Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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47 bcn Letzteres war mit frischen Blumen geziert und mehrere Kränze darauf niedergelegt. Um 9 Uhr erschienen die Vorstände der Gemeinde, die Herren Prediger Iellmek, Oberrabbiner Horowitz, Oberkantvr Sulzcr, Kantor Goldstem oc. Die Feierlichkeit begann mit einem Choralgesang, diesem folgte die feierliche Weihe des Denkmales, ferner die Absingung einiger Gebete, die Festprcdigt des Dr. Iellmek und zum Schluffe abermals ein Choralgesang. Das Denkmal ist aus geschliffenen Granit und stellt einen Sarkophag auf hohem Sokel, zu welchem Stufe» führen, dar. Auf den beiden Längenseiten befinden sich hebr. Inschriften. Ans der Frontseite sind mit Goldbuchstaben neben dem Namen, Geburt« und Sterbetage die Worte: „Dem Prediger und Lehrer die dankbare Gemeinde^' eingravirt, die Inschrift, welche sich der unvergeßliche Mannheimer testamentarisch bereits im Jahre 1831 selbst wählte, lautet: „Ich habe verkündet dein göttliches Recht in einer großen Gemeinde und gepredigt von deiner Gnade und Treue. „Diesen Vers wählte auch der Prediger Iellmek zum Thema seiner gehaltvollen Rede, die er am Grabe des Verstorbenen hielt. * Bereits vor zehn Monaten wurde von ^L>cite des Vorstandes der hiesigen Cultusgemeinde ein revidirtes Statut für diese Gemeinde der Regierung zur Genehmigung vorgclegt, ohne daß bisher eine Erledigung erfolgt wäre. Am 7. d. M. begab sich eine Deputation des Vorstandes, bestehend aus dem Präses Joseph Wert heim er und den Räthen W. Frankl und Dr. Engel zu dem Herrn Staatsminister Grafen Belcredi, um demselben eine aus das Statut bezügliche Denkschrift zu überreichen und um Beschleunigung dieser für die Gemeinde so wichtigen Angelegenheit zu bitten. Der Herr Staatsminister empfing die Deputation sehr freundlich, besprach die Angelegenheiten der Kultusgemeinde mit jedem einzelnen Mitgliede der Deputation in der eingehendsten Weise und versprach die rascheste Erledigung des Statuts. Ungarn. Der Gemeindevorstand zu Pöstyen. Tepliz in Ungarn fordert in einem hebräisch und deutsch geschriebenen Aufrufe die wohlthätigen Glaubensgenossen aller Orten aus zu Geldunterstützungen für den beabsichtigten Aufbau einer Synagoge in dem Badeorte Tepliz in unmittelbarer Nähe der Badeanstalt und inmitten der Quartiere der Kurgäste. Die in dem eine halbe Stunde von Tepliz entfernten Pöstyen bestehende Synagoge will der Vorstand in der neu zu erbauenden aufgehen lassen, um den Kurgästen keinerlei Last der Kultusspesen zu veranlassen. Der Aufruf ist außerdem von Bezirksrabbiner Mannheimer und Hauptschuldirektor Ochs in Verbo unterschrieben und trägt auch eine Empfehlung des rühmlichst bekannten Bezirksrabbiners zu Waagneustadtl, Herrn Josef Weiße. Bei dem Umstande, daß die warmen Heilquellen zu Tepliz nicht nur von Ungarn aus, sondern auch von andern, Provinzen Oestreichs und vom Auslände stark besucht werden ist eine vielseitige Unterstützung des gottgefälligen Werkes von dem Wohlthätigkeitssinne unserer Glaubensbrüder zu erwarten. Die betreffenden Spenden sind an das Bezirksrabinat zu Verbo Neutracr Comitat, letzte Post Rakovicz in Ungarn einzusenden. Triest. Die hiesige Gemeinde hat dem Oberkantor Sulzer in Wien zu seinem 40 jährigen Jubiläum eine hebräische Gratulationsadresse nebst einer silbernen Chanukalampe als Ehrengeschenk überschickt. (Corrierc Israel.) * Für die Familie Luzzato's wurden hier bereits gegen 2000 fl gezeichnet; auch das Luzzatokomitc, unter Leitung der Herren Albert Kohn in Paris und Oberrabbiner Tedcschi in Triest hat bereits nahmhafte Summen aus Deutschland, England und Frankreich erhalten. Herr Baron v. Rothschild m Paris hat 1000 Frc gezeichnet (ibid). .. Äkrlin. Am 4. d. M. feierte der Hilfs- Verein für jüdische Studirende im Anschluß an die regelmäßige Generalversammlung sein 25 jähriges Stiftungsfest. Der Verein hat alle Ursache mit den Resultaten der Thätigkeit in diesen 25 3af)rcn zufrieden zu sein. Im Jahre 1841 traten einige wenige Personen, welche ein Kapital von 25 Thlr zusammengelegt hatten, zusammen, um hilfsbedürftige Studirende zu unterstützen, am Schluß des Jahres zeigte die Vereinskasse ein Vermögen von 123 Thlr. Und wie steht der Verein jetzt nach 25 Jahren? Die Mitglicdcrzayl beläuft sich auf viele Hunderte, das Vermögen des Vereins beträgt iucl. der Ne bcnstiftnngen 13000 Thlr, die Summe der jährlichen Bei träge übersteigt 2000 Thlr, und die Summe der im Laufe der 25 Jahre gegebenen Unterstützungen beläuft sich auf 25021 Thlr. Von den gezahlten Unterstützungen sind bis jetzt etwa 1800 Thlr zurttckgezahlt worden. Die Sammlung, welche bei dem stattfindendcn Festmahl veranstaltet wurde, ergab über 300 Thlr. Warschau. 28. Feber ein kaiserlichen llkas gestartet, daß Israeliten, welche mit einen Univcrsitätsdiplome des Kaiser- oder Königreiches versehen sind zum Civildicnste im Königreiche Polen mit Benützung der allgem. Rechte zngelassen werden. Odessa. Der hiesige Prediger Di*. Schwabacher wurde in den russischen Adclstand erhoben. Rom. Der hiesige Oberrabbiner Fasani ist mit Tod abgegangen. _ London. Sabbath den 17. Feber besuchte ^ir Moses Montefiore in Begleitung des Lord- Mayor der City den Tempel des fpanischen Ritus, wo gerade für ihn ein Gebet abgchalten wurde. Der Besuch des Lord-Mayor war unerwartet, weßhalb auch keine Ehrenbezeugungen für ihn veran staltet werden konnten. Nachmittags war Sir Moses beim Minchagebete im großen Tempel, der mit Andächtigen überfüllt war und wo ebenfalls ein öffentliches Gebet für die glückliche Reise des menschenfreundlichen Veteranen nach Jerusalem abgehalten wurde. Sir Moses hat seine Reise in Begleitung der Herren Sebag Dr. Löwe, Dr. Hodgkin und Kapitän Moore bereits angetreten. (I. Ch.) * Sir George Grey hat im Unterhause eine Bill zur Aenderung des Eides für die Parlamentsmitglieder eingebracht bei deren Begründung er sich unter anderem n ie folgt ausspricht: Auch den Juden, die im Parlament eigentlich nur geduldet würden, müsse nun das förmliche Recht zur Zulassung eingeräumt werden, cs wäre geradezu lächerlich, heute noch zu behaupten, daß für die Krone oder die Kirche eine Gefahr daraus entstehen könne; die Mitglieder jüdischer Religion hätten sich vielmehr bei mancherlei Dißkussionen sehr nützlich erwiesen. Amerika In den vereinigten Staaten wurde für die armen Israeliten Palästinas 13450 Dollars gesammelt. Guchschau. 23. Bericht über Entstehen und Bestehen der pragcr Talmud-Thora-Schule von der Commission der Talmud- Thorah-Schule vorhergcht: Eine Abhandlung über den ersten Unterricht im Talmud nach den didaktischen Grundsätzen unserer Zeit v. Dr. A. Stein, Rabbiner und Prediger an der Meiselsynagoge. Prag 1866. Der Bericht, den die Commission durch ihren Obmann, den frühem Präses der Cultusgemeinde-Rcpräsentanz, Herrn Ernst Wehli, der Oeffentlichkeit übergibt, ist ein deutliches Zeugniß von dem geistigen Fortschritt aus religiösem Gebiethe in der Prager Gemeinde. Im Jahre 1853, über Aufforderung des seligen Herrn Herz Jonathan Bondi, der zu diesem Zwecke 2200 fl. spendete, versuchsweise errichtet, begann die Talmudthorah mit 15 Schülern, und erstreckte sich der in ihr erthcilte Unterricht auf den Pentateuch und die hebräische Grammatik, heute ist sic eine gegliederte 4 klassige Lehranstalt mit 124 Schülern, deren oberste Klasse mit 20 Hörern sogar als eine Bildungsstätte für Rabbinatskandidatcn betrachtet werden kann. Unterrichtsgegenstände sind: Bibel, Mischna und Talmud. In der Oberklassc wird auch Bibelexegese und Homiletik gelehrt. Als Lehrer wirken nach den Klaffen aufsteigend: Lehrer Donat, Prediger Dr. Stein, Lehrer Klemperer, in der Oberklassc Rabbiner Juda Teweles und Prediger Prof. Dr. Kämpf. Der bewährte Ruf