Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 15 (9.8.1866)
- Date
- 1866-08-09
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 118 — l! mcsser sür die Cultnr eines Volkes, und Sie können sich leicht vorstellcn, wie es mit der Civilisation in den Donaufürstenthümern aussieht — Kaiser Napoleon hat sich energisch der bedrängten Juden angenommen, und wir wollen hoffen, daß auch hier mit der Zeit Humanität und Toleranz über Roheit und Fanatismus den Sieg davon tragen werden. Brussel: Die Landrabbinatsstelle für Belgien wurde durch Herrn Aristide Astruc,' bisherigen RabbinatSaffefsor in Paris besetzt. Rom. Nach einem offiziellen Bericht der obersten geistlichen Behörde wohnen in Rom 4567 Inden. Paris. Die reichste Erbin in Frankreich, Fräulein Heine, Nichte des französischen Finanzministers Achille Fonld, und zugleich Nichte eines weit berühmtem Mannes, des Dichters Heinrich Heine, heirathet dieser Tage den H. Michel Ney, Herzog von Elchingen, Enkel des Marschall Ney. Die Braut bringt ihrem Gemahl ein Heirathsgut von 5 Millionen Frcs. in die Ehe. London. Das Testament des am 18. März d. I. verstorbenen Parlamentsmitglieds für Sommerhill, Friedrich David Goldschmidt wurde am 3. Juni eröffnet. Dasselbe enthält unter Anderem folgende wohlthätige Legate. Westlondoner Synagoge der englischen Juden 5000 Frcs. Den jüd. Schulen der Hauptstadt 2500 Frcs. Der jüdischen Freischule 1000 Frcs. Eine gleiche Summe der jüd. Schule, dem jüd. Spitale zu Norwood, dem Taubstnmmeninstitutc so wie dem Spitale der Universität. Die Summe, welcher der Verstorbene letzterer Anstalt bereits zukommen ließ, betrügt nahezu 50000 Frcs. * Die hiesige scphardische Gemeinde hat Herrn Artom, gegenwärtig Rabbiner zu Neapel zu ihrem Chacham erwählt; derselbe wird bereits zu den bevorstehenden Feiertagen sein Amt antrctcn. Herr Artom ist ein Vetter des berühmten italienischen Staatsmannes gleichen Namens. * Zu Gunsten der hiesigen jüdischen Armenschule wurde am 26. Juni ein großes Banquet abgehalten. Mehr denn 100 Personen waren anwesend, darunter Oberrabbiner Adler, Rothschild, Salomons und mehrere Würdenträger — Den Vorsitz führte der Lordmajor. Die während des Banquetö veranstaltete Sammlung, warf für die genannte Anstalt, deren Präsident Rothschild ist, eine Summe von 2000 Pfund ab. Zur Charakteristik biblischer Personen. 5. Die dritthalb Stämme. In der heiligen Schrift wird uns von den Uebereinkommen erzählt, welches zwischen Moses und den beiden Stämmen Israels R6Uben,-Gad und dem halben Stamm Menasche getroffen wurde. Noch bevor Israel einzog in das gelobte Land hatte Moses schon dießseits des Jordans ein schönes, fruchtbares Weideland erobert, da wollten denn die beiden genannten Stämme, denen dieser Boden besonders geeignet für die Viehzucht schien, schon jetzt denselben als ihren Antheil von dem göttlichen Geschenke, und nicht mit ihren Brüdern über den Jordan ziehen. Für sie, so war ihre Ansicht kci nun gesorgt, sic hätten was sie brauchen, wozu die Mühen und Plagen für die andern, wozu die Kämpfe mit den feindlichen Völkern p“Vt nK UTsyn Sx „Führe uns nicht über den Jordan." So dachten sie und so denken gar viele Menschen. Das Schicksal ihrer Nebenmenschen ist ihnen gleichgültig, kümmert sic gar wjmig, wenn sie nur selber Alles nach Wunsch haben, sie sind so geblendet von ihrer Selbstsucht, daß sie die Bedürfnisse anderer gar nicht sehen. Gott gibt uns deutliche Fingerzeuge über unsere Pflichten, über unsere Bestimmung, allein jene wollen nicht sehen. Gott hat seinen Willen mit deutlichen Schriftzügen in die Geschicke der Menschheit verzeichnet, allein jene wandeln in Finsterniß, die Schrift ist ihnen unleserlich, und selbst, wo sie eine höhere Absicht vermuthen, mißverstehen und mißdeuten sie den Sinn. Wir sind alle Kinder Gottes, einem jeden ist sein Antheil auf Erden beschieden, nicht etwa eine Vorliebe für oder eine Abneigung gegen den einen oder andern vertheilt die Erdengüter so ungleich unter den Menschen, nein : in dieser Bestimmung liegt eine höhere Weisheit, durch sie soll jeder Einzelne die ganze Menschheit als eine große Familie betrachten, deren Wohl er nach Kräften erhalten und fördern muß, durch sie soll jeder Einzelne die Gesammtheit als einen großen Körper betrachten, dessen Lebensströmungen durch alle Glieder dringen. Wer sich abschließt und absondert ist ein Außgestoßener aus der Familie Gottes, ist ein todtcs Glied an dem großen Körper der Gesellschaft. — Wohl gibt es auch in dieser Wirksamkeit Abstuffnngen und Grade. Zuerst ist jeder Mensch sich selbst der Nächste nnp mx lüiryS, seine nächste Wirksamkeit erstreckt sich auf sein Weib, seine Kinder, seine Angehörigen. Jemehr sich der Kreis seiner Theilnahme erweitert, desto geringer wird der Gehalt seines Eifers— das ist natürlich; allein auch in dem weitesten Kreise, in dem der ganzen Menschheit darf sein Streben nicht erkalten, nicht erstarren, sein Herz muß heiß glühen für Menschenwohl und Mcnschcnveredlung — das ist sein Beruf — wer nur an sich und die Scinigen denkt, wer nur für sich und die Seinigen lebt, der steht nicht höher als das Thier, welches ebenfalls Selbsterhaltungstrieb und die Liebe zu seinen Jungen besitzt pay pSn iS stx *im »amo tpnßn Sa. — „Wer sich nbsondcrt von der Gesammtheit, hat keinen Theil an ihr er nimmt kein Theil an ihrem Wohle, mkd auch ihr Weh fühlt er nicht, wenn cs ihn nicht selber berührt. Die Stämme Reuben und Gad wollten aber mehr als das, sie wollten dasjenige in Ruhe und Behaglichkeit genießen, was andere errungen und erobert hatten. Den ersten Sieg des Volkes, der seinen Muth für die spälern Kämpfe stählen sollte wollten sic zu ihrem Privatnutzen zu ihrem Vortheile ausbeuten. — „Das Land das Gott erobern ließ von der Gemeinde Israels ist ein Land geeignet für Viehzucht und deine Diener haben starke Viehzucht," — und auch so denken viele Menschen; sie möchten gern andere für sich bauen lassen, möchten die Früchte verzehren, die ein anderer gepflanzt hat, sie wähnen, es müsse alles auf sie bedacht sein, für sie schaffen und streben, sie selber aber wollen nicht Hand ans Werk legen, sie wollen nichts leisten. Es ist wahr, sie wären allein nicht im Stande die Sache ausznführen, sie würde ihre Kräfte übersteigen, aber sollt ihr deßhalb die Hand in den Schooß stecken und gar nichts zu euerem eigenen Vortheil leisten wollen, wäre es nicht vielmehr eure Pflicht mit aller Aufopferung und aller Kraftanstrengung eucrn Brüdern als Muster und Beispiel voranzugehen, damit eure Brüder an euerem heiligen Feuer sich erwärmen, und euch die hilfreiche Hand bieten, wie auch wirklich die beiden Stämme Rvuben und Gad in den spätern heißen Kämpfen vorangegangen, und in den Schlachten in erster Reihe standen. Wer sollte enern Bedürfnissen Theilnahme schenken, wenn ihr selber nichts dafür als ein träges, schläfriges Verlangen habet? , Und so sprach auch Moses zu den beiden Stämmen nvnSüS laV Drnxn ns lit^n cnxi Wie? euere Brüder sollen in den Kampf zie-; Heu, und ihr wollt hier müßig und ruhig sitzen? — I Unsere früher» und moralischen Schriften vergleichen so i oft den edlern und bessern Theil des Mensche:,, die Seele j mit dem geringer» und unwichtiger», aber dem Altagsmenj schen mehr sicht- und fühlbaren, dem Körper, — Diese Ver- I gleichung enthält viel Wahres und Lehrreiches. So wie es! keinen vollkommen gesunden Körper gibt, dem nicht irgendein Uebel oder Gebrechen anhängt, so gibt es auch keine vollkommen gesunde Seele, die Don jedem Fehl und von jedem Laster gänzlich frei wäre. Wie die Krankheiten des Körpers sind auch die der Seele verschiedenartig und mannigfaltig. Alle beide werden oft von Krankheiten ergriffen, die von jedem verständigen und sittliche Menschen als höchst gefährlich anerkannt werden, von denen er sich mit Schrecken und Abscheu wegwendet. Es sind dieß Gebrechen, die ins Auge . f #