Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 14 (26.7.1866)
- Date
- 1866-07-26
- Page
- Seite 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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109 versprach, ist G. s. D. noch unter den Lebenden, und auch sein Secretär, der Rabbiner Gutheim, hat seine frühere Stelle wieder angetreten. „, v _ _ __ Ich habe nicht den geringsten Zwerfel, daß Herr Touro Wort halten wird. Aus vr. Martin's Bericht ist zu entnehmen, daß der Weg von Schanghai nach Kaifung-Fu wieder frei ist. Warum sollen wir zugcben, daß vor unseren Augen eine jüdische Colonie zu Grunde geht, die wir mit geringer Anstrengung retten können. Die fromme Familie der Sassons—welche, wie ich glaube, zu Shanghai eine Filiale besitzt und im ganzen chinesischen Reich Correspondenten hat— wird, durch ihren religiösen Sinn veranlaßt, gewiß alles Mögliche beitragen, ein solches Unternehmen zu fördern." Reu-Aork. Die hiesige Gemeinde Emanuel hat den Gehalt ihres Predigers vr. Adler um 500 Dollars jährlich erhöht. Die Gemeinde Adas Jeschurun hat den Herrn vr. Einhorn in Philadelphia, dessen Gebetbuch sie gleichzeitig zur Einführung beim Gottesdienste brachte, zu ihrem Prediger ernannt. Derselbe hat den ehrenvollen Ruf bereits angenommen, und soll in der Person des vr. Jestrow, Predigers zu Worms seinen Nachfolger in Philadelphia erhalten. Der älteste Cantor der Union Herr Ben Kantrowitz starb am 26. Mai d. I. zu Columbus. Jud. im 93. Lebensjahre. Er machte in frühem Jahren viele Kunstreisen in beiden Hemisphären und hatte die Auszeichnung vor den Königen von Preußen und Helland zu singen. Der hohe Greis hatte sich einen Achtung zu erfreuen, die sich bei seiner Bewelche in Cincinati stattfand, durch ein zahlreiches ls allen Klassen der Bevölkerung kund gab. Die ubiläums-Mcdaille, die das hiesige Sulzer-Comite Ziener Altmeister anfertigen ließ, ist ein Meisterstück . Die ausgezeichnete Gedenkrede Luzzato's in der zu Padua ist nach Ihrer deutschen Uebersetzung ndland" vom Hebrew Leader in englischer Ucberveröffentlicht worden. Veru8. >ara. Ein russischer Offizier, der in Bokhara begibt folgende Beschreibung über die dortigen jüinwohner: „Was wir von dem Innern Bokharas crdanken wir den dortigen jüdischen Einwohnern, die lreich sind, jedoch nicht die Rechte der übrigen Einr genießen. So darf z. B. der Jude nicht zu Pferde : Stadt Bokhara reiten. Vor dem Thore muß er und neben seinem Thiere einhergehen. Er darf kein Gewand tragen, weder an seinem Gürtel oder seinem Sein Oberkleid besteht gewöhnlich aus einem Baum¬ oder Linncntuche, einem Strick als Gürtel, und einen Mützchen als Kopfbedeckung. Jedes an ihm Unrecht wird zu Gunsten des Eingeborenen beurtheilt; er sich aber nur im Geringsten, so wird unter Umsein ganzes Vermögen zu Gunsten des Emir con- Dcn Launen seines Herrn ist Spielraum genug ge- >en armen Juden zu prügeln, ihm die Fußsohlen zu len oder ihn gar anzulpießcn, was in jenen Ländern der Tagesordnung ist. Andererseits aber hält sich t Bedrückte gleichsam dadurch schadlos, daß er, wenn für sich leben kann, es sehr liebt, einigen Aufwand r äußeren Erscheinung zu machen. Alsdann besteht wand aus kostbarem Zeuge, sein Turban von vorn Stoffe und sind diese elegant gearbeitet, was alsoann ,eine körperliche Schönheit erst recht an den Tag treten läßt. In der That erregt der Jude zu Bokhara durch seine schonen und intelligenten Gesichtszüge unsere Aufmerksamkeit. Man erkennt ihn schon an den Locken, die er an beiden Seiten seines Vordcrkopfes trägt, wie dies von den polnischen Juden geschieht. Sein übriges Kopfhaar ist kurz abgeschnitten. Die Aehnlichkeit zwischen einem polnischen Juden und seinem Glaubensgenossen aus Bokhara ist ungemein täuschend, jedoch kann man letzteren schon aus dem ersten Blicke von einem Muhamedaner unterscheiden. Eigentümlich ist jedoch die Sprache dieser Juden da sie weder in Bokhara noch in irgend einem Theile Europa's gesprochen wird. Sie verstehen dieselbe nur gegenseitig unter sich. Die Rabbinen und die Synagogen-Beamten allein sind im Stande, sich ihren Brüdern aus dem Westen verständlich zu machen. Im Allgemeinen sind Bokharas Juden viel scharfsinniger als ihre Bedrücker, und man kann sich mit denselben über Dinge unterhalten, von denen der Bokharese gar keinen Begriff hat." Auckland. Neuseeländer Zeitungen berichten von einer Feierlichkeit die unlängst in der Synagoge der genannten Stadt, in Gegenwart der ganzen Gemeinde stattgefunden. Es wurde nämlich in dem Gotteshause eine sehr schön verfaßte Adresse an die Herren P. A. Philips und Charles Davis verlesen. Diese Herren haben nämlich der Gemeinde ein Grundstück zur Errichtung einer neuen Synagoge, die durch das Zunehmen der nSnp erforderlich geworden, von der Regierung zu verschaffen gewußt. Für das unablässige, uneigennützige Bemühen dieser Herren drückte die Gemeinde durch besagten Act ihre Dankbarkeit aus. Der Rabbiner, Herr Elkan, hielt eine sehr begeisterte Ansprache an die Anwesenden, worin er betonte, daß das Beispiel dieser Biedermänner bei Allen Nachahmung finden möge, damit der Bau der Synagoge bald in Angriff genommen werden könne. Jur Charakteristik biblischer Personen. 4. Josef und seine Brüder. (Schluß) Wenn jeder, dem ein Unrecht geschieht, der angefeindet und verfolgt wird, so denken möchte, wahrlich, es würden der Rache nicht so viele Opfer fallen. Die Menschen sind Werkzeuge in der Hand eines allweisen Vaters, er hat seine guten aber auch seine bösen Engel, aber wavon ihm ausgeht ist zum Besten der Menschen. Ueber die Brücke der Leiden gelangen wir oft an das jenseitige Ufer des Seelenheils, wo mildere Lüfte wehen als in unserer von Lastern verpesteten Atmosphäre. In den Gluthofen der Prüfung und Leiterung stählt sich dem Menschen jene Kraft, die ihn der Gottheit näher bringt. Du glaubst oft, ein Mensch habe dir wehe gethan, aber nein, er war bloß ein Werkzeug in. der Hand Gottes um dich auf die Probe zu stellen, ob du in deinen Grundsätzen nicht schwanken in Deiner Tugend nicht wanken werdest, ob du in den Wehen des Lebens ebenso deine Selbstständigkeit behaupten kannst wie in dem rosigen Schimmer des Glückes, ob du deinem Gotte ebenso treu bleibst, wenn er dich durch dornige Pfade führt als wenn er dich durch die Lustgärten des irrdischen Daseins leitet; und wahrlich es sind nicht die schlechtesten Menschen die so auf die Probe gestellt werden, die so zu leiden haben. Die Alten versinnlichen dieß durch ein Gleichnis. Ein Töpfer führt irrdenes Geschirr von verschiedener Qualität zu Markte, festes nnd dauerhaftes, aber auch schwaches und zerbrechliches, da kommen die Käufer und er will die Dauerhaftigkeit seiner Waare zeigen, auf welchen Topf wird er wohl klopfen und schlagen, gewiß auf den festen und starken, der schwache hält keinen Schlag aus, er würde gleich zertrümmern und in Scherben zerfallen. Du wolltest dem Nebenmenschen zürnen, der das allerdings traurige Geschäft hat, deine Seelengröße zu vermitteln, du wolltest dem Stabe gram sein mit dem ein ebenso gütiger als weiser Vater dein