Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 10 (10.5.1866)
- Date
- 1866-05-10
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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77 folgenden Worten: „Es war so schlimm, daß ich dir auf der Stelle sagen will, was für einen Eindruck es auf mich machte. Ich war mir selbst verhasst, ich war mir verhasst, weil ich jenem Schuldner und dir verhasst sein musste. Aber mehr als das und schlimmer als das, und weit und breit über meine Person hinaus, bedachte ich an jenem Abend, als ich allein in dem kleinen Garten auf meinem Dache saß, daß ich meinem alten Glauben und meinem alten Stamme Unehre anthätc. Ich sah ein, sah es zum ersten Male klar ein, daß wenn ich meinen Nacken unter das Joch beugte, das ich mich bereit finden lasse willig zu tragen, ich den Nacken des ganzen jüdischen Volkes unter dieß Joch bringen würde; denn es ist in christlichen Ländern mit den Juden nicht wie mit andern Völkern. Die Leute sagen: Das ist ein schlechter Grieche, aber es gibt gute Griechen, das ist ein schlechter Türke aber es gibt gute Türken. So ist es nicht mit den Juden. Man findet die Schlechten unter uns leicht genug heraus — unter welchem Volke wird der Schlechte nicht leicht gefunden? aber man nimmt den schlechtesten von uns als Modell des besten, man nimmt den Niedrigsten unter uns als Vertreter des höchsten, und dann sagt man, die Juden sind einer wie der andere. Wenn ich, der ich das Werk hier gethan habe aus Dankbarkeit für vergangene Zeiten und weil ich wenig bedarf, wenn ich ein Christ wäre, dann könnte ich es ruhig thun, ohne irgend jemand zu kompromittiren als mich selbst. Aber thue ich es als Jude, so muß ich alle Juden in den verschiedensten Verhältnissen und in den verschiedensten Ländern kompromittiren. Es ist ziemlich hart für uns, aber es ist die Wahrheit. Ich wollte, daß alle unsere Leute daran dächten. (Magazi n f. d. Literatur d. Auslands). Löbliches Comite zur Nevision der Statuten des zu gründenden Lehrervereines! Da in der letzten Generalversammlung der jüdischen Lehrer Böhmens dem neu gewählten Comite ausdrücklich die Vollmacht crtheilt wurde, selbstständig die von den Behörden etwa anzuregenden Correkturen der Statuten vorzunehmen, so muß man gegen eine lediglich zu diesem Behufe neuerdings einzuberufende Generalversammlung sich um so entschiedener erklären, als cs doch nicht in der Absicht des löblichen Comite liegen kann, diese leidige schon seit zwei Jahren in der Schwebe gehaltene Angelegenheit abermals zu verschleppen und hiedurch den letzten, hiefür noch etwa in der Brust der Lehrer glimmenden Funken des Eifers zu verlöschen. Es ist ferner keine Kleinigkeit; die allerdings sehr opferwilligen Lehrer abermals nach Prag zu citiren, bloß um mit ihnen Veränderungen zu berathcn, die doch nothwendig, da sie die Behörde verlangt, vorgenommen werden müssen, und es sicherlich nicht in der Absicht der Lehrer liegt, in irgend einer Weise gegen die gesetzlichen Normen zn verstoßen.— Indem sie den Wunsch aussprechen, einen Verein zu gründen, haben sie vielmehr selbstverständlich hiemit auch zugleich den Willen kund gegeben, daß die Statuten desselben keinen Anstoß bei den Behörden erregen.— Das Wesen jeder Sache steht übrigens höher als die Form. — Ein Theilnehmer an der letzten General-Versammlung. Lorrespondeiyen. Horic am 1 Mai 1866. Gestatten Sie mir geehrter Herr Redacteur! in Ihrem dem geistigen Fortschritte, und dem Aufblühen des jüdischen Schulwesens so freundlich gesinnten Blatte einer Schule Erwähnung zu thun, die in jeder Beziehung, vorzüglich aber im Unterrichte aus hebräischen Gegenständen so wie in Mischna und Gcmara Vorzügliches leistet, und eine wahre Musterschule genannt werden darf;— es ist dies die israelitische Hauptschule in Nikolsburg an deren Spitze der in Prag im besten Angedenken stehende Dr. Eisler eine segensreiche Thätigkeit entwickelt. Unbefangene Leser werden es mir wohl aufs Wort glauben, wenn ich sage, daß es mir durchaus ferne liege irgendwie Reclame für die genannte wohl fondirte Schule zu machen, vielmehr glaube ich nur einen Akt der Dankbarkeit zu üben gegenüber einer Schule, an der zwei meiner Knaben und zwar der ältere seit 6 Jahren Unterricht genießen und meine von der erwähnten Anstalt gehegten Erwartungen noch übertrafen — indem mein Erstgeborener an derselben fürs Gymnasium vorbereitet, jetzt einer der besten Gymnasialschüler ist, und dabei einen sehr fruchtbringenden zeitgemäßen Thalmudunterricht genießt, der Jüngere aber in den Normalgegenständen wie im Hebräischen an der genannten Hauptschule in erfreulicher Weise fortschreitet, wobei besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß ans die wahrhaft religiöse Erziehung der Kinder sowohl seitens des sehr geehrten Herrn Directors als seitens der sehr gewissenhaften Herren Lehrer in allen Klassen hingewirkt wird— Möge hiermit den erwähnten berufsgetreuen Herren, den trefflichen Jugendbildnern so wie dem geehrten Lchulvorstande herzlicher Dank gesagt, und möge die Anstalt Allen, die eine vortreffliche religiöse jüdische Erziehung ihrer Kinder wünschen bestens empfohlen seyn. vr. Ehrentheil Rabbiner. Reichenau. Geehrter Herr Redakteur! Sie fordern mich auf, Ihrem geschätzten Blatte Beiträge zu liefern; herzlich gern will ich Ihrem Wunsche schon der alten Freundschaft wegen Nachkommen, doch muß ich erst sinnen und mit mir zu Rathe gehen, was ich den geehrten Lesern des „Abendland" bieten soll, um sie so wenig als möglich zu langweilen. Causerien haben sich schon überlebt, homiletische Briefe alias eine Makrobiotik für die Stimme oder den Gang eines Predigers wäre nicht mehr originell, auch scheint mir das nur angezeigt für den noch vegetirenden Schlag der alten Chasanim, die sich sonst ein Kol reißen wollen. Soll ich ausschwatzen, was ich hinter den Con lissen wahrgenammen, wie die schönen Gesichter aus der Bühne des Lebens sich da als Fratzen entpuppen, wie da ein Kämpfer für heilige Sitte einer bekannten Verführerin in geistlichem Ornate eine salbungsvolle Leichenrede hält; erzählen, wie man ganz untergeordnete S^ulgehülfen dressirt, mit einem mysteriösen Anfangsbuchstaben in die weithin schallende Posaune der Lobhudelei zu stoßen? Soll ich meine Bewunderung ausdrücken dem politischen Takte, dem politischen Geiste, der gleich gesinnte Geister ebenbürtige Charaktere besorgend, gegen den fernern Aufbau der ihm zu Stand und Würde geführten Stufen polemisirt, oder soll ich die Jnconsequenz in ihrer Naktheit zeigen, wie sic das, was ihr Mund öffentlich verdammt, warm, wie ein Vater seinen Sohn, ans Herz drückt? etc. — Nein, dazu ist mir das „Abendland" zu lieb, um dessen Spalten der Chronik seandaleuse öffnen zn wollen und vom H. Redacteur ist auch zu erwarten, daß er niemals den Lesern seines Blattes mit so gemeiner Kost speiftn werde, niemals sein Blatt ans dem bisher eingenommenen Standpunkte und der dabei beobachteten Courtoisic heraustreten lassen, niemals es hcrgeben zum Tummelplätze persönlicher Balgereien. Während ich diese Erwartung, diesen Wunsch ausspreche, erweckt er in mir nach dem Gesetze der Association die Erinnerung an einen andern Wunsch, den die „Neuzeit" in Nr. 16 gebracht. Gegen diesen laut ausgesprochenen Wunsch will ich als Böhme im „Abendland" einen Protest einlegen, wenn ein bloßer Wunsch