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Das Abendland · 1866-05-24 · 11 (24.5.1866) · p. Seite 88

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
11 (24.5.1866)
Date
1866-05-24
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 wurde nach Brünn zum Depot cinberufen. Er ist erst ein Jahr verheiratet und hat ein Kind. Wien. Freiherr von Rothschild hat dem Borstande der hiesigen Cultusgemeinde 2000 Gulden übergeben lassen zu dem Zwecke sie jenen zu verthcilen, deren Ernährer in die Armee einrücken mußten. Diesem Beispiele folgte eine Anzahl hiesiger jüdischer Großhändler, so daß der Betrag schon heute die Summe von weit über 8000 Gulden überschreitet. * Die Wiener Cultusgemeinde hat wie wir vernehmen <luf Grund des Aufrufs an die Bewohner Wiens eine Kollekte veranstaltet, deren Ertrag ein bedeutender zu werden verspricht. Da die großen Bankhäuser: Rothschild, Königswarter, Epstein, Tedesco, Schey, mit namhaften Zeichnungen an der Spitze stehen. * Im Bezirke Landstraße hat sich ein jüdischer Frauenverein gebildet, welcher sich die Aufgabe stellt die Feldspitäler mit Charpie, Verbandstücken u. s. w. zu versehen. * Am 9. Mai ist der in akademischen und schriftstellerischen Kreisen bekannte Herr Herrman Singer gestorben. Er genoß den Ruf eines Ehrenmannes. Krakau. Wie die krakauer Zeitung mittheilt, ist das bischöfliche Consistorium vom Staatsministerium der Oberaufsicht über die israelitische Hauptschule in Krakau enthoben worden. Die unmittelbare Aufsicht haben zwei israelitische Gemeindeglieder zu führen und die Oberaufsicht steht dem k. k. Bolksschulen-Inspektor zu. Tarnow (Gallizien) Am 6. d. M. wurden von den einrückenden Militärurlaubern und Rekruten einige Excesse begangen, bei denen einzelne Juden insultirt wurden. Der hier stationirte kommandirende General stellte jedoch die Ordnung bald wieder her. Die Hauptexcedcnten wurden arretirt und sogleich bestraft. Müncheu. Vor kurzem starb hier der als Ehrenmann und Wohlthäter, der jüdischen Gemeinde bekannte Banquier Samson Oberndorfer. Er war Chef des ersten Bankhauses Z. N. Oberndorfer. * Dieser Tage ist der erste jüdische Staatsbeamte in Baiern angestellt worden. Hr. Accessist Rosenthal wurde nämlich zum Assessor am Münchner Stadtgericht ernannt. Creglingen (Würtemberg) Sr. Majestät der König haben die Gnade gehabt der hiesigen israel: Gemeinde zu den Kosten der Erwerbung einer Lehrerwohnung die Summe von 400fl. aus Staatsmitteln huldvollft zu bewilligen. Mailand. An der hiesigen Akademie an der bereits seit einigen Jahren unser Glaubensgenosse Herr Askoli ein gleiches Amt bekleidet, wurde ein junger jüdischer Advokat mit einer Professur betraut. Rom. Die Israeliten Roms sind einer schmählichen Abgabe unterworfen, sie besteht in einer jährlichen Taxe von 1800 Skudi, die sie für Erhaltung zweier zur Bekämpfung ihrer eigenen Religion bestimmten Institute zahlen müssen. Das eine ist das der Katechumnen, welches 1000 Skudi verschlingt, das andere ist ein Mönchkloster, welches die jüdischen Täuflinge aufnimmt, dieses erhält 800 Skudi jährlich. Letzthin wendeten sich die Israeliten mit einem Bittgesuch an den Herrn von Sartiges, worin sie um Verwendung bei der römischen Regierung wegen Abschaffung dieser ungebührlichen Steuer ersuchten. Aber der französische General wollte nichts davon hören, da keine Hoffnung vorhanden sei, daß die Regierung ein solches Verlangen günstig aufnehmen werde. Amsterdam. Am 15. April beehrten Jh. Majestäten der König und die Königin die Blumcnausstellnng in dem Pallaste der Nationalindustrie mit ihrem Besuche. Der Präsident der Ausstellung, vr. Sarfati, unser Glaubensgenosse, empfing die königlichen Gäste, und geleitete sie durch den ganzen Pallast. Die Majestäten unterhielten sich mit ihm in der freundlichsten Weise. Die Königin besuchte auch das jüdische Waisenhaus, und drückte beim Abschiede dem Direktor des Hauses, Herrn Rieß, in den huldvollsten Worten ihre Zufriedenheit mit den Einrichtungen der Anstalt aus. Paris. In der Nähe von Paris wurden bei Saint-Germain en-Laye hebräische Grabsteine gefunden Sie stammen aus dem 11. Jahrh. und werden nächstens im Pariser Musäum aufgestellt werden. * Herr Levi Consolo, ein hier wohnender italienischer Banquier spendete 50000 Frcs dem neuen Vereine zur Förderung des Talmudstudiums in Paris. London. Zwei englischen Juden steht, wie man aus London schreibt, eine große Ehre bevor. Baron Lionel Rothschild soll in den Pairsstand erhoben werden und in der Eith geht man mit dem Plane um, dem jetzigen allgemein beliebten israelitischen Lordmayor Philipps ein Ehrengeschenk zu votiren. Luchschau. 30. Das andere Wiegenkind, dem wir unser „Hamalach hagoel“ auf seine einjährige Wanderung durch das Leben nachzusprechen haben, ist: Jllustrirter israelitischer Volkskalender für das Jahr der Welt 5627 von Jacob W. Pascheles. Fünfzehnter Jahrgang. Eigenthum und Verlag von Jacob W. Pascheles 16. 207. Von Illustrationen ist zwar nur eine da; aber diese eine ist das wohlgelungene Portrait des verdienstreichsten und gefeiertesten aller Chasanim, unsres S. Sulzer in Wien mit einer kurzen Biographie in den literarischen Beigaben. Diese tragen hier den hochstrebenden Titel: Gallerie von jüdischen Denkwürdigkeiten. — Erreicht der Adler auch nicht die Sonne, wird es ihm doch zur Ehre gerechnet, daß sein Flug die Richtung zu ihr nimmt. Der Herausgeber hat in seinem „Rückblick auf das Jahr 1865" wie bisher die hervorragendsten Begebenheiten in der Judenheit mit Geschick zusammengesteüt. Recht erheiternd und Theilnahme erweckend ist die Skizze: „Zu spät!" Lose Blätter aus den Memoiren eines Schlemiehls von Herrn Rabbiner Ehrentheil in Horic. Unser guter Schlemiehl kommt überall zu spät, nur nicht zu seiner „Jettchen." Wir fürchteten daher nicht wenig für ihn, daß gerade hierin sich sein Schlemichlthum erst noch recht offenbaren würde; doch diente uns zur Beruhigung die darauf folgende Sammlung von „Aussprüchen und Ansichten unsrer Altrabbinen über das eheliche Verhältniß" von Herrn Rabbiner G. Klemperer in Tabor. Wer solchen Glauben mit in die Ehe bringt, wird sicherlich darin selig. Sehr sinnreich sind die „Aphorismen von Herrn Professor I)r. Wessely. — „Ach ich werde alt! Eine Betrachtung von H. vr. A. Schmiedl zu Proßnitz. — Ganz herrliche Gedanken sind hier an das Gefühl des Altwerdcns und Altseins angeknüpft. Eine wahre Genugthuung gewährt die Herübernahme der Sage vom „ewigen Juden" auf jüdischen Boden. Der Stachel des Spottes ist so gegen den Spötter gekehrt und wer zuletzt lacht, lacht am besten. Geistreich ist auch im Exordium die bekannte Frage jenes Kindes über eine Stelle in der Peßach-Hagada: Wenn uns Gott an den ^Berg Sinai geführt hätte, ohne uns die Thorah zu geben, so wären wir ja dagestanden, wie die Ochsen am Berge, damit beantwortet, daß unter der Führung bis zum Sinai der Theil der Thorah bis zur Gesetzgebung verstanden werden soll, nur hätten wir gewünscht, daß dies de tlicher hervorgehoben worden wäre. — Zu leicht hingeworfen finden wir die „Rabbinische Ermahnungen an den erziehenden Vater" von H. Dr. M. Duschak. Der Inhalt richtet sich eigentlich an einen nichterzieh enden, die Erziehende Mutterliebe sollte nicht so wegwerfend und spöttelnd behandelt werden. Die wenigsten Väter sind heute in der Lage die Erziehung zu überwachen, daher wende sich die Ermahnung vorzugsweise an unsre Mütter. „Ein jüdischer Auswanderer" vom Herausgeber. — Schade, daß die Muse desselben keinen heiterern Stoff vorfand, solcher Puppe konnte nur ein Nachtfalter entsteigen. Das „Anekdoten Füllhorn ergießt auch diesmal seine bekannten Gaben. Die Ausstattung des Kalenders lässt Nichts zu wünschen übrig. — _A. St. Druck von Senders & Brandcis in Prag.

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