Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9050333-9088929-9050699--0376-9050705- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4t> tigt zu der gewissen Annahme, daß Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, diesen meinen an Sic gerichteten Brief seinem ganzem Umfange nach, ungeschmälert und ohne Zögerung in die jüngste Nummer Ihres geschätzten Blattes anfnehmen werden. Luck den 28. Feber 1866. In vorzüglichster Hochachtung ergebenster Samuel Zentner Cultusvorsteher. Amerika Beavenwortll (Kansas). Vor zwölf Jahren war Leavcnworth ein unbedeutendes Nest von halb civilisirten Indianern. Von religiösen und Erziehungsinstituten keine Spur. Jetzt scheint es, als ob ein wunderwirkender Genius an dieser Stelle eine prächtige Stadt aus der Erde hervorgezaubert Hütte. Wir haben schön gepflasterte Strassen, Pallastartige Gebäude, treffliche Schulen, und — was auch nicht zu vergessen ist. — Damen, deren seltene Schönheit den Salon's in Paris und London zur Zierde gereichen könnte. — Was jedoch die Leser dieses Blattes am meisten interessiren wird, ist die hervorragende Stellung, welche die Israeliten in dieser Stadt einnehmen. Die ersten Kaufleute von Leavcnworth sind unsere Glaubensgenossen, sie besitzen die schönsten Läden, und das schönste kirchliche Gebäude ist die jüdische Synagoge. Die Gemeinde Bne-Jeschur un, welche über 50 Mitglieder zählt, wurde vor ungefähr 3 Jahren gegründet, früher bestand bloß ein sogenanntes Minjan. Der Geistliche der Gemeinde Herr Jakobs der sich der allgemeinen Achtung und Liebe erfreut, hält jeden Sabbath eine englische Predigt. Unter der Leitung des trefflichen Hr. Herschsield blüht eine Sontagschule, und zwei wohlthätige Vereine — darunter ein Frauenvercin — wirken ersprießlich für ihren heiligen Zweck zur Unterstützung der Armen und Unglücklichen. (Hehren Beaäer.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag 4. März (Sitzung der Cultusgcmeinde- Repräsentanz). Nach Verlesung des Protokolls wurde zur Geschäftsordnung geschritten. Erster Gegenstand der Verhandlung war der Bericht des abwesenden Repräscntanzmitgliedcs Hr. Ignatz Schütz über das Armenwesen pro 1864—65 und das Gesuch desselben um Verschmelzung eventuell annähernde Beziehung des Nächstenliebevereins mit dem Armeninstitut. In dem Berichte werden die korrekte Nechnungsgebahrung so wie die Verdienste der Herren Gustav Schitz und Ignatz Gerstl um das Armenwesen rühmend hervorgehoben. Bezüglich des erwähnten Gesuches entspann sich eine lebhafte Debatte. Hr Ernst Wehli sprach für, Hr. I)r. Raudnitz gegen den Antrag. Letzterer machte geltend, daß bei humanitären Instituten die freiwillige Betheiligung, die auch nebenbei dem Streben mancher nach Ehrenämtern mehr Befriedigung gewähre der zur Besteuerung führenden Centralisation vorzuziehen sei. Hr. S. K. Frankl ist für Uebcrweisung des Antrags an eine Commission. Hr. v. Portheim weist darauf hin, daß der Nächstenliebeverein strikte genommen ein religiöser sei, der nach seiner Tendenz: Wohlthätigkeit im Stillen zu üben, “iriD2 |n», nicht mit dem allgemeinen Armenwesen zu vermengen sei. Schließlich wird der Antrag des Herrn Schütz abgelehnt. Herr Präses I)r. Tedesko befürwortet ein Dankesvotum für die Commission des Arrncnweseus. Zweiter Gegenstand der Verhandlung ist der Antrag des abwesenden Hr. Zappert auf Gewährung eines Vorschusses von 400 fl aus der Cultuskassa zur Durchführung der im Juda Klingberg'schen Stiftungshause nöthigen r^anherstellung. Herr Lieben schlägt vor, den Vorschuß aus den ersparten Ueberschllssen der Stiftungskasscn der Gemeinde zu beschaffen, Herr Wehli ist ebenfalls für den Vorschuß, wünscht jedoch daß das erwähnte Stiftungslokale vermiethet und mit dem eingehenden Micthzinse der Vorschuß ratenweise zurückgezahlt werde. Der Vorschlag des Herrn Lieben erhält die Majorität. 3. Punkt der Verhandlung ist der Comissionsbericht des Hr. Br. Raudnitz über den Statutcncntwurs der Meiselsynagoge. Hr. v. Portheim schlügt vor, der Meiselsynagoge diesclbeu.Statuten wie dem Tempel und der Neusynagoge zu bestimmen. Dieser Vorschlag wird mit Majorität angenommen. Das Amendement des Hr. Di*. Wiener, anstatt bei Bezeichnung Synagogenverband, die Benennung Synagogengemeinde aufrecht zu erhalten, wird ebenfalls angenommen. Die Aeußerung der Beerdigungsbrüderschaft über die von der h. k. k. Statthaltcrei verlangten Modificationen des vorgelegten Statutenentwurfes wird einer Comission der Eultusgemeinde-Repräsentanz zugewiesen. Schlußdebatte bildet die Vorlage der Instruktion für das Amt- und Dienstpersonale B. Prag 8. März Der als Journalist und Schriftsteller besonders im Theater kreisen bekannte Br. A. I. Austerlitz starb in seinem 65. Lebensjahre, nach mehrwöchentlicher Krankheit. Der Verstorbene führte ein religiöses Leben, und zeigte überhaupt ein inniges Interesse für das Judenthum. * Hr. Bernard Rie ein geborner Prager, der jetzt in Paris domicilirt, bekanntlich einer der vorzüglichsten Pianisten aus Alex. Dreischocks Schule hat von Sr. Hoh. dem Herzog Ernst von Sachsen Coburg- Gotha für die Dedikation eines großen Duo für Piano und Violine die Decoration des Verdienstordens für Kunst und Wissenschaft am grünen Bande erhalten. * In der am 5. d. M. stattgefundenen Generalversammlung des Nächsteulicbevereins theilte der abermals einstimmig gewählte Direktor Herr Br. Em. Pribram mit, daß der Verein im Jahre 1865 aus 730 Mitglieder bestanden, unter denen 60 neu eingetreten, 15 durch den Tod demselben entrissen wurden. Die Jahresbeiträge beliefen sich auf 1595fl. 55 kr. Spenden 1451fl. 84; so wie jedes Jahr stehen auch heuer Sr. Maj. der Kaiser Ferdinand und Sr. Eminenz der Cardinal Erzbischof Fürst Schwarzenberg, an der Spitze des Verein. Das Resultat des Vermögcusstandes betrug am Schluffe des Jahres 1865 9046fl. 36(4, kr. wovon 8185fl. 50 kr. in Werthpapieren angelegt sind. 372 verschämten Hausarmen wurden in 512 Gaben 2853fl. 51 kr verabreicht in Beträgen von 2 bis 20fl. und 76 Darlehenswerbern 4790fl. unverzinslich vorgestreckt. Der Antrag die Spenden über 20fl. zu erhöhen wurde verworfen. Bei der Neuwahl gingen die Herren Karl Bondy, Moritz Lasch, Veit A. Ösers, W. M. Taußig und Br. M. Teller als gewählt hervor. Mit Ausnahme des Herrn Lasch gehörten die übrigen Gewählten bereits dem Vorstande schon an. Am 19. April findet das 25. Jahr-Jubiläum dieses Vereines statt, das durch einen solennen Gottesdienst begangen werden wird. Wien. Rabbiner l)r. Güdemann ans Magdeburg wurde als Prediger der hiesigen israelitischen Eultusgemeinde gewählt. * Professor Sulzer hat aus Anlaß seines bevorstehenden Jubiläums von der isr. Gemeinde in Paris ein Glückwunschschreiben und einen prachtvollen goldenen Pokal und von der Triestcr Gemeinde einen großen silbernen Leuchter sammt einer tiefsinnigen Adresse in hebräischer Sprache erhalten, die Juden von Ankoua und Livorno schickten dem Jubilanten ebenfalls eine prachtvoll ausgestattete Adresse. * 7. März (Gedenkfeier am Grabe Mannheimers) Heute als am Jahres und Todestage des nun in Gott ruhenden Jsak Noe Mannheimers, fand am hiesigen Friedhofe (in Währing) um 9 Uhr Vormittags die feierliche Aufstellung des Leichensteines in Gegenwart der Vorstände der hiesigen Cultus- Gemeinde, der Prediger, des Kantors und des Gesangvereins „Eintracht" statt. Schon um 8 Uhr war der Friedhof mit Menschen vollgefüllt und konnte nur mühsam ein kleiner Platz am Grabe des Verewigten fteigehalten wer-