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Das Abendland · 1866-06-21 · 13 (21.6.1866) · p. Seite 103

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
13 (21.6.1866)
Date
1866-06-21
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 Nachlasse ausgelöst werden— In dem großen Hospital gründete er ein neues Bett für einen armen Kranken aus Vercelli mit dem vorgeschriebenen Stiftungsfonde von 10000 Lire— Doch nicht bloß diese großartigen Vermächtnisse begründen seinen Ruhm, sein ganzes Leben war von Wohlthätigkeitsakten bezeichnet, die er mit wahrer Humanität ohne vieles Geräusch in reichlichem Maße ausübte. Wir schließen diesen Bericht, den wir dem Edukat. Jsraelita entnehmen, mit dem erhebenden Bewußtsein, daß der sprichwörtlich gewordenen Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen auch in unserer materiellen Zeit glänzende Muster aufzuweisen habe— Salvador Levi, der im Alter von 61 Jahren starb, reiht sich durch seine reichen Vermächtnisse einem Pinto, Heine und andern berühmten Wohlthätern unsrer Nation würdig an. Neu-Hork. Am vergangenen Wochenfest sind wie alljährlich in'den jüdischen Tempeln die Confirmationcn vorgenommcn worden, die überall einen erhebenden Eindruck hervorbrachten. Dieser religiöse Akt erfreut sich in Amerika einer besoudcrn Theilnahme. er ist allgemein eingeführt, und wird mit vieler Feierlichkeit begangen. In mehreren hiesigen Synagogen fand die Confirma'tion bei dichtgefüllten Gotteshäusern statt, und die habet abgehaltenen Festpredigten wie die Ablegung des Glaubensbekenntnisses von Seiten der Confirmauden erweckte in den Herzen aller Anwesenden die innigsten Gefühle der Verehrung für die ewigen Wahrheiten des Judenthums. Die Religionsprüfung, die mit dieser Feierlichkeit verbunden ist, legte das Zeugniß ab wie eifrig und zweckmäßig der religiöse Unterricht in Amerika betrieben wird. Die Antworten der Confirmanden, unter denen die Zahl der Mädchen überwiegend war, waren präcis, geläufig und von einer Wärme, die aus den jugendlichen Seelen strömte. Man sah es deutlich, daß man es hier nicht mit einem eingelerntem Gedächtniswerke zu thun habe, sondern daß die ertheilten Lehren tief in die Seele gedrungen, und eine feste Ueberzeugung in die jugendlichen Herzen pflanzten. — Besonders erhebend war die Confirmation in den Tempel der Emanuel-Gemeinde. Die deutsche Rede des vr. Adler, Predigers der Gemeinde, war, wie nicht anders zu erwarten, meisterhaft, und zeichnete sich durch ihre Gemüthlichkeit aus. Die Confirmanden legten das Glaubensbekenntniß in englischer Sprache ab. Besonders erhebend für alle Anwesenden war der feierliche Moment, als die jungen Kinder, eines nach dem andern, vor den Prediger hintraten um von ihm den Segen zu empfangen, den er ihnen Nach altjüdischer Weise in hebräischer Sprache bei Auflegung 'vrr Hände auf das Haupt ertheilte. Es ist bemerkenswerth; daß die Confirmation, deren Einführung doch erst der neuern Zeit angehört, so sehr dem jüdischen Bewußtsein entspricht, und selbst in den orthodoxesten Gemeinden Eingang fand. Auch aus andern Gemeinden der Union liegen uns Berichte über statt gehabte Confirmationen am Wochenfeste vor, von denen wir besonders jener zu Rochester erwähnen müssen. Das Gotteshaus war von Besuchern überfüllt, und die Feierlichkeit versetzte alle Anwesenden unter denen sich sehr viele Christen befanden in _ die andächtigste Stimmung. Den Glanzpunkt der Feier bildete die ausgezeichnete Rede des dortigen Rabbiners, vr. A. Günzburg aus Prag, welche von dem „Uoellester Advertiser“ vollständig mitgetheilt wird. Mit Uebergehung des vielen Schönen in der gemüth- und gehaltvollen Rede des vr. Günzbtwg können wir es uns nicht versagen, folgenden Passus als bezeichnend für die konfessionellen Zustände Amerika's anzuführen. — „Cs ist wahr, fährt der Redner nach einer Auseinandersetzung der Mission Israels fort, wir haben keine Nttssionsgesellschaften, wir theilen keine Traktätchen aus an andere Glaubensgenossen, um sie zu unserem Glauben zu locken, ebenso wahr ist, daß wir nicht Hölle, Fegefeuer und Verdammniß für Andersgläubige predigen. Wisst ihr aber, m. F! warum wir das nicht thun? Ich will e3 euch sagen: weil unsere Lehre ausdrücklich sagt, daß die! Tugendhaften aller Nationen der ewigen Seligkeit theilhaftig j werden. Meine christl: Brüder und Schwestern, deren ich so viele zu meiner Freude heute hier sehe, glaubet ja nicht, daß wir die zukünftige Seligkeit als ein ausschließliches Vorrecht unserer Nation betrachten, nein, m F! ihr, wie ich wie alle Menschen werden den Lohn vom gemeinschaftlichen Vater im Himmel erhalten, wenn sie tugendhaft, menschenfreundlich und treu in Erfüllung ihrer heiligen Pflichten sind. Das ist die Grundlage unserer Religion, wie auch Moses in seiner letzten Ansprache an das Volk ausdrücklich sagteGott liebt alle Nationen und nimmt deren Frommen unter seinen Schutz. Deßhalb liegt uns nichts ferner als Bekehrungssucht, Alles was wir wünschen ist, mit unfern Mitbürgern in brüderlicher Liebe und Harmonie zu leben." Von sonstigen Neuigkeiten aus jüdischem Gebiethe theile ich Ihnen mit, daß die hiesige Gemeinde Ahavat Cliesed ihrem Kantor, Herrn Weltsch aus Prag, in Anerkennung seiner vorzüglichsten Leistungen, die er besonders am letzten Wochenfeste bewährte, eine Ehrengabe von 1100 Dollars votirtc. Bei der am 13. v. M. im Geuieindezimmer der Ahavat Chesed Synagoge abgehaltenen Versammlung wurde der Beschluß gefasst dem gefeierten Oberkantor in Wien, Herrn Sulzer, eine große goldene Medaille mit geeigneten Verzierungen und Inschriften in hebräischer englischer und deutscher Sprache nebst einer zweckentsprechenden von einem Kalligraphen auszuführenden Adresse als Erinnerung an sein stattgehabtes Amtsjubiläum zuzusenden. Daß der wackere Rabbiner vr. Hübsch aus Prag als Prediger der ebcngenannten Gemeinde hieher berufen wurde, setze ich bei den Lesern des Abendland als bekannt voraus. Das Eintreffen des neuen Predigers wird noch im Laufe des Sommers erwartet. Sein Abgang von Prag wird dort ebenso bedauert werden, wie wir uns mit dieser Aquisition freuen. Der Bericht über die 25 jährige Jubelfeier des Nächstenliebevereins in Prag, den der hier erscheinende „Hebrew Leader“ nach Ihrem „Abendland" brachte, hat besonders durch die ausgezeichnete Rede des Herrn Predigers Prof: vr. Kämpf viel Interesse erregt. Der treffliche Redner hat es verstanden, ein so allgemeines Thema, wie es die Nächstenliebe ist, mit so viel Geist und Gemüth zu behandeln, daß es ebenso jeden Leser erheben muß, wie es auf den Zuhörer mächtig wirkte. Der .verdienstvolle Redakteur des Hebrew Leader empfiehlt diese Rede als nutzreiche Lektüre für jene, die das heiligste Princip der Humanität nach eigner Weise auffassen. Verus. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Herr Med. vr. L. Straßer in Comotau der sich durch eiue lange Reihe von Jahren des allgemeinen guten Rufes erfreuet und ein Schwiegersohn unseres verehrten emeretirten Präses der israel. Cultusgemeinde-Repräscntanz Hr. Ernst Wehli ist, wurde von der dortigen Berghauptmannschaft zum Bezirksarzt über 80 Bergknappen ernannt. D. Wien. Die jüdische illustrirte Monatschrift von Arnold Hilldberg hat wegen anderweitiger literärischen Unternehmungen des Herausgebers zu erscheinen ausgehört. Herend (bei Vesprim). Herr Moritz Fischer, einer der hervorragendsten Industriellen der österr. Monarchie wurde in Anerkennung seines gemeinnützigen Wirkens in den ungarischen Adelstand erhoben. München. Herr vr. H. Stein wurde zum Bataillons- Arzt bei der Komandantschaft der k. Haupt- und Residenzstadt München befördert. — Der hiesige Cultuövorstand, Banquier Maxmilian Willmersdorfer wurde von Se. Majestät dem Könige von Sachsen zum sächs. Cousul in München ernannt, und wurde bereits von Sr. Majestät unserem Könige in dieser dienstlichen Eigenschaft anerkannt. — Die auch im Abendland mitgetheilte Nachricht von einer Anstellung des jHcrrn Rosenthal am hiesigen Stadtgerichte, wird von den „neuesten Nachrichten," welchen sie entnommen, als verfrüht bezeichnet. (Israelit) Gegen die in manchen Gegenden Bayerns vorgekommenen Judenexesse hat die Regierung energische Maßregeln ergriffen.—

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