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Das Abendland · 1866-04-26 · 9 (26.4.1866) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
9 (26.4.1866)
Date
1866-04-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ar. 9. Arag den 26. Mril 1866. in. Jahrgang Central-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Judentums. Verleqer, Eiaenthümer und verantwortlicher Redakteur: J). <^2hrMaNN. Pränumerationsbetrag ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr.j vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus: sür's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Geistgasse Nr. 908—1. — Inserate werden billigst berechnet. Die Juden aus der Kanzel. rein nach der „Wiener Kirchenzeitung" von Rabbiner Ehrentheil in Horitz. „Wer hätte das gedacht"? „wie ist dies möglich"? dürste der erstaunte Leser fragen, und doch ist es vollkommen wahr und unser voller Ernst wenn wir sagen „wir stimmen heute einmal mit der wiener „Kirchenzeitung ganz überein".— Dies kam so; die fromme Wienerin sagte nehmlich jüngst als mehrere Journale angesichts der Judenverfolgungen einen Apell an die Verkündiger der Religion der Liebe erließen, aus bats sie von der Kanzel herab zur besseren Einsicht und zur Bruderliebe ermahnen mögen, „Die Inden gehören nicht auf die Kanzel"— dem Worte wenn auch nicht dem Sinne nach stimmen wir hierin vollkommen mit ihr überein— Das Wort Jude oder Indent hum sollte gar nicht genannt, nicht ausgesprochen werden aus christlicher Kamel— woru auch? $'ft 2^ elw>'-nö?)tg irgend ein Bekenntniß namhaft zu machen um; allgemeine Duldung zu predigen? müsste man nicht um der erhabenen Idee der Nächstenliebe und der Toleranz gerecht zu werden dann alle mchtchristlichen Bekenntnisse speciell nennen? oder wollen wir denn etwa, daß bloß uns Juden gegenüber Toleranz geprediget werde? wir glauben doch, daß es genüge allgemeine Menschenliebe und Duldung zu lehren, um die Gemüther für die Anerkennung des Menschenrechtes und für die Achtung der Bekenner aller Eonfeffionen empfänglich zu machen.— Möge sich die fromme Wienerin beruhigen, wir wollen auf nichtjüdischen Kanzeln nicht speciell genannt werden, denn so oft dies geschieht— das lehrten uns mannigfache Auszüge aus Fastenpredigten — geschieht dies entweder mit salbungsvollem Bedauern— ob unserer geistigen Verblendung— oder im günstigsten Falle mit der frommen Betrachtung, daß am Ende auch Inden Menschen sehen, u. s. w. — Beides aber ist vom Uebcl; wir wollen nicht, daß dem Volke gesagt werde „wir leben in geistiger und religiöser Verblendung, man müsse für unsere Erleuchtung beten" wie leicht könnte es nicht geschehen, daß irgend eine resolute Menschenklasse die gerne rasch ans Ziel gelangt, es vorzöge uns mit einem Rucke gewaltsam die Augen zu öffnen und nach ihrer Weise zu erleuchten, als dies durch frommes Gebet zu bewerkstelligen— abgesehen davon, daß es durchaus mit der Anforderung der hohen Sittlichkeit nicht übereinstimmt, wenn man irgend eine Eonfession öffentlich als Irrlehre und Wahn stempelt, um so weniger als dies auch zur Glvrifieation der eigenen Religion gar nicht absolut nöthlg. — Wir wollen'nicht, daß man von der Kanzel herab lehre, man solle sogar Inden mit menschlichem Rühren als Geschöpfe Gottes schonend behandeln, wir wollen dies Almostn nicht, das uns von der reichbesetzten Tafel der Nächstenuebe hingeworsen wird— von Juden und Judenthum soll man nur auf unseren jüdischen Kanzeln sprechen, auf denen anderer Bckenntniße soll der Jude speciell nicht ge-! nannt werden — es genügt von allgemeiner allumfassender Nächstenliebe zu predigen, das strahlende Banner allgemeiner Duldung werde hochgehalten, man lehre das Volk alle Menschen wie Brüder lieben, man streiche das Unterscheidungszeichen confeffionellen Unterschiedes aus dem Buche der Menschenliebe und von dey Herzenstafeln der Zuhörer, man lehre sie den Begriff der Gottähnlichkeit in allumfassender Nächstenliebe suchen; wozu mit Namen der verschiedenen Bekenntnisse spielen? von dem Glorienscheine den der eifrige Prediger um das eigene Bekenntniß zu verbreiten sucht, kann so oft er ein anderes namhaft macht und als Folie hinstellt nur ein Schatten auf die Folie fallen.— Darum stimmen wir dem Wortlaute nach mit der „Kirchenzeitung" überein wenn sie sagt „die Juden gehören nicht auf die christliche Kan^l" aber die allgemeine allumsaffende^Menschenliebe und unbegränzte Duldung—■ sagen wir— gehöre dahin— sie soll gelehrt und geprediget werden allezeit, und allerorten.— fP"****— ■- -4 Jur Biografie des N. Isaak de Lates. Der gelehrte Lehrer am Breßlauer jüd. theologischen Seminar Herr vr. Grätz äußert sich unter anderem in dem so eben erschienenen neunten Bande seiner Geschichte der Juden Seite 383 über R. Isaak de Lat68 in folgender Weise: „Die Kabbala sollte sich auf den Trümmern des Talmud aufbauen. Die angesehenen italienischen Rabbinen Meir von Padua und Andere gaben keineswegs ihre Billigung dazu, sie trugen Scheu, dasjenige was eine Gehe im lehre bleiben sollte, durch den Druck jedermann zugänglich machen zu lassen. Der eingefleischte Kabbalist Mose Basula, ferner ein Rabbiner aus Mantua Mose Provcnzali und ein herzugelaufener Halbrabbiner Isaak ben Jmanuel de Lates, der es im Alter nickt weiter als bis zum Hauslehrer bei Isaak Abcrbanel II. in Ferara gebracht hat, diese drei unterstützten und förderten die Veröffentlichung des Sohar (Mantua 1518—59) Jeder, der nicht im Besitze der von uns im Jahre 1860 edirten Responjen des R. Isaak ben Jmanuel de Lates ist, und diese in Rede stehende Aeußerung des Herrn vr. Grätz liest, dürfte wohl glauben, daß Rabbi Isaak de Lates nichts anderes als ein hcrumlungender unwissender Schwärmer gewesen sein mochte; allein R. Isaak de Lates ist würdig den größten talmudischcn Eapazitäten des sechzehnten Jahrhunderts an die Seite gestellt zu werden, daher drängt es uns einiges über ihn seine Abstammung und Gelehrsamkeit den geehrten Lesern dieser geschätzten Blätter mitzutheilen. Rabb. Isaak ben Jmanuel de Lates, der schon 1543, in Italien, dem Lande der Kunst und Wissenschaft, lebte' und von der gelehrten Welt als eine talmudische Größe anerkannt wurde, stammte aus Frankreich ab. Seine Geburts-

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