Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1866-06-07 · 12 (7.6.1866) · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
12 (7.6.1866)
Date
1866-06-07
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9050333-9088929-9050754--0433-9050761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

sammelten Spenden für die Familie Luzzato's wie folgt: Edle von Portheim 50 fl. S. A. Pribram 100 fl. N. Hellmann 50 fl. Rosenfeld 50 fl. Ritter v. Lämel 50 fl. Dormitzer 50 fl. Jakob Freund 50 fl. A. B. Bacher 50 fl. I. I. Wien 50 fl. Brüder Schwab 50 fl. Gustav Fischet 30 fl. S. L. Sobotka 30 fl. zusamen 610 fl. Wien. Herr vr. Güdemann, Rabbiner in Magdeburg wird seine hiesige Predigerstelle im nächsten August antreten. Baiern. In einigen Dörfern Unterfrankens haben Excesse gegen die Juden stattgefunden — Solche gingen von dem rohesten Pöbel aus, der noch immer die Achtung vor fremdem Eigenthume nicht kennt, und das achte Gebot entweder niemals gelernt oder schon' vergessen hat. Berlin. Herr vr. Aub, Rabbiner zu Mainz wurde an die Stelle des seligen vr. Sachs hieher berufen. Herr vr. Aub wirkte früher viele Jahre in Beureith, wo er auch eine jüdische Zeitschrift unter den Titel: „Sinai" redigirte — Nach seinem bisherigen Wirken zu schließen, gehört er der Fortschrittspartei an. Palästina. Die hebräische Zeitschrift „TJön" enthält einen Aufruf aus Liberias an die wohlthätigen Glaubensgenossen in Europa, welcher die traurige Lage der dortigen Juden in herzzerreißendm Worten schildert. — Die Cholera wüthet daselbst furchtbar und die schreckliche Noth übersteigt alle Grenzen. Liberias hat zwei jüdische Gemeinden von denen jede ungefähr 1200 Seelen zählt. Jerusalem. Unter den vielen Neubauten die in den letzten 10 Jahren in Jerusalem ausgeführt wurden und zur Verschönerung der heiligen Stadt beitragen, ragen besonders einige für jüdische Zwecke errichtete Gebäude hervor. Der Umbau der Synagoge der Aschkenasim wurde mit einem Kostenaufwande von mehr als eine Million Piaster bewerkstelligt. Ein Rothschild legte den Grundstein: es ist ein Prachtbau mit hochhinaufragender Kuppel — Die von Montefiore errichtete Windmühle kostete über 1000 Pfund Sterlinge, sie ist mit Ausnahme des Sabbath in ununterbrochener Verwendung— Eine von einem Rabbiner erbaute Synagoge ist gleichfalls eine Zierde der Stadt — Ein Armenhaus, auf dem Felde Montefiore's erbaut, und ein anderes für deutsche Juden sind nicht minder hervorragende Gebäude. Callifornien. In San Francisko wird eine Synagoge mit einen Kostenaufwande von 150000 Dollars erbaut. Im Charakteristik biblischer Personen. 4. Josef und seine Brüder. Die heilige Schrift führt uns ein rührendes Bild des Edelmuths und der Bruderliebe vor. — Die Söhne Jacobs waren von dem Leichenbegängnifle ihres Vaters zurückgekehrt, ihr Herz war von Trauer und Wehmuth um den erlittenen großen Verlust erfüllt; der Trieb der Selbsterhaltung drängte jedoch diese kindlichen Gefühle zurück, um der Furcht und der Besorgniß den Platz zu räumen. — „Wenn uns nur Joseph nicht haßt, und uns jetzt alles Böse vergilt, was wir ihm angethan." — Sie warfen sich dem mächtigen Bruder zu Füßen und fleheten um Verzeihung für ihr begangenes Unrecht. Und wie benahm sich Joseph ihren Bitten gegenüber? dachte er daran, wie sie einst seinem Weinen und Flehen, das Ohr verstopften, wie sie alle brüderlichen Gefühle verleugneten, und ihn ohne Erbarmen unsäglichem Elend, unsäglichen Leiden preis gaben, um sich jetzt zu rachen oder wenigstens an ihrer Angst zu weiden? Keineswegs! er verzieh rhnen vollständig aus ganzem Herzen, ohne Hehl, ohne Rückhalt, ohne Bedenken. — „Er tröstete sie, er redete ihnen freundlich zu." — Solche glänzende Bilder der Tugend und des Seelenadels führt uns die heilige Schrift vor, deren Reize unvergänglich sind, deren Glanz nie verwischt wird — oit« ihrer Sonnenhöhe bestrahlen sie unfern Geist, erwärmen ste unser Gemüth. — Geschlechter kommen und vergehen, die Zeit singt dem einem das Wiegendem Andern das Grabeslied die Menschen ändern sich, die Verhältnisse gestalten sich anders, was den Vätern wichtig und theuer war, was das Streben ihres ganzen Lebens ausfüllte, das lassen die Kinder unbeachtet liegen, das ist ihnen gleichgültig, andere Gedanken, andere Bestrebungen beschäftigen ihren Geist; doch auch diese werden mit ihren Gebeinen eingesargt, die Nachkommm suchen wieder einen neuen Wirkungskreis oder verfolgen wieder eine neue Richtung. Allein jene unsterblichen Thaten der heiligen Männer, die am Horizonte des Glaubens als Muster und Beispiel voranleuchten, verändern nie ihre Stellung, verlieren nie an Bedeutung, die großen Charaktere der Bibel nützen sich nie ab, die Thaten jener göttlichen Männer werden so lange angestaunt, als der Mensch einen warmen Herzensschlag fühlt, so lange warmes Blut in seinen Adern rollt. — Das sind nicht Modehelden, denen im Rausche gehuldigt wird, um sie in der Nüchternheit recht in ihrer Blöße zu erkennen und bei Seite zu setzen, das sind höhere Bildungen der Gottheit, das sind erhabene Gestalten, denen kein Zeitalter die Bewunderung versagen kann. Das Leben der Patriarchen, die Tugend eines Joseph, die Größe eines Moses, die Geisteskraft der Propheten, sie werden seit Jahrtausenden in tausenden von Formen im Gottcshause in Volksversammlungen, am heiligen Altäre, im Familienkreise der gläubigen, aus den Fesseln des Wahnes und des Jrrthums befreiten Menschheit als Muster vorgeführt, und der Stoff ist nicht erschöpft, der Born der ewigen Wahrheit fließt fort und fort inv" D'm irnr> n'n „Viele haben daraus getrunken, haben Labung und Erquickung eingeschlürft, noch werden viele daraus sich laben und erquicken 12? rrvL 7>3 'in D'üfj (Jesaias) —„ Die ihr dürstet nach Belehrung und Erbauung, die ihr dürstet nach Wahrheit, kommt nur zur Urquelle des Glaubens, kommt nur zur heiligen Torah, ihr findet was ihr sucht. — Fassen wir den schönsten Charakterzug aus dem Leben Josephs in's Auge, denn wahrlich als er seinen besorgten Brüdern Muth zusprach, stand er höher als am mächtigen Throne der Pharaonen. v1?« O->212 ppv im. „Joseph weinte als die Brüder zu ihm sprachen, als sie ihn um Verzeihung baten." Alle seine Leiden waren vergessen, er dachte nur an die bedrängten Brüder und ihre Lage rührte ihn zu Thränen; so war es ihm leicht zu verzeihen. Thränen sind Perlen in der Krone unsrer Menschenwürde, das Thier fühlt auch den Schmerz, es kann schreien, winseln, heulen; weinen kann nur der Mensch, das ist ein Vorrecht des Seelenlebens. Thränen sind die Perlen, die Gott in seiner Schatzkammer aufbewahrt, um sie der leidenden Menschheit vom Himmel als Thauides Segens herabträufeln zu lassen. Es weint die Freude wie der Schmerz, es weint jedes höhere Gefühl, das sich im Menschen kund gibt; es weint die Mutter an der Wiege ihres kranken Kindes, es weint der Vater am Ehrentage sei» nes Sohnes, wir weinen am Grabe unsrer Theuern, wir weinen auch bei der schönsten Blüthe ihres Glückes, es überfließt das Auge ebenso bei der Anerkennung wie bei der Verkennung der Menschen, es weint der gekrönte Ruhm wie der gekränkte Stolz; und so lange der Mensch noch Thränen hat, so lange der Feuerbrand der Leidenschaft und der bösen Begierden noch nicht alle bessern Säfte des Gefühls ausgesogen und ausgetrocknet hat, so lange ist auch der Mensch noch empfänglich für das Gute und das Schöne, so lange ist er auch noch nicht verloren, wie er auch immer auf Abwege und Irrwege gerathen sein möge. Wenn du dein Kind seiner Fehler wegen zurechtweisest, wenn du ihm seinen verfehlten Lebenswandel vorhältst, wenn du ihm sein Unrecht zu Gemüthe führst — und es weint — o süße Hoffnung! es ist nicht verloren, es steht ihm noch der Rückweg offen. Joseph der große Denker, der Mann der Weisheit und der Erfahrung, er schämte sich der Thränen nicht. Da haben wir die unverwüstliche Jugend, die unverwüstliche Unschuld. Unsere Zeit ist nur darum so kalt so nüchtern, so überweise und darum so gefühllos, weil sie das Weinen verlernt hat. In den Lebensbeschreibungen der größten Männer, der berühmtesten Helden des Alterthums ist .manches

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.