Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 4 (15.2.1866)
- Date
- 1866-02-15
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 - meisten Stellen des Korans, die sich hierüber aussprechen zweifelhaft erscheinen. Nach einer Hauptstelle, Sure V. huldigt er einer ziemlich weit gehenden Toleranz. Nachdem er viel über Thorah und Evangelium, MoseS und Jesus gesprochen, sagt er: „Einem jeden Volke gaben wir eine Religion und einen offmen Weg *) Wenn es nun Gott gewollt hätte, so hätte er aus euch allen nur eine Nation gemacht; so aber will er euch prüfen in dem, waS euch geworden ist**); wetteifert daher in guten Werken; denn zu Gott werdet ihr alle zurückkehren, und dann wird er euch aufklären über das, worüber ihr uneinig seid." Jndeß so sehr Mohamed auch persönlich geneigt war die beiden andern monotheistischen Religionen als solche anzuerkennen, ihre Stifter für göttlich Gesandten zu erklären, ihre Bekenntnißschriften für göttliche inspirirte zu halten, so mußte er es doch, je mehr er an sich glaubte und seine Gläubigen an sich zu fesseln suchen mußte, es für seine Mission ansehen, die Anhänger jener beiden Religionen zum Glauben an seine göttliche Sendung zu bewegen. Noch war es nicht Zeit Mittel der Gewalt hierzu anzuwenden, oder auch nur zu empfehlen; denn noch galt es vorerst in Arabien und den zunächst angrenzenden Ländern festen Fuß zu fassen und die Seinen zu warnen, daß sie von jenen, bei einem zufälligen Zusammentreffen, was besondermit den in Arabien zahlreich ansäßigen und in hoher Achtnng stehenden Juden der Fall sein mußte, sich nicht für ihre Religion gewinnen ließen. Denn da er in dem wichtigsten Punkte, dem Glauben an einen Gott mit ihnen harmonirte, so konnte das für die Nebenpunkte, besonders für sein Prophetenansehen leicht gefährlich werden. Zur Vermeidung dieser Gefahr bediente er sich der Verdächtigung, indem er fort und fort ' bei seinen Offenbarungen und Lehren wiederholt, daß dje Juden ihre Thorah, die Christen das Evangelium gefälscht, die Stellen, die über ihn gehandelt und seine Sendung verkündet, unterdrückt hätte«. Er führt dagegen Abraham, Moses u. a. Propheten in seinen Koran so redend ein als hätte ihnen Gott seine Person und seine Lehre voraus verkündet und als wären sic schon wahre Moslemen gewesen. Er läßt Jesus in einem Gespräche mit Gott gegen das Dogma der Trinität protestiren. Er führt die Fiction, als ob die Glaubenshelden und die Bekenntnißschriften der beiden andern monotheistischen Religionen schon den ganzen Islam gekannt und bekannt hätten so geschickt und so beharrlich durch, daß die, aus dem Sabäismus und andern Formen des Heidenthums gewonnenen Gläubigen in ihm den von der Weltschöpfung an erkornen Gottesgesandten erblicken, die Heiden für arglose, die Christen und Juden aber für böswillige Ungläubige halten mußten. — Soweit nun seine Mission als an das Heidenthum gerichtet erscheint, können wir sie, von seinem Standpunkte aus als eine wahre, weil der natürlichen Mission analoge billigend betrachten und es als Werk der Vorsehung ansehen, daß noch bei seinen Lebzeiten die zahlreichen Völkerschaften Vorderasiens und eines Theiles von Afrika für den Glauben an einen Gott, unter Beibehaltung von Lebensformen, die ihrer Geistesrichtung und Bildung am meisten zusagten, gewonnen wurden. Freilich müssen wir auch schon an diesem Theile der Mission die Anwendung von Gewaltmitteln, die Eroberung mit dem Schwerte als dem wahren Missionsbegriffe widersprechend tadeln. Aber noch schreiender und verwerflicher tritt diese Missionsform nach seinem Tode auf. Da trug nun das böse Saatkorn, die Verdächtigung der beiden andern monotheistischen Religionen, das Mohamed seinen wahren und bessern Lehren als Schutzmittel — jedoch init dem Bewußtsein von dessen Unechtheit — beigegeben patte, seine schrecklichen Früchte. Wollen Christen und Juden die Lehrm des Korans, obwohl sie ihnen von Gott geoffenbart waren, nicht annehmen, so — schlossen die Chalifen, die *) Daarabische Wort lautet blivlrLx-LebcnSweise. —) D. h. will sehen ob Jeder die angestammte Religion fest hält. Stellvertreter des Propheten — ist es Pflicht der Gläubigen die Ungläubigen dazu zu zwingen. Die Mission Muhameds ist auf die Spitze des Schwertes zu stecken und so allen Ungläubigen zuzuführen. Wir wissen wie sie in dieser furchtbaren Gestalt sich verheerend über das Abendland ergoß, sich 6 Jahrhunderte darin behauptete und noch heute den Schlüssel dazu — Konstantinopel — wenn auch nicht mehr bedrohlich doch mit gewaltiger Faust fest hält. — Aber die Mission Muhameds ist längst zu Ende, die religiöse Begeisterung ist dem Islam entschwunden. Dem Namen nach ist der Sultan zwar noch der Stellvertreter Mohamcds und hält in seiner Hand das Schwert des Islams, die Veziere und Paschas sind Diener dieses Schwertes und zugleich Ausleger des Wortes Imams, Ulema's, aber d. i. Nichts als Schein, kraftlos nach Außen. Die falsche Richtung, welche der Mission von Anfang an gegeben war, sie in das heidnische Prinzip der Vergewaltigung hineintreibend, mußte ihre Ohnmacht für daö göttliche der Geistesgewinnung endlich manifestiren. Nur in seinem Erstlingskeime, im Glauben an den Einzigen war der Islam rein und einer göttlichen Mission fcchig, in den nächsten Schritten seiner Entfaltung verunreinigte er sich, die religiöse Idee in ihm artete aus, im Glaubenszwang an seinen Propheten, im Fatalismus, in der Accomodation an manches Heidnische — Koaba, Kebla, in der Jndulgenz gegen daö Nationale — Polygamie, jus talionis. — Religionen, die den Glauben an den Einzigen schon hatten, konnten also nichts mehr von ihm empfangen, was besser gewesen wäre als das Ihre. (Fortsetzung folgt.) Bemerkungen zu dem Aufsatze des Hrn. Dr. Friedläuder „R. Zebi Aschkenasi" in Nr. 3 des Abendland. Geehrter Herr Redakteur! Es fteute mich, in voriger Nummer Ihres geschätzten Blattes die Biographie eines Talmudheros des vorigen Jahrhunderts zu finden. Jenes Jahrhundert, von den Juden der Neuzeit nur zu oft geschmäht und verpönt, in der Geschichte des Judenthums manchmal sogar das Jahrhundert der Verkommung genannt, war zwar reich an talmudischen Capacitäten, und keine Seltenheit war eine derartige Erscheinung, unser Talmudheros aber zeichnete sich sowohl durch außerordentliche Gelehrsamkeit, als auch durch seinen edlen und erhabenen Charakter, wie auch durch eine genaue und richtige Erkenntniß seiner Zeit, vor vielen seiner gelehrten Zeitgenossen aus. Diese umkreisten ihn, wie die Planeten die Sonne, von seinem Lichtstrahl empfing alles Licht und Wärme. Ein tieferer Blick in sein uns hinterlassenes Werk, kann von der Wahrheit des Gesagten leicht überzeugen. In unserer Jetztzeit nun, wo man gewöhnt ist, das, das Alter ehrwürdigmachende graue Haar unserer Religion, wie GiftauSwüchse zu betrachten, und mit demselben, ratione asperiore zu verfahren als es unsere christlichen Mitbürger mit einer durch die allerneueste Entdeckung auf dem Gebiethe der medicinischen Wissenschaft verdächtig gewordenen Fleischsorte thun, die sich doch wenigstens auf eine Untersuchung einlassen, während dem man bei uns, jenes graue Haar ehe man sich noch die Mühe genommen hat das angeblich vorhandene Gift zu constatireu, bevor man noch die geringste Ueberzeugung gewonnen, daß die grauen (Haare) wirklich die leibhaften Trichinen sind, in schneller Hast schonungslos und ohne Erbarmen von der Wurzel aus vernichtet, und bei welcher Exstirpation zuweilen auch die verunglimpfendsten Reden und beleidigendsten Worte, gegen die von unseru Eltern, fast wie heilig verehrten Männer gebraucht werden thut es besonders Roth, recht oft solche Herz und Geist erleuchtende Sterne in ihrem strahlendem Lichte und Glanze, vor unsere Augen zu-^Khren und ein Charakterbild der großen Männer unserer Nation zu entrollen; auf daß man noch