Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 13 (21.6.1866)
- Date
- 1866-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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III. Jahrgang. Qprag den 21. Zuni 1866. Ur. 13. Central-Organ für alle zeitgemäßen Interessen Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: des Iudenthums. J>. Lhrmann- Prämlmerationsbetraq ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung in's Hausfür's Ausland aanzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Geistgasse Nr. 908—l. — Inserate werden billigst berechnet. Diejenigen P. T. Herren Abonenten, deren Abonement mit dem Monate Juni zu Ende geht, werden um gefällige Erneuung desselben gebeten; auch wird um Einsendung der rückständigen Beträge höflichst ersucht. Für's Vaterland. Der Krieg ist ausgebrochen. — Alle Anstrengungen unseres hochherzigen Monarchen den Frieden zu wahren und die verheerende Kriegsgeißel vom Reiche fern zu halten, scheiterten an dem Muthwillen übelwollender Nachbarn im ^Norden und im Süden, die um jeden Preis den Krieg wollen, und mit Verhöhnung aller Rechtsbegriffe zum Kampfe her ausfordern. Oesterreich hat eine edle Selbstverleugnung an den Tag gelegt, wie sie kaum in der Geschichte ihres Gleichen hat;— allein was nützt alle Friedensliebe, wenn der Nachbar Streit sucht. Was sich nur immer mit der Ehre und der Machtstellung unseres Vaterlandes verträgt ist geschehen, um die Furien des Krieges zu verscheuchen; kein Mittel der Versöhnung und der Nachgiebigkeit blieb unbenützt, um die Wuth des Feindes zu bändigen; doch dieser scheint die Nachgiebigkeit als Schwäche zu betrachten, und wird in seinen Herausforderungen um so maßloser und ungerechter. — Zu spät wird er seine Täuschung gewahr werden. Oesterreich war nachgiebig im Bewußtsein seiner Macht, nun, da alle Mittel zur Erhaltung des Friedens erschöpft sind, steht es kampfgerüstet da, und wird unter dem göttlichen Beistände, der niemals einer gerechten Sache fehlt, alle seine Feinde besiegen. — Der Enthusiasmus des glorreichen Heeres geht mit der Opferwilligkeit aller unter Oesterreichs hohem Szepter stehenden Völker Hand in Hand. — Die innigste Liebe und Hingebung für Thron und Vaterland beseelt alle Herzen, und jedermann ist bereit für Vertheidigung der heiligsten Rechte Gut und Blut zu opfern. — Die patriotischen Kundgebungen häufen sich in dem Maße als die Kriegsgefahr immer drohender wird, und die tapfern Heere unseres erhabenen Kaisers ziehen mit dem freudigen Bewußtsein in den Kampf, daß das ganze Volk hinter ihnen steht. Daß unsere Glaubensgenossen in dieser werkthätigen Begeisterung, in dieser freudigen Opferwilligkeit nicht Zurückbleiben, haben bereits die Berichte der Zeitungen aus allen Theilen des großen Reiches bestättigt. Die Israeliten, denen schon die Religion die Liebe zum Vaterlande als erste Bürgerpflicht einschärft, werden in dieser heiligen Pflichterfüllung noch durch das Gefühl der Dankbarkeit gegen den weisen und ritterlichen Herrscher, der ihnen gnadenvoll die Pforten der Gleichberechtigung eröffnete, bestärkt. — In allen größeren Städten des Reiches haben stk nebst ihrer warmen energischen Betheiligung bei allen Hilfsvereinen, selbstständig Subscriptionen eröffnet, Spitäler eingerichtet, Unterstützungscomites ins Leben gerufen. In Wien, Lemberg, Pest, Ofen, Triest, Prag, Brünn wetteifern Eorporationen und Private Männer und Frauen, Arme und Reiche in der Ansübung dieser Liebeswerke, und die Israeliten auf dem Lande geben ebenso ihren patriotischen Eifer kund — Jeder legt opferwillig sein Schärslein auf den Altar des Vaterlandes, und setzt sein Alles ein, wo es gilt Thron und Reich vor schnöden Angriffen zu schützen. — Wir halten es für überflüssig die einzelnen patriotischen Akte von Seiten unserer Glaubensgenossen zu rcgistriren, und konstatiren bloß im Allgemeinen den bethätigten Eifer als ein erfreuliches Factum, das nicht minder der religiösen Ueberzeugung als der Liebe zum Vaterlande seine Entstehung dankt. — Es bedarf keiner Worte der Ermahnung und Aufmunterung, um diesen Eifer warm zu erhalten und zu erhöhen, wir sind überzeugt, er wird sich mit jedem Tage steigern und thatkräftig bewähren —■ Vom religiösen Standpunkte weisen wir aus die erhebenden Schlußworte des kaiserlichen Manifestes hin, welches zum Gebete für den glücklichen Erfolg der österreichischen Waffen anffordert, und zweifeln wir nicht, daß in allen jüdischen Gotteshäusern unseres großen Vaterlandes inbrünstige Gebete emporsteigen werden zu dem Herrn der Heerschaaren, der den Sieg verleiht und den Krieg entscheidet, daß er unfern erhabenen Herrscher und unser theueres Oesterreich vor jedem Unglück bewahren möge. — In diesem gläubigen Vertrauen sei und bleibe unsere Devise — Bereit zu jedem Opfer für's V at e r la n d.— Mine Ercurftonen in das Reich unserer Z-eale. von Rabbiner vr S. H. Sonneschein in Warasdin. V. Israelitische Feldprediger. Indem wir die von achtbarer Seite vorgeschlagene Anstellung isr. Feld Prediger in unserer herrlichen, kampfbereiten Armee zu den Idealen zählen, glauben wir ganz im Sinne all derjenigen zu schreiben, welche jede neu zu schaffende Einrichtung, es sei auf welchen Gebiete immer, vom praktischen Gesichtspunkte aus beurtheilen. Unserer Ansicht nach gehört das Institut isr. Feldprediger oder Feldrabbiner — Der Name thut der Sache auch da keinen Abbruch — bei uns in Oesterreich zu den kaum erreichbaren, wenn auch in ihrer Berechtigung unangefochtenen Dingen, weil ihm auf dem Wege zur praktischen Verwirklichung die mannigfachsten Hindernisse begegnen müßten Und diese Schwierigkeiten wären, wie wir gleich sehen we'rden, keineswegs feindseliger Natur, solche, wie man sie hin und wieder den rechtmäßigsten jüd. Ansprüchen zu bereiten 13