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Das Abendland · 1866-03-01 · 5 (1.3.1866) · p. Seite 35

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
5 (1.3.1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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kennt, die in der Predigt gegeißelt wurden, ohne sie deßhalb ableaen ui wollen, wenn er sich es nicht gar zur Aufgabe macht, den Redner in Mißachtung zu setzen, ihn dem öffentlichen Haffe preis zu geben, um so den Eindruck des beredeten Wortes zu schwächen, den Beifall in Anschuldigungen zu verwandeln und den Enthusiasmus durch Verläumdungen zu ersticken. Eine schändliche Berechnung, die gottlob nicht so häufig vorkömmt, und die nur jenen täuschen kann, der getäuscht sein will, der die Leidenschaften anderer gerne als Hilfstruppen für die eigenen benützt. Doch wer weiß, ob nicht auch dieser kurzen harmlosen Arbeit über die „Anspielungen" freigiebig der Titel einer Anspielung wird bcigelegt werden? — 3n unserer besten aller Welten ist nichts unmöglich? — lieber Mission. von Rabbiner Dr. A. Stein. (Fortsetzung.) In ganz anderer Gestalt als der Islam war das Christenthum in die Welt getreten. Nichts kann verschiedener sein als die Persönlichkeiten, die an der Spitze dieser beiden Religionen stehen. Während der eine als Mann in des Wortes vollendetster Bedeutung in die Geschichte hinein ragt, verschwindet die menschliche Erscheinung des andern fast gänzlich. Während der eine sagt: dies ist daö Buch (Koran) es ist die Wahrheit, die Leitung von Gott, geht der andere aus der Welt, ohne auch nur einen geschriebenen Buchstaben hinterlasscn zu haben. Während die ersten Vertreter des Islam eine croberungslustige Kricgerschaar ist, sind die des Christenthums eine Gemeinde von Predigern, deren Ideal ein armer, wandernder, weltentsagendcr Lehrer ist. Einst als Jünger ihm folgend, zum Theil ihn verkennend, verleugnend, fühlen sie nach seinem Scheiden sich zu seinen Aposteln berufen, zu denen er spricht: „Gehet hinaus in alle Welt und lehret die Heiden" (Matth. 28, 19.) Das war eine Mission wie sic großartiger nicht gedacht werden kann; denn die Wahrheit vom einzigen, rein geistigen Gott die aus dem Iudenthum ins Christenthum übergegangcn war, ist dazu bestimmt alles Heidenthum zu überwinden. Da die Sendlinge so überaus bescheiden und dcmüthig auftratcn, da sie für ihre Person gar Nichts, für ihre Sache Nichts von dieser Welt, sondern nur den Glauben an eine jenseitige Welt begehrten, da sie lehrten, man müsse der Obrigkeit unterthan sein, und nur mit seinem Geiste einer unsichtbaren Gemeinschaft (Kirche) angehörcn, und da sie dieser Aufgabe Gut und Leben zu opfern stets bereit waren, so mußte ihre Mission gelingen. Dem abgelebten Hcidenthum in der römischen Welt erschien der „uubekannte Gott" als belebendes, erfrischendes Element und der scharfsinnige Pharisäer Saul verstand es unter dem neu angenommenen Namen Paulus nicht blos den Gottcsbegriff der Juden den Heiden faßlich zu machen, sondern auch die strengen Anfordcrungm des jüdischen Gesetzes, welches der Stifter des ChristenthumS nicht aufgehoben hatte und welche die ersten Christengemeinden noch für verbindlich hielten, als nunmehr überflüssige pädagogische Mittel abzustreifen und so den Heiden die volle Freiheit deö Lebens zu gestatten, wenn sie nur die Fessel des Glaubens an das neue Dogma übernahmen. Jetzt erst hatte der Strom der Mission seine volle Gewalt und ergoß sich überfluthend über die dürren, lechzenden Gefilde des heidnischen Roms, deffen erbärmliche Kaiser ihm Nichts weiter entgegenzusctzen hatten, als sinnlosen Spott und grausame Berfolgnng, Dämme die anstatt ihn aufzuhalten nur seine Kraft erhöhten. Die Miffion des ChristenthumS feierte dm glänzendsten Sieg, den die Geschichte der Menschheit aufzuweisen hat; aber es war ein Sieg, der ihm an seiner Wiege nicht vorgesungen war, eS hatte im Verlause der Begebenheiten nach 300 Jahren eine Gestalt angenommen, die seiner ursprünglichen Erscheinung nicht mehr ähnlich war und die nothwendig auch seine innere Triebkraft alteriren mußte. Die Hauptänderung seines innern Wesens bestand in seinem ganz veränderten Verhältnisse zum Staat. Es hatte diesen zuerst ganz unberührt neben sich bestehen lassen wollen, „dem Kaiser geben was des Kaisers, und Gotte was Gottes". Jetzt war es mit Konstantin selber auf den Kaiserthron gestiegen. Das war aber kein Sieg mehr, wie ihn eine Wahrheit zu feiern sich getrieben fühlt, die den Geist überzeugt, das war ein Sieg, der Blut vergießt, Kerker baut, Marterwerkzeuge anwcndet. Zwar soweit war die Kirche noch lange nicht, daß sie über den Staat sich stellen konnte, aber ihr ganzes Bestreben gieng dahin sich neben demselben zu behaupten, von einer Unterordnung war längst keine Rede mehr. In dieser Stellung führte ihr die Völkerwanderung stets neue, frische Kräfte zu. Die Barbaren des Nordens und Ostens konnten den morschen Bau des weströmischen Reiches mit ihren wuchtigen Stößen zerttümmern, aber vor der geistigen Macht der Kirche blieb ihre rohe Naturkraft macht- und rathlos stehen, vor ihr beugten die wilden Recken nach und nach das Haupt. Aber sie empfiengen nicht blos von der Kirche, sie gaben ihr auch, gaben ihrer Mission eine ganz andere Natur. — Oder war es vielleicht dieselbe Kraft, welche die Leute nach Anhörung der Bergpredigt und welche die Sachsen unter Karl den Gr. zum Glauben bewegte?— Waren die geistlichen Fürsten, deren Reichthümcr und Ländcrbcsitz unermeßlich waren, noch die Vertreter des Auftrages „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst sollt ihr es geben?" — (Fortsetzung folgt.) Gegenprotrft. In meinem, wie Hr. Kreisrabbiner Haller sagt, höchst feierlichen Prioritäts-Anspruch habe ich erwähnten Herrn durchaus nicht des Plagiats beschuldigen wollen, er aber besinnt sich gar nicht lange in seinem Proteste in Nr. 2 d. Bl. mich des Gelüstes nach fremdem Gute oder wenigstens des Mangels an Verständnisse zu beschuldigen; er behauptet nämlich, nicht begreifen zu können, mit welchem Rechte ich seine Erklärung der Chanukah-Sage schon in meinem Chanukaliede ausgesprochen glaube, da doch von Allem, was er gesagt, keine Spur vorhanden sei; er behauptet dieß in einem sehr langen Aufsatze; ich glaube aber er hätte sich die Mühe ersparen und doch die verehrten Leser ganz gut von der Wahrheit seiner Behauptung überzeugen können : er hätte ja einfach mein. Lied abdrucken und die verehrten Leser d. Bl. zu Richtern zwischen uns ernennen sollen. Herr Kreisrabbiner hat dieß wohlweislich zu thun unterlassen; so muß ich eS thun, ich will durch einige Strofen meines Liedes den Lesern d. Bl. das Urtheil zwischen uns ermöglichen. Nachdem in den ersten 3 Strofen die Tyrannei des Antiochus gegen die Juden und ihre Lehre dargestellt ist, beginnt die 4. Sttofe: „Daß hinfort die Glaubensflamm, — nimmer sich entzünde — will er, daß von meinem Stamm — selbst der Name schwinde, — Jude heißen bringt Beschwer — Grieche aber Glück und Ehr: — so erlischt, — unerfrischt — bald das Licht der heiligen Lehr'. Nur ein einzig Krügelein — voll von reinem Oehle — nährte noch ein F l ä m mch e n Klein — tief in dunkler Höhle. — Kaum erhellt'S noch ringS die Nacht, — sieh da Gottes Wundermacht: — immer mehr — strahlt's umher — leuchtet weit in Heller Pracht! Matatjah ein Priester schlicht, — ist'S mit muthiger Seele, — der noch nährt das Glaubenslicht — stets mit reinem 5*

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