Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 12 (7.6.1866)
- Date
- 1866-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ar. 12. Arag den 7. Juni 18KK. UI. Jahrgang, Das Central-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Iudenthuws. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: A. ^ßrMSNN. Prännmerationsbetrag ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. mit Postzusendnng und Zustellung mt Haus; sür's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Geistgasse Nr. 008—1. — Inserate werden billigst berechnet. ♦D'pbinn 'yi v „Wer sind die, die da gehen sollen?" Von Rabbiner Ehrcntheil in Horic. Unter der Ueberschrift „jüdische Feld Prediger" gibt der Redakteur der „Reuzeit" einen Aussatz, der die Cultusvorstände der hervorragendsten jüdischen Gemeinden auffordert angesichts der bevorstehenden Kriegsereignisse geeigneten Ortes um die Anstellung von Feldrabbi-nn en für die operirenden Armeesäulen im Süden und im Norden unseres Reiches zu petiren. So gcist- und gemüthvoll der Verfasser nun auch seinen Antrag motivirt, und so wahr es auch ist, daß die Creirung des Feldrabbinates nur ein naturgemäßes Corrolarium der vollkommenen Gleichberechtigung^ der Conscssionen sein kann, so wird die Idee hie nird d</ doch im Judenthume, wenn schon nicht auf Widerstand stoßen, so doch gewiß von vielen Seiten als ein utopischer Wunsch belächelt werden; — man ist es eben im Judenthume gewöhnt, Alles was seit Jahrhunderten nicht dagewesen, ob auch auf jüdischem Boden historisch heimathsberechtigt, für eine fremdartige Neuerung zu halten, und brevi manu als unjüdisch zu bezeichnen. Uns ad personam j scheint jedoch der Gegenstand wichtig genug, um überlegt und! besprochen zu werden, uns scheint der vom Verfasser gebrachte Hinweis aus den Priester, der vor die versammelten jüdischen Krieger hinzutreten und sie zu ermuthigen berufen war (5. B. Mos. Cap. 20) vollkommen gerechtfertiget, wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß ein im Lager abzuhaltcnder jüdischer Gottesdienst begleitet von einer passenden Exhorte in der den jüdischen Kriegern Muth und Gottvertrauen eingeflößt würde, während der Redner ihnen die strahlenden Ahnenbildcr jüdischer Helden vor die Seele führte, von hoher moralischer und religiöser Wirkung sein müßte — und zweifeln wir auch nicht, daß, nachdem bereits vor Jahren für die Bekenner der evangelischen Confession evangelische Feldpastoren angestellt wurden, eine ähnliche Einrichtung, wenn sie geeigneten Ortes gehörig motivirt verlangt würde, auch für die im Heere dienenden Inden getroffen werden dürfte. Da wir nun aber diesen Gegenstand einmal besprochen, so glauben wir auf denselben auch etwas näher eingehen zu müssen, wir setzen nämlich den Fall voraus, die Petition würde gestellt, und gewährt — die Ernennung hätte auf Vorschlag der Länder- oder Krcischefs zu erfolgen — nun fragt es sich aber, wer sollen die zu Ernen- Nttiden sein? nicht etwa als fragten wir wer die Persönlichkeiten, wer die geeigneten Capaeitäten sein sollen, Wirkerinen die meisten unserer ehrwürdigen Amtsbrüder in O e st e rr e l ch, und wissen, daß die Meisten von ihnen Fähigkeit, Geist, Herz und guten Willen genug besitzen die Pflichten der Seelsorge im Felde getreulich zu erMen! — wir fragen aber: sollen die etwaigen Feldrabbinen aus den Reihen der angestellten Rabbinen gewählt werden, oder sollen für dieß Amt nur vollkommen qnalificirte autorisirte Candidaten des Rabbinates bestimmt sein? — wir glauben nach unserem Dafürhalten, es wären Letztere schon aus dem Gründe zu wählen, weil in jeder Gemeinde, deren Rabbiner auf Kriegsdauer zur Armee berufen würde, Tempel und Schule mehr oder weniger darunter zu leiden hätten, während der Rabbinatscandidat an keine Gemeinde gebunden in der Erfüllung seiner Obliegenheiten bei der Armee seinem Berufe vollkommen Menüge leistet, zudem auch als Unverheiratheter die Sorge für und um eine Familie nicht kennt — doch glauben wir mit Zuversicht bemerken zu dürfen, daß demungeachtet Jeder der Rabbiner Oesterreichs, den nicht körperliches Leiden zur Feldseelsorge untauglich macht, obwohl bereits angestellt dem Ruse des Vaterlandes folgen und seines heiligen Amtes walten würde. Bei dieser Gelegenheit können wir auch nicht umhin eines Umstandes zu erwähnen, der in diesem Falle besonders schwer in die Wagschale fällt und zwar die Gegenwart des Rabbiners bei Sterbenden. Wir wissen aus Erfahrung, daß, so annerkennenswerth auch die Liebensdienste der jüdischen Laien bei Sterbenden sein mögen, eben die Rabbinen in den allermeisten Fällen von den Sterbenden ferne zu bleiben pflegen; wenn nun auch für dies Fernebleiben in gewißen Fällen ein thalmudischer Grund angegeben werden kann, so glauben wir denn doch, daß im Felde von dieser Gepflogenheit Umgang genommen werden müsste — dort genügt die Exhorte nicht, dort muß am Krankenbette und wo oft die Erde zum Sterbelager wird, auf blutiger Wahlstatt sich die jüdische Seelsorge bewähren, wenn sie ihren Beruf erfüllen soll — — wer daher unter den Rabbinen nebst sonstigen Fähigkeiten nicht auch Herz und Muth genug hat den letzten Herzschlägen eines sterbenden Bruders zu lauschen, den kalten Schweiß von der Stirne zu wischen, die von Todesschaucr durchrieselte Hand eines Sterbenden zu fassen und angesichts des letzten Aufloderns der erlöschenden Lebensflamme ein herzhaftes t?." und 'n rC zu rufen, der bleibe ferne von dem Amte der jüdischen Feldseelsorge — und darum ist es auch daß ich sagte: „wer sind die, die da gehen sollen?" Zur Geschichte der Juden in Eger. Von David Oppenheim Rabbiner in Gr. Beckerek. II. Keine noch so getreue und eingehende Schilderung kam uns ein so treffendes und anschauliches Bild von der schreck lichen Lage der Inden im Mittelalter entwerfen als die pro phetischen Worte Moses in seiner wahrhaft Grausen erre 12 *