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Das Abendland · 1866-08-09 · 15 (9.8.1866) · p. Seite 114

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
15 (9.8.1866)
Date
1866-08-09
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 hiesigen Gemeinde schlug jedes Herz höher vor Freude und Befriedigung. C. kanstam Donnerstag Nachmittags nach Bnkarest und nahm beim Vorsteher der deutschen Gemeinde H. Weinberg, der seine Wohnung für diesen Besuch prachtvoll Herrichten und mit neuen schönen Möbeln versehen ließ, sein Absteigquartier. Gleich am Freitage machte er den Ministern seinen Besuch, und gegen Abend wurde er zur Audienz beim Fürsten Karl I. berufen. In gewohnter hinreißender Sprache redete er da seinen Glaubensgenossen das Wort. Der Fürst antwortete ihm huldvoll: Ich erkenne das Recht der Juden zur Gleichberechtigung an, allein ich bin ein konstitutioneller Fürst, ich kann mich nur nach dem Beschlüsse der Kammer richten, trachten sie die Deputirten für ihre.Ueberzeugung zu gewinnen, und ich werde mit Freuden das vorgelegte Gesetz sanktionircn. — „C. besuchte nun die Minister einen nach dem andern, und hielt mit ihnen Besprechungen in dieser Angelegenheit; er erkannte bald, welche von ihnen es aufrichtig und ernstlich meinen, und welche blos das Wort „Freiheit" ausbeuten, um ihre speziellen Zwecke zu erreichen. Am Samstag Morgens besuchte C. die sephardische Synagoge und verrichtete da seine Andacht — Der Gottesdienst, geleitet von dem ans Temesvar hierher berufenen Cantor, war ein ausgezeichneter, — Nach Beendigung desselben machten die angesehensten Männer beider Gemeinden dem gefeierten Gaste ihre Aufwartung, der ihnen die Zusicherung ertheilte, daß er nach möglichen Kräften für ihr Wohl wirken werde. Während dieses Besuches erhielt C. eine telegraphische Depesche aus Türk-Ukna, von den dortigen Juden, welche sich über daselbst vorgesallenen Excesse beklagten. C. begab sich sogleich zum Minister und bat um Abhilfe, die auch sogleich eingeleitct wurde. — Sonntag beschiel) C. die hiesigen Mitglieder der Pariser „Alliance universelle“ zu sich, und forderte zu zahlreichem Beitritte zu diesen: so wirkungsreichem Vereine auf. Im Verlaufe der Besprechungen erzählte C. seine Lebensereignissc, wie er in dem freien Frankreich zu der höchsten Ehrenstelle gelangt sei, und daß sein einziges Streben während seines g .nzen Lebens gewesen sei, den Unterdrückten und namentlich seinen leidenden Glaubensbrüdern in allen Erdzonen beizustehen. — Es ist unsere Mission, sprach er, gegen Gewalt und Unrecht so lange zu kämpfen, bis sie vom Erdball verschwunden sind, glaubet ja nicht, daß selbst in Frankreich der Glaubenshaß nicht auch seine Anhänger habe, allein dort finden sich stets würdige Männer, die ihn zu bekämpfen wissen, so seid auch ihr nur muthig und ausdauernd und haltet fest zusammen. Haben wir vereinzelnt und ohne alle Vereinigung seit Jahrtausenden alle Leiden geduldig ertragen, so werden wir sicher mit vereinten Kräften unfern Gegnern Trotz bieten können." — Jubelrufe und Händeklatschen folgten dieser begeisterten Ansprache. Am Montag hielt C. in der Depntirtcnversammlnng eine glänzende Rede, in welcher er nachwies, wie die Emanzipation der Juden nur dem Lande ersprießlich sei. Diese Rede erfreute sich des größten Beifalls und C. wurde ersucht nochmals zu sprechen. Auch versprachen ihm 50 Deputirte für die Emanzipation zu stimmen. Dienstag gaben ihm die Mitglieder der Alliance universelle ein Banquet, bei dem die angesehensten Männer der Gemeinde und die jüd. Deputation aus Jassy zugegen waren. Die größte Heiterkeit herrschte bei dem Mahle und die Zukunft leuchtete allen Gästen im rosigen Schimmer. Die Toaste wollten kein Ende nehmen. Herr Bick beleuchtete mit dichterischem Schwünge das Leben und Wirken C. Herr Silberzweig sprach herrliche Worte über die Geschichte Israels und seiner höhern Bestimmung und munterte die Jugend auf, sich auf wissenschaftlichem Gebiethe hervorzuthun. Der Correspondent Herr Löwy nahm die Wirksamkeit C. für das Judenthum als Thema seiner Besprechung. Zwei Toaste waren es besonders, die den edlen Gast in die freudigste Stimmung versetzten, und bei denen er sich zum Danke erhob. Der eine, welcher der Frau Cremieux gebracht wurde. Darauf erwiederte er, seine treue Lebensgefährtin, die nun schon 40 Jahre ihm zur Seite stehe, sei stets seine Rathgeberin in allen wichtigen Angelegenheiten gewesen, und habe mit allem Eifer seine Bestrebungen für das Wohl seiner Nation unterstützt. Das jüdische Weib, sprach er zum Schlüsse seiner Erwiederung, ist vorzugsweise die Wüchterin, die das Heiligthum der Ehe in Israel wahrt und schätzt." — Ebenso freudig begrüßte er den Toast auf die französische Nation. Ja, Frankreich, entgegnete der berühmte Redner, verdient den Namen der großen Nation, dort haben die Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zuerst Wurzel geschlagen, die nun heute ihre schützenden Zweige über das ganze Erdenrund ansbreiten. Während des Mahls kam auch die Vereinigung der hiesigen beiden Gemeinden zu einer einzigen aufs Tapet, und der Correspondent wies den Nutzen derselben für die Gesammthcit mit schlagenden Gründen nach. Zum Schlüsse dankte C. innigst für die ihm wiederfahrne Ehre und versicherte alle Anwesenden seiner Theilnahme und seines Wohlwollens. Mittwoch hatte C. beim Fürsten seine Abschiedsaudien;, und erhielt Besuche von allen Ministern wobei sie sich durch mehrere Stunden über allgemeine Fragen der Politik mit ihm besprachen. Donnerstag reiste C. ab. Eine zahllose Menge umstand den Reisewagen, von dem aus er noch freundliche Abschicdsworte an die Anwesenden richtete. Innige Segenswünsche und lautes Vivatgeschrei begleiteten den Abreisenden. Groß sind die Dienste, die der gefeierte Mann durch seinen Besuch den Israeliten des Landes geleistet, und sind wir auch der Ueberzeugung, daß die Hyder des religiösen Fanatismus nicht so leicht zu bewältigen sei, so geben wir uns doch der Hoffnung hin, daß die mit so vieler Liebe und so glänzender 'Begabung ausgestrente Saat der Humanität in kurzer Zeit ihre wohlthätigen Früchte tragen, und das Leiden Israels in diesem Lande bald ein 'Ende nehmen werde. (Nachbemerkung der Redaktion) Leider hat sich diese Hoffnung für die nächste Folgezeit nicht bewährt. Die in neuester Zeit vorgekommenen Exesse überbicten alle in der Neuzeit vorgefallenen Ausbrüche des Fanatismus an Schändlichkeit und Umnenschlichkeit, und reihen sich würdig den blutigen Schrecknissen des Mittelalters an. Der Hüter Israels, der nicht schläft und schlummert, wird über die Unglücklichen wachen, und wie sehr sich auch der Wahn der Menschheit dagegen sträubt, es wird eine Zeit kommen, wo solche traurige Vorkommnisse wie eine Mähre aus finsterer Vergangenheit klingen wird, wo sich der größte Böscwicht schämen wird, einen Menschen wegen seines Glaubens zu verfolgen. Bekanntlich hat der franz. Kaiser durch seinen Bevollmächtigten in Bukarest die gemessene Erklärung abgeben lassen, daß die Juden unter dem Schutze Frankreichs stehen und wie berichtet wird soll die russische Regierung eine ähnliche Kundgebung nach Bukarest gelangen haben lassen.) — Grundsätze der Erziehung unserer Kuder von L. Müller Rabbiner in Platz I. Die Erziehung unserer Kinder in der gegenwärtigen Zeit ist für das ganze Volk Israel im Allgemeinen, und für jeden einzelnen Israeliten insbesondere, eine brennende Frage. Jetzt, wo einerseits der Israelit zum Bewußtsein seines Rechtes gelangt ist, wo er nicht nur die geringste Zurücksetzung fühlt, sondern vielmehr auf die gebührende Achtung Ansprüche macht, und wo anderseits wieder an ihn Ansprüche gemacht werden, daß er durch sein Wissen, Thun und Handeln sich diese Achtung verdiene. Durch diese beiderseitigen Ansprüche wird die Religion des Israeliten oft aufs Spiel gesetzt, weil man verlangt, daß er viele von den religiösen Zeremonien aufgebe, damit er diese Ausnahmsstellung aufhebe. In dieser Hinsicht wäre der Sieg des Israeliten zugleich eine Niederlage, denn m- «fj; er lvicdcr also der Wm ' w ihm, «nb jCi(, ud), im' loll denll"d W f *»? surfen MMlilteo ® M'äiiglidi M' überlassen, den ß Rclig'vn) in Jerusalem Väter vom g' Ta aber dies man Bezirkes! der dainalb (B. Bathra - »r der Lrzie Erziehung uni himg ist mehr 1.-7 '2 hy >. Men Anlage' bcr Ihm ft und beginnen und darf später lc Erziehung ist aber bald tjcbi. in

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