Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 7 (29.3.1866)
- Date
- 1866-03-29
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9050333-9088929-9050708--0384-9050712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-,c Länge nidit zti ertragen vermochten, und ec timen mint' fcf)cncmrvt;]cr erschien zu sterben, als bei lebendigem Leibe (Steift und Her; cin;u)'argcn und in Grabesfinsterniß zu Versen len : sei cs auch, daß die römischen Handhaber des Gesetzes, denen es "nicht sowohl um Gehorsam als um Blut zu thnn war, geflissentlich einige Zeit hindurch derartige Gesetzübertreningen ignorirten, sich ganz passiv verhielten um ihre Opfer um so sicherer zu machen, und sie um so zuverlässiger und in um so größerer Anzahl ins Verderben zu stürzen; es sei dem wie ihm wolle, Thatsache ist es, daß einige der hervorragendsten Gelehrten, sich ihrem Lehrberufe mit einer solchen Rücksichtslosigkeit Hingaben, als hätte es nie einen Kaiser Hadrian und einen römischen Blntrichter gegeben. Die Bedächtigen sahen es freilich wohl, daß sie sich über einem Abgrund befänden, dessen leichtmaskirter gräulicher Schlund sich jeden Augenblick öffnen und die Arglosen verschlinge t könne; aber ihre Worte fanden bei ihrem heißblütigem für die Fortpflanzung des Gotteswortes allzueisrigeu Gefährten keinen Eingang. (Fortsetzung folgt). Kleine Lkenrsioiicniiidas Neich unserer Ideale von Dr. S. H. So ne sch ein Rabbiner in Warasdin. ' II. Als der drittgrößte Moses das bekannte unbillige Ansinnen seines berühmten Zeitgenossen Lavater ablehnte, schrieb er ihm unter anderem: „Ich begreife nicht was mich au eine dem Ausehett nach so überstrenge, so allgemein verachtete Religion fesseln könnte, wenn ich nicht im Herzen von ihrer Wahrheit überzeugt wäre." — Abgesehen von dem allgemein Verachtetsein unserer Religion, das gegenwärtig nur noch in gewissen vereinzelten und vernagelten Landstrichen sein Unheil brütet und sein Unwesen tre.bt, und mit Rücksicht daraus, daß Mendelssohn den damals au Lavater geschriebenen Brief gewiß aus das sorgfältigste überdacht, und jeden einzelnen Satz, ja jedes einzelne Wort auf die Wage der Borsicht und Ueberlegung gelegt hatte, bevor er es dem Papier anvertraute, — bezeichnet jene treuherzige Betheuerung des Weisen am trefflichsien den Standpunkt, welchen der Israelit eiunehmen muß, um sein religiöses Bewußtsein nicht nur vor anderen zu rechtfertigen, sondern auch innerlich zu stärken. Rur dem Ansehen nach, nur für denjenigen, der mit einem Blicke auf die Oberfläche gründliche Wahrnehmungen machen zu können wähnt, ist die Religion des Iudenthums eine überstrenge. Ihre scheinbare Herbigkeit und Schroffheit ist nichts anderes als das Mittel ihrer Eonservaticn für die Zukunft. Und nicht im kalten Verstände kann die Ueberzeugung von der Wahrheit dieser Religion lourzeln. Deml diese Ueberzeugung soll mit der Gluth einer innigen Begeisterung einen gemeiuschaftlicbeu Ursprung haben, braucht eine wärmere Heimath als es der Verstand wäre, und gedeiht nirgend anders wie i m H e rz e u, im Gefühl. Für die Wahrheit der mosaischen Religion müssen Opfer gebracht werden können, und diese bringt die Ueberzeugung ohne Begeisterung nie zu Stande. Wodurch diese mit der Begeisterung so innig verschwisterte Ueberzeugung hervorgerufen wird? Die Tradition ist's, das F-esthalten au' uuseru geschichtlichen Ueberlieferungeu, das unerschütterliche Bestreben, bei allen Wandlungen der Bildung und des Zeitgeistes diese Ueberlieferungeu nicht aus den Augen zu tuTliercn, denn sie bergen die heilige Flamme, an der sich unsere edelsten Gefühle entzünden. — Das Rad rollt unaufhaltsam vorwärts; die Speichen haben in jeder Sekunde eine andere Lage und Richtung; bie Achse jedoch, um welche das Rad sich dreht, rückt nie aus ihren Fugen. Eine solche Achse ist die Tradition. Die Israeliten waren die Ersten, bei denen die Bchtsaat der reinen Wahrheit aus fruchtbaren Boden fiel. Prägt sich uns auch nur diese eine Erinnerung unverlöschlich ein, so werden wir gerne Alles thun, was uns für jene goldene Zukunft zu erhalten vermag, wo alle Erdbewohner von der reinen Wahrheit erleuchtet sein werden. Wer wollte es uns mißgönnen, wenn das Iudentbum als solches jene goldene Zukunft mitzuerleben hofft? Nur das Triumvirat der Bosheit, Rohheit und Leichtgläubigkeit möchte diese unsere Wünsche und Hoffnungen zum corpus delicti nie geschehener Unthaten stempeln. Kein rechtschaffener Mensch, und stünde er dem Iudenthum noch so fern, sucht eine Anmaßung und Selbst' Verherrlichung darin, wenn unser religiöses Bewußtsein, von der Tradition geleitet, solche Hoffnungen und Wünsche nährt. Könnte mau es denn amnaßeud finden, wenn ein Bauküustler, der den Grundstein zu einem monumentalen Gebäude gelegt hat, und unter dessen Augen ein bedeutender Thetl deS Baues bereits gediehen ist, .wenn dieser Künstler auch den Wunsch äußert und die Hoffnung hegt: er möchte den freudigen Moment erleben, wo er mit eigener Hand bei Vollendung seines Lieblingswerkes den Schlußstein einstigen wird? — Dürfte man es ihm verdenken, wenn er solche Lebensregeln befolgt, durch die er Körper und Geist stets frisch und gesund erhalten kann? Eine ähnliche profetiich gerechtfertigte Hoffnung ist cS, die in uuserm religiösen Bewußtsein fortdauernd lebt, und einen gleichen, die Gesundheit des Judenthums eonservirenden Zweck verfolgen unsere Traditionen. Wenn das Iudenthum stolz ist auf sein Dasein, so ist es immerhin ein edler Stolz; und wo immer seine unversöhnlichen Widersacher ihm blutende Wunden schlagen, dieser sein edler Stolz wirkt schmerzenstillend wie der wunderthätigste Bctlsam. Nimmer verdienten wir die Träger der Wahrheit zu sein, wenn wir nicht zugleich den Muth hätten, für dieselbe zu leiden und zu bluten, wo es einen Kampf um Leben und Sterben gilt! Nimmer dürften wir uns rühmen, die rechtmäßigen Eigenthümer eines göttlichen Schatzes zu sein, unwürdig wären wir eines solchen Besitzes, wenn der erste beste diebische Angriff uns einschüchterte, wenn wir, um schneller entfliehen und uns verbergen zn können, feige und trostlos unsere Waffen fallen ließen. Wie leicht ist es, und wie schwer ist es, ein Jude zu sein! — Wer sein Judenthum begreifen gelernt hat, wer über die Keimung und Reife desselben nachzudenken den Beruf in sich fühlt, — und welches Kind Israels sollte dies nicht? — der hat gewiß beim Lesen dieser Zeilen jenen Ausruf nicht unterdrücken können. Und er ist nichts weniger als eine hohle Phrase, und er verdient bei weitem mehr Beachtnng wie eine gewöhnliche Antithesenspielerei. Er ist der Ausdruck eines ganzen, untheilbaren Gedankens, und wollte man dennoch seine beiden Glieder gewaltsam auseinanderreißen, würde die ihm ursprünglich innewohnende zweifelbeschwichtigende Heilkraft versiegen, um dann auf der einen Seite die Leichtsinnigen dem berauschenden Einfluß der Frivolität preiszugeben, und auf der andern Seite den aufstrebenden Geistern die schweren Eisenketten eines äußerst strengen religiösen Formelwesens anzuschmieden. „Drum haltet fest zusammen — fest und ewig!" Nachbemerkungen jn den „Öemcrhungtit“ des Hin. M. Stark in Nr. 4 des Abendland. Der sehr geehrte Herr Stark liefert in Nr. 4 des „Abendland". interessante Notizen zur Biographie des als talmudische Eapazität rühmlichst bekannten R. Zebi Aschkeuasi, wofür wir ihm hiermit unseren verbindlichsten und wärmsten Dank erstatten. Was jedoch uns betrifft, so waren wir bei Abfassung des beregteu Aufsatzes keinesfalls gewillt