Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 5 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 seiner Anhänger ist demnach im Steigen begriffen. — Für die hochgehcnden Wogen der Politik in unserem engerem Vaterlande ist hier wenig Sinn, man möchte in gewissen Kreisen am liebsten bleiben wo man ist. — Aus dem Vermächtnisse eines hiesigen Reichen soll endlich für die Vorträge unseres ehrwürdigen Herrn Oberrabbi ein Saal adoptirt werden, doch wieder sagen die unverbesserlichen wenigen Lichtfreunde „wozu neue Wände wenn nicht ein neuer Geist einziehen soll in seine Halle?" und sie haben wahrlich Recht — Wenn Sie cs erlauben will ich Ihnen Herr Redakteur! von Zeit zu Zeit Einiges aus unserem Gemeindeleben mittheilen, ich halte die Ocffentlichkeit auf diesem Gebiete für sehr nutzbringend, und glaube es genüge durchaus nicht, daß von einer Gemeinde wie Prcßburg nur dann etwas in die Ocffentlichkeit dringt, wenn die Deputation mit den Martinigänsen nach Wien reiset. Für heute ein freundliches Valet. — Vesprim in Februar 1866. H. F. Die leidige Asfairc die uns eine gewisse traurige Berühmtheit verschaffte, ist zu einem für unseren ehrwürdigen Herrn Rabbiner so wie für jeden Menschenfreund befriedigenden Abschlüsse gekommen, der Gemeindevorstandsbeschluß wurde behördlich annulirt und Herr Rabbi H o ch m u t h in seinem Amte bestätiget — doch geben sich demungeachtet seine zahlreichen Freunde hier eben jetzt erst der Befürchtung hin, er werde, nachdem der Prozeß zu seinen Gunsten entschieden dem Ruse irgend einer achtbaren Gemeinde folgen und einen Ort verlassen, wo seine eminenten Fähigkeiten wenn auch nur vor Einigen so übel belohnt wurden —; es wäre dies ein großer Verlust für die Gemeinde. Es sei mir bei dieser Gelegenheit gestattet auch der Frau dieses in neuester Zeit so oft genannten Herrn Rabbiners lobend zu erwähnen, Frau Rabbinerin H o chmuth ist eine wackere an Geistes- und Herzensbildung reich begabte Frau, und findet man sie überall wo es gilt hehre Fraucntugend in zarter Milde zu üben, in erster Linie.— Daß unser Cultusvorstand in neuester Zeit höherem Beispiele folgend das Spa rsystem eingeführt und in allen Branchen selbst da wo es am wenigsten angczeigt war „Sparsamkeit" auf seine Fahne geschrieben hat, werden Sie wohl aus den Zeitungen in denen wir dnrch die Rabbineraffaire in neuester Zeit eine stehende Rubrik bildeten erfahren haben — gebe Gott daß das evkent terridle der Gemeinden das Lehrerpersonale nicht auch noch darunter zu leiden hätte. Unsere braven Lehrer verdienen alle Anerkennung und sind bestrebt allen gerechten Anfordernngen zu entsprechen. — Bei meiner jüngsten Anwesenheit in Pesth war ich Zeuge des patriotischen Jubels, den der Gemeindcbeschluß, einen ungarisch predigenden Rabbinatsassesor aufzunehmen, unter den jüdischen Vollblutmagyaren hcrvorgerufen; ob man auch bei Ihnen in der Metropole Böhmens nächstens neben Or. Kämpf noch einen böhmischen Prediger aufnehmen wird? doch in Pesth geschieht dies allen Ernstes, ja! wir Ungarn wollen wie in Verfassungssachen, so auch in Allem mit anderem Maaßstabe gemessen werden als andere Menschenkinder. — Möge nur die Wahl auf einen friedelieb enden bescheidenen Mann fallen, der es verstehen wird in Frieden und Eintracht neben dem so würdigen Oberrabbi vr. Meisel zu wirken, es wäre vom Uebcl wenn es anders käme. — Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Mit Bezug auf die Bemerkung der Redaktion in der vorigen Nummer, geht uns von mehreren Seiten die Berichtigung zu, daß sich unter den Talmudschülern des Hr. Teweleö zwei Böhmen finden. Brunn. Die von dem hiesigen israel. Cultusvorstand angestrengte Jnjurienklage gegen das Witzblatt Wau-Wau, wurde von demselben zurückgenommcn, nachdem sich das genannte Blatt zum Widerrufe seiner Schmähungen bereit erklärt hatte. Der Widerruf ist auch bereits erfolgt. Wien. Das Comite welches sich unter dem Vorsitze Vr. Mosenthals aus Anlaß der am 24. März statthabenden Jubiläumsfeier des hiesigen Oberkantors Herrn Sulzer gebildet hat, veranstaltet eine artistische Feier zu welcher bereits hervorragende Künstler ihre Mitwirkung zugcsagt haben. Die Herren HofschauspielerSonnenthal und Lewinsky werden von vr. Mosenthal und L. Kompert Gedichte vortragen. Außer den Genannten werden die Damen Tellheim und Bettelhcim, ferner Herr Kantor Goldstein mit dem ganzen Chorpersonale, der israel. Gesangverein und viele Kunstnotabilitäten Mitwirken. Der Sohn des Jubilanten hat aus diesem Anlasse eine große Feftkantate komponirt, welche ebenfalls zur Aufführung gelangen wird.'- Die Kantoren der Provinz werden durch eine aus ihrer Mjjte gewählte Deputation dem Jubilanten eine Ehrengabe überreichen lassen. Wie wirNew- Aorker Blättern entnehmen, veröffentlichen dieselben einen Ausruf, zur Abhaltung eines Meeting, um Professor Sulzer eine Ovation zu seinem Jubiläum zu bereiten. Ein New- Iorker Journal bringt einen Artickel darüber mit der Uebcrschrift: Professor Sulzer Leading Chasen of Europe“ (Professor Sulzer der Muster- Vorbetcr von Europa). * Als Vertreter Oestreichs bei dem in Konstantinopel abzuhaltendcn Cholcra-Congreß ist Herr vr. Pollak, ehemaliger Leibarzt des Schah von Persien vom Staatsministerium berufen worden. Pest. Der pensionirte Prediger vr. Bach ist im Alter von 85 Jahren gestorben. * In der Adreßdebatte des Unterhauses erklärte Deak, daß unter dem Passus der Adresse „Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze" auch die Israeliten zu verstehen seien. Emancipation sei ein Ausdruck, der nur bei Sklaven anzuwenden wäre, und nicht auf angesessene Landeseinwohner paffe. — Kaschau. Hier erscheint ein die jüdischen Interessen vertretendes Blatt „der Leitstern" unter Redaktion des Herrn H. Schönmann mit jüdischen Lettern. Die uns vorliegenden Nummern enthalten manches Schöne und Gute. Bei dem Eulturzustande der jüdischen Bevölkerung in manchen Gegenden unseres Vaterlandes sind die jüdischen Schriftzeichen ein geeignetes Mittel, Belehrung und Aufklärung in jene Kreise zu führen denen deutsche Typen unzugänglich oder unliebsam sind. Lemberg. Herr Jos. Kohn, der verdienstvolle Redakteur des „Hamewasser" hat unter dem Titel nSnn ma ein Montefiore-Album veröffentlicht, in welchem die verschiedenen Gebethe, die in den Synagogen während der Reise des edlen SirMoses nach Marokko,für diesen Befreier seiner Glaubensgenossen abgehaltcn, die Dankadressen die an ihn aus diesem Anlasse gerichtet wurden, und mehrere seiner Briefe gesammelt sind. * der hiesige Gemeinderath hat in seiner am letzten Donnerstag abgchaltenen Sitzung über 3 von dortigen Israeliten eingebrachten Gesuche wegen Verleihung des Bürgerrechtes entschieden. Dem Herrn Josef Kolischer, Direktor der Filiale der österr. Nationalbank, wurde daS Bürgerrecht ertheilt; er ist demnach der erste und der einzige israelitische Bürger Lembergs, weil die beiden anderen Kandidaten, die Hrn Schagira und Nierenstein, abschlägig beschieden wurden. Warschau. Man erwartet in Kurzem einen Ukas, welcher die Zulassung der Israeliten zu allen Civilämtern des Königreichs Polen ausspricht. Der jüd. Banquier Herr Adolf Löwenberg hat den Stanislausorden II. Klasse erhalten. ^^Par'is. Der Großrabbine Isidor wurde von der Kaiserin Eugenie zu einer Audienz berufen, in welcher sie sich mit ihm wegen Gründung eines Waisenhauses für jüdische Mädchen besprach (Hamewaffer.)