Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 5 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 gibt dem Lehrer an Ort und Stelle wo er sie braucht, die Resultate der Sprachforschung als Grundlage zur Exegesis an die Hand. Ohne daß er sich auf die Deutung des Verses einlüsst, muß dieselbe das Ergebniß einer gründlichen sprachlichen und sachlichen Erläuterung sein. Wir legen an seiner Hand den Weg durch den Pentateuch zurück und bei jedem Schritte wird uns Wichtiges und Wissenswerthes geboten; bald aus* den altern jüdischen Auslegern, bald aus den jüngsten Forschungen christlicher Gelehrten, immer fühlen wir uns durch das Gebotene befriedigt. In erster Linie, ist das Buch den Lehrern zu empfehlen, Anlage und Ausführung desselben verräth die geübte Hand des erfahrenen Praktikers, der während der Zeit seiner Wirksamkeit auf dem Gebiete des Unterrichtes das Bedürfniß nach einem derartigen Buche selber oft empfunden haben mag, und dem es ein gediegenes Wissen und eine reiche Erfahrung gestatteten, die entsprechende Befriedigung dieses Bedürfnisses zu schaffen. Das Material zu diesem Werke hat der Gelehrte gesammelt, die Disposition hat der Pädagog getroffen! Aber auch der Forscher wird an vielen Stellen dieses Buches angeregt, Herr Freund ist nicht trockenerKompilator, an vielen Orten selbstständig, weiß er auch das Erborgte also zusammen zu stellen, daß die Kombination reiche Beschäftigung findet. Ein schönes Beispiel gründlichen Eingehens in den Geist der Targumim Gen. 14, 5. Art. D'nnp. Eine wahre Zierde des Buches ist die vorausgehende Abhandlung unseres hochgelehrten Oberrabbiners Rappoport. Anknüpseud an das schwierige ...17 '"nn.... Gen. 49,26 erklär er eine ganze Reihe verwandter Spracherscheinungen. Mit tiefer Gründlichkeit und sprühendem Scharfsinne löset er eine Anzahl der schwierigsten Bibel- und Talmudstellen, so daß es dem Leser zur wahrhaften Freude gereicht dieser schneidenden Kritik, welche nicht auf das Verletzen sondern auf das gründliche Heilen ausgeht, mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zu folgen. Nach Inhalt und Darstellung reiht sich diese Arbeit würdig den vorzüglichen Leistungen dieses großen Meisters an, und die Kraftfülle des Geistes die sich, .ohne Uebertreibuug, in jeder Zeile äußert, lässt uns hoffen, daß der allverchrtc Mann noch lange dem jüdischen Volke und der jüdischen Wissenschaft erhalten bleiben werde! S. XV. Z. 4 v. u. soll es wohl \nbiEl statt Tibim heißen. Dem innern Gehalte schließt sich die äußere Ausstattung des Buches würdig an. vr. Ad. Hübsch. 22. Dir Juden und die Nationalität. Rede gehalten in der Synagoge zu Gaja P. Toldoth 5626 v. Dr. M. Duschak. Pest 1865. Wir haben hier den gewandten Redner vor uns, der sich auf der Kanzel heimisch fühlt, und mit Geschick die Zeitfragen homiletisch zu behandeln versteht. Anknüpfend an die biblische Erzählung von Esaus Verkauf der Erstgeburt an seinen jüngern Zwillings-Bruder Jakob, weist der Redner im Exordium nach, daß der Patriarch mit diesem Vorrechte für sich und seine Nachkommenschaft nur die Mission übernehmen wollte, Träger der Gotteserkenntniß zu sein und zu bleiben. Von dieser unbestreitbaren Wahrheit ausgehend, zeigt der Vers, wie sich diese Mission im Laufe der Zeiten bewährt habe u. z. 1. dadurch, daß die jüdische Nation bei den Wechselfällen ihres Geschickes ein Prüfstein für die Cultur und Gesittung der Völker wurde. 2. Dadurch, daß sie ohne politische Selbstständigkeit auch die Nationalität in der modernen Bedeutung des Wortes aufgegeben habe, um nur durch die religiöse Idee ihre Gemeinsamkeit zu bewahren. „Nie, sagt der Redner haben die Juden ein Streben an den Tag gelegt, sich innerhalb eines Staates zu vereinigen zu verbinden und sich als ein enggeschlossener Verein geltend zu machen. Wo sich die Juden zu einer Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit zusammen drängten. Da habet ihr sie durch gemeinsame AusnahmS- und Sonderstellungen dazu gezwungen und gedrängt. Wer wird aber in einem Zwang eine Nationalität erkennen wollen? Zwang ist das Gegentheil der Nationalität. In der That, seitdem die Juden sich frei bewegen, frei athmen und im Lichte der Freiheit wandeln ist ihnen jede Jsolirung jede AusnahmS- und Sonderstellung im Grunde des Herzens zuwider. Wo also keine Sprache, kein Centralsitz, kein Streben und Verlangen vorhanden ist zu einem besondern Bestände, da kann von einer Nationalität die Rede nicht sein." Es ist dieß ein Wort zur rechten Zeit, da man sich jetzt von vielen Seiten bestrebt, die Juden als solche in den Kampf der Nationalitäten hineinzuziehen, und auf das unantastbare, von allen äußern Wirren freie religiöse Gebieth eine politische Solidarität zu übertragen, um solche für Partheizwecke auszubeuten. Der Jude als Staatsbürger mag eine oder die andere politische Anschauung haben, dieser oder jener Parthei anhängen. Das Iudenthum hat mit der Sache nichts zu thun. Es ist eine Religion wie alle andern, und wünscht kein anderes Reich als den treuen Sinn und das aufrichtige Herz seiner Gläubigen. Der Vers, hat diese Ueberzeugung in kerniger Sprache zur klaren Darstellung gebracht, und seine Rede ist eine sehr gelungene zu nennen. Mit der witzigen Deutung einzelner Bibelstellen hat er auch dem modernen Geschmacke, der jetzt wieder etwas zu stark mit der veralteten Deraschamanier koketirt, Rechnung zu tragen gesucht. Der Vers, hat hierin bescheidenes Maaß gehalten. Sollte es aber wieder dahin kommen, daß dem Auditorium nur alte Pschetchen in hochdeutschem Ausputze als alleinige geistige Kost aufgetischt würden, und der Witz, und abermals der Witz über den Werth einer Predigt den Maaßstab abgäbe, so müsste man im Interesse der Logik und der Aesthetik, die unseren gebildeten Glaubensgenossen auch was zählen, gegen eine solche Verderbtheit und Verderbung des Geschmacks allen Ernstes Protest einlegen.__R. Concurs. Für die israelit. Cultusgemcinde zu Pardubitz wird'für den kommenden Sommerkürs ein Lehrer, "der' zugleich die Fähigkeiten besitzt als Cantor zu fungiren, gesucht. Gehalt 5—600 fl. öfter. W. nebst freier Wohnung. Bewerber wollen sich mit ihren gehörig belegten Gesuchen über ihre Kenntnisse und bisherige Verwendung portofrei an den unterfertigten Vorstand bis zum 15. Mär; d. I. wenden. M. Oestreicher _ Cultus-Vorsteher. Concurs. In der Gemeinde Skworetz ist die Stelle eines Lehrers der zugleich tmp pn fein muß, mit Anfänge des Sommercurses erledigt. Mit dieser Stelle ist ein Iahresgehalt von 300 fl. ö. W. nebst freier Wohnung und "LJW verbunden. Herrn Bewerber wollen ihre mit nöthigem belegte Bewerbungen bei diesem Vorstände bis Ende Mär; l.. I. franco einbringen und darauf die Aufforderung zur Präsentation abwarten. Reiscspesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Skworetz pr. Auwal in Böhmen 19. Februar 1866. _A. Reichmann. Concurs. Ein lediger geprüfter Lehrer, der zugleich ssrw, K^p und ]‘Pi ist, kann mit Anfang des kommenden Sommersemesters unter guten Bedingnissen hier eine Anstellung finden. Nähere Auskunft ertheilt auf frankirte Zuschriften: der Vorstand der isr. Cultus Gemeinde. Czkin pr. Winterberg. Briefkasten der Redaktion. Herr Kreisrabb. W. in R. Dr. F. in I. Dr. Sch. ra P. Ihre fsgtze in nächster Nr. die geehrten Herausgeber des Hebrew Leader rchen wir um Nr. 17 ihres Journals, die uns bisher nicht zurüageimm. .fir. S. in £). mir nicht bekannt. _ Druck von Senders & Brandeis in Prag.