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Das Abendland · 1866-03-01 · 5 (1.3.1866) · p. Seite 39

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
5 (1.3.1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 Lissabon. Hier besteht eine nicht sehr zahlreiche und auch nicht sehr vermögende Jsraelitengcmeindc, die jedoch für die religiösen Interessen eine große Opscrwilligkcit an den Tag legt; so wurden erst unlängst 6000 Fred, für. die Erwerburg einctf neuen Friedhofs von nur IO Familien ^usammengesteucrt. — Die jährlichen Ausgaben für den Cultus belaufen sich ans 10.000 FrcS. , . , v Lengnau (Schweiz.) Der seit drei Jahren bestehende Kulturverein der schweizer Israeliten, dessen Ziel es ist die politische und sociale Stellung der Israeliten zu heben, den Iugendunterricht zu fördern und bessere Berufsthätigkeit und Berufsbildung anzubahncn und zu unterstützen, hat durch seinen Präsidenten, Herrn Rabbiner Dr. Kayserling einen Aufruf erlassen, in welchem er zu einem zahlreichen Bei« tritte auffordcrt, und den Jahresbeitrag von 10 Frcs. auf 2 Frcs. herabgesetzt, um so auch dem minder Bemittelten die Theilnahme zu ermöglichen. Ein Beschluß, der auch durch den günstigen Umstand herbeigesührt wurde, daß der Verein bereits im Besitze eines nicht unansehnlichen Grundkapitals ist. Ren-Jork. Am 3. v. M. wurde hier ein von den Vorbetern der hiesigen Gemeinden (darunter auch unser Landsmann Herr S. Welsch) veranstaltetes Meeting zu dem Zwecke abgehalten, um dem Herrn Prof. Sulzer zu seinem 4Ojährigen Jubiläum ein Zeichen der Anerkennung und Verehrung zukommen zu lassen. Der Hebrew Leader hat aus diesem Anlasse unfern Artikel über Sulzer in Nr. 25 v. I. des Abendland in englischer Uebersetzung gebracht. Statistisches Oesterreich hat 1,049671, die Türkei über 1000.000, Nordasrika 600.000, Preußen 253.457, Deutschland (ohne Oesterreich und Preußen) 167.885, Italien 43.546 jüdische Einwohner. — Die größte Anzahl Israeliten hat Rußland, eS zählt 1945.613 jüd. Einwohner. Nach den verschiedenen russischen Provinzen finden sich in Polen 500.000, in Kaukasus 12.952, in Sibirien 7077, im übrigen europäischen Rußland 1425.784 Juden. In Lithauen, Weißrußland und Ukraine sind sie besonders zahlreich. In manchen Städten wie in Bcrditschew, Bialostok, Dubno ist die Mehrzahl der Einwohner Juden (Hamewasser). Luchschau. 21.121 121 Grammatisch - kritischlexikales Hilssbuch für Lehrende und Lernende des Pentateuchs. Von Herrmann Freund. Nebst einer Einleitung von dem berühmten Gelehrten und Orientalisten S. L. Rappoport, Oberrabbiner zu Prag. Wien 1866. Verlag des Vers. XVI. hebr. 274 deutsche S. Wenn uns auch die traditionellen Hilfsmittel, worunter die alten Uebcrsetzungen, die rabbinischen Auslegungen und die massorethischc Punktation zu verstehen, sehr schätzbares Material zum Verständnisse der Bibel liefern, so kann man doch bei aller Ehrfurcht vor den alten Quellen, der selbstständigen Ermittelung des Schriftsinnes nicht entbehren, wenn die Bibelexegcsis soll in vorschreitender Bewegung erhalten werden. Raschi, der sich an der Tradition, an ihrem Geiste und ihrer Form zum schaffenden Gelehrten herangcbildct hat, bewahrt nichts destoweniger an nichthalachischen Stellen oft eine Selbstständigkeit der Auslegung und erkennt den Sprachgebrauch, wie sich derselbe aus Wortparallelen und grammatischen Beobachtungen feststellen lässt, als Grundpfeiler einer gesunden Exegesis an. Vollständiger und durchgreifender ist dieses bei Ibn Eßra der Fall. Die karaitische Schule deren Zögling er ist, verfehlt ihren sie lässt ihn die Resultate seiner sprachlichen Forschungen, so weit sie damals gehen konnten, bei der Schrlftauslegung in Anwendung bringen, ohne daß ihn die Rücksicht für die Tradition zu sehr beengt; eine Freiheit welche der den Epigonen den Zweifel an seine talmudische Tüchtigkeit rege macht, so Rabbi Lippmann Mühlhausen „Und obwohl ich gehört habe, daß Rabbenu Abr. Ibn tLsra, nicht zu den Talmudgelchrten gehörte, wie ich auch selber in seinen Kommcntarien Dinge gefunden habe welche der Tradition ganz zuwider sind" (Niz. ed. Altorf 1644 v». 53.) Wir glauben indessen nicht, daß sich aus I. Esra's Auslegungsweise aus einen geringern Grad der Kenntniß oder gar aus Mißachtung des Talmuds schließt lasse, Rappoport (vibre Schal, w’em. S. 10 Abs. n) gestattet dem Ucbersetzer sich an den Wortsinn der cschrift zu halten und verweiset den Kommentator auf die Tradition, Ibn Esra seiner Zeit, vindizirt auch für den Exegeten das Gedieh der Schrift und verweiset den Kasuisten auf die Tradition. Ra sch b am und Red ak gehen mehr oder weniger denselben Weg. Letzterer hat gewiß durch sein „Buch der Wurzeln" mehr zum Verständnisse der Bibel beigetragen als Gersonides durch seine kühnsten Spekulationen. Nachdem bei uns diese klassische Periode der Exegesis bereits längere Zeit geschlossen war, fing sich an unter den Christen in Deutschland das Bedürsniß fühlbar zu machen die Bibel in der Ursprache zu lesen und nach dem Urtexte auszulegen; man fühlte sich nicht mehr beruhigt^durch die Autorität der alten Uebcrsetzungen, es sollte die Stichhaltigkeit dieser Autorität durch Autopsie geprüft werden. Die Genesis dieses Strebens hat ihren weltgeschichtlichen Hintergrund der zur Genüge bekannt ist, uns sei nur gestattet eine zeitgenössische Notitz über den Anfang jder hebr. Studien unter den deutschen Christen in Uebersetzung hier mitzutheilen. Seb. Munster zu Gen. 45, 11. Anlässlich des „denn mein Mund ist cs der zu euch spricht" legt folgende Daten nieder: „Sieh in welch kurzer Zeit das Studium dieser (hebräischen d.) Sprache unter den Christen zu solchem Aufschwünge gelangt ist, daß heute schon beinahe in allen Akademien ordentliche Professoren angestellt sind, welche diese Sprache und die heil. Schrift im Urtexte lehren. Im Jahre 1510 eignete ich mir unter dem bewährten Lehrer Konrad Pelikan die ersten Elemente dieser Sprache an, indem ich zugleich als stummen (schriftlichen) LehrerIohannReuchlin benutzte. Im Jahre 1513 kam noch ein Vierter nach Deutschland Wolf Kapito. Im Jahre 1522 fing ich an Kompendien, Isagogen, Diktionarien und hierauf Grammatiken zu schreiben. Da fing denn ganz Deutschland an zu hebraisiren, und heute, 1544, in welchem Jahre ich dieses schreibe, hat das Studium der heil. Sprache einen solchen Umfang gewonnen, daß diejenigen beinahe nicht zählbar sind, die nach mir hebr. Grammatiken geschrieben haben, als C a p i t o, S a n t e s, S t u n i k a, Kampe, B i b l i a n d e r Aurogallus, Artopocuö, Fabrizius u. viele And. Dieses wollte ich hierauf zeichnen, damit unsere Nachkommen wissen mögen, welches der Anfang war, den das Studium des Hebräischen bei den Deutschen nahm. Sehen wir uns auch gezwungen all die Liebenswürdigkeiten gegen den Juden, welche diese Stelle für manche christliche Gaumen würziger machen sollten, die wir aber des Uebersetzens nicht wcrth hielten, auf Rechnung einer Bornirtheit zu setzen, welche manchmal, wie ein dunkllr Schatten selbst die umfassendeste Gelehrsamkeit zu begleiten pflegt; so gestehen wir doch gerne zu, daß das ausdauerende Streben christlicher Gelehrten viel beitrug zur gedeihlichen Entfaltung des hebr. Sprachstudiums; in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts liefert Simonis sein Lexicon welches die vergleichende Richtung einschlägt und zwischen diesem Lexicon und den Arbeiten eines Gesenius liegt wieder ein Jahrhundert des erfreulichsten Fortschrittes. Die brauchbaren Arbeiten der jüdisckien wie der christlichen Gelehrten beim Bibelunterrichte nutzbringend zu verwerten ist die angczeigte Pflicht des Lehrers; aber diese Pflicht ist nicht leicht zu erfüllen. Die Menge des Materials fordert Zeit, die Auswahl des Nothwenigen aus dem Wissenswerthen bereitet oft Schwierigkeiten! Es ist also eine wahrhaft dankcswerthe Leistung die wir in dem angezeigten Hilfsbuche des Herrn Freund begrüßen. Der Herr Vers. 4

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