Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 16 (23.8.1866)
- Date
- 1866-08-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. 16. Araa den 23. August 1866. III. Zahrgang. Lentral-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Iudenthums. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: A. LßrMaNN. Pränumerationsbetrag Haus; für's Ausland ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung in's aanzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats, — Administration. Geistgaffe Nr. 908—l. — Inserate werden billigst berechnet. Cremieur und die Juden in den Donaufürstenthümern. Wir haben bereits in der vorigen Nr. dieser Blätter mitgetheilt, welchen energischen Eifer der 70jährige Eremieux für die Rechte seiner Glaubensbrüdcr in den Donaufnrstcnthümern entwickelt. Mit einer jugendlichen Rüstigkeit, wie sie selten einem Manne seines Alters eigen ist, verfolgt der berühmte Advokat sein edles Ziel, und legt dabei eine Routine, und eine Geistesfrische an den Tag, die an seine Wirksamkeit in der bekannten unseligen Damaskusaffuire erinnert. In einem Briese an das „Siecle" kennzeichnet er mit richtigem Blicke den rumänischen Liberalismus, der, was religiöse Fragen betrifft „aus dem Standpunkte des 15. und 16. Jahrhunderts stehe." — Ein junger Rumäne Hr. Souditou, fühlt sich durch diese Aeußerung verletzt, und nimmt in einem offenen Briefe an Ercmicux in der „Opinion nationale“ den Liberalismus seiner Landsleute in Schutz, und rechtfertigt deren Verhalten gegen die Juden damit, daß er die in Rumänien lebenden Bekenner des jüdischen Glaubens auf die niedrigste Stuffe der Eultur stellt. Ein Argument, welches, wenn es auch so wahr wäre, wie cs eine Verleumdung ist, ans die Entscheidung dieser Frage keinen Einfluß üben könnte. — Eines solchen Vertheidigers mußten sich die Rumänen schämen, und der unberufene Anwalt wird von seinen eigenen Schützlingen desavouirt. Es geschieht dieß in der folgenden Antwort von 35 jungen Rumänen auf Souditious Brief. — Herr Redakteur! Mit den Gefühlen der schmerzlichsten Befremdung haben wir den in Ihrem geschätzten Blatte von H. Souditou veröffentlichten Brief bezüglich der Judensrage in Rumänien gelesen. Wir verwerfen und mißbilligen viel zu entschieden jeden Geda nken der religiösen Intoleranz, um nicht diesen Brief zurückzuweffen, der die Gefühle der rumänischen Jugend auf keine Weise ausdrückt. Unsere Ausgabe, die Aufgabe der rumänischen Jugend wird es sein die religiösen Vorurtheile zu zerstören, und wir werden unsere Arbeit nicht eher für vollendet betrachten, als bis wir über die Ignoranz und den Fanatismus den Sieg davon getragen haben werden. Wir hegen so viel Zuversicht in dieser Angelegenheit, daß wir an ein Gelingen in nicht sehr ferner Zukunft glauben. Nur wenn dieß der Fall sein wird, werden wir muthig ausrufcn können. „Die Freiheit herrscht in Rumänien!" (Folgen die Unterschriften.) Ercmieux, der Souditouß Brief keiner Beachtung würdigte, hatte schnell eine anerkennende schwungvolle Antwort für die 35 rumänische Jünglinge in Bereitschaft, die wir hier folgen lassen. Paris 4. August. Memen Dank Jünglinge! Bei der Lektüre ihres Briefes haben sich meine siebenzig Jahre emporgerafft, um Ihnen zuznjubeln. — Ja, dieß ist die Jugend des 19. Jahrhunderts •— französisch oder rumänisch — sie bleibt sich immer gleich — dieselbe Hochherzigkeit, derselbe Edelmuth — Das ist die Zeit, die wir erwartet haben. Diese schöne Philosophie des 19. Jahrhunderts, sie hat die erhabensten sozialen Fragen erleuchtet. Im 17 Jahrhundert noch, inmitten der erhabensten Wunder des Geistes, die diese Zeit auf die Höhe des großen perikläischen Jahrhunderts erheben, stoßen wir auf gewaltsame Bekehrungen. Jünglinge werden dem Protestantismus entzogen und der katholischen Kirche zugeführt. Ans Dragonadcn — die größte Sünde Frankreichs nebst der Bartholomäusnacht — auf Bossnet, den unsterblichen Bossuct, den Verfasser der Grabrede Lettellier's! Da ergriffen unsere Philosophen die Feder und im Verlaufe von 00 Jahren werden die unbesiegbarsten Vorurtheile entwurzelt. Das Jahr 1789 erscheint, und unsere Revolution schreibt aus die Spitze aller unserer Freiheiten. „Die Freiheit des Gewissens. Sie haben recht, Jünglinge. „Ihre Aufgabe, die Ausgabe der rumänischen Jugend ist es, die religiösen Vorurtheile zu zerstören und Sie können Ihre Arbeit nicht eher für vollendet betrachten als sie über Fanatismus und Ignoranz den Sieg davon getragen haben werden. Ihr Brief, Jünglinge! Ihr Brief den ich allen Städten allen Dörfern Rumäniens werde zukommen lassen, wird für Ihre christlichen Mitbrüder ein ernster Gegenstand des Nachdenkens, eine Leuchte inmitten der Finsterniß, für die so grausam heimgesuchte jüd. Bevölkerung aber wird der Brief ein Trost eine Hoffnung sein. Adolf Eremieux. Dir Sablmth-Tischlieder der Israeliten. von Professor Moritz Stößel. Der größte Theil der jetzt im Mannesalter stehenden Generation unseres Volkes wird sich wohl der Zeit, noch erinnern, an welcher die Sabbathe, die Ein- und Ausgänge derselben, die „Sabbath" Mahlzeiten und besonders die erste derselben am „Freitag zu Nacht" durch gefällige Melodien und durch erhebende, freuderregende Gesänge geweihet und verherrlicht wurden. Wer bewahrt nicht noch jetzt das süße, freudige Andenken jener gcmüthlichcn Freitagnächte, an denen^ selbst in den längsten Winterabenden nie Langweil aufkommen konnte, an denen vor und nach jedem Gerichte des Mahles frisch und froh und fromm der Rundgesang aus allen Kehlen der Tischgenoffen erscholl und so das Mahl mit Wonne würzte, die Zeit edel und angenehm verkürzte, den Geist erfreute und das Gcmüth erhob? der allgemein für wahr erkannte Satz: „Wo man singt, dort laßZdich nieder, 16