Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 12 (7.6.1866)
- Date
- 1866-06-07
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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96 nasse Auge verewigt; unsere Zeit schämt sich der Thräneu. O, Menschen, lernet von Joseph weinen, lernet von ihm verzeihen. Wenn dein Herz von bitterem mächtigem Hasse gegen Deinen Nebenmcnschen ersüllt, wenn du ein Dir zugefügtes Unrecht, eine Dir zugefügte Beleidigung gar nicht vergessen kannst, wenn der Durst nach Rache dich Tag und Nacht quält, wenn er den Schlaf von deinen Augen, die Ruhe von deinem Nachtlager scheucht, wenn er dein Geblüt erhitzt und alle deine Nerven schlagen macht, wenn es von dir heißt — E?]*nx 2'1K 72K „Es spricht der Feind: ich verfolge ihn bis ich ihn erreicht habe, bis er unglücklich gebeugt und zerknirscht zu meinen Füßen liegt, wenn du nicht befriedigt bist, bis Deine Rache sich gebadet und gekühlt hat in den großen Fluthen seines Elends und seines Mißgeschicks, wenn deine Wuth nicht nur den Feind sucht, sondern sich sogar erstreckt auf sein unschuldiges Weib, auf seine unschuldigen Kinder auf seine Verwandten und Freunde, und wie es häufig vorkömmt, sogar auf seinen Grabeshügel; halt ein! du stehst am äußersten Rande des sittlichen Abgrundes, du bist nahe daran ein Scheusal der Menschheit zu werden, ein Scheusal, welches im Jenseits vom Paradiese nicht ausgenommen, und auch von der Hölle ausgespieen wird 17 *71212 SiKtP 711^2*? 27iin (Psalm) „ihre Leidenschaft überdauert selbst die Hölle, die ihnen keine Wohnung biethet." Menschen die ihr von Haß und Rache gequält werdet, lernet von Joseph erbarmen, lernet von ihm verzeihen. Wodurch gelangt aber der Mensch dazu sein Rachegefühl zu bezähmen, und sich einen versöhnlichen Geist zu verschaffen. Auch darüber kann uns Joseph belehren. „Ihr habet es wohl böse gemeint, sprach Joseph zu seinen Brüdern, aber Gott hat es zum Guten gewendet. Als der fromme König David, der so viel von der Bosheit der Menschen zu leiden hatte, wegen der Empörung seines ungerathenen Sohnes Absalon die Flucht ergreifen musste, da siel ihn ein böser Mann, der Benjamite Schimi heftig an, - schimpfte und fluchte ihm, nannte ihn einen Tyrannen, einen Bluthund und kränkte den unglücklichen Vater aufs Empfindlichste. Da wollte ein Freund und Feldherr Davids den Lästerer wegen seiner Schandthat tödten doch David wehrte es ihm, indem er sprach: „Laß ihn fluchen, gewiß hat es ihm Gott geheißen: Fluche den David! und wer dürfte dann zu ihm sagen: Warum thust du also?" — (Das Buch Samuel.) (Schluß folgt.) Cm üouquet frommer Wünsche von L. i. Fromme Wünsche und noch dazu ein ganzes Bouquet? Hat man denn nicht genug an einen, der nicht in Erfüllung geht, nicht genug an ein Blümchen, das nicht zum Vollgeruch gelangt, muß cs noch ein ganzes Sträußchen seyn? Es liegt aber so in der Menschennatur, daß er sich und Andere plagt und quält nicht nur mit dem, was er hat, sondern vorzüglich mit dem, was er nicht erlangt, und nun ein frommer Wunsch, wie lange kann man mit ihm den Plagegeist spielen? und wenn man überallhin mit Stoßseufzern ihn begleitet, in einer andern Hülle ihn kleidet, mit andern Sächelchen ihn aufputzt, es ist doch immer dasselbe Gesicht, das schon anwicdert, wie ein oft wiederholtes Thema einer Predigt, wenn sie auch manche neue schöne Rcdefiguren zur Verzierung hat. Mit einem frommen Wunsche quält man nicht auf die Dauer, man emanzipirt sich von demselben, indem man ihn einfach überschlagt; aber mehrere und noch dazu pomphaft angekündigt, das hat nach mehreren Seiten hm sein Gutes: es macht Effect, regt die Neugierde auf, bte tn ihrer Spannung übersieht, daß der eine oder der andere die Auferstehung feiert, auch tröstet der eine frommbleibende Wunsch den andern, wie man im gewöhnlichen Leben bei einem Todesfälle den Leidtragenden mit Hinweisung auf andere Sterbcfälle zu trösten sucht, und endlich wenn das Reich der Wünsche nicht noch das Asyl für die Frommen wäre, wo wären sie weiter zu finden? höchstens noch inLosoncz bei jener Partei, die für das Frauengitter noch immer in Schlachtordnung steht, deren Angriff ein Meister auf halachischem Gebiete mit einem 72M rn von einem unaussprechlichen Worte Zurückschlagen will. Ad vocem Losoncz wollen wir vorerst dorthin unsere Wünsche senden. Wohl werden die dortigen Damen nicht ermangeln ihrem Ritter ohne Furcht, der mit kräftiger Hand' und muthigem Geiste das Schild über sie hält, ihre Anerkennung zu zollen, ist aber damit die Gittcrfrage in Losoncz endgiltig gelöst? fordert nicht die standhafte Verteidigung des einen Theiles den Muth und den Wiederstand des andern Theiles heraus? Hat nicht der wackere Kämpe sogleich seinen ebenbürtigen Gegner wachgerufen, der ihm das Schild blos gelegt? Unser fromme Wunsch ergeht daher an die dortige ftomme Partei nicht 72ip zu seyn auf *?12J natwr in dem Sinne nämlich: das Palliativmittel nicht zu verrücken. Wir wollen so rigoros seyn und alle 711721N annehmen, wir wollen auch nicht so spitzfindig seyn und sagen: Da fast alle Frauen das Scheitelhaar unverhüllt tragen, so hört eö auch auf eine Erwah zu seyn; denn was als Erwah bezeichnetwird, bleibt Erwah, wenn auch alle Frauen dasselbe unverhüllt tragen. So ist ,717p ,7B>X2 blp würde denn der Frauengesang beim Gottesdienste gestattet seyn, wenn alle Frauen miteinstimmten? eben so bleibt das Haar immer eine Erwah. Jedoch nur den Männern bleibt es eine Erwah. Warum aber sollen die Frauen umgittert werden, damit die Männer kein Unrecht begehen? 722 l*?2K ni2K,7— Ohne dies genügen die modernen Gitter weder 71.77,7 noch ni7p min hinzuhalten; wohl aber genügt 2'1Q mim. Nun was soll der große Streit, wo man mit einem solchen einfachen Mittel den religiösen Standpunkt fcfthaltcn kann? Der H. Rabbiner in Losoncz sollte, statt die Gitterfrage so in die Länge zu ziehen und die er kaum auf gütlichem Wege zum Abschluß bringen wird, das Palliativmittel bei den Männern anzubringen suchen; die Frommen werden seiner Anordnung tpSeh Tiv'Lrp oder min,7 2^2 gewiß Nachkommen. (Schluß folgt.) Ein Lehrer, der sich bereits seit 10 Jahren mit dem Unterrichte befaßt hat, und in seiner Lehrthätigkeit die besten Erfolge erzielte, sucht eine Stelle als Hauslehrer oder auch Lektionen in den hebräischen und deutschen Fächern. — Nähere Auskunft ertheilt anS Gefälligkeit die Redaktion dieses Blattes. Grnamentenstickereien für die Synagoge. Die Unterzeichnete, deren Firma sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum, insbesondere den löbl: Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Ornamentenstickereien für die Synagoge, als: ,7222 ,niB2 ,712172 ,717122, und Torahmäntcl, und verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zusriedenhcit der Besteller. Möglichst billige Preise bei sorgfältiger schöner Arbeit, werden das der Unterzeichneten geschenkte Zutrauen aus jede Weise rechtfertigen. Torahmäntcl und Torahdecken ,7222 sind zu jeder Zeit vorräthig. Salomon Plohn's Witttve Mag, kleine Karlsgasse Wr. 145. 1. Stock. im Hegelein'schen Hause.