Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 9 (26.4.1866)
- Date
- 1866-04-26
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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68 khätig war. Auf dieser Weise steht auch jeder vor seinem Gewissen zu Gericht. .12 rnx t cmm xy N121121.1 12V nx nnani Das Buch der Kronik kündet oben laut — Ein jedes Werk so hier der Mensch gebaut. Mit eigner Hand gesiegelt steh't die That — Die jeder Erdensohn begangen hat.— Joachim H. Kuh. Briefe eines Draußigen XIV. Glauben sie ja nicht lieber Freund, dem „Draußigen" sey wie man sagt der Faden ausgegangen „weil er seine Briefe eine Zeitlang unterbrochen, oder er habe die Lust verloren mit Ihnen zu correspondiren, beileibe nicht! wenn der Draußige Sie mit den Briefen fortan verschonen wollte, so geschah es nur weil er Sie für einen herzensguten Mann hält, und Sie wissen ja wie wir Draußigen sagen" ein guter Mann braucht keinen Brief; doch Scherz bei Seite!— was sagen Sie zu den bandwurmartigen Nergeleien zwischen Lehrern und Rabbinern in Mähren die durch öffentliche Blätter ihre breite Spur ziehen? wir dächten doch jüdische Lehrer und Rabbiner sollten enge nebeneinander stehen und brüderlich zusammcnhalten— wieder muß ich ein Volkssprichwort der Dranßigen erwähnen, wir sagen oft von dergleichen Streitenden „was zanken sie denn? sie haben doch nichts miteinander— zur Blüte und zum Gedeihen der jüdischen Schule kann solch Unwesen wahrlich nicht beitragen.— Der dort projectirte Lehrerverein aber sollte doch am wenigsten von irgend einer Seite scheel angesehen werden, da er nur vom größten Nutzen seyn könnte, und es ist wahrlich vom Nebel, daß auf die kaum im Keime begriffene zarte Pflanze sich schon der Mehlthau des Unfriedens legen sollte, ad vocem Lehrervercine, wie steht es denn mit unserem böhmischjüdischem Lehrervereine? warum gibt er seit Monden kein Lebenszeichen von sich? ich will gerne hoffen, daß wir recht bald mit einer Nachricht von einem erfreulichen Fortschritte desselben überrascht werden— doch da zieht sich mein Brief schon in die Länge, und doch hätte ich noch so vieles auf dem Herzen, ich hätte manche Frage an Sie Herr Redacteur zu stellen, die ich mir mit dem schlichten hausbakenen Verstände eines einfachen „Dranßigen" nicht selbst zu beantworten vermag. So z. B. was heißt das „die Carl und Franz Moor des Judenthums haben seit fast einem Jahrhundert weidlich an demselben Herumgequaks albert, exp erimentirt u. .s. w.—" so schrieb nehmlich Hr. vr. Jl. über die Jeschiwaangelegenheit— wer sind die Carl und Franz Moor des Judenthumes?— „erkläret mir Graf Orindur" u. s. w." — erklären Sie mir ferner gütigst, wie eine „Regung in Trümmer fällt" denn es heißt wörtlich in jenem Aufsatze „ohne welches jede heilige Regung in Trümmer fällt"— daß jenem Aufsatze viel fromme wirklich jüdische Ideen zu Grunde liegen ist nicht zu bezweifeln, daß man aber Bilder und Worte wählen muß, um richtig verstanden zu werden ist eben so gewiß— Ist denn der kriegerische Geist der die Bismarkische Schule erfüllt auch in die Lehrer des Friedens gefahren, daß sie alle Mäßigung eingebüßt? darf man so leichterdings, gelehrte jüdische Männer zu Männern stempeln von denen der Eine ein Räuberhauptmann der Andere ein entarteter Sohn war? o! wann wird endlich einmal unter uns das Wort des Weisen „*pi2 DiStP 211" zur Wahrheit werden! Zu dem Aufsätze des Herrn Kreisrabbiner I. Wicsuer „Das Märtyrerthum Rabbi Akiba's." In der Fortsetzung zu seinem interessanten Aufsatze das Märtyrerthum Rabbi Akibas« in Nr. 8 des Abendland wirft der geehrte Herr Kreisrabbiner I. Wiesner die Frage aufwas wohl den bereits blutbefleckten Tinius A. Rufus veranlasst haben mochte, gerade gegen R. Akiba mit einer solchen empörenden Grausamkeit zu verfahren, warum gerade unter allen zehn Märtyrern, für diese eine Todesart zu bestimmen, wie sie nur die raffinirteste Bosheit und abscheulichste Rohheit nur ein wahrer Cannibalc zu ersinnen vermag, und will den Grund hiefür, aus Anlaß des Uebertrittes der Gemahlin des T. Rufus zum Judenthnine, bei welcher Gelegenheit diese auch einen beträchtlichen Theil ihres Vermögens durch Vermittlung R. Akibas, jüdischen Hilfsbedürftigen zukommcn ließ, hcrleiten. Es ist wohl möglich, daß dies seinen Theil zu dem jeder menschlichen Regung Hohn sprechenden Verfahren beigetragen habe. Wir erlauben unS aber der Meinung zu sein, daß eine von jenen vielen zwischen R. Akiba und Tinius Rufus stattgefundenen Disputationen, wohl mehr geeignet war, einen tiefen Haß und unversöhnlichen Groll in Rufus gegen R. Akiba wachzurusen, der nur auf den geeigneten Moment wartete, um mit seiner ganzen Macht und Kraft hervorzubrechcn, und über sein Opfer herzufallen. Der Tanchuma (Thruma) erzählt uns nähmlich: Rufus habe einst den R. Akiba gefragt, warum Gott den Esau hasse und dem zufolge auch die Römer — da diese von jenem abstammen. — R. Akiba forderte zur Beantwortung dieser Frage die kommende Nacht zur Ueberlcgungszeit und als ihm nun Rufus am folgenden Morgen begegnete, fragte ihn letzterer, der verlangten Bestimmungszeit halber, ironisch „Nun R. Akiba was träumtest du heute Nacht" Als aber R. Akiba „In meinem Traume hatte ich heute Nacht zwei Hunde der eine hieß Rufus, der andere Rusina" erwiederte, wurde der Landpfleger sogleich Zorn entbrannt und ohne R. Akiba aussprechen zu lassen, rief er voller Wuth „Nur uach meinem Namen und denjenigen meiner Gemahlin hast du deine Hunde benannt, du hast dich des Todes schuldig gemacht; denn in meiner Person hast du die Majestät selbst beleidigt." R. Akiba, dem es nur um eine Stelle in der heiligen Schrift zu vertheidigen zu thun war, ließ sich durch die Drohung des Landpflegers nicht beirren und suhr gelassen fort: „Womit unterscheidest du dich denn ohne höhere Einsicht und Gottes Erkenntniß, von dem Thierc! deine Neigungen sind dieselben, wie die seinigen deine physischen Functionen stimmen'mit den seinigen ganz überein, dein Streben geht auch nur dahin, deine thierischen Gelüste befriedigen zu können und dennoch bist du vor Zorn außer dir gcrathen, ein Thier mit deinem Namen benennen zu hören, wie sollte es also nicht Gott, der der Schöpfer des Weltalls ist, verdrießen und einen Haß gegen 'diejenigen fassen lassen, die er zwar mit Erkenntnißkraft begabt hat, welche aber einem Stück Holz oder Stein seinen Namen beilegen?" Wir finden zwar nicht, daß Tinius A. Rufus nach dieser Erörterung mit der früher ausgcstoßenen Drohung es ernst genommen und R. Akiba beunruhigt hätte, da er sich von dieser schlagenden Antwort nur zu betroffen gefühlt haben wird und es gewiß nicht in seinem Interesse lag die Sache durch eine öffentliche Anklage, welche zu dieser Zeit, einem zu vollziehenden Supplicium wohl noch vorausgehen mußte, noch mehr zu verbreiten. Um so mehr aber wird der durch eine solche erniedrigende Beschämung und Verachtung einmal angefachte Haß innen fortgelodert Hab en und der zum Stillschweigen verurtheilte Groll heimlich genährt worden sein, bis es endlich der unterdrückten Wuth und persönlichen