Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 4 (15.2.1866)
- Date
- 1866-02-15
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 f) eine bei der Größe ihres Geistes ihre schlichte Frömmigkeit, ihre Gottesergebung wie auch ihre über alles gehende Philantropie bewundern, diese stets als Vorbilder echter Israeliten vor Angen habe. Das Bekanntwerden mit unsern eigenen großen Männern, wird ein kräftiger Hebel sein zur treuen und festen Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben, zur Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins. Die alte Liebe zu unserer heiligen Gotteslehre wird mit der Bewunderung ihrer Träger wieder neu angesacht werden und zu einer unverlöschbaren Flamme auflodern. Diesen Zweck wird wohl auch Ihr rühmlichst bekannter Mitarbeiter beabsichtigt haben, als er die Biographie des weltberühmten R. Zebi Aschkeuasi der Oeffentlichkeit übergab und in so weit sind wir ihm auch zum Danke verpflichtet. Rur scheint es mir aber, daß ein solcher Zweck, keinesfalls eine größere Genauigkeit und Richtigkeit in der Biographie selbst ausschließt, und daß die zu erzielende Wirkung durch die Wahrheit in keiner Weise gefährdet wird. Ich war daher ganz erstaunt, daß der geehrte Mitarbeiter ganz unerwähnt ließ, R. Zebi sei auch eine lange Zeit in Ofen Rabbiner gewesen, ferner, daß er hierauf in Serajevo in gleicher Stellung wirkte, dann in Altona; denn vom letzterem Orte aus kam er erst nach Amsterdam und von da zuletzt nach Lemberg. Was werden wohl jene Gemeinden, in welche dies geschätzte Blatt genugsam Eingang findet, sagen, wenn sie eine Biographie R. Zebi Aschkenasi's lesen, ohne zu sehen, daß auch ihrer irgendwie in derselben Erwähnung geschehen wäre? deren Stolz es aber heute noch ist, einen solchen Leuchtstern Israels in ihrer Mitte gehabt zu haben; denn wenn es auch wahr ist tempora lnutantur et nos mutamur in illis, so weiß es doch Jedermann, daß selbst der Hyperreformer in nüchternen Augenblicken mit einem gewissen Stolze es ausspricht in unserer Gemeinde war einst der und jener Gaon Rabbiner. In der That verlebte auch R. Zebi in den drei erst benannten Gemeinden die größere Hälfte seines Lebens. Erlauben Sie mir daher geehrter Herr Redakteur! der vom Herrn Rabbiner Or. Friedländer entworfenen Biographie der größern Genauigkeit und der Wahrheit halber noch etwas hinzuzufügen, und der Verfasser, welchem mehr die Darstellung der Rabbinatsbesetzuugen in frühern Zeiten als die einzelnen chronologischen Momente, vor Augen schwebte, wird es gewiß auch nicht übel aufnehmen, wenn ich das von ihm begonnene Werk auch von dieser Seite eompletiren werde. Zuerst entfaltete R. Zebi seine geistige Wirksamkeit in Ofen, und zwar wie aus seinen Respousen hervorgeht schon im Jahre 5430 ungefähr 1674 nach gewöhnlicher Zeitrechnung. Diese Stadt muß er besonders lieb gewonnen nnd später wie seine Heimath betrachtet haben, da er in der Folge seiner Unterschrift, auch nachdem er schon längst von dort fortgezogen war, gewöhnlich noch immer das „aus Ofen" und nicht seine Geburtsstadt Wilna hinzusügte. Als aber Ofen im Jahre 1686 im türkischen Kriege belagert und großen Theils zerstört wurde, bei welcher Gelegenheit auch unser R. Zebi um alle seine Habseligkeiten und noch mehr um seine Bibliothek kam, wie er es in der Vorrede zu seinen Responsen selbst erzählt, kehrte er von der früher nach der Türkei unternommenen Reise nicht wieder dahin zurück. Er blieb im Serajevo in Bosnien und ward von der dortigen Gemeinde als Rabbiner angestellt. Wie lange er daselbst wirkte, läßt sich nicht mit Bestimmtheit feststelleu, so viel aber ist gewiß, daß es nicht mehr als 3 oder 4 Jahre waren. Von Serajevo reiste er nach Altona um die Tochter des dortigen Rabbiners Salomon Mirels zu heirathen (wahrscheinlich schon seine zweite Ehe), welcher unsern Aschkenasi zu Folge des Rufes seiner immensen Gelehrsamkeit, aus weiter Ferne zu seinem Schwiegersöhne auserkoren hatte. Der Altonaer Rabbiner nun alle seine Erwartungen übertroffen sehend, wollte seinen Schwiegersohn nicht mehr von sich lassen, und übergab ihm das bis jetzt selbst geleitete Beth Hamidrasch. Kaum war dies geschehen, als schon aus allen Enden Gelehrte und wißbegierige Jünglinge herbeiströmten, um nur des Unterrichts dieses hochgeehrten Rabbi's theilhaftig zu werden um ihren lechzenden Geist am frisch sprudelnden Quell zu laben, und so waren auch die später am talmudischen Horizonte hellleuchtenden Sterne fast durchwegs seine Schüler. Rach dem Ableben seines Schwiegervaters nahm er auch dessen Stelle als Rabbiner ein. Der damalige Frankfurter Rabbiner R. Nephtali Katz schreibt in einem Briefe an ihn (Resp. 77) ausdrücklich den Titel JTD&n p"pn Rabbiner zu Hamburg, welche Stadt mit Altona einen gemeinschaftlichen Rabbiner hatte. Der größere Theil der Responsen ist auch von hier aus datirt. Er hielt sich demnach nicht nur eine kurze Zeit als Privatmann in Altona auf wie der geehrte Mitarbeiter vermeinte. Viele glaubten auch zu seiner Zeit Jonathan Eibenschütz von Jakob Emden nur deßhalb angeseindet, weil es letztern verdrossen haben soll, daß die Altona- Hamburger- Gemeinde es vorgezogen habe, ersterem ihren Rabbinatssitz in Wege der Berufung einznräumen, als ihm dem natürlichen Rechte nach, die Stelle seines Vaters einnehmen zu lassen. Von Altona folgte R. Zebi einem an ihn ergangenen Rufe nach Amsterdam, wo er auch sein Werk Schalet-Wetschubot, Chacham Zebi aus allseitiges Verlangen im Jahre 1702 edirte. Wahrscheinlich wird auch dies das Hauptmotiv gewesen sein, welches ihn bewog die Berufung von Amsterdam anzunehmeu, da wie bekanntlich diese Stadt um jene Zeit am besten für die Edirung eines Werkes in hedraicis geeignet war. Aber nicht Amsterdam sollte dieses ruhmgekrönte und allenthalben hochverehrte Haupt für immer in seinem Schooße aufbewahren. Durch die schnelle Verbreitung seines Werkes wurde R. Zebi von der ganzen damaligen jüdischen Gelehrtenwelt ob seines tiefen Blickes bis in die dunkelsten Schichten des Talmuds, seines unvergleichlichen Scharfsinnes halber, und wegen seines fast unbegrenzten Wissens ehrfürchtig bewundert und als Meister ihrer Aller anerkannt. Die Folgen einer solchen allgemeinen Verehrung ließen auch nicht lange auf sich warten. Kurze Zeit nach Erscheinen seines Werkes, wurde er auf den damals in hohen Ansehen gestandenen Rabbinatssitz in Lemberg berufen, welchen er auch später einnahm. Leider aber war die Zeit seines segenreichen Wirken? daselbst nur von kurzer Dauer; denn schon nach wenigen Jahren seines Dortseins, aber nach einem thatenreichen Leben, voll des Strebens und Eifers für Glauben und Lehre, zu deren Verherrlichung er soviel beigetragen hatte, verschied er in Gott soä mors nihil nisi corporis jus habet, sein Geist lebt in seinem hinterlasseuen Werke fort. M. Stark. Corresponderyen. Galacz. Der Tod des Dr. Ellbogen, Ritter des Franz- Josef Ordens hat hier allgemeine schmerzliche Thellnahme erregt. Alle Bürger beweinten in ihm nicht bloß den tüchtigen gewissenhaften Arzt sondern auch den Freund, denn der Verstorbene ward von allen Bewohnern dieser Stadt ohne Unterschied des Standes und des Glaubens geliebt und hochgeachtet. Bei der betrübenden Rachricht von seinem Tode füllte sich die Strasse, in der er wohnte mit einer großen Volksmenge, jeder wollte den Verblichenen noch einmal sehen. Vei seinem Leichenbegängnisse waren mindestens 6000 Personen anwesend, und alle Equipagen, die in Galatz zu finden sind, folgten dem Leichenzuge. Alle Israeliten hatten an diesem Tage ihre Ge schäfte geschlossen, und auch die