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Das Abendland · 1866-06-07 · 12 (7.6.1866) · p. Seite 92

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
12 (7.6.1866)
Date
1866-06-07
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 das Verfahren des sel. S. D. Luzzatto in der biblischen Exegese vollkommen zu rechtfertigen wissen, so ist daraus noch immer kein Schluß zu ziehen aus die Zeit desJbnEsra. Ueberhaupt ist es ein Anderes, eine pro n oncir te, von der Halacha unabhängige, exegetische Richtung einzuschlagen, (wie dieß 2*2L>2 ,n*2 u. A. — in unserer Zeit Rap poport und Luzzatto gethan) ein Anderes aber, die Halacha zu bekämpfen, oder selbe ohne jedwede Bemerkung zu ignoriren, was zu sehr nachtheiligen Folgen Veranlassung geben kann. Wir haben in unserer genannten Zeitschrift öfter darauf hingewiesen, daß die Tradizion, richtig verstanden, die trefflichste Wegweiserin auf der Bahn der Bibelkunde ist. Wir wollen diese unsere Behauptung hier durch ein neues Beispiel veranschaulichen. In Leviticus 21. 9 heißt es: rüi |,22 während ibid. 22, 12—13 nur s.22 m vorkommt. Stimmt dieß nicht mit der Halacha überein, die da lehrt, daß f,22 N2 nur dann mit ,2ö'2tp zu bestrafen ist, wenn sie oder NV12X ist? Kann ein unbefangener Bibelexeget den Ausdruck f.22 tP'K als eine eigenthümliche Sprachformel ausgeben, wenn er beide Parallelstellen richtig vergleicht? — Asulai's Bemerkung zu Gunsten Jbn Esra's Ed. Benjakob, I, S, 14—15 s. v. y"2K2) kann füglich als schwaches Argument zurückgewiesen werden. — 2) Zur Stelle '21,2 (Genesis 49, 26) im Texte und in Rappop ort's ausgezeichnetem Einleitungsschreiben war ebenfalls unsere genannte Zeitschrift (Jahrg. III, hebr. Abtheil. S. 44—45) zu berücksichtigen, wo der sel. S. D. Luzzatto eine annehmbare Erklärung dieses ganzen Verses gegeben. Wir theilen hier das Wesentliche hiervon in Kürze mit. Das Wörtchen by ist nach Luzzatto nicht mit dem darauf folgenden mma zu verbinden, sondern mit einem trennenden Accent zu versehen, und soll so viel als nbyob heißen (analog dem Ausdruck by Dpi,2 in 2. B. Sam. 23, 1;) die Absätze: 2p ’2in mra ' und cSiy my23 mxn wären demnach Subjecte zum Prädicat nj"nn, welches so viel als njK2n bedeutet. — 3) Die allerdings geistreiche Auffassung des Psalm 87 vom ehrw. Oberrabb. Rappoport ist Betreff des Verfassers eine allzu gewagte Hypothese, der aber jede Begründung abgeht. Wirfügen noch hinzu, daß in allen mir vorliegenden Bibelausgaben l?>2zD' und nicht imp' (wie Rap. zweimal schreibt) punktirt ist. Das 28«' V. 5) ist füglich mit „loben" zu übersetzen, so wie 12&K 2145 '2 p'2L (Jes. 3,10) und *iök (Habakuk 3, 9) u. dgl.— Bamberg am 30. Y. 66. Rabb. Dr. Kobak. n. In dem, von Hr. H. Freund in Wien, verfaßten und neulich edirten exegetischen Werke „121 rwivi 221 vW* welches zu seiner Zeit auch in diesem Blatte besprochen wurde, hat der Verfasser auf Vers "mxn ny '21.2 71222 1225„ (Genesis cap. 49 V. 26) die in neuerer Zeit für richtig anerkannte Erklärung Reschbam's und Gesenius ausgenommen: nämlich '21.2 bedeutet Berge von der Radix 2.2 Berg und nicht wie andere Exegeten meinten Eltern von .22,2 ferner, daß 2P nicht mit dem darauf folgenden nixri in der Bedeutung „bis" sondern mit dem vorhergehenden '21,2 in der Bedeutung „ewig" zusammen zu nehmen sei, und sonach 2p '21.2 ewigen Berge. Um aber hiemit nicht gegen die massoretische Accentuation, vermöge welcher 2P. mittels eines Makif mit ni«n conjungirt ist, zu verstoßen, will der gelehrte Verfasser dieses wie eine DuplicaUon betrachtet wissen, wovon sich auch ähnliches im Iben Esra vorfindet. Hierzu aber bemerkt der greise und allenthalben hochgefeierte Gelehrte Hr. Oberrabbiner Rapoport, von welchem eine Vorrede diesem Werke einen um so größern Werth verleiht und aus welcher ersichtlich ist, daß dieser verehrte Veteran der Gelehrten in den Chor der einstigen Ansche Maseh mit umgekehrtem Refrain 15N2^' m .2v"'2 «StP UfiJpi '2ir>« einstimmen könnte, ganz richtig, daß diese, beiden Raschbam und Gesenius, vindicirte Erklärung, nur ihrem ersten Theile nach ersterem angehöre, der zweite aber ausschließliches Eigenthum und ungeteiltes Verdienst Gesenius sei und bringt außerdem noch klare Beweise, daß wohl nicht die massoretische Accentuation es war, welche Raschbam das 2p mit dem vorhergehenden '21.2 zu verbinden Scrupel machte. . Nun aber haben wir gefunden, daß auch der zweite Theil jener Erklärung oder wenigstens die Idee desselben ^iu solch junges Product ist und auch hiervon die Originalität beim Volke der Bibel zu suchen ist und zwar ist es kein Geringerer als Rabbi Salomo b. Adereth vulgo Ralchba, welcher in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts für die erste Autorität im Judenthume galt, welcher eine ähnliche Stelle ganz in dieser Weise interprctirte. Als nämlich zu dieser Zeit Raymund Martin ein Domiuicanermönch, welcher, wie noch kein Christ vor ihm, in der biblisch rabbinischen Literatur eingeweiht war (vide Grätz Gesch. B. 7 cap. 5) zum ersten Male das Judenthum mit geistigen Waffen zu bekämpfen suchte, und aus der Bibel in einer gegen das Judenthum verfaßten Schmähschrift xuZio fidei (Glaubensdolch) benannt, Nachweisen wollte, daß diese trotz ihres göttlichen Ursprunges dennoch nur bis zu einer bestimmten Zeit Gültigkeit habe, widerlegte ihn Raschba— welcher auch mündliche Controverse mit diesem zu halten pflegte — in einer kleinen Schrift auf ganz würdige Weise. Unter anderem findet sich nun in dieser auch die Stelle ,221.222 2221t» 212' «2 nb'P X2' '2 2P 1’Sj2 j’2ö ppnei (ibi v. 10), welche bekanntlich von einer Seite gerne citirt und gerade wie man es eben will gedeutet wird, und wahrscheinlich auch von Raymund M. als Ueberzeugungscitat herbeigeholt worden war, erklärt. Der scharfsinnige R. Salomo findet gerade an dieser Stelle einen festen Anhaltspunkt zur Widerlegung seines Gegners; indem er das „2p" nicht wie gewöhnlich in der Bedeutung „bis" mit dem nachstehenden „82' '2" sondern mit dem frühern „1^52 p2ö„ in der Bedeutung „ewig" contrahirt, und „2p" anstatt „ip^> auf ewig" steht. Es ist aber auch von hier ersichtlich, daß der verehrte Hr. Oberr. R. ganz im Rechte ist, wenn er behauptet, daß unsere Altfordern keine große Rücksicht auf die Massorah nahmen, wo es sich um eine gesunde Bibelexegese handelte, da doch auch hier auf l'^32 ein disjunktirer Accent ist und R. Salomo dennoch das nachstehende 2P mit denselben verbindet. R. Salomo aber ist gerade nicht der Mann, welcher sich eine solche Neuerung erlaubt hätte; wenn diese schon nicht früher gang und gäbe gewesen wäre. M. Stark. Das Luch-Äen-Zira Eine Studie vom Redakteur. Die Bibliothek der Talmudlehrer war zum größten Theil in ihren Köpfen aufgestellt. Was sie lehrten und was sie uns mittheilen, hatten sie entweder ihrem eigenen Denken und Forschen oder den mündlichen Ueberlieferungen ihrer Lehrer zu danken. Eine Generation theilte ihr Wissen und ihre Erfahrungen der folgenden mit, und die verschiedenen Geschlechter der talmudischen Periode bildeten eine ununterbrochene Traditionskette, die erst durch die Redaktion des Talmud selbst ihren Abschluß fand, daher die ängstliche Gewissenhaftigkeit, jede Lehre, jede Sentenz auf ihren eigentlichen Urheber zurückzuführen, daher die Pietät, mit der das geistige Eigenthumsrecht gewahrt wurde.—Das Lumm euiyue fand wohl nirgends eine sorgfältigere Beachtung als bei den Lehrern des Talmud. - Mag nun auch eine solche mündliche Fortleitung des Wissenswürdigen ihre Uebelstände haben, indem das flüchtige Wort, an sich der Reife des Urtheils oft ermangelnd, gar zu leicht dem Mißverständnisse der Vergessenheit, der subjektiven Auffassung unterworfen ist, so hat anderseits die Unmittelbarkeit der Mittheilung den Vorzug, daß der Geist niemals von dem todten Buchstaben überwältigt werden kann, und man kann den Lehrern des Talmud wenigstens nicht den Vorwurf machen, daß der Bücherstaub

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