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Das Abendland · 1866-04-26 · 9 (26.4.1866) · p. Seite 66

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
9 (26.4.1866)
Date
1866-04-26
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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stadt war Lates in der Provence, einer ehemaligen Land-- schüft im Südosten von Frankreich, daher der Name Melates d. h. von Lates. So sagt er auch selber in der Einleitung seines ipitb zum Bechinat Olam von R. Jcdajo ha- Penini Bedraschi, der sich ebenfalls ans der k. k. Hofbiblio thck in Wien handschriftlich befindet, folgender Art: „R. Jedajo wird nur deshalb vom Plebs Bedraschi genannt weil er aus der Stadt Bedraschi in der Provence, unweit von Lates, der Geburtsstadt meiner Eltern, daher meine Familie sich Lates nennt, abstammt." Was sein rabbinisches Wissen betrifft, so war er kein „Halbrabbiner," wie Herr Br. Grätz ihn nennt, sondern ein wpaisi D"tP3 ’pa was aus seinen gediegenen Gutachten zur Genüge erhellt. Seine Responsen zeigen, daß man von allen Seiten an ihn apellirte, welche Ehre selbstverständlich einem „herzugelaufenen Halbrabbiner" durchaus nicht zu Theil wird. Zu seinen Verehrern gehörte, unter den vielen Gelehrten, der rühmlichst bekannte Verfasser des s;dv n»a R. Josef Karo, der zu jener Zeit an der Spitze des Juristencollegiums zu Zefat in Palästina stand. Dieser R. Josef Karo legte unserem Isaak de Lates den Titel sixa bei, und in der That wird jeder Talmudkundigc, der mit Muße die Responsen des Isaak de Lates studirt, bereitwilligst zugcben, daß er, De Lates nämlich, ein Gaon in des Wortes reinster und edelster Bedeutung war. Wohl hat er seinen Wohnort einigemal verwechselt und mußteer am Ende gar Hauslehrer bei Isaak Aberbanel II. in Ferara sein (vergl. Rechtsg. des R. Isaak de Lates Seite 151 und 1^6). daraus aber kann und darf man noch nicht schließen, daß er blos ein „herzugelaufener Halbrabbiner" war. Verhältnisse bestimmen den Menschen! Wahrscheinlich war ihm das Glück nicht hold daher er es nicht weiter als bis zum Hofmeister gebracht. Und wahrlich selbst in unserer Zejr {-u..-1 man oft gelehrte Männer, die trotz ihrer immensen Ge-cl -aust^ nrMihres edleu - wackern ^i'arap.ee>. es -mchf-Äs^^IMrer Fracht haben, .oüyecny mwei- . Um . Halb >e!chr^ ' Clwrlatancn die schönsten * fkn Äe ' i-, die vormals Capazitäten, Männer von "Ruf inne Haltes, arrvertraut werden. Wenner indeß für den Sohar eingestanden und geeifert hatte, so ist dieß kein Wunder, da im sechzehnten Jahrhundert Niemand so leicht gewagt hatte R. Jochanan Ben Sakai die Priorität des Sohar in Abrede zu stellen, daher, er für dieses Buch zu kämpfen sich verpflichtet sah, nichts desto weniger aber Sinn für die wahre Wissenschaft hatte. So sagt er unter anderen in der bereits erwähnten Einleitung seines Commentars zum Bechinat Olam 'nat^na nmn pT rnrSan nie'ya njnS rnpaai ann 'onn wa 'n«n nrr»xa narren ntn w^aa 'n\x-n ptnS 'twx töd nxnp banna mSria -nSi nman ni^an aal "a"ap naa SiSan ins naia man ixatp naa ptn^n amnS 'nnax p by .'aioa 'aiana na Sti>ax xn paS oanan aniv' nvriann rn^an nxani nrpa "iai Tan Ty naab Tnaty '3 rvby 'aitw oa niy. Wahrlich unsere heutigen Chassidim, die in Polen und in Oberungarn Hausen, würden sich schwerlich zu einer solchen Aeußerung herbei lassen. — Sein Commentar, der oben bereits erwähnt wurde, beweiset, daß er nebst dem Talmud mit Fleiß und Eifer auch die philosophischen Werke studirt hatte; denn dieser Commentar dessen Veröffentlichung eher als so manches Machwerk, das oft der Munificenz der Reichen sein Dasein zu verdanken hat, einer Unterstützung würdig ist, ist rein philosophisch und in einem schönen hebräischen Stile geschrieben. Auch als hebräischer Dichter zeichnete sich unser De Lates aus (vergl. Rechtsg. S. 160) Daß aber De Lates trotz seinereminenten Gelehrsamkeit sowohl von den altern als neuern Bibliographen so wenig erwähnt wird, rührt daher, weil seine Responsen nebst dem Commentar zum Bechinat Olam, die sich als autographes Manuskript auf der k. k. Wiener Hofbibliothek befinden, auf keiner Bibliothek anzutreffen sind und bis 1860 zu jener Zeit wo wir sie in Wien edirt haben, den Gelehrten ganz unbekannt waren. Wohl wissen von ihm die Bibliographen Azulai, Litte jeschenim, Lecker ha« doroth, de Roffi u. a. m. daß er existirt und einen pass gegen jene Rabbinen, die dazumal gegen eine neue Auflage des Sohar entschieden opponirten, geschrieben hatte; jedoch seine Responsen, die für die Beleuchtung seiner Zeit von höchstem Interesse sind, kannten sie nicht. Herr Br. Grätz aber, der bei Bearbeitung seines neunten Bandes der Geschichte der Juden De Lates Responsen ja vor Augen hatte, muß wahrscheinlich bloß von den äußern Aufschriften der Responsen nicht aber von dem Inhalte derselben Notiz genommen haben; denn sonst würde er nicht einen pxa wie R. Isaak de Lates einen „herzugelanfenen Halbrabbiner" genannt haben. Jägerndorf 17. April 1866. Rabb. Br. M. H. Friedländcr. Aut und Wasser. Eine Studie. Die geehrten Leser dieser Zeitschrift dürften aus dem Titel dieses Aufsatzes irgend eine natursorschende Betrachtung erwarten, wir glauben dgher voranschicken zu müssen, daß wir darin blos die biblische und talmudische Auffassung von Blut und Wasser betrachten, und versuchen wollen, wie sich diese Betrachtung als Homilie auf der jüd. Kanzel verwenden ließe. Dieser Erdball hat wie bekannt zwei Hauptbestandtheile, nämlich Wasser und Erde, oder Flüssiges und Festes. Ersteres ist das quantitativ überwiegendere, ist cm tlarer geschmack- und geruchloser weißer Körper. lHgs Lasser ist das Lebensbtur, die Seele des Erdballs, durchMt lhO in;ahltoj«^Adern und Nerven, und bildet seine ssrlw-D^ide Blutk'länd vebcnsctrtulullvtt. ' . Rach Verhältnis der Dichte, Härte und mnuir^laWffcn1 hAt ist jeder Körper von Wasser und Feuchtigkeit dnrchAgen, so wie wieder umgekehrt das Wasser durch seine Klarheit, Porosität, Geschmack- und Geruchlosigkeit jedem auflösbaren Körper Aufenthalt gibt, und nach den verschiedenen erdigen, salzigen, metallischen und andern Stoffen, Farbe, Geschmack und Geruch annimmt, genießbar oder ungenießbar, heilend oder tödtend wird. Das Wasser kommt daher nirgends in seiner einfachen Grundform vor, es hat stets Beimischungen von organischen oder unorganischen Substanzen von den Körpern, in denen ea sich aufhält. Bei der organischen Natur ist auch das Wasser die Grundbedingung ihres Wachsthums, der Hauptfactor ihres Lebens.— Vom Grashalme angefangen, bis hinaus zum entwickeltesten Säugethiere, geht es viele verschiedene Mischungen und Färbungen durch, bis es endlich in der entwickeltesten Thierklasse zu rothem heißem Blute wird, wovon sie leidenschaftlich erregt und erhitzt, reißend und blutdürstig wird. Auch der sinnlich vernünftige Mensch, in dem hier auf Erden zuerst das Bewußtsein eines Gottes erwacht, wird von dieser rothen, flüssigen in ihm periodisch zirkulirenden Substanz belebt und bewegt, und leidenschaftlich erhitzt und erregt, und das schrecklichste der Wesen ist eben der Mensch in seinem Wahne. Bevor noch der Strahl richtiger Erkenntnisse in die Menschheit drang, stand sie dem Thiere wenig nach, war sie eben auch roh und wild, zügellos und blutgierig, folgte ihren rohen Begierden und Leidenschaften, und kannte die Kraft nicht, sich selbst zu beherrschen, und ihren rohen Willen zu bezwingen. Erst mit der Offenbarung des gütigen Schöpfers in Israel kam Licht in das finstere Heidenthum, es begann die wahre Sittlichkeit, der wahre Glaube, die wahre Liebe, die wahre Hoffnung. Aber als primäre Bedingung zu dieser neuen Aera menschlicher Erleuchtung und Erhebung, bezeichnet der Schöpfer namentlich die Korrektur des Blutes, durch Kalmirung und

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