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Das Abendland · 1866-05-24 · 11 (24.5.1866) · p. Seite 85

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
11 (24.5.1866)
Date
1866-05-24
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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85 Leon Osimo über ihn berichteten, so mögen sie wenigstens unser Votum, das wir auf sein Grab legen, für das er sein Leben lang kämpfte, hinnehmen das Votum unserer Cultur, welches besteht in der Befreiung aller Völker von jeder unchristlichen Behandlung. Mathan thora (rHlfi Lne Betrachtung. von vr. S. H. Sonne sch ein, Rabbiner in Warasdin. Viel Wunderbares war geschehen. Nun sollte sich die Jahrhunderte lang genährte Hoffnung Israels endlich verwirklichen. Was dem ersten Patriarchen vom Ewigen einst zugesichert wurde, war seiner glänzenden Erfüllung nahe. Das schmachvolle Sklavenjoch war ja bereits zertrümmert; die Peiniger und Verfolger hatte das göttliche Strafgericht ereilt, und sie, die einst ohne Erbarmen unschuldige Säuglinge vom Mutterherzen rissen, um sie ins Wellengrab zu stürzen, sie waren nun selbst von dem empörten Meere verschlungen und als Leichen an die Küste geschleudert. — Mit dem Bewußtsein einer nunmehr unangefochtenen Freiheit wanderte jetzt Israel durch die Wüste, auf dem Wege nach dem gelobten Vaterlande. Die drückende Pein, der schwere Kummer, der geistlähmende Stumpfsinn war von ihnen genommen, und die lebendige Ueberzeugung beseligte sie: daß sie wirklich unter dem Schutze eines allmächtigen, allgerechten Wesens stehen. Nur so ist cs der Nachwelt leicht erklärlich, wie jenes erregbare Volk, das sonst bei jeder geringfügigen Veranlassung seine Unzufriedenheit mit dem beschwerlichen Wüstenleben zeigte, hiewiederum die glühendste Begeisterung laut werden ließ, als es die göttliche Kundmachung vernahm: „Bon allen Völkern sollt ihr mir das Kostbarste sein!" Wie hätte auch auf eine solche Botschaft hin sich nicht der Gesammtwillen des Volkes in den denkwürdigen Worten äußern sollen: „Alles was der Ewige gesagt hat, wollen wir thun!" Wie sollten sie es nicht mit der hingebenlsten Inbrunst angeloben, Gottes Befehlen stets zu folgen, seinen Willen zu beachten und seinen Bund zu wahren, da ihnen dieß als die einzige Bedingung hingestellt worden war, unter der sie die Günstlinge des Ewigen werden können! Aus einem Lande kommend, wo durch das widernatürliche Kastenwesen ein bevorzugter Stand für den Niedriggebornen als ein unerreichbares Glück gelten mußte; aus der Mitte eines Volkes hervorgehend, dessen Kindern schon in der Dämmerstunde des geistigen Bewußtseins das unselige Vorurtheil eingeflöst wurde, zu den Angehörigen der Priesterkaste wie zu höhern Wesen emporzublicken, sie mit unterwürfiger Scheu als die ausschließlichen Besitzer der Wahrheit und Wissenschaft zu betrachten; unter solchen Verhältnissen großgezogen, wie hätten da die Herzen Israels nicht von dem Hochgefühl eines edlen Stolzes überwallen sollen, als ihnen von dem Ewigen die beneidenswerthe Völkerstellung angeboten wurde: Ihr sollt mir ein Priesterreich, und eine heilige Nation sein!" Mit einer freudigen Hast, mit einer entzückten Bereitwilligkeit sondergleichen wurden da die Vorkehrungen für den Tag der Offenbarung getroffen Jeder suchte nach Kräften seinem innern und äußern Menschen, der Seele wie dem Körper die erforderliche Reinheit und Würde zu verleihen. Alles Denken und Fühlen war nur auf den einen Gegenstand der allgemeinen Erwartung gerichtet. Alle kleinen und kleinlichen Interessen traten in den Hintergrund; die Wünsche, Pläne, Hoffnungen und Befürchtungen des Einzelnen wurden vergessen; das ganze Volk: Jung und Alt, Groß und Klein, Männer, Weiber, Kinder, alles beschäftigte sich fortwährend mit der Aussicht auf jene hin 2b nbs vn wo in by wdjnp nyipn (* (iSöiwn) .nnv:r»2 L>"v"x nnW ‘japS wunderbaren Dinge, welche der anberaumte Tag bringen werde. Und «.ls er da war dieser bedeutungsvollste Tag in der Geschichte Israels, als vor den blendenden Blitzen, die der Himmel an diesem Tage entlud, selbst das kühnste Auge mit ängstlichem Blicke den Boden suchte, als die Grundfesten des Sinai vor den gewaltigen Donnerschlägen und Posaunentönen erbebten, mit denen die Offenbarung des Ewigen sich ankündigte, da schaarten sich lautlos die Myriaden Israels am Fuße des Berges und lauschten, lauschten tieferschüttert den Kundgebungen des Allmächtigen. Noch einmal machten sich die aus Mizrajim mitgebrachten götzendienerischen Vorstellungen geltend, noch einmal tauchte in der Einbildungskraft des Volkes eine vermeintliche Gestalt des göttlichen Wesens auf, noch einmal spiegelten ihre Erinnerungen jene grotesken, riesigen Bildwerke ab, die an den Ufern des Nils die stumme Rolle eines Gottes spielten, aber es war dies die letzte Kraftanstrengung des heidnischen Prinzips^), gleichsam das letzte Aufflackern des Irrlichts vor dem herannahenden Morgenroth der Wahrheit. Am Sinai empfing das Heidenthum den Todesstoß; es fristet seit damals nur noch ein bloßes Scheinleben; denn seine Irrlehren, seine prunkenden Götterbilder alle verschwinden vor der unbezwinglichen Allmacht der einigeinzigen Gottesidee. Die zehn Worte, welche die Donnerstimme des Ewigen auf dem Sinai verlautbarte, waren das unwiderrufliche Vcrdammungsurthcil des heidnischen Trugs und der heidnischen Lasterhaftigkeit.- Die am Sinai geoffenbarten zehn Worte bilden daS innerste Mark der Thora, die „ein Baum des Lebens ist für alle ihre Anhänger." An dieser Thora festhalten, uns als deren Träger offen bekennen, ihren veredelnden Inhalt nie und nimmer preisgeben, den Geist unserer Kinder früh und spät damit nähren und erkräftigen, das wollen wir freudig vollbringen „mit ganzem Herzeil, ganzer Seele und ganzer Kraft!"— Sriese eines Draußigen. uv. „Causerien haben sich überlebt" sagt man in Reichenau — was werden „Alexandre Dumas und Jules Janin" nun anfangen? freilich der „Draußige" der das schwere Verbrechen beging seine harmlosen Briefe einst Causerien^ zu benamsen und sich dadurch einen Scherz erlaubte, musste nachdrücklichst bestraft werden, obwohl er selbst seinen Briefen seit Wochen diese überlebten Namen wieder abgenommen — „Strafe muß sein!" und sollte sie auch aus Reichenau kommen, doch darum! „keine Feindschaft!" es ist eben nicht Jedermanns Sache in seinen Schriften harmlos zu sein und Niemanden nahe zu treten — wir unserseits wollen an unserem Grundsätze rnW„ "mnpmpimS mW „Friede dem Nahen und Fernen!" getreulich selbst in dieser kriegerischen Zeit festhalten — oder sollten wir etwa unseren friedlichen jüdischen Blättern um jeden Preis auch einen kriegerischen Anstrich geben, um sie als zeitgemäß pikant zu machen? wohl gehen unsere armen jüdischen Organe jetzt einer bösen Zeit entgegen, da ihnen die geharnischten politischen Blätter groß und klein jetzt mehr als je den Rang ablaufen dürften — dem ungeachtet aber vertrauen wir dem unverwüstlichen nationalreligiösem Gefühle unserer jüdischen Brüder und hoffen, daß man auch in dieser sturmbewegten und wohl noch stürmischer werdenden Zeit übersättigt von den erschütternden und aufregenden Nachrichten über die von nördlicher und südlicher Diplomatik ansgehekten Plane, immer gerne wieder ein Stündchen der Muße der Lectüre unserer harmlosen jüdi- :)b vinntiMi x"yb ro |m wdS rfyp"n (a (,ibHb o'bnp

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