Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 12 (7.6.1866)
- Date
- 1866-06-07
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Gesagten ist es wohl ersichtlich, daß Ben- Sira ein Paraphrast der salomonischen Sprüche war, und wenn die 'Spezialkritik, von diesem Gesichtspunkte ausgehend, das Buch Sirach ihrer Forschung unterziehen wird, dürfte auch für die Exegese des salomonischen Buches manche Ausbeute erlangt werden. Briefe eines Äraußigen. XV. Natur und Politik hatten sich verschworen uns den dießjährigen Schabuoth das herrliche Fest der Gesetzgebung gründlich zu verderben.— Während sonst Berg und Thal an diesem Feste strahlend vom Sonnengolde uns den in flammenden Gluten gehüllten Sinai vergegenwärtigen, lag diesmal frostiger Thau ringsum und konnten wir nur am glühenden Ofen uns des Festes freuen — auch konnte man bei den wohlgemeinten und bcstgesetzteu Festpredigten nicht recht warm werden, obwohl uns die welterschütternden sich vorbereitenden Ereigniße in der Politik be'i aller Unbefangenheit doch nicht kalt lassen konnten. — Die armen Rabbinen hatten gut predigen von „Gesetzgebung am Sinai" während draußen die drakonischen Kriegsgesetze unter schmetternden Fanfarenschall ihren Einzug zu halten sich vorbereiten; bei der diesjährigen Witterung während der Festtage, waren alle Predigten vollkommen in den Wind geredet. — Doch wir wollen nicht klagen— wollen nicht das große Corps der Klagenden noch vermehren, wollen nur einfach registriren, daß die Ungunst der comerziellen Lage auf das jüdische Gemeinde- und Schulwesen bereits ihre nachtheilige Wirkung übt, da die Lebensadern des Geschäftsverkehrs im Kleinen und im Großen gleichsam unterbunden scheinen und die zumeist bei den Draußigen durch Beiträge einzelner erhaltenen Institute daher empfindlich zu leiden haben — Bei dieser Gelegenheit findet es der „Draußige" durckaus angezeigt eben für die „Daußigen" mitleren und kleinen Gemeinden daran zu erinnern wie es so schön wäre, wenn nicht etwa wie dies gewöhnlich zu geschehen pflegt, alljährlich nur der allernothwendigsteBedarf als Jahresbudget repartirt würde, sondern immer um Einiges mehr, welcher Uiberschuß fruchtbringend angelegt für eine Periode wie die jetzige in der so manches Gemeindemitglied gradezu momentan leistungsunfähig wird, aufbewahrt werden müsste.— „pst! wer lacht da?" — nun mag sein, daß dieses Finanzprojekt wie so manches seit Jahren vorgeschlagen ein verfehltes ist, doch ist es unserseits wohlgemeint und vielleicht doch nicht zu verwerfen. — Die im Entstehen begriffene Gemeinde in Königgrätz, die seit etwa zwei Jahren in der Person des Herrn Kohn aus Senftenberg einen Rabbiner besitzt, dürfte wohl durch die bevorstehenden Kriegsereignisse zunächst in ihrer Entwickelung gehemmt werden, wenn nicht etwa die bevorstehende Conserenz noch zeitlich genug die Kriegsgefahr von uns abwendet. Nun suche ich aber vergebens nach einer erfreulichen Nachricht um meinen heutigen Brief nach guter alter Sitte mit Freudigem zu schließen — doch vielleicht kann ich dafür s.G.w. an mein nächstes Schreiben mit Erfreulichem beginnen. Das wollte Gott!! Bemerkung. Geehrter Herr Redaktenr. Die von Hrn. vr. Duschak in der vorigen Nr. des Abendland gegebene Erklärung des Wortes Legende, ist sehr wahrscheinlich; hingegen ist die Derivation des jWortes Von gezwungen und unwahrscheinlich. Der Grundbegriff von DtM ist M tasten, daher mit demselben der tastbare Körper, und überhaupt alles was sich dem Tastsinne bemcrklich macht — ausgedrückt wird. Von cu hingegen ist der Grundbegriff u — abschneiden daher wird jene Heuschreckengattung, welche mit ihren sägeartigen Füßen die Aehrenköpfe abschneidet mit bezeichnet; vrz heißt sonach aufschneiden, und das hieraus gebildete Abstraktum — xvw Da nun nach dieser Herleitung du mit ddp Synonymen sind, so erklärt sich daraus die Absicht des Thargum in Job. 30. 21. T™ Mit deiner allmächtigen Hand hast „du mich gefällt" indem der Parafrast den Ausdruck ue&pn für eine Metatese von ueatwi betrachtete. Die vom Aruch zitirte Thargumstelle Psalm 8. 3. Kövni «an scheint auf einen Jrrthum zu beruhen, indem kdiu der Verdammte — anstatt xviu zu lesen ist — Genehmigen Eu. Wg. die Versicherung meiner, ausgezeichneten Hochachtung womit sich zeichnet. Olmütz 28. Mai 1866. M. Herzka. CorrejpondenM. Postelberg. Am 20. Mai, dem ersten Schewuoth-Tage wurde im hiesigen Tempel von unserem Rabbiner, dem allgemein geehrten und geachteten Hrn. vr. S. Mühsam, welcher für die Hebung des Gottesdienstes unablässig bemüht ist, zum ersten Male die Eonfirmation von elf Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren, vorgenommen Die Eeremonie begann mit einer Ansprache an die Gemeinde, in welcher die Wichtigkeit dieses Aktes vom Standpunkte der Religion beleuchtet wurde. Hierauf folgte die Prüfung der Eonsirmandinen aus der Religionslehre und zum Schlüße legte jede derselben das israelitische Glaubensbekenntniß ob, worauf noch die übliche Einsegnung erfolgte. Die ganze Eeremonie trug zur Hebung der Festesfeier ungemein bei, und die zahlreich versammelte Gemeinde, jwie auch viele anwesende Nichtisraeliten verließen vollkommen befriedigt und in gehobener Stimmung den Tempel. Es wäre zu wünschen, daß die Eonfirmation der Mädchen, welche auf deren religiöse Entwicklung von gewiß erfolgreicher Tragweite ist und welche schon in fast allen Gemeinden des Auslandes alljährig stattfindet, auch bei uns in Böhmen eingeführt werde. C. Schleim. Lehrer. Luck. In der hiesigen Gemeinde, die langsam aber doch vorwärts schreitet, was einigen anserwählten, taktvollen und energischen Männern, welche den Antagonisten und bitteren Feinden eines jeden Fortschrittes mit Entschlossenheit entgegentreten, wie auch dem zündenden Worte von der Kanzel herab zu verdanken ist, hatte in jüngster Zeit der Eultus- Vorsteher, ein wackerer charaktervoller Biedermann, der mit seinem Amtsbrudcr — der hiesige Gemeindevorsteher ist, auch was dem Sebastian Brunner entsetzlich zu hören wäre, ein Kind Israels — Viel des Schönen und Guten geschaffen, dem Tempel einen Vorhang als Andenken an seine selige Frau gespendet, auf dem die hebräische Aufschrift auch in deutscher Sprache mit gothischen Buchstaben zu lesen ist. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Herr vr. Hübsch, Rabbiner und Prediger ander hiesigen Neusynagoge erhielt einen ehrenvollen Ruf von der Gemeinde Ahawat Cheset in Neu-Aork, und ist demselben zu folgen entschlossen. — Das amerikanische Rabbinerthum erhält durch das bedeutende jüdische Wissen des auch als Redner sehr beliebten Mannes einen erfreulichen Zuwachs. * Der Eorriere Jsraelita gibt das Verzeichniß der von dem ehrwürdigen Oberrabbiner Rappoport allhier ge-