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Das Abendland · 1866-04-26 · 9 (26.4.1866) · p. Seite 67

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
9 (26.4.1866)
Date
1866-04-26
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 Abschwächung seiner Glut und Leidenschaft, es zu mäßigen und abzukühlen, durch die Reinheit fisischer Genüsse, durch Enthaltung vom Genüsse des Blutes, des Fleisches unreiner, wilder und kranker Thiere und durch Reinigung und Pflege und Heiligung des Lebens. Dadurch mußte allmälig die Kraft weiser Mäßigung und Selbstbeherrschung, das Bewußtsein hoher Menschenwürde, die Erkenntniß seiner Gottähnlichkeit und seines Ausstrebens zum Himmlischen im Menschen erwachen. Es liegt und lag stets die Krankheit roher Zeiten und Sitten im Blute und dessen zügellosen Begierden, und das wahre Remedium für diese Blut- und Sittenkrankhcit ist eben Wasser, das Zurückgehen auf die Basis und den Entstehungsgrund des Blutes. Es muß der Mensch gewissermassen von der Hitze und Farbe seines Blutes abstrahiren können, und dem Gedanken seines Ursprunges freien Raum lassen, der Unschuld und Klarheit des Wassers. Blut und Wasser sind wohl zwei heterogene Begriffe, die aber im Menschen transagiren im Menschen sich versöhnen sollen. Es darf das Wasser sich im Blute nicht verlieren, und ganz im Blute aufgchen, es darf das Blut trotz seiner edlen moralischen Wärme die Külte, Heilsamkeit und Unschuld des Wassers nicht ausgeben. Die erste Strafe Egyptens zeigt das Bild von seiner Sitten- und Blutkrankheit, in der Verwandlung und im Aufgehen alles Wassers in Blut.— ’nßtP nSnön bD„ "Dnjfßi — sagen darum unsere Rabbinen deutet auf jene Krankheit hin, nämlich: "Bl nw o’aa nSna„ Israel aber finde seine Heilung stets in Gott 'n ’JK „Dein Arzt bin ich Gott, wenn du mich richtig erkennest, mir und meinen Geboten nachstrebst, und deinen Willen „dem meinigen unterordnest." Die allerersten zwei Gebote daher, die Gott in Egypten dem aller Sittenlehren baren Israel („vn frufae DWy") durch Moses geben ließ, bezogen sich aufs Blut: ,NBB m„ ,nS’ö m" — Bald nach der Geburt soll der jüdische Knabe sein Blut für Gott und Glauben verspritzen durch die Beschneidung, als Palliativ für die rohe Begierde und Leidenschaft. Es soll damit einer spätern Entartung präservirt werden. Die Vorhaut ist das Sinnbild der wilden Natur, die vom Menschen entwildert und veredelt werden muß. Das zweite ist das Osterlamm und Osterblut. Gott befahl nämlich den Israeliten: "N12X rpaS rw inp'l„— es schlachte jede Familie ein Lamm, und sprenge sein Blut. Das Lamm bedeutet das israel. Volk iS nxi' 'n S'om ,ntp„ nti>n"— das gesprengte Blut stellt eben Israels Blut dar. So wie das Lamm unschuldig und sein Blut ohne Leidenschaft ist, so uulß Israel, soll es anders das erwählte Mustervolk Gottes sein, die Natur des unschuldigen Lammes annehmen n"2pn bv lat^S D'&n demüthig und geduldig sein, und so muß sein Blut nur für Gott und Tugend erglühen, und für Gott und seinen Willen verspritzt werden. Drum stehen nach biblischer Auffassung Blut und Wasser sich gegenüber wie Unschuld und Sünde, wie Sittlichkeit und Sinnlichkeit, wie Licht und Finsternis, wie physisches und moralisches Leben, darum schwebt Gottes Geist über dem Wasser, darum ist die Gotteslehre verglichen mit reinem lebendigen Wasser, darum vergleicht sich Gott auch mit Thau und Wasserquellen SkuP'S .thk mpa— darum stiegen Engel in Wolken und Wasser auf uüd ab; darum kommen Cherubim und Geister in Wassergestalt, darum, sagen die Weisen, sind Wassersäulen die Grundpfeiler, worauf das Weltall ruht, darum sind Herz und Gefühle verglichen zu Wasser, darum sind Wasserquellen das Sinnbild des Heils, darum feiert Israel ein großes Fest des Wasscrschöpfenö "naKwn jva nnap.„— Mit Israel beginnt die große Weltepochc menschlicher Erleuchtung und Versittlichung, beginnt die große Epoche der göttl. Offenbarungen aus Erden. Aber beim ersten Eintritt Israels in die Reihe und Geschichte der Völker, tritt es unter dem Bilde des Opferlammes auf, und so steht es musterhaft als Opferlamm duldend und schweigend unter Haß und Schmach aller Zeiten und Völker da. Sein erstes Opfer, war ein Blutopfer, und so opferte und verspritzte es sein Blut zu allen Zeiten für Gott und (t ube, dämpfte und schwächte ab seine Leidenschaften und rihen Begierden durch große Abstinenzen und Entbehrungen, und vergoß sein Blut wie Dr. M. Lamberg Rabbiner. Die beide» Schiffe. f.Ci rt jv6> — ,wj8 ’iwst bs nmb cinn* bi 1'21 Diese Stelle ist von vielen Exegeten verschiedenartig gegedeutet und erklärt worden. Möge auch folgende, durch einen Midrasch begründete Erklärung der Beurtheilung unterzogen werden. — Es heißt in Midrasch: Man fragte den Salomon: Welchen Sinn enthält der Spruch: Besser ein guter Name als ein gutes Oehl; Besser der Tag des Todes als der Tag der Geburt? Wenn der Mensch geboren wird, gab der Weise zum Bescheid, kann niemand wissen, was in der Folgezeit aus ihm werden wird, scheidet er aber mit einem guten Namen, waren seine Handlungen gerecht und wohlgefällig; dann wird der Ruf desselben allenthalben verbreitet: da heißt es: Wie fromm, wie rechtschaffen, wie edel war dieser Mann! Möge er mit den Seelen der Frommen und Gerechten die Frucht seiner Thaten, durch Erlangung erhabener Einsicht von der göttlichen Allweisheit, genießen! Zwei Flaggen weheten einst am Hafen, eine war eben glücklich gelandet, die andere sollte auf gegebene Ordre absahren. Sie stieß in Folge dessen in den großen Ocean. Da war ein endloser Jubel, nicht enden wollendes Jauchzen und Frohlocken beim Anblick des wohl ausgerüsteten Schiffes, das mit hochausgespannten, flatternden Segeln, den letzten Gruß spendete, und dann sanft schaukelnd, stolz den Wind durchschneidend, auf dem wogenden Meer, als wäre es eine ebene Fläche, schwebend, dahin fuhr. Unter der zahlreichen Menge von Verwandten, Freunden der Reisende und fremden Zuschauern, befand sich ein erfahrener, verständiger Mann; dieser sprach: Wahrlich, das Volk ist in seiner Freude, wie in allem Thun und Wirken verkehrter Art! Wie kann man frohlocken über ein Schiff, dessen Zukunft noch im Dunkeln schwebt? Welch große Gefahr, wie viele unangenehme Ereignisse wie viele widrige Zufälle können dem Schiffe und dessen Mannschaft zustoßen? Viel rathsamer und verständiger würde cs gewesen sein, sich mit dem gelandeten Schiff zu freuen, das die Menschen glücklich und wohlbehalten ans Land zurück brachte. Dasselbe Verhältniß gilt auch beim Menschen. Der Neugeborene beginnt erst die irdische Laufbahn, die irdische Wanderung, und ist auf derselben allen Kämpfen, allen Stürmen, allen feindlichen Geschicken, Angriffen und Verheerungen auögesctzt; ihn können die mächtigen Naturkräfte, die im tiefen Schacht der Erde verborgen liegen, oder auf der Oberfläche streifen oder auch in den Lüften schweben verderblich treffen; er kann sie glücklich überstehen oder in der Gefahr untergehen. Der fromme Hingeschiedene hingegen, welcher seine Pilgerfahrt hienieden nach Vorschrift, nach Gesetz und Recht, mit göttlichem Beifall vollendet hat; der sich durch Wohlthun, durch Stiftung guter Werke zum Wohlc der Menschheit ausgezeichnet, den verzeichnen diese gestifteten Werke mit eisernem Griffel auf Tafeln von Erz so deutlich, treu und wahr, als wären sie von seiner eigenen Hand treu und rechtlich gezeichnet, und drücken es mit unvertilgbarem Siegel so aus, als wäre cs von seiner eigenen Hand gesiegelt. Dieses ist auch der Sinn der obigen 'Stelle: „Durch die eigene Hand eines jeden Menschen wird ein unzerstörbares Siegel auf die von ihm vollbrachten Werke aufgedrückt, damit jeder erkenne und einsehe wie er im Leben

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