Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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45 mit keiner zu halten, darum konnte auch keine Partei irgend eine Klage irgend eine Beschuldigung gegen dieselben aufbringen. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Hartmanitz 11 März Hochgeehrter Herr Redacteur! Wohl wissend, daß Sie zu jeder Zeit die Interessen der jüdischen Volkschule nach Kräften zu fördern bereit sind, bin ich so frei, die Spalten Ihres gesch. Blattes in Anspruch zu nehmen. Neulich ließ ich ein Kind aus seinem 2. Sprach- und Lesebuche für israelit. Volksschulen lesen. Plötzlich hielt es aber im Lesen ein; und nicht geringe war mein Erstaunen, als ich, bei meinem Hinzutreten, in diesem Schulbuche für jüdische Zöglinge, mit eigenen Augen lesen konnte: „Wer könnte uns das Wort Gottes erklären, und die h. Sakramente ausspenden?" welch letzteren Worte das Kind, weil streng religiös erzogen, auszusprcchen zu schüchtern war. Wenn man bedenkt, daß das Lesebuch, bei zweckmäßiger Anwendung und gewandter Handhabung in der Hand eines praktischen, geschickten Lehrers, die Achse ist, um welche sich fast der ganze Unterricht in der Volksschule dreht, so glaube ich nicht anmaßend zu sein, wenn ich, im Interesse der jüdischen Volksschuljugend hier öffentlich den Wunsch ausspreche: es möge in der Folge, bei Drucklegung der Lesebücher für israelit. Volksschulen mehr Sorgfalt verwendet werden. In aller Hochachtung Herman Feith Lehrer. Geehrter Herr Redakteur! Gaya. Heute las ich in einer Naturgeschichte vom Mangelbaum, es ist das kein Baum, der im Paradiese der Rabbiner und Lehrer wächst, sondern der Rizopliora mangle, ein auf eigenthümliche und 'malerische Weise wachsendes Immergrün. Nun leben freilich die jüdischen Domestiken immer in der Hoffnung; deren Farbe grün; da aber dieser Baum nur im Wasser gedeiht, und an denjenigen Flußufern, welche von der Ebbe und Flut erreicht werden, so hat er mit jenen die immer Ebbe haben nichts gemein. Diese Bemerkung werden Sie mir schon nebenbei erlauben, wir leben ja in der Zeit der causerie, davon weiß Ihr Blatt auch zu erzählen. Ich komme zur Hauptsache, ohne daß ich Willens bin, diesen Baum zu beschreiben, da doch Ihre Leser nicht ohne Naturgeschichte sein werden. Sie haben einmal den ominösen Paragraph im Schulchan Aruch ans Tagelicht gefördert, in welchem von einem Vogel die Rede ist, der auf dem Baume wächst. Daß ich Ihre Arbeiten nicht vergesse mag Ihnen zum Beweise dienen, daß ich auch Sie nicht vergessen habe. Nun der Rizophora mangle gab der Fabel von auf Bäumen wachsenden Austern Entstehung, da er in Folge seines Standortes im Wasser ein Lieblingsaufenthalt dieser Muschelthiere ist, welche sich an seine Aeste festklammern und in denselben zu wachsen scheinen. vr. M. Duschak. Waag-Neustadtl. L Ein ruhiges betriebsames Völkchen ist es, das den Kern der hiesigen Gemeinde bildet, nur selten dringt aus hiesiger Cultusgemeinde ein Bericht in die Oeffentlichkeit, obwohl die Familienanzahl in derselben nach Hunderten zählt, und obwohl wir ein gar hohes Gut besitzen um das uns manche viel von sich reden machende Gemeinde beneiden dürfte, ich meine unsere Haupt- und Unterrealschule die sehr zahlreich besucht mit tüchtigen Lehrern versehen, und von kundiger Hand geleitet wird. Sie kennen ja wohl im alten Prag den Namen Joseph Weisse? waren cs doch Prager reiche Wissensquellen aus denen einst der Jüngling Weisse geschöpft, und waren es doch die Thore Prags aus denen der Ruf des Hebrüisten Weisse in die gebildete Welt hinaus drang, nun denn dieser ehrwürdige Mann nimmt bei uns seit vielen Jahren den Rabbinersitz ein und leitet Gemeinde und Schule in vorzüglicher Weise, indem zu dem Amte als Schuldirektor ihm seine Erfahruni gen im Lehramte trefflich zu Statten kommen. Wenn etwas zu wünschen übrig bleibt in unserer Cultusgemeinde, so ist es, daß auch im öffentlichen Gottesdienste dem Geiste der Zeit mehr Rechnung getragen werde, und wir nicht hinter der doch gewiß nicht ketzerischen Gemeinde Nikols bürg und hinter der Vaterstadt unseres ehrw. Herr Rabbiners Boskowitz in dieser Beziehung zurückblieben, doch unsiw Herr Rabbiner scheint in dieser Beziehung allzusehr der Stabilität zu huldigen obwohl sonst ein Mann der Mittelstraffe- Waag-Neustadtl war einst was man gewöhnlich eine reiche Gemeinde nennt, doch haben seit Jahren die Hauptstädte der Monarchie auch unsere besten Häuser an sich gezogen und wir danken dem Himmel, daß uns doch noch ein gesunder Mittelstand geblieben, und daß unsere zahlreichen wohlthätigen Institute erhalten werden können. Viel trägt auch hinzu der besondere Wohlthätigkcitssinn unseres mehrerwähnten Herrn Oberrabbiners bei, denn er geht im Geben überall mit gutem Beispiele selbst voran, obwohl er selbst mit Kindern reich gesegnet und kein Crösus ist — das Volk verehrt ihn daher um so eher als man in jüdischen Kreisen das Wort „R ab bonem" noch nicht vergessen und gewöhnt ist in dem Rabbiner überall nur den „Nehmenden" und nicht den Geber zu sehen. Schließlich glaube ich nur der Wahrheit die Ehre zu geben wenn ich des friedlichen collegialen Zusammenlebens der hiesigen fleißigen und bildungsreichen Herren Lehrer lobend erwähne. — Geehrter Herr Redakteur! Die Tendenz Ihres geschätzten Blattes, das sich in kurzer Zeit den Eingang in viele Familienhäuser errungen, beschränkt sich nicht auf wissenschaftliche Forschungen und Berichte über Kultusangelegenhciten, sondern trägt durch manche Mittheilungen viel bei, den Sinn für Mildthätigkeit, den schönsten ausgeprägten Charakter unseres Volkes, lebendig und rege zu erhalten, indem Verzeichnisse über Liebesgaben in Ihrem sehr geschätzten Blatte zu lesen sind. Das, dem Wesen nach alte nnd der Form nach junge Israel zeigt sich in verjüngter Kraft da, wo es den Mahnruf vernimmt. Helfet den gebeugten Brüdern! Und diese freundlichen Klänge ertönen aus jeder öffentlichen Registrirung gespendeter Beiträge für Hilfsbedürftige. Geschwächt wird aber der Eindruck, wenn darin Gemeinden, die nicht zu den ganz kleinen gehören, mit sehr geringen Beträgen Vorkommen; nicht allein, daß manchen Lippen ein Tadel entfährt, sondern viele erheucheln sich die Beruhigung und rechtfertigen ihre Nichtleistungen, indem sie auf die Kollektivgaben größerer Gemeinden Hinweisen. Dies allein hat mich bewogen. Sie, geehrter Herr Redakteur, höflichst anzugehen, eine Berichtigung in Ihr verbreitetes, viel gelesenes Blatt aufzunehmen. In Nr. 3 Ihres Blattes hat auf Veranlassung des in weiten Kreisen sehr geachteten und verdienstvollen wackern Herrn Hofmann in Pilsen, Sr. Ehrwürden Herr Kreisrabbiner Moses Sachs ein Verzeichnis der Spenden für die Abgebrannten in Königswart veröffentlicht, worunter die Gemeinde Luck blos mit 10 fl. vorkömmt. Hierbei muß ein Druckfehler oder ein Jrrthum in der Angabe stattgefunden haben; denn von unserer Gemeinde wurde, was auch die Empfangsbestätigung bezeugt, an den dortigen Kultusvorsteher Herrn Beck, 15 fl. zur Vertheilung unter die Israeliten, und über 23 fl. an das k. k. Bezirksamt zur Vertheilung ohne Unterschied der Konfession gesendet. Meine Veranlassung zur Berichtigung entspringt, wie schon bemerkt, aus reiner Quelle und bin ich daher berech-