Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 7 (29.3.1866)
- Date
- 1866-03-29
- Page
- Seite 56 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9050333-9088929-9050708--0389-9050717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
crnftc entsprechende Unterricht in der Religion wie im Hebräischen. der in der Schule eingeführte, mit den nöthigcn rituellen Requisiten anSgcslattetc Gottesdienst sind geeignete Mittel den religiösen Sinn in den Herzen der Schüler zn wecken und zu kräftigen. Es ist natürlich, daß hiedurch auch das Interesse der Eltern für die Anstalt gesteigert wird, welches sie auch bei feierlichen Anlässen durch Geschenke zum Zwecke eines erhebenden Gottesdienstes an den Tag legen. So hat im Monate Januar d. I. bei Gelegenheit einer stattgcsundcnen Eonfirmation der Vater des Eonfirmanden, Herr Joel Wolf aus Prcßburg für den Schulgottesdienst eine wcrthvolle silberne Lampe (Ner Tamid) gespendet. Mögen diese Zeilen Herrn Direktor Frei zu fernerer ersprießlichen Thätigkeit ausmuntern, möge er überzeugt sein, daß auch auf dcw dornenvollen Bahn des Lchrstandes ein verdienstliches streben zuletzt Anerkennung findet. Ul. * 25 Mä-rz. Im Erzichungs und BildungSinstitute für ifr. Mädchen der Fr. Paulinc Sommer gcb. Dormizcr fand heute eine dramatische Vorstellung thcils in deutscher, und böhmischer, thcils in französischer Sprache statt. Die Schülerinnen, namentlich jene, die den Kinderschuhen noch nicht entwachsen sind, legten nebst Proben ihrer Talente auch Correktheit in der Aussprache und Verständniß des Vorgctragenen sei es in Monologen sei cS in Dialogen ab. Es war ein echter Genuß die kleinen 7—8 jähr. Mädchen ganz unbefangen die Welt bedeutenden Bretter zu betreten und ihrer Rolle gerecht zu werden sehen Fr. Sommer, bekannt als eine tüchtige Erzieherin hat das Verdienst, den Unterricht, mit einer dem modernen Gcschmacke huldigenden Methode zu verschmelzen, um so einerseits dem bloß Mechanischen aus dem Wege zu gehen, indem sie den Kindern Unbefangenheit, und Agilität des Geistes als des Körpers einimpft, anderseits die Jugend für den Fleiß und Fortgang durch angenehmes nützliches Vergnügen entschädigt. B. Am 25. d. M. wohnten wir der Semcstralprüfung mit den Zöglingen in der M ä d ch e n l c h r a n st a l t der Frau Rosalia Robitschek bei, und fanden mit Vergnügen, daß dicics in stiller Bescheidenheit wirkende Institut die ersprießlichsten Resultate lieferte. Die Schülerinnen beantworteten die an sie gestellten Fragen auf eine Weise, die erkennen ließ, daß cS hier wirklich um die wahre Bildung der Mädchen zu thun sei, die Zöglinge entwickelten ein ungemein verständiges Eingehen in der Sache, dem es fern ist, mit bloßer^ Ausstellung des mechanisch Eingclerntcn zu glänzen.^.. Schüttenhofen. (Nachtrag zu den bedauerlichen ExcessenO Tic hiesige Synagoge wäre bald ein Tpser des Vandalismus geworden, wenn nicht das muthige und tactvolle Einschreiten unseres Herrn Eaplan die Excedcnten von der Entweihung des Hciligthumcö abgcwchrt hätte. Wien 25. März. Gestern wurde die 40jührige Jubiläumsfeier Sulzcrs im hiesigen Tempel aus glänzende Weise begangen. Herr Prediger I)r. Icllinek hielt die Festrede, in welcher er die Verdienste des Jubilars um die Regeneration des jüdischen Gottesdienstes in beredeten Worten schilderte. Herr Eantor Fischer trug mit dem Chorpcrsonalc den von Sulzcr komponirten 134. Psalm meisterhaft vor. Der Tempel konnte kaum die Menge der Anwesenden fassen. Nach vollendeter Andacht wurde Sulzcr von den Vertretern der Gemeinde beglückwünscht, eine Deputation derselben überreichte ihm eine werthvolle Ehrengabe und eine meisterhaft stylisirtc Adresse. Dieser folgten noch viele andere Deputationen aus Pest, Prag, aus Hohenems, dem Geburtsorte Nutzers und andern Gemeinden des Kaiserstaats, welche alle Geschenke und Adressen überbrachtcn. Auch vom fernen Auslande aus den größten Städten. wurden kostbare Geschenke und Adressen cingcschickt, und zahlreiche telegraphische Glückwünsche gelangten gestern an den Jubilar. In Hohenems war das Geburtshaus Sulzcrs ein Gegenstand der Dvation. Lulzcr's Büste wurde daselbst ausgestellt und unter großartigcr Feierlichkeit enthüllt. Lemberg. Im Landtage fant die städtische Juden frage zur Verhandlung, und der Antrag, die Zahl der jüdischen Stadtverordneten auf ein den Populationsvcrhältnisscn und der Interessenvertretung nicht RechnungtragendeS Minimum von 15 Mitgliedern zu reduciren, erhielt die Majorität. Die jüdischen Deputirten Dnbs, Landcsbcrgcr und Samclsohn, die sich an der Debatte bcthciligtcn, suchten die Rechte ihrer Glaubensgenossen mit Würde und warmer Bcrcdsatnkeit zu wahren, wurden auch hierin von mehreren liberalen Dcputirten kräftigst unterstützt, konnten aber leider nicht dnüchdringen. Heidelberg. 6. März Professor Goldschmid wurde zum ordentlichen Professor an der hies. juridischen Fakultät ernannt. Er besitzt eine schzgroße Kcnntniß im Handelsrecht, welche ihn zur ersten Autorität dieses Faches in Deutschland stempelt. Zu bemerken ist, daß im Großh. Baden Goldschmid der erste Jude ist, der wirkliches Mitglied der Iuristenfacultät ist. Berlin. Der Syndikus der Gemeinde, vr. Rubo, der auch als juristischer Schriftsteller bekannt war, ist mit Tod abgegangen. Am 22. Mürz wurde im Börsengcbäude das Marmorstandbild des Königs, ein der Kaufmanschaft v. dem Geh. Comcrcicnrath Alexander Mendelssohn gemachtes Geschenk, enthüllt. Intelligente israel. Aeltern, denen ernstlich daran gelegen ist, ihren Töchtern eine gründliche Ausbildung zu verschaffen, wollen behufs der Aufnahme für das nächste Sommer-Semester, welches mit dem 9. April l. I. beginnt, in meinem I n st i t n t s - L o c a l e, kl. R i n g Nr. C. 142—I., frcundlichst die Anmeldung machen. Die ersprießlichen Erfolge meines jahrelangen gewissenhaften Strcbcns, die sich nicht nur durch Zeugnisse der bei den öffentlichen Prüfungen anwesenden Hr. Hr. Fachmänner und Aeltern meiner Zöglinge sondern hauptsächlich durch die erfreuliche Thatsachc documcntiren, daß sehr viele der meine Anstalt absolvirtcn Mädchen jetzt selbst im In- und Auslande als Lehrerinnen und Erzieherinnen, sowohl in Familien, als auch an öffentlichen Unterrichtsanstalten zur vollsten Befriedigung thätig sind, berechtigen mich zu der angenehmen Erwartung, daß auch fernerhin der Besuch meiner Anstalt ein frequenter sein wird. Der Unterricht in den einzelnen Fächern wird von bewährten Lehrkräften geleitet, und das anticipando zu leistende Honorar beträgt je nach der Klasse von 2—4 fl. pr. Monat. Mädchen v.-m Lande werden auch in Wohnung und gänzlicher Verpflegung ausgenommen, wofür inclusive sämmtlicher Unterrichtsgegenstände das gewiß sehr mäßige Honorar von 250—300 fl. ö. W. jährlich beansprucht wird/ Auch werden Programme gratis ertheilt. Prag am 27. März 1866. Rosalia Robitschek. Instituts-Vorsteherin. In einem soliden Hause auf dem Lande wird zum Unterrichte mit 4 Kindern in den Elcmcntargcgenständen und dem hebräischen Fache ein tüchtiger pädagogisch gebildeter Hauslehrer gesucht. Die Stelle ist mit Beginn des ^ommerknrscs^ anzutretcu. Gehalt 250—300 fl. jährlich neben freier Station. Das Nähere ist bei der Redaktion dieses Blattes zu erfahren. 'io eben ist erschienen die 5. und 6. Lieferung '"11 71p von Dr. M. Deutsch in Pilsen. Preis einer Lieferung.20 kr. ö. W. Zu haben in Prag bei Jacob W. Paschcles, Geistgasse Nr. 906—1, bei D. Ehrmann Geistgasse Dir. 908—1, und bei Kaufmann in Frankfurt a M. Truck von Senders ö- Brandris in Prag.