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Das Abendland · 1866-05-10 · 10 (10.5.1866) · p. Seite 75

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
10 (10.5.1866)
Date
1866-05-10
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 der eingelöst, und Kaiser Karl IV. hat befohlen, daß sie die Schule und den Seelenhof künftig ungestört besitzen sollen. (Urkunde datirt 1364 am nächsten Mitwoch nach Allerheiligen) Ferner haben die Inden im Jahre 1390—100 Schock Groschen Sclmtzgeld an den Rath bezahlt; was auf ihre große Anzahl schließen läßt. Dicß berechtigt ferner zum Schlüsse daß sich die Verwandten der Erschlagenen in den Besitz ihrer Güter gesetzt haben." — Eine Conclusion welcher alle Prämissen fehlen! „Durch diesen Iudenmord heißt es idickem weiter, obwohl er ganz ohne Vorwissen und Schuld des Senates geschah, hat Eger sehr viel an Würde verloren; die Bürger verfielen beim Kaiser in Ungnade und mußten mehre 1000 Gulden Strafe zahlen, nach andern aber nur 600 Prager Groschen, die dem damals ruinirten Kloster Wald süssen zugewendet worden sind. Erst nachdem der Senat die Schuldlosigkeit an dem Iudenmorde durch eine an Kaiser Karl IV gesandete Deputation erwies, erhielt Eger wieder Gnade und Nachsicht; er crtheilte dieser Stadt einen Fceiheitsbrief (datirt Nürnberg 15. Juni 1350) in Prag kaufen und verkaufen zu dürfen, untersagte dem Ellenbogner Burggrafen die Zollabnahme strenge u. s. w. u. s. w. Viele Gebäude von Eger wurden durch die Juden erbaut, was die verschiedenen hebr. Inschriften beweisen. Im Uhlichschen Hause in der Rosengasse istfolgende in Stein gehauen: iw run ntn rw» ma tkö vn .si"2 fpv 12 tko n"no .vmteai b« n'2 mypnp2i anßC2i nv'^21 pi2'p2 i*p Bei unserem kurzen Aufenthalte in Eger fanden wir wohl Gelegenheit diese Inschrift zu sehen; aber cs fehlte uns .an Zeit und Muße eine getreue Abschrift davon zu nehmen. 'Der Stein, worauf sich die interessante Inschrift befindet, ist von Schmutz und Moos völlig überzogen, so daß die Schrift in der Ferne ganz unkenntlich und gar nicht lesbar ist. Ist die Copie bei Pröckel richtig, i"j? rw d. h. 1347 so würde gerade 3 Jahre vor der Ermordung der ganzen Gemeinde die Erbauung des Bet- Hamidrasch von Rabbi Meir ben Josef Kohcn sich datiren. Der Denkstein scheint, womit auch die Sage und Legende übereinstimmt, bei Vollendung eines Bet-Hamidrasch gesetzt worden zu sein und derselbe hat sich also merkwürdig bis zur Stunde erhalten. Jedenfalls ist es Pflicht der kleinen und jungen Gemeinde in Eger diese kostbaren Reliquien aus alter Zeit zu conserviren und zu renoviren und überhaupt durch einen kundigen Steinmetz eine correcte Copie von dem kleinen Monumente abnehmen zu lassen. Wir haben diesen frommen Wunsch Hr. Kohn ans Eger, der uns in das Uhlich'sche Haus begleitete, geäußert, aber wir zweifeln daran, ob etwas dafür gethan wurde. — Kleine (freut fumenitt das Reich unserer Ideale. von vr. S. H- Sonne schein, Rabbiner in WaraSdin. IV. Selbstständigkeit des menschlichen Geistes! Wie viel Großthatcn verdankt ihr die Geschichte! Wie ein blitzendes Cherubimschwert, aus dem Eisen der Pflugschar und dem Golde des Szepters geschmiedet, so scharf und so edel! Und wo sie in ihrer Herrlichkeit auftritt, dort sinken die Feinde des Lichts allesammt in den Staub. Aber wird nicht hie nnd da diese Selbstständigkeit auch sträflich misbraucht? — Da schreitet Einer hohnlachend über den Nacken geknechteter Völker hinweg; dort zerreißt ein Anderer voll Ungestüm das letzte Band, welches ihn an den Himmel kettet; da zieht sich der Eine mit stolzer, wegwerfender Miene von seinen Nächsten zurück, um — wie er meint — seine Thaten nicht an lauter Unwürdige zu verschwenden; dort wird von dem Andern alles Bestehende verdammt, weil er gerne die ganze gesellschaftliche Ordnung auf die Spitze stellen möchte, nnd so fort — — Die Unmündigkeit der Menschen gebiert nur k lei n e Sünden, denn die großen Fehltritte sind in der Regel die Kinder geistiger Ucbcrlegenheit und Selbstständigkeit. Und doch muß uns die Letztere als unser höchstes Gut gelten. Die Sonne bleibt dennoch das lebeuweckcnde Werkzeug in Gottes Handobschon sie hier und dort weite Lünderstrecken zu versengen, die üppigsten Fluren in Stanbwüsten zu verwandeln pflegt. Wer würde sich dcßhalb auch nur im Entferntesten nach ewiger Nacht und Erstarrung sehnen? — Besser die Selbstständigkeit des menschlichen Geistes mit dem unausbleiblichen Gefolge mancher Ausschreitungen, als die völlig thatenlose und harmlose Unmündigkeit geführt am Gängelbande der Verdumpfung und Versumpfung! Der selbstständige menschliche Geist, einmal zur Besinnung gekommen, rafft sich auch ein für allemal empor aus dem Jrrsal seiner Fehltritte, — und wären diese noch so groß — veredelt und geläutert durch solche Kämpfe. Der Unmündige hingegen vermag dieß nie und nimmer. Er wird stets, nach einer kurzen nur von außen her veranlaßten Unterbrechung, wieder aufs Neue der Alltagsknecht seiner kleinen Laster und Leidenschaften. Nicht so der selbstständige Geist. Denn was dem Bevormundeten nimmer möglich ist: die klare Erkenntniß alles dessen, was in ihm und um ihn vorgeht, das ist dem selbstständigen Geiste ein Leichtes, weil ja Einsicht und Umsichtseine gewöhnlichsten Attribute sind. Das was nach der Gährung großer Leidenschaften bei selbstständlgen Geistern als Niederschlag zurückbleibt, ist nicht wie die Reue der Alltagsmenschen, sondern wird zur Teschuba: zur wahren Rückkehr und Besserung. Das schmerzliche Gefühl der Enttäuschung, von dem das Bewußtsein eines selbstständigen Geistes erfüllt wird, sobald er das, was er in seinem Eigendünkel gethan, mit dem vergleicht, was er in edler Selbstbestimmung hätte vollbringen sollen: dieser herbe Stachel seiner Reue ist eben der trefflichste Sporn zur. Teschnba. Es hat dann nicht mit der Reue allein sein Bewenden; weil sich da stets mit dem bußfertigen Rückblick ein kräftiger Entschluß für die Folge verbindet. Die Reue ist nur der Gedanke, aber Besserung ist die That! Die Reue mit ihren Thränen ist nur wie ein milder Regen, der den harten Boden auflockert, und ihn für die neue Saat empfänglicher macht. Und stellt sich da, wie es bei selbstständigen Geistern der Fall ist, zur rechten Zeit der heitere Lebensmnth, das glänzende Vertrauen und die frische Thatkraft ein, so muß sich ja die ganze Natur des menschlichen Wollcns und Handelns neu verjüngen. Eine echte starke Reue, die mit Teschuba gleichbedeutende, ist wie ein rechtes, brausendes Ungewitter: kurz und gut! Je mehr das starke Herz unter den Schlägen der Teschuba zuckt und glüht nnd flammt, je heftiger die Elemente seiner Empfindungen mit einander kämpfen, grollen und um den Sieg streiten, desto schneller geht auch der Trübsinn der Reue vorüber, desto rascher fühlt sich das Herz erleichtert von dem schwülen Druck seines Sehnens nach Frieden und Zuversicht. Und darum steht auch der wahre Lnul teselluba viel höher in der Achtung der richtenden öffentlichen Meinung, wie der unversuchte, ungeprüfte Unschuldsmensch. Während dieser leicht in die Lage kommen kann, sich wie ein kleines Kind am lustig lodernden Feuer der Wcltlust die Finger zu verbrennen, ist jener aus allen Kämpfen als Sieger hervorgegangen, die Stirne mit dem Lorbeerkranze der unangefochtensten geistigen Selbstständigkeit geschmückt. Änsschlnßrecht der Vereine. Geehrter Herr Redakteur! Die Unparteilichkeit, mit der Sie in Ihrem geschätzten Blatte der Wahrheit ihren Zoll bringen, flößt mir die Zuversicht ein, daß Sie auch einem Laien die Spalten Ihres Blattes nicht versagen werden, sobald derselbe eine da- 9*

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