Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 11 (24.5.1866)
- Date
- 1866-05-24
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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87 In Mellah sind 14 im Innern der Stadt und 3 außerhalb; doch unter dem Namen Synagoge darf man nicht geräumige Lokale verstehen, es sind enge, schlecht beleuchtete, für den Gottesdienst ungeeignete Kämmerchen — Alle sind Eigenthum von Privaten. Die ganze israelitische Bevölkerung von Magador beträgt ungefähr 5000 Seelen. Der größte Theil wohnt in Mella unter den Beschränkungen, welche die maurischen Vorurtheile den eingebornen Juden auferlegen. Die andern, gegen 50 Familien sind unter die Kaufleute eingereiht, und als solche dürfen sie außerhalb Mellah wohnen, und haben die Erlaubniß in den Strassen der Stadt mit Schuhen zu gehen. Die Armen sind hier sehr zahlreich, 350 Familien erhalten kleine Unterstützungen, manche wöchentlich, manche nur bei feierlichen Anlässen— Die Steuer für die Regierung beträgt jährlich gegen 400 Thaler, und wird nach dem Vermögensstande der Contribuenten vcrtheilt —Im Uebrigen geschieht für die Armuth nichts. Es gibt keine Wohlthätigkeitsinstitute irgend welcher Art. In Tanger sind 4500 Juden, 1200 erhalten Almosen aus der öffentlichen Kasse, einige wöchentlich, einige bei feierlichen Anlässen — Unter diesen sind manche nicht gerade ganz arm, sie ernähren sich theilweise als Handwerker und Taglöhner, bedürfen aber doch der Unterstützung für sich und ihre Familien. Die Gemeindebedürfnisse werden theils durch Repartirung theils durch eine Fleischsteuer gedeckt — 1000 Individuen dieser Gemeinde stehen unter dem Schutze auswärtiger Consulen— Die meisten Kramläden sind in Händen der Juden, die Mauren sind für diesen Handel zu stolz und zu faul — Die Reichen sind sehr wohlthätig, und werden auch stark in Anspruch genommen. In Tetuan sind gegen 9000 Juden, unter welchem 1300 von Allmosen leben. In allen Barbareystaaten betreiben die Juden Handwerke, es sind unter ihnen Schuster, Schneider, Goldarbeiter, Gerber, Sticker u. a. m. In Tetuan ist eine, unglücklicher Weise sehr zahlreiche und arme Klasse der jüdischen Bevölkerung— jene der Rabbinen— Die meisten derselben leben von ihren Schulen, die ihnen 5 oder höchstens 6 Thaler monatlich zahlen, und das sind noch die glücklichen die beneideten— Die andern führen eine Existenz weiß der liebe Gott wie— Der Oberrabbiner sprach mit mir über ihre Lage, und als ich ihn fragte: Warum man so viele Rabbinen habe? antwortete er; daß er niemanden den Titel versagen könne, der sich dem Studium widme und die Prüfungen ablege. Man weiß übrigens, daß das ganze Wissen dieser Rabbinen in Talmud besteht. Eine auf Grammatik und Logik begründete Exegese ist ihnen gänzlich unbekannt— Postclberg. In der hiesigen Gemeinde ist dieser Tage die kinder- und geschwisterlose Wittwe Rosalie Hirschfeld gestorben, die bei einem Vermögensstande von etwa 4000 Gulden folgende letztwillige Bestimmungen getroffen: es sollen 400 Gulden als ewiger Fond der hiesigen Gemeinde verbleiben und für deren Zinsen alljährig das Kadischgebet verrichtet werden für die Erblasserin, deren verstorbenen Gatten und Eltern; ferner soll für 500 Gulden ein Vorhang (Porocheth) für den hiesigen Tempel angeschafft werden; ferner fallen 100 fl. der hiesigen Chevra als Geschenk zu und für andere hundert Guldm soll der Erblasserin eine Mazewe gestellt werden; ferner soll das Jahr nach ihrem Tode Kadisch für sie gesagt, und wie üblich „gelernt" werden, wofür die betreffende Person 200 Gulden erhält, und endlich sollen an ihrem Begrübnißtage 50 Gulden an jüdische und zehn Gulden an christliche Arme vertheilt werden. Das übrige Geld hat sic an ihre Verwandten vermacht. Die Frau erstellte sich bei ihrem Leben der Achtung Aller, die sie kannten. Friede ihrer Asche! vr. Samuel Mühsam. Prag am 16. Mai: Bekanntlich hat die hiesige ist' Cultusgemeiude-Repräsentanz anläßlich des allgemein bedauerten Ämtsaustritts ihres früheren Präses, Herrn Ernst Wehli, dessen gemeinnütziges Wirken auch von der Gnade Sr. Majestät unseres erhabenen Kaisers durch Verleihung des goldenen Berdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet wurde, den einstimmigen Beschluß gefaßt, dem um die Gemeinde so vielverdienten Vorsteher ein bleibendes Denkmal der allgemeinen Anerkennung und Verehrung dadurch zu widmen, daß sein Bildniß im Sitzungssaale des jüdischen Rathhausgebäudes zur dauernden Erinnerung für die kommenden Geschlechter aufgestellt werde— Heute nun fand die feierliche Enthüllung des wohlgelungenen Porträts bei Anwesenheit sämmlicher Vorstandsmitglieder und vieler geladenen Honoratioren der Gemeinde, unter welchen sich auch der ehrwürdige greise Oberrabbiner Rapoport befand, statt. Der gegenwärtige Präses der Gemeinde, Herr Landtagsabgeordnete vr. Tedesko hielt an den Gefeierten eine sehr schöne und warme Ansprache, welche der allgemeinen Achtung, deren sich Herr Wehli erfreut einen beredeten Ausdruck gab, und überreichte ihm im Namen der Cultusgcmeinde-Repräsentanz eine prachtvoll ausgestattetc Dankadresse. Die kalligraphische Ausführung derselben ist aus der Meisterhand des in seinem Fache ausgezeichneten Herrn Fischel- Der Einband in rothem Samt trägt in der Mitte des Deckels einen silbernen Lorbeerkranz— Der gefeierte Greis dankte tief gerührt dem Vorstande für die ihm gewordene Auszeichnung in einer herzlichen und geistvollen Rede— In dieser hob er anerkennend hervor, daß es ihm nur durch die Mitwirkung und Unterstützung seiner würdigen Collegen im Vorstande möglich wurde, das Wohl der Gemeinde zu fördern, daß selbst bei Meinungsdifferenzen jeder einzelne nur von der besten Absicht zur Förderung des Gemeinwohls geleitet wurde— Wie sehr ihn persönlich die zu Theil gewordene Auszeichnung ehre und freue, sehe er doch darin, namentlich in der Aufstellung des Bildes, die Verwirklichung eines schönen Princips, das den künftigen Generationen zeigen wird, wie eine Gemeinde einen Vorsteher, der treu und redlich seiner Pflicht nachkömmt, zu ehren wisse— N. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Der bisherige k. k. Regimentsarzt Med. vr. Heinrich Weise (eig. Weiseles) ein geborner Prager wurde zum k. k. Stabsarzt ernannt. Trotzdem dieser Fall nicht vereinzelt dasteht, so ist dieses hohe Avancement hervorzuhebeu. Herr vr. Weise hat sich namentlich im Operationsfache große Verdienste erworben und ist mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph Ordens ausgezeichnet. Als Mensch ist er ein ausgesprochen gediegener Charakter. * Der in Mainz erscheinende „Israelit" enthält eine sehr lobende Besprechung des Werkes in rwivl “in mtP von Herrmann Freund. Das Werk, dem die Einleitung von dem gelehrten Rappoport zur Zierde gereicht, erfreut sich des allgemeinen Beifalls, und verdient den Lehrern beim Unterrichte in dem Pentateuch warm empfohlen zu werden. R * Die von den Zeitungen gebrachte Notitz, daß Herr vr. Markbreitcr in Wien, der erste Jsraclite sei, der zur Richteramtsprüfung in Oesterreich zugelaffen wurde, bedarf der Berichtigung. Schon vor vielen Jahren hat Herr Prof, vr. Wessely in Prag die Richteramtsprüfung abgelegt, ebenso ein Herr Lemberger, gegenwärtig Advokat in Mähren Letzterer war sogar durch einige J^eit att Auskultant angestellt * den 20 d. M. wurde Herr Herrman Unger, der älteste unserer Culusgemcinde zu Grabe getragen. Derselbe wiewohl nur sin einer unserer orthodoxen Synagogen erfreute sich des besten Rufes. Bemerkenswerth ist, daß der Verblichene am Begrübnißtage gerade das 90. Jahr erreicht hätte. Saaz. Die kriegerischen Zustände machen sich sogar im Lehrerstande fühlbar. Herr Friedenthal Lehrer an der hiesigen Schule, der bereits 10 Jahre der k. k. Armee dient,