Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 8 (12.4.1866)
- Date
- 1866-04-12
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9050333-9088929-9050718--0395-9050723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
61 heil verrichtet werde. Unsere Gemeinde in der das Hinscheiden des edlen Wohlthäters schmerzliche Theilnahme erregte, hat im innigen Dankgefühle gegen den Verstorbenen beschlossen seinen Namen in das Denkbuch des Vereins Schomer Emunim eintragen zu lassen, damit sein Name fürewige Zeiten bei der Seelenandacht an Festtagen genannt, und an seinem jährlichen Sterbetage das gebräuchliche Gedeih verrichtet werde. 8. ow. H o r i c 6. April. Am 2. Tage des Passafestes feierte der erstgeborne Sohn unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners sein Barmizwafest, und wurde von seinem Vater in der Synagoge konfirmirt. Der geehrte Redner sprach über die Worte Chana’s „Wegen dieses Knaben habe ich zu dir gefleht" und erinnerte den für den Rabbinerstand bestimmten Confirmanden, anknüpfend an dessen Namen mi.T Sw, an dessen einstige Pflichten — Sw insofern als er dem heiligen Dienste Gottes gewidmet sei, min’, daß er sich nach den Worten *pnK ■jnv nnx min' durch sein Leben und Wirken seinen Brüdern zum Danke verpflichten möge. Der religiöse Akt brachte allgemeine Rührung hervor, und die ganze Gemeinde bewies dem talentvollen Confirmanden, der am folgenden Tage eine selbst verfaßte Rede hielt, so wie den geehrten Eltern desselben ihre volle Theilname. Dieses Familienfest verdient, abgesehen von der dabei betheiligten allgemein geachteten Persönlichkeit, schon deßhalb eine öffentliche Erwähnung weil es in unserer Zeit zu den Seltenheiten gehört, daß ein IZjähriger Jüngling so viel Neigung und Fähigkeit für den Rabbinerberuf an den Tag legt, wie der hoffnungsvolle Sohn unseres geehrten Herrn Rabbiners vr. Ehrentheil. Möge der Confirmand zur Freude seiner Eltern heranwachsen und gedeihen! Gaya. Die heidnischen Schriftsteller hatten vom Judenthume seinem Cultus und seiner Gotteserkenntniß gar absonderliche und krause Vorstellungen. Taeitus erzählt in seiner Geschichte V., 3 die Juden hatten den Esel verehrt, weil ein Rudel Esel die lechzenden Israeliten in der Wüste auf die Spur einer Wasserquelle führte. So auch Plutarch (Sympos. 4, 5.) „Die Juden verehrten den Esel, weil er ihnen einmal eine Wasserquelle entdeckt hat. Noch ergötzlicher berichtet Plutarch (de iside et osiride c. 3.) Typhon soll nämlich, aus der Schlacht sich entfernend, 7 Tage lang auf einem Esel geflohen sein, und den Hierosolyma und Judäus gezeugt haben, und um nun den durch diese Zeugung zum Stammvater der Juden gewordenen Typhon zu ehren, sollen die dankbaren Kinder das Thier zum Gott erhoben haben. Apion erzählt: Als Antiochus Epiphanes den Tempel plünderte, fand er auch einen aus Gold verfertigten sehr werthvollen Eselskopf. (Jos. c. Ap. 2, 8.). (Sollte irgend eine Kirchenzeitung dieses Citat zu einer Judenhetze benützen wollen, so kann man es durch den Umstand bestättigen, daß Antiochus sich selbst beim Kopfe nahm, als er das Heiligthum betrat). Bei dem Symposion des Plutarch wird ferner behauptet, daß auch Bachus der Gott der Juden sei. Um diese gewonnene Thatsache zu bekräftiqen und zu erhärten, leitet Plutarch einzelne jüdische Feste und Gebräuche aus dem Kultus des Bachus her, und bedient sich dazu namentlich des Hüttenfestes. — Woher, fragt man erstaunt dieser krasse Jrrthum, oiese schauerliche Ignoranz? Hätte Plutarch die Bibel nur im Entferntesten gekannt, hätte er nur eine Spur von dem jüdischen Schriftthum gehabt, es wäre ihm eine solche erbärmliche Lächerlichkeit nicht widerfahren. Ich stelle mir die Genesis dieses abenteuerlichen qui pro quo jo vor. Der träge Esel war den Heiden Griechenlands und Roms das Symbol des Jahresendes, und die Eselszwillinge, welche den Weingott über den Strom tragen, welcher die neue Periode von der alten scheidet, sind jene Eselszwillinge im Krebse, jenem Zodiakalbild, das dem Löwen vorher geht, mit welchen in Aegypten nnd Griechenland das Jahr eröffnet wurde. Da nun Plutarch hörte, daß die Juden nach Jahresende ein solennes Fest feiern, so war ihm nichts natürlicher, als das Fest der Juden zu symbolisiren, und das Symbol gestaltete sich ihm unter der Hand, wie das zu geschehen pflegt, zum realen Objekte und er sagte: die Juden verehren den Esel, und mithin auch den Bachus, der von den Eselszwillingen über den Strom der Zeit getragen wird. Bestärkt mochte er in seiner Symbolisirung, welcher er Realität verlieh, dadurch worden sein, daß ja die Inden am Altäre Wein spendeten. Da aber auch ein ostensibles Wassergießen an jenem Feste statt fand, welches an die Wanderung durch die Wüste erinnerte, so mußte der Esel mit dem Wasser in Relation treten. Es kann gar nicht anders sein, als daß der Esel ihnen in der Wüste zu Wasser verhals. Sprache und Mythus reichen sich die Hand. So wie die Mythe den Esel und den Weingott vereinigen, so klingen 'ovog ’mvog — non und mon in einander. Dr. M. Duschak. Ungarn. Der allgemeinen Augsburger Zeitung wird aus Pest geschrieben: In einer amtlichen im Banaler Gränzregimentsbezirk erlassenen Licitationsbekanntmachung, welcke die Verpachtung einiger Brückenzölle ausschreibt, lautet ein Satz der Pachtbedingungen wörtlich. „Zu dieser Verpachtung werden keine Juden zugelassen, auch dürfen solche nicht zur Erhebung der Brückenzölle vom Pächter angestcllt werden." Angesichts solcher amtlicher Erlässe dürfte man wohl eine andere Ansicht über die sogenannte Frage der Judenemancipation in Ungarn erhalten als die landläufige. Gegen die Zustände, wie sie hier einmal noch sind, gehören Jahre der Arbeit der Erziehung und Aufklärung dazu, um den Civilisationsgrundsätzen auch praktisch die Bahn zu brechen." So weit die Augsburgerin. Wir müssen gestehen, daß wir die Logik in dieser Correspondenz nicht zu fassen vermögen. Wenn es wirklich Jahre der Erziehung und der Aufklärung braucht, um den Civilisationsgrundsätzen, die doch nur durch ihre praktische Bedeutung Werth haben, und als bloße Ideale und Zukunststheorien nicht den Namen Grundsätze verdienen, Eingang zu verschaffen, so ist wohl die landläufige Ansicht über die Frage der Judenemancipation in Ungarn, die darin besteht, daß eine liberale Gesetzgebung endlich die konfessionellen Beschränkungen aufheben werde, die richtige. Wäre dem biedern Ungarvolke, wie ihm der Correspondent der „Allgemeinen" zumuthet, ein solcher mehrjähriger Aufklärungskursus von Nöthen, so werden— das ist unsere Hoffnung — die humanen Vertreter des Landes diesen Erziehungsunterricht damit eröffnen, daß sie die in der Adresse an Sr. Majestät unfern erhabenen Kaiser ausgesprochenen und von Allerhöchst demselben huldvoll entgegengenommenen Grundsätze der Gleichberechtigung der Confessionen der praktischen Anwendung entgegenführen, und die nächsten Folgen dieser legislatorischen „Arbeit", die sicher kein Jahre langes Zuwarten verlangen, werden die sein, daß ein amtlicher Erlaß, wie der obenerwähnte, nicht mehr zum Vorschein kommen könne. — New- Iork. Der Illinois Staatszeitnng wird aus New-Aork vom 7. März geschrieben. Vorige Woche wurde in der Akademi of Music der fünfte große Purim-Ball abgehalten, der von der hiesigen Purim-Association veranstaltet, eine besondere Erwähnung verdient. Diese Bälle werden nämlich nicht, wie andere unserer großen deutschen Bälle, zum bloßen Vergnügen gegeben, sondern feiern die Errettung des jüdischen Volkes von den Fallstricken eines intriguanten Premierministers, der eine ganze Nation ausmorden wollte, weil Einer aus derselben, der gesinnungsvolle Mordochai, nicht sein Knie vor ihm beugen wollte. Während andere Nationen durch ehrgeizige, bodenlos eitle Männer nicht selten in große Gefahren gestürzt