Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
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48 einiger und der bewährte Eifer aller dieser Lehrer, sind die sicherste Bürgschaft für das Gedeihen einer Anstalt, deren Zweck nach dem Berichte dahin geht, daß die Torah nicht vergessen werde in Israel. Es wäre ungerecht, wollte man dem frisch erwachten religiösen Sinn, der sich seit der Zeit, als eine liberale Gesetzgebung den Kampf um politische Gleichberechtigung überflüssig machte, in der Prager Gemeinde manifestirtc, die Anerkennung versagen. Vor 25 Jahren konnten einige jüdische Gelehrte, die sich freiwillig ankwten, unentgcldlichen Unterricht im Hebräischen zu ertheilen, vom Vorstande kein Lokale cingeränmt erhalten, heute entwickelt die Repräsentanz einen lobenswerthen Eifer in Förderung jüdischen Unterrichtes und jüdischen Wissens in der Gemeinde. Rühmend muß die Thütigkeit der Commission hervorgehoben werden, der es gelungen ist das Interesse für das Institut zu erwecken und wach zu erhalten, so daß durch Jahresbeiträge, Spenden und Stiftungen von Seiten der Gemeindemitglieder mit Beginn des Jahres 1865 nach Bedeckung aller Ausgaben ein Kapital von 5143 fl. erübrigt wurde. Daß eine solche mit frommen Sinn gegründete, mit warmen Eifer geleitete Anstalt auch befriedigende Resultate erzielen müsse, kann nur zur Erhöhung der Theilnahme für das schöne Institut beitragen, die sich vielleicht unter Gottes Beistand bis zur Befriedigung eines innigen Wunsches steigert, den eben jetzt die gebildeten Israeliten Böhmens, die eS mit dem Glauben der Väter ausrichtig meinen, im Herzen hegen, für dessen Erfüllung sie gerade jetzt Zeit und Umstände geeignet halten. Wir meinen die Ereirnng, eines Rabbiner- und Lehrerseminars. Wir rcgistrircn in dieser Beziehung mit wahrem Vergnügen folgende Schlußworte des vorliegenden Berichts: „Die Commission muß mit dem Bekcnntniß schließen, daß „sie weit entfernt ist von dem Glauben, sie habe ein Jnsti- „tut in seiner Vollendung hergestellt. Es ist kein Seminar, nicht „einmal eine Vorschule zu einem Seminar gegründet. Die „Bausteine sind herbeigeschafft, das Fundament zum Ge- „bäude ist gelegt, welches guter Wille, frische Thatkraft und „hilfreiche Unterstützung zur Vollendung bringen können." Dieses fast allzubeschcidene Bekcnntniß gibt den edlen Willen kund dem begonnenen Werke die Krone anfzusetzen, und es bleibt nur zu wünschen übrig, daß die frische Thatkraft sich da bewähre, wo sie am nächsten zum Ziele führt, und bei jenen Männern die zunächst zur Realisirung desselben berufen sind. Die Seminarfragc, zu deren Besprechung der bcrichtliche Thcil der Brochüre den Anlaß both, ist ein Thema, das unsere Stimmung in der Skala religiöser Gefühle dem Siedpunkte näher bringt, und so möge cs Hr. Dr. Stein uns verzeihen, wenn wir erst spät zur Beurtheilung seines wissenschaftlichen Aufsatzes gelangen, obgleich dieser dem Berichte vorhergeht. Rach einer lüngern Einleitung über Inhalt und Form des Talmud, gelangt der Vers, zu seinem eigentlichen Thema „über den ersten. Unterricht im Talmud nach, den didaktischen Grundsätzen unserer Zeit." Er cntwikelt hiebei Ansichten, die seiner Wissenschaftlichkeit und seinen pädagogischen Erfahrungen zur Ehre gereichen, und deren Richtigkeit auch jene zugestehen müssen, die in der Praxis einer andern Methode des Unterrichts huldigen, und den Anfänger vorerst mit dem Geiste und Ideengange dieses so eigcnthümlichen Werkes vertraut zu machen suchen, bevor sie mit wissenschaftlicher Gründlichkeit auf die sprachliche Anatomie seines Mischidioms eingehcn. Mit einer Lehrmethode läßt sich überhaupt nicht rechten — weil sie sich niemals von der Subjektivität des Lehrers trennen läßt. Der Weg, beiden einen am schnellsten zuni Ziel führt, ist für den andern der weiteste Umweg. Immerhin bleibt cs verdienstlich, der bisherigen Unterrichtsweise beim Talmud die selbstgefällig ihre Formlosigkeit als die einzig richtige Form proklamirt, eine neue zeitgemäße entgegen zuhaltcn. Die Exposition des Vers, über Inhalt und Form des Talmud enthält viel des Wahren und Schönen, doch können wir uns mit dem Resultate seiner Untersuchungen nicht einverstanden erklären. Die talmudischen Diskußionen suchen wohl häufig die vorhandene Praxis zu begründen, meistens aber eine neue zu jchasfen, und der Kampf der Meinungen war ein heilig ernster, war mehr als ein bloßes Geistestournier, um in theoretischen Spielereien den Scharfsinn zu messen. Allerdings fehlt es auch an solchen Geistcsspielen nicht, wo die ausschweifende Phantasie sich eine lustige Easuistik ausbaute, allein das war gerade im Gränzbezirke zwischen Halacha und Agada, ans dem eigentlichen Boden der Praxis, in dem Urgebiethe der Halacha wurde nicht mit hölzernen Schwerdtern gefochten. Es war oft ein heißer blutiger Kamps, und der Kampf war nicht Selbstzweck, es galt die Feststellung der Praxis. Daß der besiegte Theil sich dem Sieger bedingungslos unterwerfen mußte, daß beispielsweise Rabbi Josua mit Sack und Pack vor dem Naßi Rabbi Gamaliel an dem Tage erscheinen mußte, der nach seiner Berechnung der heilige Versöhnnngstag war, machte den vorhergegangenen Kamps nicht weniger ernst und bedeutungsvoll. Der Raum gestattet uns nicht, über den Gegenstand ausführlich zu sprechen, wie es der in seiner Dctailirung reichhaltige Aussatz verdient, den wir auch als einen äußerst anregenden bezeichnen müssen, und der eine eingehende Würdigung verdient. Zur 1. Anmerkung S. 11 erlauben wir uns die Bemerkung, daß TH im hebräischen die Bedeutung „wohnen" hat. R. 24 c‘E;n Wort- und Sacherklärungen zum Traktat Berachoth von M.Hcrzka, Religionslehrcr in Olmütz Wien 1864 Die 27 Seiten starke Broschüre enthält meistens kurze in gutem Hebräisch geschriebene Notizen zu einzelnen Talmudstellcn des Traktat Berachoth. Tie Sacherklärungen sind größtentheils treffend, und sind öfters homiletische Deutungen beigegeben, die sehr sinnig sind. Auch die sprachlichen Erklärungen treffen oft die richtige Etymologie, mit manchen derselben können wir uns jedoch nicht einverstanden erklären—Das Spielen mit Wortähnlichkeiten kann leicht von der wissenschaftlichen Sprachforschung ab zu Irrthümern führen und dürfen namentlich beim talmudischen Idiom die fremdsprachlichen Elemente nicht außer Acht gelassen werden — Wir glaubten diese Bemerkung um so weniger unterdrücken zu müßen, als sich in dem kleinen Büchlein die reiche Produktivität und das bedeutende Wissen des Verfassers kundgeben — Wir wünschen ihm noch recht oft auf dem Gebiethe der talmudischen Forschung zu begegnen. R. Concurs. In der Gemeinde Skworetz ist die Stelle eines Lehrers der zugleich 2Mv> XTip pn sein muß, mit Anfänge des Sommercurses erledigt. Mit dieser Stelle ist ein Jahresgehalt von 300 fl. ö. W. nebst freier Wohnung und verbunden. Herrn Bewerber wollen ihre mit nöthigem belegte Bewerbungen bei diesem Vorstande bis Ende März l. I. franco einbringcn und darauf die Aufforderung zur Präsentation abwarten. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. .onn Skworetz pr. Auwal in Böhmen 19. Februar 1866. A. Reichmann. Briefkasten der Redaktion. Hr. Rabb. K. in H. in nächster Nr. — Prof. St. in B. nächstens. Cavaliere L. in V' Brief erhalten. Das Werk wird besprochen. Druck von Senders öc Brandeis in Prag.