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Das Abendland · 1866-03-15 · 6 (15.3.1866) · p. Seite 43

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
6 (15.3.1866)
Date
1866-03-15
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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Slutoreii nciFimljaft ju machen, die die vLeeleuwanderuug bekämpften (Wir haben dicß übrigens bereits cp einem audern Orrc versucht.) Und wenn Bachja Jbn Patuda, Jehuda Halcvi und Maimuni dieselbe ganz mit Stillschweigen übergehen, so ist dieß wohl als ein argumentum e silentio zu betrachten, daß sie deren Vorhandensein in jüdischen Kreisen noch gar nicht kannten. Ich habe bei einer andern Gelegenheit die Eoujectur aufgestellt, daß die Karäcr die Ersten waren, welche die Lehre der Seelenwanderung (at- Tanasuch) von den Arabern entlehnten und in's Iudenthum hinüber verpflanzten — und daß ferner Saadia, der erste Rabbanite, bei dem wir die Scclenwanderung erwähnt sinden, um sie eben best tigst zu bekämpfen, indem er sagt: D*twx ‘nxjrer nera nax nwna cieix cii.v c’xnpitp 'CE — eben nur die Karä er im Sinne hat. (Vrgl. unfern Art. „lieber das Wesen der Seele bei den arabisch-jüdischen Philosophen" Frankel'- sche Monatssch. 1855 S. 303; ferner: „Randbemerkungen zu Pinsker's Likute Kadmoniat“ das. 1861, S 177 ff.) Schreiber dieses hatte die Gcnngthnung, daß der Nestor der jüdischen Wissenschaft, der ehrwürdige Oberrabbiner Rappoport, dieser Eonjcctur öffentlich seine Billigung aussprach und dieselbe ihrem ganzen Umfange nach acceptirte ( S. Rappoport's Borredc zu pon pn 'c, Leipzig 1860, pag. 52). Ein Wort zur Funeralangelegenheit. Es ist eine dringende Zeitfrage geworden, daß der Vorstand der Prager Beerdigungsbrüderschaft der doch sicher nicht pro domo seine Wirksamkeit zur Geltung bringt, daß er nach Außen hin bestrebt sein soll das decorum zu wahren, um den gerechten Borwurf — die Juden laufen bei einem Begräbnisse bunt unter einander — zu beseitigen. Es ist beklagenswerth, wenn man an der Spitze einer .map eine Avantgarde bestehend aus alten Weibern, dienstbaren Geistern und Menschen mysteriöser Kategorien voranschreiten und im Gefolge sich unberuscnc sans gene ihre Cigarren schmauchende den Leidtragenden anschließen sicht, (wie es am 4. d. M. stattsand), die den Nimbus des wahren Judenthums, abstreisen helfen; namentlich erreicht die bei jüdischen Leichenbegängnissen stereotyp gewordene Unordnung ihren Culminationspunkt^ bei sogenannten Parade rvniap, luo der Vorstand entweder partiell oder in corpore fuugirt und dem Leichenzuge folgt, während er sonst durch seine Abwesenheit glänzt. Nicht ein reich verbrämter Leichenwagen, oder ein in der Maske eines Rabbiners verkappter Schames mit „geschnittenem Hute" geben dem Trauerzuge allein das Gepräge eines Aktes, mit dem der letzte Akt eines biedern Menschenlebens geschlossen ist; es muß der äußere Anstand ge, enüber jenen gewahrt werden, die noch mit dem Vorurtheile gepanzert sind, daß der Jude aus der ordnungsmäßigen Unordnung nicht heranskommen kann, und daß die Begriffe „Jude" und „Ordnung" nebeneinander nicht bestehen können. Der Vorstand kann sehr leicht diesem Uebelstande steuern, wenn er Ordnungskomissüre ernennt, die daraus zu sehen haben, daß sich die Trauergäste den Leidtragenden in Reihen zu 3 oder 4 Mann (wie es in Wien, Pest und Brünn geschieht) anschließen und sich gewisse Elemente nicht unter ihnen einmischen, denen es weniger um Theiln.chmc, mehr darum zu thun ist als bloße Statisten bei diesem Trauerspiele zu fungiren. Auch rückt an den Vorstand derselben Brüderschaft die Frage heran, warum er, der sonst was Luxus betrifft keine Kosten scheut, nicht Sorge trägt, bei jedem Leichenbegängnisse einen unserer Rabbiner abwechselnd zu bestellen, dessen Aufgabe es ist, der Pietät, den Verstorbenen das letzte Geleite zu geben, wie es bei allen andern Confessionen der Fall ist nachzukommen. Dieser Aufgabe gerecht zu ^rden ist sehr leicht, wenn der betreffende Rabbiner aus der Beerdigungsbrüderschafts-Cassa, eine den jeweiligen Beerdigungskosten entsprechende Stolataxe erhalten würde. ES ist in der That für die armen Lebenden überhaupt u. die nach einem Armen Verstorbenen Hinterbliebenen insbesondere, eine moralische Zurücksetzung, wenn sie sehen, daß es nur dem Wohlhabenden zusteht, daß das geistliche Haupt ihm ein rnva 2W nachsagt, ihm bis zum Weichbilde der Stadt das letzte Geleite gibt oder gar eine Trauerrede an dessen Bahre hält, zu der oft im eigentlichen Sinne keine Veranlassung da ist. Der Vorstand der Brüderschaft „des letzten Liebesdienstes" glaubt nur damit, der Pietät volle Rechnung zu tragen, wenn er dem Nichtjuden gegenüber zu unserer Schmach D'tPötP rabbinisirt, wobei er zu vergessen scheint, daß der Nichtj::de diese auf optische Täuschung berechnete Maskirung kennt und nur Stoff zum „Beklagen" hat. Aber selbst diese Leichenkondukteure die anstatt den Condukt anzuführen als Geistliche fungiren, scheinen sich in diesem Amt nicht behaglich zu finden, indem sie bei armen Leichen schon in der Gegend des Ziegenplatzes ihren geschnittenen Hut in die Hand eines Schames der Schamossim eskamotiren und in einen der folgenden Wagen gemüthlich einsteigen. Es darf nicht so sehr auf äußern Pomp gesehen werden, als auf Dinge die dem Gefühle näher liegen als dem Auge. Niemand wird läugnen, daß der Vorstand sich um die Xirmp man verdient gemacht hat; er muß daher auch trachten jene Mängel zu beseitigen, die von dem Schönen und Guten gewaltig abstechen. I. Br. Kleine Ercurfionen in das Reich unserer 2d ^ale* von Dr. S. H. Sonnenschein Rabbiner in Warasdin. I. Welch'weite Kluft zwischen dem „Einst" u. dem „Jetzt," zwischen der sogenannten guten alten Zeit u. der als erzböse verschrienen Gegenwart gähnt, zeigt sich dem Kenner der jüngsten Kulturgeschichte gewiß an keiner Erscheinung so deutlich, wie an den Bewegungen u. Ereignissen im heutigen Judenthum. Damit wollen wir keineswegs gesagt haben: es sei das Judenthum von Jedermann als Spiegel der Zeitbegegebenheiten anzusehcn. Solche Anmaßung gilt uns von jeher als verwerflich. Aber eS treten eben im Iudenthum wie sonst nirgends gewisse Eigcnthümlichkeitcn hervor, die es vortrefflich dazu eignen, den Unterschied zwischen dem „Annodazumal" und dem „Heutzutage" am sd)ärfsten bloszulegcn. Nirgends kann man auf einem so engabgegränzten, leicht übersichtlichen Gebiete jene Gegensätze in ihrer Totalität so nahe beisammen finden, wie im Iudenthum, weil dieses dem sozialen und religiösen Schiboleth unseres Jahrhunderts auckythatsächlich die meisten Angriffspunkte bietet. Dennoch, u. vielleicht eben deshalb ist es das Judenthum, wo die Vergangenheit mit ihren Ansprüchen am glimpflichsten davon käme, wo sie am wenigsten Gefahr liefe, in ihrem guten Rechte Einbuße zu erleiden, wenn die Kluft, die sie von der Gegenwart trennt, ausgefüllt oder überbrückt würde. Im Iudenthum am natnrgemäßesten könnten Vergangenheit u. Gegenwart die friedlichsten Nachbarinnen werden. Bei keiner andern in der modernen Kulturgeschichte epochemachenden Spaltung in Alte u. Neue wäre eine Verständigung, oder wie wir es nannten: eine Ucberbrückung der Kluft, rascher, endgilüger u. billiger zu bewerkstelligen. Nicht etwa an der Unmöglichkeit des Zustandekommens sind bisher alle einschlägigen Versuche gescheitert, sondern nur daran: weil man hüben wie drüben noch immer nicht einsehen will, daß zwei so nahe Nachbarinnen, wie Vergangenheit u. Gegenwart es sind, die die Kosten einer gegenseitigen Gcbietsverschmelzung zu gleichen Theilen zu tragen haben. Diese Nachbarinnen sind eben, wie die besten Frauen es zu sein pflegen, in Bezug auf ihre Rechte u. Ansprüche ein bischen eigensinnig; so schiebt die Eine immer der Andern die Schuld der Trennung zu, u. keine von Beiden will für die Kosten des

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