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Das Abendland · 1866-07-26 · 14 (26.7.1866) · p. Seite 107

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
14 (26.7.1866)
Date
1866-07-26
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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— 107 kr Hussitenkriege erhielt Eger im Jahre 1434 vom König Siegmund die Erlaubniß Juden und Jüdinen nach Nutz der Stadt und ihren Wohlgefallen in die Ringmauern zu cmpsahen, aufzunehmen, zu halten, zu haben und zu genießen, (datirt: Basel am St. Peterstag). Und gewiß hat Eger, wenn es nicht selbst darum angesucht hat, sich geweigert davon Gebrauch zu machen, nachdem Kaiser Siegmund in einem nachgefolgten Mandate (Regensburg Freitag nach St. Michaelstag) verordnete daß die Juden frei und ohne alle Schatzung in Eger unbekümmert bleiben, gleiche Rechte mit den B ürger n genießen sollen. Die letztere in vieler Hinsicht wichtige Urkunde wo es unter andern heißt: So wollen wir, daß dieselb Judischheit daselbst frei und ohne alle Schatzung und Beschwerung unser Nachkommen und Römischer König und aller Unßer Amtleut zu ewigen Zeiten sizen, und mit keiner afsetzung, die vielleicht andere Juden geschehen, bekümmert werden sollen, sondern die Juden alle, die dahin kommen, und daselbs wohnhafftig werden, sollen gebrauchen solcher Recht und Freyheit, der dann andern Bürgern derselben Stadt gebrauchen von Recht oder Gewohnheit, und sollen den Rath und einen Pfleger daselbs thun , was von Alters Herkummen ist, und niemands mehr" — ist ebenfalls von H. Ör. Wessely, so wie die folgende vollständig veröffentlicht worden. Diese kaiserliche Gnade wollte die Stadt bloß für sich allein zu Nutzen machen und der Magistrat zu Eger ertheilte mit vielen Verwahrungen 1435 am Sontag Oculi, einigen aufgenommenen Judenfamilien Kazman von Gota und Abraham Meister Heller sun das Recht" einen Jüdischen Meister, der die Schule und das Jüdisch Recht regieret und Sanckmeister, und was zu Schulen und Selhans und Kirchhof gehöret, als es von alten Herkummen ist gegen Erlegung von je 150 rheinischen Gulden am Michclstag und Walpurgcntag aufnehmcn zu dürfen.*) Derselbe gestattete ferner, daß die Juden mehrere ihrer Glaubensgenossen nach Eger nehmen, jedoch daß die Zahl von 16 Familien nicht überschritten werden soll und daß „sy leihen sollen fünff gülden villb ein guten böhinischeu Groschen zu ttzlicher Wochen." Kaiser Siegmund bewahrte also auch in seinem Benehmen gegen die Juden in Eger seinen bekannten Wankelmuth, obschon dessen Regierung für die Juden im Verhältnisse zu jener Zeit noch im Ganzen eine milde genannt werden kann. S. Grätz VIII S. 148 u. 190. Kleine literarische Bemerkungen Bon Rabbiner vr. Schmiedl. I Eine mißverstandene Stelle in Albo's Zttarim. Einer der vielen glänzenden Sterne, die an dem Him° mel der pyrcnäischen Halbinsel ihr helles Licht weithin ausstrahlten. war der Religionsphilosoph aus Soria — Jo sef Albo. Das große Verdienst, das Kr u g um die k a n t i s ch e Philosophie sich erwarb, daß er nämlich dieselbe auch minder tiefen Denkern durch Gemeinverständlichkeit und Popularität zugänglich gemacht, dieses selbe Verdienst hat Albo um die Philosophie Maimuni's sich erworben. Während noch Albo's Lehrer, Kreskas, eine Religionsphllosophre m solch schwieriger Darstellung schrieb, daß man A?fL5e.mf mDa^'!en, Schutzbnef heißt k», daß den Juden 2 [CV; "Cnb lu"".In vollkumlich mit seinen Habe 1 ben A*°be" *°,r 3n bte mad,t?eben vmb die schatanz den, die do pflegen zu wandern durch die Landt, die da unoew Kbüi l» die -nugeu ft* und verw s n De» Ausdruck schatanz Inden ist uns neu und undeutlich! nur mit großer Mühe Schritt für Schritt in derselben vorwärts kommt, und Mose Narboni seinen Morekommentar in solch räthselvollem Style abfaßte, daß zu seinem Kommentare wieder ein Kommentar noth thäte — wußte Albo die philosophischen Materien so volksthümlich und fesselnd darzustellen, jeden abstrakten Gedanken durch ein treffendes Hild verdeutlichend, daß sein Ikkarim mit Recht ein Lieblingsbuch Unzähliger, man könnte sagen, ein philosophisches Volksbuch, geworden ist, und zwar nicht nur seichte Leser, sondern auch bedeutende Denker benützten dasselbe als ein Compendium der Religionsphilosophie. So könnten wir den Nachweis liefern, wie Mendelsohn im Kommentar zu Koheleth, wie in den philosophischen Schriften nicht selten ganz den Jdeengang Albo's ging, ja zuwellen dieselben verdeutlichenden Bilder anwandte, ohne jedoch die Quelle zu nennen. Übrigens herrschte ja eine geistige Verwandschaft zwischen diesen beiden methodischen Denkern, denn ebenso wie seiner Zeit Albo, war Mendelsohn wieder in seiner Zeit der Erste, durch den die philosophische Forschung ein gefälliges Gewand erhielt, welches letztere eben eines der Hauptverdienste dieses jüdischen Weltweisen war. Allein trotz dieser Gemeinverständlichkeit und Leichtfaßlichkeit sind dennoch hin und wieder Stellen des Ikkarim ganz unrichtig erklärt worden. Ganz eigenthümlich jedoch ist das Mißverständniß, das sich einmal der sonst recht brauchbare Kommentar wiip zu Schulden kommen ließ. In der Einleitung zu Absch. II führt nämlich Albo folgenden, bei den Logikern sogenannten unvollständigen Schluß (ev&v/iiTjitn syllog. decurtatus) an: '1X1 Dix Sn ,1X112 J1X 1'2'tr> '1X1 *72L> Sl'2 S2P 'D1? .111 — 1X112 NX IW und fügt dann hinzu r .iavp.1 .Ivip.1.11X2N.1 xStP IIP *?2i trnii.i 1X2JV xS ir»p.i>i .uv Hierzu bemerkt der genannte Kommentar: x'.iir> ’dS njöp nxipai ,^>2ir» Sy2 dix *?2 x\i : map neipn .ni2'n 'i n2 x"2 ,ia*x x'.i '2 ,nio22 naap nex2 Es wurde hier also sonderbare Weise vergessen, d^ß nach wa.ltiiiv, porta VI, zu jedem vollständigen Schluffe zwei Vorder,- sgtze (nivip.i 'nir») gehören, von denen der eine eine weitere Sphäre hat und deshalb: nblia .lölpn (proposltlo mäjor), der andere Vordersatz dagegen, unter die Sphäre des ersten gehörend, einen kleinern Umfang hat und eben darum: naipn .1385p (propositio minor) genannt wird. — In dem von Albo hier angeführten Syllogismus heißt mithin der fehlende Satz: 72P 7P2 Dix ^2, als zweite Prämisse, mit logischer Bezeichnung: naisp .ivip.i, nicht aber weil der Satz nur aus vier Wörtern besteht. II. Zur Etymologie des talmudischen Ausdrucks Gusma. Wir können unmöglich Herrn Rabbiner vr. Duschak beistimmen, daß xvlia von Dv>a abftamme. Liegt doch viel näher das ebenfalls talmudische Dia“ (arab. Dia, hebr. DD2 Iechesk. 44, 20.) Vergl. Aboda Sara pag. 50 b.: |X2i |X2 pviav l’X — wo sodann an das deutsche „aufschneiden" zu denken wäre. — Doch stimmen wir auch für diese Ableitung nicht. (Vielleicht hätten dann auch die Araber einen gleichklingenden Ausdruck, so aber bezeichnen sie die Hyperbel durch x'axix.) Wir glauben vielmehr, daß Ou8ma griechischen Ursprungs ist, denn so bedeutet xoo-/,rco: Etwas mit Worten ausschmücken, vergrößern (So bei Euripides, Plato u. A.). Und dürfte wahrscheinlich auch Mussaphia, der ebenfalls an eine griechische Ableitung denkt, das von uns angegebene Wort im Sinne haben.*) *) In einem Aufsatze deö Herrn Prof. Stößel in Brünn, den wir nicht zum Abdrucke bringen konnten, leitet derselbe das Wort j^Dlia vom griechischen ayaaua „Gegenstand der Bewunderung" ab. — Eine Ableitung, die wir bereits vor Jahren in unfern sprachlichen Notizen aufnahmen. Die Bedeutung „Ausschneiden" mit der ein ehrenrühriger Begriff verbunden ist, scheint uns nicht die richtige Bezeichnung für die hyperbolische Darstellung. Die Redaktion. 14*

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