröhlichkeit — Kummer flieht und jedes Bangen. Chor: Drum wir wollen uns ergötzen Und am Mal die Seel uns letzen! II. Uebersetzung des '2^0^ lb&YJ lo’ Nach der alten Melodie Chor:. Den Hort, der uns gespeiset Von seiner Fülle hat, Ihr Brüder lobt und preiset, Wir sind ja vollauf satt! Der Nährer aller Kreise — Ist Hirt und Vater mein;— Ich aß von seiner Speise — Und trank von seinem Wein; — Drum wollen wir ihn loben, — Ihn preisen immer fort!— Laut sei der Ruf erhoben:— „Wie Gott gibts keinen Hort! Chor: Den Hort etc. etc. Mit Sang wir Gott erheben, — Mit vollen Dankes Lied, — Der einst uns hat gegeben — Das schöne Landgebieth, — Und jetzt in hohem Grade — MitNahrung uns versehen, — Die Fülle seiner Gnade — Uns täglich ließ ergeh'n. Chor: Den Hort etc. O üb' nun auch Erbarmen — An deinem Volk, o Hort! — An Zion ach, der armen, — An Deines Tempels Ort! — Laß Davids Sohn bald kommen, — Der uns der Noth entreißt, — Den gottgesalbten Frommen — Uns bringen frischen Geist! Chor: Den Hort etc. O bau den Tempel wieder, — Daß Zion leucht' und prang'; — Dann singen neue Lieder — Wir erst in Jubelschwang; — Erst recht wir dann dich loben, — Dir bringen Dankes Zoll, — Beim Kelch emporgehoben, Der Deines Segens voll.! Chor: Den Hort, der uns gespeiset etc. i Bemerkung. Bei einiger Betrachtung des hebräischen Tex- > tes, wird wohl jeder leicht darauf kommen, daß der Dich-! ter das tägliche Tischgebeth sich zum Vorwurf genommen I und daß er auch gar Nichts, was in demselben nur wichtig j ist, die MN2, die 4 Benedictiouen, die |ömn, und zu- I letzt noch die O12N nma, aus seinem Gedichte weglassen zu

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