Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 12 (7.6.1866)
- Date
- 1866-06-07
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 genden Strafrede: „Du wirst unterdrückt, beraubt und zertreten sein alle Tage, und Niemand hilft. Dein Leben wird (in Gefahr) schweben vvr dir, und du wirst zagen Tag und Nacht und an dein Leben nicht glauben." (5 B. M. 28. 29, 33 und 66) Besonders trostlos war der Zustand der Juden um die Hälfte des 14. Jahrhunderts zur Zeit als der schwarze Tod Europa verwüstete. Das Mitleid, das selbst die alles verheerende Pest mit den Unglücklichen zu haben schien, wurde denselben von dem Schrecklichsten der Schrecken, vom Menschen in seinem Wahne, tausendfach verbittert. Raub, Mord, Plünderung und Versagung wechselten fortwährend mit einander ab — und „wer da flieht vor dem Grauen, fällt in die Grube, und wer heraufkömmt aus der Grube, wird gefangen in der Schlinge." (Jes. 24, 18 und Ierem. 48, 44) Bei dieser Hilf- und Hoffnungslosigkeit ist es daher erklärlich daß die Inden kaum aus ihrer Heimath grausam vertrieben und verfolgt, gleich wiederum, so es nur irgend möglich war, die alten Stätten aufsuchten und in dieselben zurückkehrten. — Der kleine Ueberrest, der aus dem Blutbade, in Eger 1350, sich gerettet haben mochte, kehrte nach wenigen Jahren nach Eger zurück und ließ sich'daselbst heimisch nieder. Der leidliche Schutz, dessen sich die Juden bisweilen hie und da unter Kaiser Karl IV, welcher 1355 die „goldene Bulle" auf dem Reichstage zu Nürnberg erließ und in derselben den Kurfürsten die Befugniß ertheilte, Juchen zu halten, zu erfreuen hatten, bewog wahrscheinlich die Juden sich in Eger in größerer Anzahl anzusiedeln. Kaiser Karl IV. ertheilte ihnen die Bewilligung ihre Schule und Friedhof von Albrecht Nothhaft cinzulösen. Auf welche Weise, bemerkt Pröckl an einer andern Stelle, dieser in die Hände des Nothhaft kam, lässt sich nicht ermitteln, weil aus derselben Zeit keine Urkunden vorhanden sind, aus denen das Schicksal der Judenhäuser und der Synagoge entnommen werden könnte. Allein, wer da weiß, wie wenig man sich damals um Besitz- und Rechtstitel kümmerte, wird sich wohl leicht der Mühe entheben um das Eigenthumsrecht des Nothhaft auf Synagoge und Friedhof Nachweisen -zu wollen. Selbst K. Karl IV. um nur ein Beispiel anzuführen, respectirte das Eigenthumsrecht der Juden in Prag nicht. Denn als derselbe 1347 die Universität in Prag Errichtete, gab er den Juden Befehl ihre Wohnungen zu räumen und ihre Häuser als Collegia und Studentenwohnungen den Studirenden zu überlassen. Erst nachdem das Carolinum an dem Orte erbaut wurde, wo es jetzt steht, und die Universität durch den Abzug der Deutschen, 1409, um Glanz und Ansehen gekommen, wurde den Juden die alten Wohnungen wieder eingeräumt. (Schudt, jüd. Merkwürdigkeiten IV 153) — Den Unterdrückten, Beraubten und Zertretenen gegenüber gab es natürlich kein Gesetz und kein Recht! Kaiser Wenzel, fährt unser Gewährsmann fort, war ein großer Gönner der Stadt Eger. Er bewilligte 1379 alle Jahr u. s. w. einen Jahrmarkt halten zu dürfen und stellte alle Juden in Eger unter die unmittelbare Bothmäßigkeit des Magistrates (Nürnberg Pauli Bekehrungstag 1379). Im Jahre 1390 war die Zahl derselben wieder so angewachsen daß sie IM Schock Groschen Schutzgeld bezahlten und 1391 nahm sie K. Wenzel in seinen besondern Schutz. Was dieser Schutz eines so unersättlichen und geldgierigen Regenten zu bedeuten haben mochte lässt sich leicht denken. Ueberhaupt wenn man an die von einem Priester heraufbeschworenen Gräuelscenen gegen die Juden in Prag am Ostersonntag 1389 denkt und an das schnöde Urtheil des Kaisers, welcher noch überdieß seine stets leere Cassa mit dem zurückgelassenen Vermögen der Gemordeten füllte. (Grätz Geschichte 8. S. 59.) So jämmerlich waren die Zustände in dem heiligen römischen Reiche, daß sie wahrlich nicht ärger und schlimmer gar sein konnten — und die gerechte Strafe durfte nicht länger mehr ausbleiben. Unter der tyrannischen Regierung des stets trunkenen und brutalen Wenzel trat ein Mann auf, der zu den edelsten Märtyrern und zu den eiftigsten Verfechtern der Wahrheit gehört; aber dessen edles Märtyrerthum und dessen heilige Begeisterung konnten damals der Wahrheit wenig nützen und sie waren mehr eine Geißel in der Hand der Vorsehung um das entartete Geschlecht zu züchtigen. — Dieser Mann war Johannes H u ß! Es ist darum nicht unwahrscheinlich, daß die Juden beim Beginne der hussitischen Bewegung derselben günstig waren, obschon wir auf die Beschuldigung der damaligen Seribenten wenig Gewicht legen können. (Schndt ibid. 159) Denn der Hussitenkrieg war nicht bloß ein Religionskrieg mit allen seinen furchtbaren Folgen, sondern auch ein National- und Vernichtungskampf der Ezechen und Slave n gegen die Deutschen, die längst all die alten gepriesenen Tugenden eingebüßt hatten, wofür die Juden, die man damals noch nicht cechisiren wollte, wenig Interesse haben mochten. Die Deutschen zogen schaarenweis aus gegen die Ketzer zu kämpfen und nahmen bei solcher Gelegenheit immer die Juden mit in den Kauf, da man Ketzer und Juden für identisch hielt — und es war ohnehin viel leichter sein Heldenthum gegen die wehrlosen Juden als gegen die tapfern anfangs unbezwinglichen Hussitcn zu berhätigen. Leider haben wir sehr wenige jüdische Quellen aus dieser Periode und selbst der Bericht des R. Jakob Möln Halewi, (Maharil) mitgetheilt von Luzzato im Halichoth Kedem von G. Pollak, ist uns jetzt nicht zugänglich. Die Notizen des R. David Gans, Zemach David, und R. Josef Kohen sind zu dürftig und ungenügend. — Maharil und nach ihm R. Josef Kohen, Emek Habacha, nennen die Hussiten nvnix und die Hussitenkriege mvnx nanba, d. h. Günsekrieg, anspielend auf den Namen Huß, was slavisch Gans heißt. Huß selbst soll, als et den Scheiterhaufen 1415, betrat, gesagt haben mit einer Anspielung auf seinen Namen: Heute bratet ihr eine Gans; (Husso-Gans) aber nach 100 Jahren wird ein weißer Schwan kommen, den ihr nicht werdet verbrennen können. Auch R. Israel Bruna Rechtsgutachten 278, erwähnt der Gänsekriege — einer witzigen Nachbildung des Froschmäusekrieges — in einer höchst interessanten Stelle: (Thüringen und Böhmen) a"an"'i mm nanan? rta 'a /b wa ab ,nb na rmnai npm b'bai mmS pKn nepp ,nroi«n ibaa nny baxnTtmn 'a'a apyn rrn m nnmon jrcei .«"na»« in nbibcn “pi nw onaijn nianbaa .niNDic rb ban p ,isidS ana'Ko pi n"' an"a'»b a"Ticnxa Einen noch witzigem Namen gaben die Juden den Hüssiten, nämlich an^in 'an, mit Verwechselung des H. in Ch. und erinnernd an den biblischen Namen fl p D'Pirr, den die Sage vielfach illustrirt hat. Maharil, pn pna, der wie es scheint während des Hvssitenkrieges in Eger sich aufhielt, erzählt daselbst, daß ein Jude von den Hussiten getödtet wurde, bevor er seinen erstgeborenen Sohn ritualmäßig loskausen konnte und daß R. Nathan aus Eger anordnete, daß der Knabe zum Andenken am Halse ein silbernes Souvenir tragen soll, damit sich der Knabe, wenn herangcwachsen, selbst loskaufen möge, nanbaa a«n anat? wj?a anawa wan pi noa aa WS ny pu n*na nw iaa jma onp Dnwn ."iai ib\n nana« mbnSi jna p vby ainan David Gans hingegen, der seinen Namen Gans, nicht durch niniaa persifliren wollte, schreibt deshalb immer fa'DVT. Die Leiden der Juden in den blutigen Zeiten der Hussiten waren daher doppelt, da sie von den Deutschen anfangs grausam verfolgt wurden und von den sengenden und brennenden Hussiten viel zu leidm hatten. Aus seinem Zuge zeigte das gegen die Hussiten ziehende deutsche Reichsheer seinen Muth lediglich an den schwachen Juden. Wir ziehen in die Ferne, sprach die Söldnerschaar, um unfern geschmähten Gott zu rächen, und sollten Diejenigen verschonen, welche ihn getödtet haben?" Das Kreuzheer gegen die Hussiten drohte den Juden, bei seinem Rückzuge nach erfochtenem Siege, sie vom Erdboden zu vertilgen. Die Volksstimmung war so verzweifelnd, daß R. Nathan in Eger seiner Frau befohlen hat auf ein bestimmtes Geschrei die Knaben zu schlachten, damit sie nicht in die Hände der Wütheriche fallen sollen. Auf. Anordnung des R. Jakob Möln wurden in allen Gemeinden