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Das Abendland · 1866-03-29 · 7 (29.3.1866) · p. Seite 54

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
7 (29.3.1866)
Date
1866-03-29
Page
Seite 54 (sequence 8)
Language
German
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54 y er einen, u. d. g. cs sind die sogenannten „Glücksvereine" die wie die Pilze hier ansschießen — Nachdem das Glück uns so hold war uns einen Gewinn von 50000 Gulden machen zu lassen, drängt sich Alles zu LooS vereinen zusammen. Ja! wir haben ein Lächeln des Glückes erhascht, und hoffen auf fernere Gunst desselben — Es geschehen denn doch noch Wunder, auch ein jüdischer Prediger kann Glück haben, unser geehrter Herr Prediger E i s n e r hat ebenfalls einen Antheil mit 1000 Gulden an dem Gewinne. — Nun soll aber auch der längst besprochen nietberathene S ch nlbau .üblich beginnen, und herrscht überhaupt seir der glücklichen Stunde des EolleetivtrefferS ein viel regeres Leben hier als sonst — Ein kleines Wetterleuchten als Vorbote eines Cravällchens wurde durch muthigeö Einschreiten der Behörde und des Invalideneorps im ersten Augenblicke verscheucht — es herrscht nun die erwünschte Ruhe. Den biederen Verfechtern der Ruhe und der Eintracht sei hiermit die gerechte Anerkennung und der innigste Dank gezollt — Gaya. In der Geschichte des Dramas von I. L. Klein Leipzig 1865, lese ich folgende interessante und uns interessireude Stelle: 'In den heiligen Schriften der Hebräer begegnen wir säst sämmtlicheu Formen der Dichtungsarten in hoher Vollendung, mit Ausnahme der dramatischen, die Bücher Mosis dürfen für ein göttliches Epos gelten, dessen Held das auserwählte Volk. Ihre religiöse Lyrik ist die erhabenste Poesie der Gottesverherrlichung und der Siegesgesänge zum Ruhme des Herrn. In den Propheten wehet ein Gottdurchflammter Zorngeist, ein verzehrendes Feuer heiliger Strafermahuung, abwechselnd mit dem segenvollsten Tröste, mit der zärtlichsten Innigkeit und frommbegeisterter Liebe für das Volk Gottes. Mit diesem heiligen Zorngeiste verglichen, erscheint die zornwüthige Satire, die rabies des Archilochus z. B. wie die Geißel in der Hand eines Sklavenvogtes gegen die feurige Strafrute eines Kometen in der Hand Gottes. Und im Vergleich mit der biblischen heiligen Liebesinnigkeit und Süße, gleicht Sophos zärtliche Sehnsuchtsbrust, eine lyrisch enthusiastische Nymphomanie, wie Eros Fackel in Aphrodites rosenduftigem Lustgemache, verglichen mit dem rosigen Glanze des Liebessternes in Sommernächten, durchklagt vom schmelzenden Ach seelenvoller Nachtigallen. Welche Elegien, welche Threnodien sind an Größe des Gegenstandes und tiesfluthender Betrübniß mit dem Trauerliede des Jeremias, den Bußpsalmen zu vergleichen? Welches erotische Idyll möchte in zärtlicher Lust süßer, duftetrunkeuer Liebesmystik Salomos Lieder der Liebe übertresfen? muß nicht Auakreon dagegen wie ein lallender von Wein und Knabenschönheit berauschter alter Sünder und Lüstlingsgreis erscheinen? Die dramatische Form vermißt mau allein bei dem Volke Gottes, nicht weil die S 'inen dazu nicht reichlich vorhanden 'wären, oder die Geistesempfänglichkeit dafür den Hebräern abging. Die Geschichte Josephs enthält alles zu dem schönsten und beweglichsten Schauspiel bis ans die Form. Weit näher noch sieht dem Drama Hiob, dem zum Drama, zum Passionsspiel, zur Mysterie nur die beabsichtigte Nachahmung, das Spiel eben, und die in Handlung gesetzte Dialektik der großen offenen Frage der Menschheit anstatt der Verhandlung derselben fehlt. Die Vorstellung von der Vorsehung als geistiger Gottesperson, die unschaubar, übersinnlich nnd bildlos ist, widerstrebt jeder symbolischen oder bildlichen Darstellung göttlicher Offenbarungen, dramatische Bewegung, Nachahmung einer Handlung vollends, das mußte der biblischen Anschauung als ein frevtthafter Eingriff in Gottes ausschließliches Schöpferrecht auf Welt- und Menschenschaffung erscheinen, und in eine Schöpfnngsweise, die jede Zeiibewegung zwischen Machtspr ch und Sein auolöscht: „Gott sprach, und es ward;" die folglich das Werden auf- .hebt, die Grundkategorie der dramatischen Form." — Mögen alle die Poeten und .Kunstlichter, welche mit nationalen und religiösen Vornrtheilen das biblische Schristthum vornehmstolz ignoriren und es aus dem Gebiete der Aestetik verbannen, diese Worte beherzigen. Wenn die modernen Aestetiker auch der hebräischen Poesie nicht den Vorzug vor der griechischen Dichtkunst geben wollen, mögen sie sie doch nicht ganz ignoriren. Es ist da das Schöne mit dem Guten gepaart, es hat da das Schöne seine ethische Tendenz, was jenen Poesien, welche allerdings acht üstetisch sind, weil sie die Sinne berauschen und die sinnliche List wecken, nicht nachgerühmt werden kann. Vor hundert Jahren rühmte Herder die Poesie der Bibel, seitdem, ist die biblische Aestetik für die Kunstwelt eine terra incognita, ein Boden den man gar nicht kernen lernen mag. Mögen die Herren statt Luther eine Mendelssohuische Uebcrsetzung in die Hand nehmen, dann wirds Gott bessern. Dr. M. Duschak. Ay Butschowi tz im März 1866. „Anche io sono pittore!“ Auch wir sind Zeituugsreif geworden, auch ans unserer Mitte werden nun die jüdischen Organe ihre mehr oder minder geharnischten Berichte bekommen, dafür wird seitens unseres Rabbinates redlichst Sorge getragen. Wir glücklichen Bntschowitzer haben unfern mährischen Nachbargemeinden G a y a und Austerlitz gegenüber bereits einen bedeutenden Vorsprung — im Rückschritte gewonnen; während jene achtbaren Gemeinden dem Geiste der Zeit in jeder Beziehung und daher auch im Cultus Rechnung zu tragen bemüht sind, werden wir ad majorem Dei gloriam rückwärts geführt - längst ist die Orgel verstummt, und bereits ist die Lage — nicht etwa die Stimmlage, sondern die Lage des Tallis unseres Cantors Gegenstand strenger Rüge. seitens unseres frommen Seelenhirten geworden. War das ein heiliger Zoruee.cker, war das eimächtigcs Donnerwort, war das eine Fillipika ob dieses znsammengelegten Tallis als wären die Grundfesten unseres Glaube iS erschüttert, so die moderne Tallislage den Gottesdienst entweihet — und wie wurden wir arme Menschenkinder abgekanzelt, als wären wir straffällige Chederbuben, und Herr Dr. Lips chitz unser zornige Melamed, der über uns die Ruthe seines strafenden Wortes schwingt — Glauben Sie aber ja nicht geehrter Herr Redaeteur! daß wir wirklich solch Leva merein seien; o bei Leibe nicht! wir haben nicht im Traume daran gedacht den Sabbath auf den Sonntag zu verlegen — wenn auch in manchem Geschäfte der Sabbath zum Sonntag gemacht wird d. h. zum Wochentage — wir sind, ich kann es ohne ruhmredig zu sein, behaupten gute g la ubeus tr ene Juden, und daß wir einst dem Orgeltone im Gotteshause lauschen wollten, daß wir nach Wien kommend, eine von unserem ehrw. Rabbinate verpönte Iellinikische Predigt anhören, daß wir endlich eS wagten unter dem jetzigen Regime, den Cantor mit schmal gefaltetem Tallis vorbeten zu lassen — das du himmlischer und milder Vater über den Sternen! wirst du uns wohl nicht als Sünde a n r e ch u e n! — Wohin wir aber noch kommen in unserem lieben friedlichen Butschowitz wenn wir auf dieser abschüßigen Bahn rückwärts gehen? cd wir in unserem Eultus nicht endlich die Gemeinden der gesegneten h^gyallya, oder die Mustergemeinden Lt. Peter, Mac, Szckiszö und Szanto zum Muster nehmen müßeii, das weiß Gott und vielleicht auch der irdische Leiter unserer gottesdienstlichen Angelegenheiten. Saluirm (Stein am Anger) 18 Mär; 1866. T Als Ihr Correspondent einst zu den Füßen des greisen Thalmudlehrers in Prag saß, da war es für das ungarische Jüngelchen eine gar große Freude wenn der Pilsner Purim das Füllhorn feiner Lustbarkeiten über Prags Iudcnstadt ausgoß —> er war zwar nicht so glücklich irgendwo eingeladen zu seyu aber wc^u auch? es gab der Winkelchen genug in den von Purimlust glänzenden Zirkeln wo ein lustiges Bocherl dem das magyarische Blut in den Adern kochte per fas

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