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Das Abendland · 1866-02-15 · 4 (15.2.1866) · p. Seite 28

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
4 (15.2.1866)
Date
1866-02-15
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 als Iudenthum zu existiren. Gott aber hat die Fortdauer der jüdischer Nation für alle Zeiten durch seine Propheten verheißen.") Versteht man unter dem Rationalismus auf theoto-, gischem Gebiete, das Streben die letzten Gründe der geoffcnbarten Lehren und Wahrheiten in den Bernunftideen nachzuweisen, so ist Saadia allerdings zu den Rationalisten zu zählen. Ein solcher Rationalismus aber ist so alt wie die Philosophie, wie das vernunftgemäße Denken überhaupt und steht dem positiven Glauben nicht feindlich gegenüber; vielmehr soll durch denselben die Würde der geoffenbarten Lehre bewahrt werden. Saadias Rationalismus ist vorzüglich gegen die klWresien gerichtet, wie ste zu seiner Zeit nicht nur bei den Bekennern anderer Religionen und den Karäern, sondern selbst unter seinen eigenen Glaubensgenossen zum Vorschein kamen. Die Wahrheit und Bedeutung der geoffenbarten Lehren soll und darf gar nicht in Frage gestellt werden. Saadia's Rationalismus ist aus dem Drange erwachsen, das historisch Gegebene den Bernunftideen gemäß zurecht zu stellen. Er anerkennt den Bestand des in dem Gefammtbewußtsein der jüdischen Nation Wurzelnden als vollgiltige Legitimation für die Wahrheit und Unverbrüchlichkeit desselben; aber er hält dafür und ist überzeugt, daß dasjenige, was als von Gott geoffenbart und besohlen allgemein anerkannt wird, auch mit den Ideen der Vernunft als der von Gott in uns gelegten Leuchte, dem Ausfluß der Urvernunft, in Harmonie stehen müsse, wenn wir Menschen auch nicht immer jene Harmonie nachzuweisen im Stande sind. Aber das Verlangen nach einem solchen Nachweis, nach einer Versöhnung des äußern objektiven Glaubens mit dem innern subjektiven darf der wahrhaft gläubige Israelit nicht aufgeben. Wenn mit dem Begriffe „Rationalismus heutzutage ein übler Nebenbegriff verbunden wird, so ist es nicht der Rationalismus des Saadia. Sein Versuch geht vielmehr dahin, den Supernaturalismus zu schützen und wissenschaftlich zu verfechten, und er kann nur insofern als Rationalismus^ bezeichnet werden, als darin eine Concession an die Vernunft — an die ratio liegt, mit deren Hilfe jener Schutz versucht werden soll. Er verlangt nur, daß dasjenige, was sich als von Gott geoffenbart ankündigt, als solches sich auch nach seiner innern Wahrheit zu rechtfertigen bestrebt sein soll. Die Vernunft soll aber nicht als Richterin über die Offenbarung gestellt werden. Will man solches Verfahren Rationalismus nennen, so ist Saadia allerdings Rationalist. Wollte man aber einen solchen Rationalismus auf dem Gebiete der Theologie ausschließen, so müßte man jeder Meinung, die sich für Offenbarung ausgibt, sofort Glauben schenken, weil der einzige Prüfstein, womit die Aechtheit jener Vorgaben geprüft werden kann — die Vernunft — im Voraus als untauglich abgewiesen wäre. Damit aber wäre dem Aberglauben mit der Schwärmerei Thür und Thor geöffnet. Von einer solchen Anschauung ausgehend ist es begreiflich, daß Saadia bei seiner Erklärung der heiligen Schrift sowohl, als auch bei der Deutung der im Talmud und Midrasch vorkommenden Aeußerungen und Sagen zunächst und vor allem an den natürlichen Wortsinn festhält; anderseits aber da, wo er dabei mit der Vernunft in Widerspruch käme, nicht selten zu einer Accomodationsexegese seine Zuflucht nimmt, die in manchen Ausdrücken, Bezeichnungen und Erzählungen nur eine Anbequemung an die Volksideen der damaligen Zeit erblickte. Vieles, wodurch man sich in Bibel und den Traditionsschristen bei einer getreuen Wortexegese beengt fühlen würde, sollte bloße Hülle für moralische Ideen, bloße Vehikel sein, mit deren Hilfe höhere Jeremia XXXI. 35—37. qöV 11«S POP |Hi M TO« HD iop nwair M vSi lew dm yii nS*S nxS omdidi rrv npn miD jni Di M d«j ‘aeSe nSxn D'pnn wie» o« npm nSyeSo dmp no*o« m io« na — Sa ii .S«iL" jrn San dxo« 'JK dj p« mdiö Wahrheiten zweckmäßig mitgetheilt werden sollten. Saadia hält an der Ansicht fest, daß in einer wahren Religion, daher im positiven Iudenthum, nichts vorkomme und nichts Vorkommen könne, was nicht für die Vernunft erreichtbar wäre, wenn es auch bis dahin nicht erreicht worden ist. Darum mußte die Exegese alle ihre Kräfte aufbieten. Nicht nur Grammatik und Lexicon, sondern auch Parallellen aus der Sitte des Morgenlandes wurden aufgeboten, um selbst das unglaublich Scheinende entweder als Zeitvorstellung oder als Symbol einer Wahrheit oder als einleitende Stuffe zur Entwicklung mit der Vernunft in Einklang zn bringen. Ob cs aber auch Saadia gelungen ist, das Iudenthum mit dem vernunftgemäßen Denken in Einklang zu bringen, ist freilich eine andere Frage. Doch schon das Streben den Inhalt der heiligen Schrift und der Tradition vernunftgemäß aufzufassen und der Philosophie eine solche Concession zu machen, ist höchst beachtenswerth und war für die folgende Zeit von großer Bedeutung. Eine Verdumpfung, wie sie später im Mittelalter in nicht jüdischen Kreisen hie und da drückte, die schlechthin aus blinden Glauben dringt und in dem Satz:„eredo quia absurdum« cnlminirt, konnte im Iudenthum nicht zur Geltung gelangen. Wie auch die unwissenschaftliche und starre Neuorthodoxie unsrer Zeit bona oder mala fide ihre Kräfte anstrengcn mag, um Finsterniß um sich her zu verbreiten, es wird ihr nimmer mehr gelingen das Licht der Vernunft im Iudenthum auszulöschen. Das ist der Sieg der Zeit, den der thatkräftige wahrhaftfromme Saadia vorbereitet und den hoffentlich die fortschreitende Intelligenz eines ehrlichen IudenthumS trotz Mu ckerthum und Verdächtigung in gedeihlicher Weise herbeiführen wird. Heber Mission. von Rabbiner Dr. A. Stein. (Fortsetzung.) Suchen wir durch Prüfung der Mittel und Wege, die bis jetzt zur Mission verwendet wurden, das Fehlerhafte darin zu entdecken und das Richtige festzustellen. Wir fangen dabei mit der jüngsten monotheistischen Religion, mit dem Islam an. Muhamed hat sich, in seiner Gcbnrtsstadt Mekka, mitten aus dem arabischen Heidenthume heraus zu der Erkenntnis; des einzigen Gottes emporgeschwungen. Ob er diese Erkenntniß aus den Quellen der beiden älter» monotheistischen Religionen, dem Christenthum und Iudenthum entnommen, kommt hier nicht in Betracht, genug er bekennt sich nicht dazu, sondern behauptet diese Erkenntniß von Gott selber zu haben, der sich ihm offenbart, ihn zu seinem Propheten erwählt. Er leugnet nicht, daß Gott sich fchon früher offenbart, er erkennt vielmehr alle im alten und neuen Testamente genannten Gottesmänner, und sogar noch einige daselbst nicht genannten als Propheten an, behauptet aber er sei der letzte, höchste Prophet, und er wolle der wahre sein; denn die Offenbarungen früherer Propheten seien nicht verstanden, nicht befolgt, ja absichtlich gefälscht worden. Muhamed glaubt an den eineu Gott und — wir können das, bei einer unparteiischen Bcurtheilung seines Lebens und des Korans nicht bezweifeln — an sich selbst. — Darum glaubte er auch an seine Mission, die er so glänzend durchführte, wie kein anderer großer Mann in der ganzen Weltgeschichte. Bei seinem Tode sind sämmtliche Stämme Arabiens Gläubige. Freilich wurde diese Mission mit dem Schwerte in der Hand und mit mancherlei betrügerischen Mitteln erreicht, aber es lag in der Zeit und den Verhältnissen, daß schlechte Mittel zu heiligem Zwecke geheiligt erschienen. Ob er selbst seine Mission bis zu der Ausdehnung erfaßte, daß sie über Christen und Juden sich erstrecken sollte, könnte nach den ") S. Grätz, Ges. der Juden u. n. b. S. 331.

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