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Das Abendland · 1866-04-12 · 8 (12.4.1866) · p. Seite 62

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
8 (12.4.1866)
Date
1866-04-12
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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62 wurden und noch in unfern aufgeklärten Tagen gestürzt werden, wurden die Inden zweimal durch ausgezeichnete Frauen vom Untergang gerettet. Die hcldcumüthige, aufopferungsvolle Judith rettete ihr Volk, indem fie den Anführer seiner Feinde um einen Kopf kürzer machte, Esther erhielt ihr dem Tode geweihtes Volk dadurch, daß sie durch Schönheit und weibliche Diplomatie einem übermächtigen launenhaften König den Kopf verrückte. Letzteres Ercigniß feiert das Purimfest, der Carneval Israels, auf den keine Fastenzeit folgt. Der heurige Purimball, dessen geschichtliche Berechtigung ich angedentet, war in mehr als einer Beziehung interessanter, als irgend einer der anderen deutschen Maskenbälle dieser 'Laison, an die sich kein cnlturhistorisches Interesse, keine inhaltsschwere politische Tendenz, keine Gefährdung und Rettung einer Nation knüpfen läßt. Durch die Kunst des rühmlich bekannten Malers und Decorateurs A. Ertle wurden auf diesem Ball die frohen Anwesenden nach Persien versetzt, dessen überall schimmernde drei Nationalfarben unwillkürlich an unsere erinnerten. Embleme des alten persischen Reiches, wie die der zwölf Stämme Israels, Davidsternc, der persische Löwe, das Einhorn zerreißend, so wie andere Gestaltungen, die man in den Ruinen des Palastes von Persepolis aufgefunden, waren an und zwischen luftigen Säulen angebracht, während Blumenfestons sich über und an orientalischen Teppichen durch die glänzend erleuchteten Räume schlangen, Palmen in ihren Schatten einluden, prächtige Rosen in kostbaren Vasen schimmerten. Um Mitternacht, als alle bunt durcheinander wogenden Gäste sich demaskirtcn, erhielt das Fest einen neuen Reiz, indem man jetzt Gelegenheit hatte, die auffallende Menge von schönen Damen zu bewundern, die bis jetzt nur durch ihre geschmackvollen, zum Theil reichen Masken Aufmerksamkeit erregt hatten. Die Festzüge, die sich nun entfalteten, waren trotz kleiner in solchem Menschengedränge unvermeidlicher Störungen, von trefflicher Wirkung und zeugten ebenso von Geschmack, wie von historischen Studien. Herr Leopold Rieß, ein junger Kaufmann, hatte sic arrangirt. Der erste Zug stellte den Sieg des Fortschritts über das blinde Vorurtheil dar. Hier sah man unter Ä. eine allerliebste Göttin der Freiheit, das Lichtbanner unserer Zeit tragend, und einen Walhalla-Tempel mit den zahlreichen Namen berühmter jüdischer Philosophen, Aerzte, Dichter Künstler, Componisten oc., umgeben von Genien, Liebe, Wohlwollen, .Kunst und Wissenschaft reprüsentirend. Die zweite Prozession veranschaulichte den Triumphzug der Königin Esther, deren Gestalt mehr als ihr reiches Costüm die Blicke auf sich zog und dem Geschmack des alten Ahasver alle Ehre machte. Diesen Zug verherrlichten Schopharbläser, Hohepriester, Ehrenwachen in glänzenden Rüstungen, Geschenke tragende Kamcele, die hier so sicher einherschritten, als gingen sie durch die Wüste, ferner Juden, Perser, Meder, fremde Fürstinnen oc., die sich ohne Unterschied der Nationalität und des Geschlechtes freuten, daß der böse Premier ein elendes Ende nahm. Zum Schluß veranstaltete Prinz Carneval zu Ehren der siegreichen Esther eine phantasiereiche Huldigungsfeier, worauf ein Ballet folgte, welches die Verbrüderung des jüdischen und christlichen Carnevals darstellte. Dann begann wieder unter den Klängen der zwei Musikcorps der fröhliche bunte Reigen des Tanzes, der bis zum Anbruch des Morgcnroths dauerte. Das Fest war in jeder Beziehung gelungen und war, wie aus meinen kurzen Audeutuugcu hervorgcht, nicht blos glänzend, sondern auch geistreich angelegt. -Lehr geehrter Herr Redakteur! Indem ich Ihnen für die wohlwollende Weise in der in Nr. 7 Ihres geschätzten Blattes meines Institutes und der in derselben abgehaltenen Prüfung Erwähnung geschieht, meinen herzlichen Dank ausspreche, füge ich berichtigend bei, daß H. Dr. Rosenauer keineswegs blos „Lehrer" an dem mit meiner Anstalt vereinigten Realgymnasium, sondern Mitinhaber und Direktor desselben ist. — Da bei diesem Anlasse auch von den ausgezeichneten Leistungen des von meinem Freunde coustruirten astronomischen Apparates „Hemerarion" die Rede ist, so dürfte es Sic vielleicht interessieren zu erfahren, daß H. Dr. Rosenauer im Besitze einer vom 28. Jäner l. I. datirten Zuschrift aus der Kammer Sr. k. k. Hoheit des Kronprinzen Erzherzog Rudolph ist, worin ihm angezeigt wird, daß dieses „vorzügliche Lehrmittel" — wie man sich ausdrückt — auch beim Unterricht Sr. k. k. Hoheit in Anwendung kommen wird, Genehmigen Sie den Ausdruck meiner besondern Hochachtung. Jacob Frey Hauptschuldirektor. Lorale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Herr Gerson Taußig aus Budin feiert dieser Tage sein 70 jähriges Geburtsfest. Seine beiden in Amerika lebenden Söhne haben aus diesem Anlasse für die Synagoge zu Budin einen kostbaren Vorhang zur heiligen Lade nebst dem dazu gehörigen obern Decktheil möD ferner einen Torahmautel — letzteren zur Erinnerung an ihre Schwester die verstorbene Gattin des Herrn Markus Gerstl in Prag — gespendet. Alle 3 Ornamentstücke sind aus rothem Sammt mit feinen Goldstickereien. Der Vorhang hat eine reichgestickte Krone. Die prachtvolle Arbeit wurde von Frau Sophie Kuh geb. Plohn mit großer Kunstfertigkeit und feinem Geschmacke ausgeführt. * 2. April. Der Kreuzerverein hat in der heutigen Generalversammlung Herrn Gottlieb Karl Bondy an die Stelle des Herrn Zappert zum Vereinsdirektor gewählt. Alexandrien. Der edle Sir Moses Montefiore ist am 11. v. M. auf seiner Durchreise nach Jerusalem glücklich hier angelangt. Cairo. Der Vicekönig hat an seinem Geburtstage 6 Personen, darunter 3 Israeliten, zu Rittern des Medschidieordens ernannt. Jerusalem. Die Regierung des Sultan so wie die europäischen Consulen, besonders der östreichische nehmen großes Interesse an dem moralischen Fortschritte der hiesigen Israeliten. Gegen Mitte Februar besuchte der Pascha in Begleitung der Consulen und der beiden Oberrabbiner die von der Frau v. Herz gegründete Lämel'sche Schule, wo eine Prüfung abgehalten wurde. 4 Schüler erhielten silberne Medaillen, auf welchen der Psalmvers (8, 2). „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge befestigst du dein Reich" in hebräischer Sprache geprägt war. (Lorriere Israelita) * Der Primararzt des Rothschild'schen Spitals, Dr. Rothziegel ist gestorben. Sein Tod wird allgemein bedauert. Amerika. In Galveston, Texas, ist die Zahl der Israeliten in stetter Zunahme und werden sich dieselben balb zu einer Gemeinde konstituiren. In Eharleston, Süd-Carolina, haben sich die beiden dort bestehenden Gemeinden der Orthodoxen und Reformer vereinigt. Beide Theile haben sich zu einem Compromisse verstanden. Die Reformer verzichten auf die Orgel und lassen auch die zweiten Festtage sortbestchen, wogegen sich die Orthodoxen zur Abkürzung und Abschaffung einzelner Gcbcthstücke herbeilassen. In Wheeling, Viktoria, sind 50 jüdische Familien, die mit der Absicht umgehen, eine Synagoge zu bauen. In Cincinati wurde das neuerbaute jüdische Hospital, dessen Kosten sich auf 40000 Dollars beliefen, eröffnet. In Neu-York ist ein wohlthätiger Verein zur Unterstützung armer jüdischer Einwanderer im Entstehen, der vielseitige Theilnahmc findet. (Hedren Deaäer.)

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