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Das Abendland · 1866-03-29 · 7 (29.3.1866) · p. Seite 55

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
7 (29.3.1866)
Date
1866-03-29
Page
Seite 55 (sequence 9)
Language
German
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et liefas Platz fand — Um so trüber stimmte es mul) als ich durch stieiseude vernahm, daß in Folge dcr so traurigen Ereignisse im westlichen Böhmen die Pnrimbelnmgnngen für Heuer sistirt wurden. Dafür ging es hier am 3. d. LN denn gar lustig zu. Junge Geuies die etwas von einem K e a n oder G a rrik mindestens aber ein Stück Sonnenthal in sich verspürten, gaben ihre Leistungen zum Besten, und endlich war es der jnng.n lebenslustigen Welt in die Beine gefahren und es wurde zur Freude der Großen und zum Besten der Kleinen gar wacker darauf losgetanzt, und wirklich stoß eine erklekliche Summe in die Schul-Eassa die diese Beisteuer recht gut zu verwenden wissen wird. So leben wir denn trotz dem Zwietrachtssermenle, daS in Folge verschiedener religiöser Ansichten in unserer Gemeinde zu finden ist, recht friedlich und ruhig miteinander, und ist unsere Gemeinde im Gegensätze;n so vielen Anderen im steten Wachsthnm begriffen und dürfte bald zu den ungarischen großen Gemeinden gehören, das haben wir freulich zumeist dem Schienenwege zu danken. Lakenbach, MatterSdorf und viele andere Gemeinden liefern uns Zuzug, und märe nur zu wünschen, daß das alte S te inam Anger, wie es der selige Rabbi Königsberg als Gemeinde organisirte bei der bunt durcheinander gewürfelten Recrutirung von hie und da seinen gemüthlichen b i ld u u g s s r e u u d l i ch en Urtypus nicht verliere — Wir sind gerne bereit selbst den mitunter rigorosen Anforderungen mancher Ansiedler gerecht zu werden, aber wir wollen und werden nimmermehr dulden, daß man uns die Eultusnormen der sogenannten schewa Kehiloth aufoetroyre. Unser Schulwesen ist ein blühendes und sind wir in der Pflege der Nationalsprache eifrig genug, so daß unserer heiligen Sprache im Bibelunterrichte eine ähnliche Pflege zu wünschen wäre. Locale und auswärtige Neuigkeiten. * Der hiesige Nächstenliebe-Verein feiert am 19. April sein 25 jähr. Jubiläum. r,rt der am 4 d. M. stattgehabten Generalversammlung wurde der Beschluß gefaßt den Gründnngstag festlich zu begehen. Am selben Tage findet im isr. Tempel ein Festgottesdienst statt. * 18. März. Heute verschied Herrn Wolf M. Taußig hiesiger Kaufmann, Vorsteher der Chewra Kadischa, des RächstenliebevereinS und Mitglied vieler humanitärer Vereine, nach kurzem Leiden zu Wien im 61. Lebensjahre. In kürzer und prägnanter eine Charakteristik ist, um so wahrer und eingreifender. Das Leben dieses Biedermannes, dessen edles Wirken und Streben durch den unerbittlichen Tod so plötzlich gebrochen, dessen wohlthätige Hand den Armen so früh entzogen wurde, läßt sich in wenigen Worten schildern. Frömmigkeit, Bescheidenheit und wohlthätiger Linn waren die Grundpfeiler, aus denen sich sein Sein stützte. In uneigennützigster Weise, in unvergleichlicher Bescheidenheit hat er, ohne je auf Anerkennung zu rechnen. Armen das Elend erleichtert, Kranken Trost eiugeflößt, Wittwen und Waisen nie seine materielle Hilfe versagt. Friede seiner Asche! B. * Au zwei anfeinandersolgeudeu Sonntagen (am 11. u. 18. d. M) wurde im Sitzungssaale der Beerdigungsbrüderschaft die Prüfung der Talmnd-Torahschule abgehalten. Am ersten Sonnta-e wurde die 2. Klasse aus der Mischna geprüft und die Snäler zeigten ein so gründliches Verständniß des Gelernten, daß den Resultaten des Unterrichts, den H. Rabb: Br. Stein ertheilt, allgemeiner Beifall gezollt lmR-i>c. Die Me'hode ws ebrw: Lehrers hat sich als sehrpraktisch und zeitgemäß erwiesen. Hierauf folgte d.e Prüfung der 3. .Klasse aus einen Abschnitte des Traktat Makoth, die ebenfalls zur vollen Zufriedenheit aussiel. Am andern Sonntage fand sie Prüfung der Oberklasse statt. Mehrere halachische Thesen aus dem Traktat Ehulin wurden von den Hörern dieser Klasse, unter denen sich einige sehr begabte und tüchtige junge Männer bennden, gründlich und mitunter selbstständig behandelt. Hu aus wurden von einigen Hörern kleine homiletische Proberedeu gehalten und ein Kapitel atls Hiob exegetisch exponirt. Auch die Prüfung dieses Tages entsprach vollständig den Erwartungen, die man in Vorhinein voll den Leistlingen der in ihren Lehrfächern anogezeichneten Männer, die den Unterricht iit der Oberklasse ertheilen, hegen konnte. Ein vom Hern: Leopold Pollak für den besten Schüler dieser Klasse ausgesetzte Preis von loft. wurde von der Talmudtorah- Eommission deut Hörer Herrn Stern;nerkanut. Ein Theil der Hörer dieser Klasse war;ur^ Prüfung nicht erschienen. Der Grund dieser Abseutiruug soll jedoch, wie man unS sagte, nicht in der Furcht vor einer Erprobung ihrer Kenntnisse und Fähigkeit, sondern darin liegen, daß die jungen Maleontenten sich mit einer Prüfung überhaupt und mit den Modalitäten derselben insbesondere nicht einverstanden erklären konnten. Dieser Umstand, so unwichtig an sich selbst, zeigt denn doch, daß die Anstalt, wie wohlthütig auch ihr Wirken sei, der Reorganisation und Festigung bedürse. Die löbliche Commission, deren warmer Eifer für die Sache alles Lob verdient, soll nach unS zngegangener Mitlheilnng wirklich die Absicht haben, Verbesserungen in dieser Richtung eintreten zu lassen. An beiden Prnsungstagen waren viele talmndisclie Capacitüten so wie viele Freunde und Förderer der Anstalt anwesend. Zum Schluffe müssen wir erwähnen, daß der größte Theil der Hörer der Oberklasse nebstbei die talmndischen Vortrüge des Herrn Predigers Br. Hübsch besucht. — e. * Wie alljährlich am Sabbath vor dem Vessachfeste hielt auch dießmal am 24. d. M. Herr Oberrabbiner Rappoport einen Vortrag in der Altnensynagoge. In der bekannten Weise des berühmten Gelehrten wurden viele Bibel - und Talmudstellen mit kritischem Scharfsinne exponirt. Mit Bezug au; die traurigen Ereignisse der letzten Zeit in manchen Gegenden Böhmens, ermahnte er, den Glanbensmuth niefit sinken zu lassen, und die Hoffnung aus eine bessere Zukunft niemals anfzugeben. Der Vortrag war zahlreich besucht, besonders von der Intelligenz aus dem Gebiethe des jüdischen Wissens. * Am 20. und 21. d. M. wurden in der Frey'fchen Lehranstalt, mit der in neuester Zeit eine Real- und Gymnasialklasse verbunden ist, die Prüfungen abgehalten, die von der Trefflichkeit dieses Institutes neuerdings ein glänzendes Zengniß ablegten. Das ruhige anständige Verhalten der Schüler, die gespannte Aufmerksamkeit, mit der sie ans die an sie gestellten Fragen hörten, die Schlagsertigkeit mit der sie dieselben laut und in deutlicher korrekter Anssprache, deutsch und cechisch beantworteten, zeigten deutlich, mit welchem pädagogischen Takte diese Anstalt geleitet, mit welchem Fleiße und Eifer in ihr gelehrt werde. Als Prüfungskomisfär war der hochw. Herr Vikar und Consistorialrath Oliva anwesend, der seine volle Zufriedenheit mit dem Erfolg der Prüfung äußerte, und auch die andern hervorragenden Persönlichkeiten, welche die Prüfung mit ihrer Gegenwart beehrten, wie der k. k. Herr Schnlrath Köhler, die Universitätsprofessoren Vietz, Wesseli und Kämpf, Religionsprofessor Adler, Prediger Br. Stein und andere Honoratioren, sprachen sich lobend über die Schule ans. Herr Br. Ro>enauer, Lehrer an der Gymnasial- und Realklasse, fand Gelegenheit sein vielseitiges Wissen und seine Lehrtüchtigkeit, so! wie die Zweckmäßigkeit des von ihm erfundenen astronomij scheu Apparats „Hemerarion" für den Unterricht in der Geographie zu bewähren — und der von ihm ertheilte Unterricht in der Physik und in der Geographie wurde von allen Anwesenden als erfolgreich anerkannt. Nicht minder! lobenswerth sind die Leistungen der übrigen Herrn Lehrer! der Anstalt, die wir nur darum nicht namentlich anführen,! weil sie schon bei früheren Prüfungen Proben ihrer Tüch- ' tigkeit ablegten, und der zngemessene Raum uns ein Ans-! führliches hierüber nicht gestattet. Doch können wir es nicht! unterlassen, dem Herrn Direktor Frey unsere Anerkennung j ansznsprechen, und besonders rühlneud hervorznheben, daß! er in seiner Anstalt die Pflege des religiösen Elements zum I vorzüglichen Gegenstände seines warmen Eifers macht. Der

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