Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 13 (21.6.1866)
- Date
- 1866-06-21
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Pflegt. Sie gehen vielmehr aus der Sachlageselbst hervor. Wir werden uns bei der Darstellung derselben schon aus dem Grunde kurz fassen, um dem Gedankengange des geehrten Lesers freie Bahn }” ^ssen, was bei einem Gegenstände wie der unsrige geboten ^scheint. Fassen wir zuerst die subjektive Seite unserer Frage in's Auge, — Unbedingt müßte ja der isr. Fcldprediger den Religionsgesetzen gemäß leben können! Aber würde ihm dies im Felde, den raschen Wechsclfällcn des Krieges, den häufigen Entbehrungen im Lagerleben ansgesetz', nicht ungemein erschwert werden? Wenn der isr. Combattant den Sabbat verletzt und die Spcisegesetzc nicht beachtet, so weiß man dies zu entschuldigen. Aber wo nähme der isr. Nichtcombattant und das bleibt ja der Feldprediger immer, die erforderlichen Jndulgenzcn her? Stünde auch bei ihm die unumgängliche Thatsache der Nibcrtretung im rechten Verhältnisse zur unerläßlichen Nothwendigkeit derselben?- Betrachten wir nun die Frage von ihrer objektiven Seite und erwägen wir dabei vor allem den Umstand, daß diese Frage in der Schwüle, die einem jedem Kriegsungewitter vorhergeht, aufgeworfen wurde. Und da ist der Geist zu aufgeregt, utn nicht rasch zu rathen und zu beschließen, um nicht alle Bedenken ohne weiters zu beseitigen, sie mögen begründet sein oder nicht. Warum tauchte unsere Frage nicht in Friedenszeiten auf? Ist etwa in solchen Zeiten der isr. Soldat weniger ein Bekenner seines Glaubens, verdiente da sein besonderes religiöses Bedürfniß weniger Berücksichtigung und Entgegenkommen? — Allein in ruhigen Zeiten denkt man auch ruhiger, besonnene und wird man sich des gerechten Zweifels am Zustandekommen einer Unternehmung kla? rer bewußt. Wenn sich in Friedcnszeiten Dieser oder Jener, der sein Judenthum achtet, die Frage stellt: „Warum fehlen in unserem Heere isr. Feldprediger?" — so giebt er sich nach reiflicher Uiberlegung die Antwort: „Es sind einer solchen Institution die äußern Umstände nicht günstig." Die isr. Krieger sind in den verschiedensten Truppenkörpern und Waffengattungen zu zerstreut und vertheilt, um auch nur halbwegs zu einer jüd. unter der geistlichen Leitung ihres Predigers stehenden Feldgemeinde vereinigt werden zu können. Und im Judenthum ist es eben die Gemeinde, und am allerwenigsten der Einzelne, die des Predigers oder des Rabbiners bedarf. Die r eltgiöf en Bedürfniff e des Einzelnen kann schon der isr. Krieger selbst, ohne Mithülfe eines Geistlichen befriedigen, oder wird ihn nöthigenfalls sein jüd. Kamerad, der an seiner Seite oder in seiner Nähe ist, Befriedigung gewähren können. Und doch werden unsere für die Ehre und das Recht unseres Kaiserstaates kämpfenden Glaubensbrüder — ich bin davon aufs tiefste überzeugt — auch im bevorstehenden (und zur Zeit wo diese Zeilen von dir, geehrter Leser, beherzigt werden, vielleicht bereits pusZebrochenen) Kampfe nicht ganz ohne geistlichen Trost und Zuspruch bleiben. Eben so wie der garnisonirende isr. Soldat von dem Seelsorger derjenigen Gemeinde, in deren Mitte er sich befindet, nach Kräften in seinem religiösen Leben gefördert wird, so wird es ihm auch im Felde dort nicht daran fehlen, wo in der unmittelbaren Nähe des Lagers und der Wahlstatt' ein wackerer Rabbiner wirkt. Und sollte ihn das Schlachtenschicksal ins Lazareth bringen, so wird er da um so sicherer den Seelenhirten an seiner Seite finden. Denn wenn es den in den verschiedenen Strafanstalten untergebrachten isr. Verbrechern nicht an einem solchen Beistände gebricht, um wie viel mehr werden sich in der Nähe der Feldspitäler und Garnisonslazarethe wohnenden Rabbinen und Prediger mit freudiger Bereitwilligkeit bemühen, um für diejenigen ihrer Brüder Sorge zu tragen, die auf dem Felde der Ehre und des Ruhmes von Feindeswaffen getroffen worden, die auch den jüdischen Namen mit ihrem Herzblut auf die Fahne der Vaterlandsstreue hinschreiben!— Eines besondern priesterlichen Aufrufes vor der Schlacht bedarf jetzt der isr. Krieger nicht! In ihm lebt das Gefühl für Recht und Wahrheit stark genug, um dem Tagesbefehl seines Feldherrn, dem Rufe seines kaiserlichen Kriegsherrn begeistert in das Schlachtgewühl zu folgen. Der isr. Soldat erfüllt mit demselben Patriotismus seine Pflicht wie jeder Andere, denn er kennt den ewigen Schlachtruf der Menschheit: „Es gilt einen Kampf für Gott gegen den Feind des Rechts und des Friedens!*) Mas von Wilna. Eine biographische Skizze von vo. M. Dnschak. Dieser gefeierte Mann blühete zu einer Zeit, in welcher das geistige Leben des Judenthums mit Nebel und dichter Finstcrniß bedeckt war, die Heroen des Talmuds von Wissenschaft und den Strömungen der Zeit nichts ahnten. Er war zu seiner Zeit eine Erscheinung, und ist heute noch der Gegenstand allgemeiner Bewunderung und der ungetheiltesten Verehrung. Man braucht nur dm Namen Elia Wilna zu nennen, und man wird von Bewunderung und Ehrfurcht erfüllt, und man hat den höchsten Grad von Sittlichkeit, Religiosität, Gelehrsamkeit und Klarheit des Geistes genannt. Die Charakteristik dieses seltnen Mannes erfährt man 1) Aus Maase Rab von Mardechai Bär Wilna. Wilna und Grodno 1-832. 2) Ans Aderet Elia Trauerhomilie über E. Warschau 1798. 3) Ans der Leichenrede von M. Wolf Rabbiner in Bialostock abgedruckt in Agudat Esob. Bialostock 1824. 4) Aus der Trauerhomilie von Jehuda Löw Edel Rabbiner in Slonim abgedruckt in Asike Jehuda. Lemberg 1802. 5) Aus der Trauerhomilie von Hillel ben Wolf im Lelel den sebuellur. Bialostock 1804. 6) Dergleichen Altona 1799. 7) Aus der Charakteristik von Josua H. Lewie, Aliot Eliahu. Eliah erblickte das Licht der Welt im Jahre 1720 in Wilna. Sein Vater hieß Salomon SalmanZ) und war der Abkömmling einer sehr gelehrten und angesehenen Familie aus Wilna; seine Mutter Treine war in Selz gebürtig, einer Stadt unweit Brisk in Litauen. Zu den Urahnen Eliahus zählt man den berühmten Moses Ribkis, den Verfasser des Beer Hagola, und Mose Krämer Rabbiner in Wilna. El. war der erstgeborene Sohn seiner Eltern, und hatte noch vier angesehene Brüder, die alle hervorragende Rabbinen waren, die er aber alle überragte. Schon in seiner frühesten Kindheit gab sich sein eminenter Geist kund, sein schön geformtes Antlitz strahlte von Weisheit, und verrieth seinen hohen ungewöhnlichen Geist. Schon in seinem siebenten Jahre hielt er in der Synagoge zu Wilna einen Vortrag über ein talmndischcs Thema mit solcher Präcision, daß er das allgemeine Staunen erregte. Am Abende desselben Sabbats lud ihn der Wilnaer Rabbiner zur Abendmahlzeit, und alle anwesenden Gelehrten staunten über die Gymnastik des kindlichen Geistes, indem der kleine E. ans alle Fragen eine Antwort hatte, und nach einer Stunde Bedenkzeit über das vormittägige Thema staunenswerthe Novitäten zu Tage förderte. Cs fehlte nicht viel, so hätten ihn alle Anwesenden umarmt und geküßt. Der damals in Wilna anwesende Abraham Katzenellenbogen Rabbiner in Brisk erbat sich vom _ Vater den begabten Knaben auf einige Zeit, jener willigte ein, El. wurde in das Haus des Vaters von Ab. Katzenellbogen gebracht, wo er noch ein Viertel Jahr Unterricht genoß. Als er das achte Jahr erreichte, waren seine Lernjahre zu Ende. Nun begann er seine selbstständigen Forschungen, er vertiefte sich zunächst in das so dunkle und rätselhafte Gebiet der Agada, durchwanderte dann das ganze Gebiet der Halacha, und schreckte in seinem neunten Jahre auch vor den Mysterien der Kabbala nicht zurück. Während er dem Talmud mit einemStudiengenossen oblag, in seinem zehnten Jahre war es Arje Löb, Rabbiner in Tschechnowitz — studirte er dre — Ipbisyn 'nb nonbo (* ') E. fand seinen Namen in d. Verse rfcbv '7^ "lsogleich, als ihm, der alles in der Bibel fand, die Aufgabe stellte, sich selbst m Sibel zu finden.