Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 10 (10.5.1866)
- Date
- 1866-05-10
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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79 * Jur. Dr. Markbrciter wurde zur Richteramtsprüfung rugelassen. Es ist dies der erste Fall in Oesterreich. Besprim. Se. Majestät der Kaller hat zu der Massigen Hauptschule als Beisteuer eine jährliche Sustentation von 800 fl. aus dem ungarischen isr. Schulfonde allergnädigst zu bewilligen geruht. Augsburg. Herr Karl Obermaier Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde, der zugleich Landwehr-Oberst und königl. Landwehrdistrikts-Inspektor ist, wurde zum Vicekonsul der vereinigten Staaten von Nord-Amerika vom 1. Konsul Browuernaut und von Sr. Maj. dem Könige bestätigt. München. Der Rabbiner Dr. Aub hatte, wie das zu London erscheinende „Iew. Ehr." mittheilt, unlängst eine Audienz bei dem Könige von Baiern. Der Monarch begrüßte den Rabbinen in den höflichsten Ausdrücken und drückte ihm sein Bedauern aus, daß Baiern so lange die barbarischen Ausnahmsgesetze gegen die Juden aufrecht erhalten habe, welche diesen so viele Nachtheile gebracht hätten. Würtemberg. Die Regierung hat in Rücksicht der Theuerung aller Lebensmittel den israelitischen Lehrern so wie den Funktionären des Cultus im Lande eine jährliche Zulage von je 100 fl. bewilligt und zu diesem Zwecke den bisherigen Staatsbeitrag für den jüd. Cultus von 7000 fl. auf 8500 fl. erhöht. — Paris. Die französischen Journale jeder Farbe, die katholischen nicht ausgenommen, besprechen mit warmen Interesse die nun bald stattfindende Wahl des Großrabbiner von Frankreich, und empfehlen je nach ihrem politischen und religiösen Standpunkte den einen oder andern Candidaten — Es bleibt immer ein günstiges Zeichen für das französische Judenthum, daß in Frankreich die Wahl des ersten jüdischen Geistlichen nicht als eine Privatangelegenheit, sondern als ein Gegenstand von allgemeinem Interesse betrachtet wird. London. Zu den mannigfachen Formeln und Gelöbnissen, welchen in dieser Parlamentsseßion schon der Garaus gemacht worden, ist auch die Erklärung der sogenannten Fellows (die man kurzweg als pensionbeziehcnde Privat-Docenten bezeichnen könnte) an den Universitäten Oxford und Cambridge zu rechnen; sie schließt in ihrer Strenge genommen, Nichtmitglieder der Staatskirche von der Stellung des Fellows oder der Professur aus. Herr Bouverie sprach in der Sitzung des Unterhauses am 25. April d. I. für den Antrag auf Abschaffung der Erklärung; Fawnett, der Professor der Nationalökonomie in Cambridge unterstützte ihn in einer eindringlichen und auf vollster Sachkcnntniß beruhenden Rede, Heathcote, Schreiber Beresford Hope und andere konservative Mitglieder leisteten vergeblichen Widerstand; mit erheblicher Majorität gelangte der Antrag durch das vorliegende Stadium der Comite-Berathung. — * Der Daily Telegraph, eines der ersten politischen Blätter in der Metropole schließt einen längern Artikel über die Wirksamkeit des berühmten Moses Montefiore mit den schönen Worten: „England ist stolz einen so ausgezeichneten Bürger zu besitzen." — Madrid. Dem „Unit). Isr." wird aus Spanien geschrieben: „Es befinden sich hier mehrere israelitische Industrielle und Banquiers, die aber ihre Religion sorgfältig verbergen. Ohne die Dazwischenkunft des Herrn Castro aus Bordeaux würden sie vielleicht nicht einmal den Beschneidungsact an ihren Kindern haben vollziehen können. Indessen lebt hier ein Herr Weis weil er, welcher Correspondent und Verwandter des Hauses Rothschild ist, der häufig zu den Hoffcsten geladen wird, obschon die Königin weiß, daß er Jude ist." „Unlängst kam in den CorteS die Eultusfreiheit zur Sprache, als ein Dcputirter (ein Priester) das Wort ergriff und sagte: es sei schon Unglück genug für Spanien, daß die Regierung das Königreich Italien anerkannt habe; wenn man aber noch die Eultusfreiheit gestatten wollte, so wäre er verpflichtet, auf sein Land Verzicht zu leisten, denn alsdann könne er nicht mehr Spanier sein, und viele seiner Brüder würden ähnlich handeln. Darauf erwiederte der Staatsminister, daß er auch nicht für ein solches Projekt stimme." „Es ist dieses Alles, was ich von unseren Glaubensgenossen in Erfahrung bringen konnte. Sie geben sich alle Mühe, es dahin zu bringen, daß sie so bald als möglich dieses intolerante und fanatische Land verlassen können." Konstantinopel. Frau Klara Camondo, Gattin des Banquiers Camondo starb im Alter von 75 Jahren. Sie war wegen ihrer Wohlthätigkeit allgemein geachtet, und bei ihrem Leichenzuge betheiligten sich alle Klassen der Bevölkerung — Als der Condukt vor der griechischen ortodoxen Kirche anlangte, trat der Bischof unter Asistenz mehrerer Geistlichen, brennende Fakeln trügend, aus der Kirche und folgte der Bahre bis zum Friedhof. Die Glocken der griechischen Kirche läuteten, und die Priester im Ornate begleitet von den Chorknaben folgten dem Zuge. Für diese Auszeichnung dankte Herr Camondo in einem Briefe an den Bischof— welcher Brief in den Journalen veröffentlicht wurde. — Luchschau. 28. Mit des Frühlings ersten Boten, mit Primelen und .Schwalben, welche uns eine neue, augenblicklich in Scene tretende Weltschöpfung verkünden, erscheinen seit mehreren Jahren in Prag andere Boten, welche uns an eine, erst im nächst folgenden Herbst eintretende Weltschöpfung erinnern, und so den alten Streit zwischen Rabbi Jehoschua und Rabbi Elieser, ob unsre liebe Erde im Frühjahr oder im Herbste ihren Geburtstag zu feiern habe, auf eine Weise entscheiden, die unsren Kindern sehr erwünscht für sie selber wäre, nämlich dahin: in beiden. — Es sind dieß die israelitischen Volkskalender, deren kalendarischer Inhalt erst zu verwerthen ist, wenn die „furchtbaren Tage" des Ernstes und der Buße kommen, deren literarische Beigaben aber ihren Duft mit dem ersten Veilchensträuschen vermischen. Es liegen solcher, mit 2 Flügelpaaren versehenen Libellen 2 vor uns und erwarten wie neugeborne Kinder die priesterliche Einsegnung. Weil zuerst bei uns angelangt muß sie auch zuerst erhalten: Der isr. Zeitbote, 'b i'a'Tn mS. Kalender für das Jahr 5627 zur Unterhaltung und Belehrung HI. Jahrg. Vrag 1866. Druck und Verlag von S. Freunds Wittwe Comp, in 16. 192 S. Von den literarischen Beilagen sind die poetischen „Neujahr" „Der Golem des hoh. Rabbi Löw," „Tall und Geschem" zwar keine neuen Lieder, aber doch solche, die man immer gern wieder hört. Wenn man bei der Novelle „Ein jüdisches Frauenherz, von Rabbiner Dr. L. Rosenberg" nicht recht weiß, welche von den gezeichneten Persönlichkeiten unser Interesse erregen soll, wenn sich gegen die poetische Ausstattung im Einzelnen auch Manches einwenden lässt, so werden die Leser und Leserinnen doch mit frommen Gefühlen von derselben scheiden. Das bedeutendste Stück ist „Rabbi Juda (warum nicht Jehudah?) *) Hanasi, biographische Skizze von D. Ehrmann Der Verfasser hat es verstanden aus dem reichen, mit allen Zügen eines großartigen Charakters ausgestatteten Leben dieses Mannes, mit seiner bekannten Vor- und Umsicht diejenigen auszuwählen, die für das größere Publicum lehrreich und interessant sind. Das Jnhaltsverzeichniß weist noch ferner auf: Ein Augenblick des Glücks. Aus dem Französischen von Frank. Wer es haben soll, der bekömmts, ein jüdisches Märchen. Dr. Ad. Jellinck, eine Biographie, sammt Portrait als Titelblatt. Blätter und Blüthen aus dem Talmud. Miszellen und Anekdoten. . ).Dle griechische Schreibweise biblischer Namen hat sich nicht bloß m die modernen Sprachen eingebürgert, sondern auch im Talmnd und Midrasch geltend gemacht, so KTP für min1 füv P22D u. a. m. Nach dieser Schreibweise wird allgemein im Deutschen Juda Israel, Josna, Salomon, Joram etc. geschrieben. D. Redakteur.