Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 13 (21.6.1866)
- Date
- 1866-06-21
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Diese Mühe hätte sich der geschützte Schreiber der „Bemerkungen" leicht ersparen können, ich selber habe ja die Stelle aus dem Nizachon zitirt, mußte also ganz gut wissen um den flagranten Widerspruch, in welchem sich Ibn Esra puncto mn pia aSn ticx mit der Tradition befindet. Wer aber einen aufmerksamen Blick in den Kommentar Ibn Esra's zur betreffenden Stelle (Levit. 7, 23.) wirft, der ersieht bald aus der Art wie er seinem fragestellenden Zeduki antwortet, daß ihm die hicraufbezüglichen Traditionen ganz wohl bekannt waren, aber als Exeget stellt er das Resultat seiner unabhängigen Forschung hin, ohne daß cs darum seine Absicht sein muß die Giltigkeit der Tradition alteriren zu wollen. Es werden also alle Antitraditionellen Auslegungen Ibn Esra's keinen Beweis seiner llnkcnntniß des Talmuds Herstellen, erst wenn ein Beispiel ausgebracht wird, wo I. E. die Tradition mißverstanden und falsch aufgefaßt hat, erst dann und nicht früher kann man ihm einen höhern Grad talmudischcr Gelehrsamkeit absprcchen, und erst wenn nachgewiesen sein wird I. E. habe die praktische Geltung eines traditionellen Gebotes angegriffen und in Folge dieses Angriffes suspendirt wissen wollen, erst dann und nicht früher kann man ihn der Mißachtung der Tradition zeihen; insolange das nicht geschieht, bleibt mir sein eigener Ausspruch "'nan »6 neann nSyai„ das treue Karakteristikon seiner ganzen Richtung, er hat die Tradition genau gekannt, hat sie wohl geachtet und blieb nichtsdestoweniger der unabhängige Bibelforscher. Um Ibn Esra's Richtung näher zu kennzeichnen, habe ich mir in dem oben citirten Aufsatze eine Analogie erlaubt, ich sagte nämlich: „Rapoport (Didre schalem w’emeth S. 10. Abs. n) gestattet dem Uebcrsetz e r sich an den Wortfinn der Schrift zu halten und verweiset den Kommentator auf die Tradition; Ibn Esra seiner Zeit vindieirt auch für den Exegeten das Gebiet der Schrift und verweiset den Kasuisten auf die Tradition"— Dagegen nun bemerkt Herr Dr. Kodak, es sei dieses „eine schwankende Konjektur die weder richtig noch maßgebend sein kann!" „Selbst" so fährt Herr Dr. K. fort „wenn wir auch das Verfahren des sel. S. D. Luzzato in der biblischen Exegese vollkommen zu rechtfertigen wissen, so ist daraus. noch immer kein Schluß zu ziehen auf die Zeit des Ibn Esra!"—. Diesem Satze des Herr Dr. K. gegenüber bin ich wirklich in peinlicher Verlegenheit; weiß er nicht was ich sagen wollte, oder weiß ich nicht was er sagen will? ich mag mich anstrengen wie ich kann, so weiß ich doch keine Beziehung heranszufindcn zwischen dem waS ich gesagt und dem was Herr Dr. K. mir darauf entgegnet. Ich berufe mich auf einen Ausspruch Rapoports (Dibre schal, w’em. a. a. O.) wo er Philippsons antitraditionelle Uebersetzung des l^aa npT1! mit den Worten rechtfertigt „unS mpm TinS WB" ich knüpfe daran die Bemerkung Ibn Esra seiner Zeit habe den Lmtz dahin erweitert „mnS nSspm nnS X'ipsn rst^a," da tritt mir aber Herr Dr. K. mit dem Einwurfe entgegen, es sei kein Schluß zu ziehen auf die Zeit Ibn Esras aus dem Verfahren des sel. S. T>. ^uI^ako in d er b i b l. Ex e ge s e!! Offenbar hat sich Herr Dr. K. nicht die Mühe genommen mein Zitat näher nachzusehen, _ hat tn meine Worte einen fremden Gedanken hlnemkombtnirt und auf Grund seiner Kombination ohne wettere Prüfung, meine Konjektur als eine schwankende, die weder richtig noch maüaebend ist, einfach abgeschohen. om Berlaufe seiner Zeilen kommt der geschätzte Schreiber d°r „Bemerkungen" °„s das M-rit°riich° der Jnterpretatwnsweise Ibn Esra's zu sprechen und findet, daß sie zu nachtheiligen Folgen Veranlassung geben kann, dagegen ist die Tradition die beste Wcgweiserin au de Bahn der BibA künde. Wir sind keineswegs geneigt bicie Satze des Herrn Dr K (insoweit sie die Tradition betreffen), zu bestreiten. er, für die Trefflichkeit der Tradition als exegetisches Hilfsmittel anführt, das hätten ibm gewiß auch die alten Lehrer der Tradition gerne erlassen. „In Levit. 21, 9. heißt es rr"x nai während ibid 22, 12 — 13 nur pa na vorkommt. Stimmt dies nicht mit der Halacha überein, die da lehrt, daß pa na nur dam, mit nantn zu bestrafen ist wenn sie nxnw oder novix ist?"— Herr Dr. K. nimmt hier wx in dem Sinne von „Gatten, thut er es nicht, so hat er auch nichts gesagt; thut er es aber, dann muß man übersetzen nai" „die Tochter ihres Gatten" es müßte dann die Priestertochter die Gattin ihres eigenen Vaters fein! Herr Dr. Kobak möge an diesem seinem eigenen Beispiele sehen, was dabei herauskommt, wenn man des Guten gar zu viel thun will! Ich weiß übrigens nicht warum diesem eifrige» Verfechter der Tradition nicht recht ist was die Tradition selbst über dieses pa tP'X sagt xSx ’S px pa L"X nai Swn 'iai paS na’Jtn dazu Raschi's Glosse ^x 'iai ’S n»S 'a’n’ (Synhedrin 51, a.) Daß aber die Priestertochter nur daun mit na’ntP bestraft wird, wenn sie nvinx oder nxiaa ist, das leitet die Tradition aus der Analogie von pax ,Tax (Levit. 21, 9. Deut. 22, 21.) in wahrhaft trefflicher Weise ab, und weiset gewiß den neuen Derusch des Herrn Dr. Kodak entschieden zurück.— Dr. Ad. Hübsch. CorrespondenM. Vercelli. Die hiesige Israelitengemeinde hat am 20. v. M. durch den Tod eines ihrer hervorragendsten Mitglieder des Herrn Salvador Levi einen großen Verlust erlitten, der ebenso von der christlichen Bevölkerung, bei der er in hoher Achtung stand, empfunden wird — Der Verstorbene, durch mehrere Jahre Mitglied des Gcmeindevorstands, der Nationalbank und mehrerer öffentlichen Institute läßt eine fühlbare Lücke in alten jenen Verwaltnngszweigen zurück, denen er seine Thätigkeit zuwendete — Die Eultusgemeinde wird es nie vergessen, daß er den ersten Impuls zum Baue, eines neuen Tempels gegeben, und wenn, wie wir hoffen, die Ausdauer und der Eifer der Gemeinde das schöne Werk zur Vollendung bringen wird, so wird man sich mit Rührung erinnern, daß er den ersten Grundstein dazu gelegt— Durch seine großartigen Stiftungen erwarb sich der edle Mann unsterbliche Ansprüche auf die allgemeine Achtung und Dankbarkeit — Von seinen Legaten heben wir besonders hervor 50000 Frcs zu einem Asyl für arme Kinder— 26000 Frcs: von deren Interessen drei arme sechzigjährige Greise jährliche Pensionen erhalten, 18000 Frcs, deren Zinserträgniß zur Anschaffung von Lebensmittel, Wüsche etc. für Arme bestimmt ist — Sein Leichenbegängniß, obgleich nach alter jüdischer Sitte einfach und ohne Pomp, zeigte genügend von der Verehrung, die der Hingeschiedene genoß— Die ganze Gemeinde, jung und alt, auch die Schuljugend folgte dem Sarge bis zur letzten Ruhestätte. — Ein hiesiges Blatt widmete dem Verstorbenen einen warmen Nachruf, aus dem wir zur Ergänzung unseres Berichts Einiges anführen— Man weiß nicht, fap der christl. Verfasser, welches Lebensziel ihm von der V.' 'ehnng zugetheilt wurde, aber er konnte ihm auf keine würdigere Weise zustreben, als wie er es that. Er hat nicht bloß alle bestehenden wohlthätigen Institute der Stadt mit Legaten bedacht, sondern auch neue bleibende Werke der Mildthätigkeit geschaffen, von denen wir besonders folgende Bestimmungen seines letzten Willens nicht unerwähnt lassen können — In den gegenwärtigen Zeiten der Noth und des Elends ist das Leihamt überfüllt von Pfändern, welche die ärmste Klasse der Bevölkerung einlegen, um mit den letzten ärmlichen Habseligkeiten ihren Hunger zu stillen - Levi, aus dieses Elend bedacht, verordnete, daß alle seit 6 Monaten eingelegten Pfänder bis zum Darlehensbetragc von 3 Lire aus seinem