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Das Abendland · 1866-06-21 · 13 (21.6.1866) · p. Seite 104

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
13 (21.6.1866)
Date
1866-06-21
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Amsterdam. Ueber 10000 Juden beschäftigen sich hier mit Diamantenschneiden- und Schleifen, alle diese Arbeiter sind arm und schlecht bezahlt. Nur die Arbeitgeber ziehen bedeutenden Gewinn aus diesen Unternehmungen— Zürich. Die hiesige 28 Mitglieder zählende Jsraeliten- Gcmeinde ist schon seit längerer Zeit im Besitze eines eigenen Gottesackers der anläßlich der ersten am 31. v. M. stattgefundenen Beerdigung von dem eigens zu diesem Zwecke hieher berufenen Herrn Dr. Kayscrling Rabbiner in Lengnau feierlichst cingeweiht wurde. Rom. Aus einem Nekrologe des Educ. Israel, erfahren wir, daß in Rom noch heutigen Tages der Talmudunterricht verboten ist und nur von einzelnen Lehrern im Geheimen betrieben wird. Petersburg. Ein kaiserlicher Mas gestattet den Juden die unbeschränkte Niederlassung in der Stadt Nikolajew, in welcher früher nur die jüdischen Kaufleute Heimathsrecht erlangen konnten. (Hamagid). Odessa. Auf Anregung des Predigers vr. Schwabacher wurde hier eine Handwerksschule für arme jüdische Kinder ins Leben gerufen, welche bereits segensreich ihre Thätigkeit entwickelt. 18 Lehrlinge erlernen thcils das Tischlertheils das Schlosserhandwerk, und erhalten zweimal wöchentlich Unterricht in der Religion, im Schreiben, Rechnen und den nöthigsten Schulgegenständen. Eine treffliche Beaufsichtigung und Leitung des JnstWts berechtigt zu der Hoffnung, daß mit der Zeit bei den Mffischen Juden die Liebe zum Handwerkerstande bedeutend zunehmen werde, (ibid.) Berakruz. Kaiser Maxmilian hat dem isr. Graveur Stern den Guelphenorden verliehen. Der Ausgezeichnete, aus Frankreich stammend übt seine Kunst am französischen Hofe aus. Capstadt. (Afrika). Die Königin von England hat unfern Glaubensgenossen Simon Jakob Esqu, zum General- Procurator ernannt. Tunis. Der neu angestellte Ober - Polizeidirektor Sid Salm Porik zeichnet sich vor seinen Vorgängern durch Toleranz und Gerechtigkeitsliebc aus. Unsere Glaubensgenossen daselbst haben sich schon zahlreicher Beweise seiner Humanität zu erfreuen. — Peruambuko. (Brasilien) Hier wurde ein jüdischer Wohlthätigkeitsverein gegründet, der namentlich für arme Kranke eine sehr ersprießliche Thätigkeit entwickelt. — Suchschau. 31. Aus dem Orient von Heinrich Brugsch 2 Theile Berlin, Große 1865. Bekanntlich hat der als ausgezeichneter Ägyptolog geschätzte Verfasser, der bereits in den Jahren 1853 und 1854 eine wissenschaftliche Reise nach dem Nilthale unternahm, und darüber seine „Reiseberichte aus Egypten" Leipzig 1854 schrieb, und welcher dann auch in den Jahren 1860 und 1861 Persien bereiste also mit dem Orient schon vielfach bekannt worden ist, im Herbst 1864 seine bisherige Stellung in Berlin als Privatdocent an der dortigen Universität aufgegeben: er hat gewissermaßen die Wissenschaft mit der Diplomatie vertauscht, und ist seitdem preußischer Generalconsul in Cairo. Was dabei die Wissenschaft in Europa unmittelbar verloren, indem sie einen ihrer treuesten und begabtesten Jünger an die Diplomatie abtrat, das kann sie dort in anderer Weise vielfach wieder gewinnen! Da der Verfasser aus einem ihm schon vertrauten Gebiete durch seine Forschungen in dem Lande selbst, dem sie angehören wissenschaftliche Zwecke um so thätiger und erfolgreicher zu fördern vermag. Inzwischen hat er noch kurz vor seinem Weggang nach dem Orient allen denen die für den letztern ein allgemeines Interesse haben mit vorliegenden Bildern „aus dem Orient" em angenehmes Erinnerungszeichen hinterlassen. Was er darin gibt, sind eine Reihe von öffentlichen Vorträgen, welche er innerhalb der letzten neun Jahre in Berlin, seiner Vaterstadt gehalten und über Gegenstände, die sich auf dem Gebiete des alten und neuen Orients mit besonderer Bevorzugung bewegen. Für uns hat der zweite Theil das meiste Interesse. ' Im zweiten Theile der vorliegenden Sammlung „Aus dem Orient" zieht zunächst das aus einem altegyptischen Papirus, unter Anwendung der Regeln der hierogliphischen Grammatik, vom Verfasser treu übersetzte 3000 Jahre alte ägyptische Märchen, durch seine kunstlose Einfachheit, seine humerischkindliche urmenschliche Anschauung und durch seine Sprache die auf das lebendigste an den Ausdruck dar biblischen Bücher des Moses erinnert, eben so an, als es für sich durch seinen Ursprung und durch sein nachweisbar hohes Alter ehrenwürdig ist. In anderer Weise enthält der zweite Aufsatz: „Moses und die Denkmäler," überraschende Aufschlüsse über die mosaischen Berichte der Schrift und weist den Zusammenhang nach, zwischen den mosaischen Urkunden und den Ergebnissen, der neuesten monumentalen Forschung und urkundliche Nachweisen auf den altegyptischen Denkmälern welche mit jenen mosaischen Berichten gleichzeitige Zeugnisse liefern. Der Vortrag, „Was sich die Steine erzählen" handelt in geistreicher Weise nicht bloß von der geheimnißvollen Sprache der Steine im allgemeinen, sondern gibt zugleich nach dem, was uns die altersgrauen Steine der aegyptischen Denkmälerwelt berichten mannigfache nicht weniger überraschende Auskunft über den Inhalt der Sitteulehre, und klärt uns über den tiefen Ernst der Anschauung von der Bedeutung des menschlichen Lebens bei den alten Ägyptern und den tief wurzelnden religiösen Sinn bei ihnen auf, so daß der Vers, sich zu dem Ausspruch veranlaßt findet, die alten Ägypter hätten „ihre Mission in der Weltgeschichte als strebsames Culturvolk erfüllt." Die Cultur und die Moral Ägyptens brachte aber Israel als „großes Vermögen" in die asiatische Welt. vr. M. Duschak. Conlmrs. In der Klaus-Synagoge zu Prag ist die Stelle eines Eantors erledigt. Verheirathete Bewerber, die der hebräischen Sprache kundig sind, und auch die Gesänge des alten Ritus inne haben, wollen ihre Gesuche belegt mit den glaubwürdigen Nachweisungen über ihren religiösen und moralischen Lebenswandel, bis Ende Juli 1866 beim gefertigten Vorstande einbringen, so wie einem Probevortrag sich unterziehen. Ueber die Bedingnisse ist der Vorstand bereit, nähere Auskunft zu ertheilen. Prag, den 14. Juni 1866. Der Dorstand der Klaus-Synagoge- Fricbmann Lriprn. Herrfchmau« Liebe». Druck von Senders ö- Brandeis in Prag.

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